Das Elend im Studierendenmilieu - revisited
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Grundlage für folgende Thesen war eine im Herbst 1996 ausgestrahlte radiophone Attacke auf die aktuellen Illusionen im studentisch-bewegten Milieu.
Grundlage für folgende Thesen war eine im Herbst 1996 ausgestrahlte radiophone Attacke auf die aktuellen Illusionen im studentisch-bewegten Milieu.
DAS ELEND IM STUDIERENDENMILIEU … - revisited
Grundlage für folgende Thesen war eine im Herbst 1996 ausgestrahlte radiophone Attacke auf die aktuellen Illusionen im studentisch-bewegten Milieu und ihre Protagonisten, die studentischen Nachwuchspolitiker, die versuchen, sich als Schrittmacher des Ausgrenzungs- und Standortdiskurses zu profilieren. Den Anlässen entsprechend modifiziert, tauchten die Thesen auf Plakaten bei Parties, als Flugblätter und in Radiosendungen auf.
Die nicht zu übersehenden Anleihen bei einer 1966 im Dunstkreis der Situationistischen Internationalen erschienen Broschüre sind jedoch nicht nur inhaltlich gemeint (Über das Elend im Studentenmilieu – betrachtet unter seinen ökonomischen, politischen, psychologischen, sexuellen und insbesondere intellektuellen Aspekten und über einige Mittel, ihm abzuhelfen).
Vielmehr entstanden die vorliegenden Thesen primär für den „Gebrauch“. Damit soll keinesfalls die fetischistische Diskussion einer Praxis-Theorie-Rangordnung wiederbelebt werden, sondern nur bescheiden darauf hingewiesen werden, daß das Lernen beschleunigende Entwicklungen nur in der Auseinandersetzung mit den Kräften des Alten, im direkten Handgemenge zu haben sind. Da es mittlerweile belanglos sein dürfte, wo damit angefangen wird, „den Dialog als Verweigerung des herrschenden Monologs der Ware“ aufzunehmen, ergeben sich in jedem Aspekt der alltäglichen Misere Möglichkeiten zur Intervention.
1. Im Universitätsbereich wird das durchgesetzt, was außerhalb von ihm schon längst Realität ist: lean production, Deregulierung, Selektion. Wer diese Tendenz nicht in ihrer Gesamtheit bekämpfen will, sollte auch von der Universität schweigen.
2. Auch die Anpassung an den herrschenden Diskurs wird nichts mehr retten. Weder der Hinweis auf die Bedeutung des Faktors Wissen für die vermeintliche Rettung des Standorts Deutschland noch die Anbiederung, wenigstens gefragt werden zu wollen, wenn die nächste Strukturanpassung an die Sachzwanglogik des Weltmarktes ansteht, ändern noch etwas an der Tatsache, daß die meisten StudentInnen (vom Standpunkt des Kapitals aus) überflüssig sind.
3. Trotzdem spielen alle weiter so als wäre nichts gewesen: Die Sachwalter der ökonomischen Zwänge versichern, daß ihre Welt nach der nächsten Verschlechterung garantiert wieder heil wird. Sie sprechen von bösen Leistungsunwilligen und LangzeitstudentInnnen, die den guten Leistungswilligen das Überleben schwer machen. Die StudentInnen tun so, als könnten sie ES schaffen, wenn sie nur wirklich wollten. Folglich treiben sie ihre Zurichtung als betriebswirtschaftliche Kostenfaktoren voran. Niemand wird sie ungestraft auf die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen stossen.
4. Dieses Verdrängte ihrer Lage auszusprechen, birgt die Gefahr, daß die, die sich ihrer blinden Flecken bewußt werden, nicht mehr richtig ,funktionieren’ können. Um dies auch nicht mehr wollen zu können, ist notwendigerweise Einsicht zu gewinnen in die Hoffnungslosigkeit nicht nur der eigenen vereinzelten Situation, sondern auch Erkennen der gesellschaftlichen Totalität, an der die Menschen verzweifeln. Eine solcherart erreichte Enttäuschung wird sich als gute Waffe gegen den modischen Zynismus erweisen. Wenn die Verdrängung weiter wirkt, weil sie nicht benannt wird – als gäbe es sie nicht!, dann bedeutet eine andere Haltung zum Universitätsbetrieb auszusprechen, jedesmal die Heilige Allianz der Gläubigen zu vereinigen im Haß auf jene, die lieber noch etwas Wissen aufklauben wollen, als sofort beim Arbeitsamt vorstellig zu werden und die dies auch sagen.
5. Die Aneignung von Wissen als Ware zum Zweck der Aufwertung der eigenen Ware Arbeitskraft offenbart nicht nur die Jämmerlichkeit des Universitätsbetriebes, sondern sagt auch schon die ganze Wahrheit über eine Gesellschaft, in der die Menschen nicht nur als Ware fungieren und einander so behandeln, sondern sich selbst nur noch als eine solche wahrnehmen können. Damit ist bereits alles gesagt über eine vermeintlich nützliche Anwendung des verstümmelten Wissens in der totalitären Gesellschaft der Ware.
6. Die Bewegung des Kapitals zielt darauf ab, sich die lebendige Arbeit mit Haut und Haaren einzuverleiben. Dies scheint auf als kreative und ganzheitliche Herausforderung, zunächst einmal die abgetrennten Fähigkeiten und den unterfordernden stupiden Arbeitsprozeß zu etwas Neuem zu vereinen. Tatsächlich wird damit jedes Bedürfnis, jede Kritik und jede aus ihr erwachsende Geste zum Bestandteil der Verwertung oder Teil der Reservearmee. Der Mensch ohne Eigenschaften, wie er sich im Prozeß der Proletarisierung herstellt, sucht auf dem Markt der Bilder nach dem Besonderen, welches der rasenden Verwertung und der damit einhergehenden Entwertung „kulturellen Kapitals“ endlich einmal standhalten könnte. Die Enteignung des eigenen Lebens perfektioniert sich in der prinzipiellen Bejahung des Erscheinenden und in der Anpassung aller Individualität an den Monolog der in der Bilderwelt vorherrschenden Mode. Nonkonformismus wird zu nichts anderem als zur Standortsicherung der eigenen Ware Arbeitskraft angestrebt..
7. Im Kotau der eigenen Lebensplanung vor den scheinbar ewigen Gesetzen des Marktes offenbaren die StudentInnen nur die Misere aller, die sich feilbieten müssen, um an bezahlte Arbeit heranzukommen. Nur, daß die StudentInnen hierbei in der Produktion der Ideologien für das Bestehende ihr Geld verdienen wollen. Sie glauben an die wertfreie reine Wissenschaft unabhängig von ihrer Anwendung und wollen Anderen weismachen, daß „der Mensch nun mal so ist“, wenn diese unter die Räder kommen. Die Erbärmlichkeit der StudentInnen liegt darin, daß sie sich nicht entblöden, auch noch an das zu glauben, was sie da machen.
8. Mit ihrer Forderung, beim status quo zu verbleiben, wenden sich die StudentInnen gegen alle, die nicht nur als „überflüssige Menschen“ ausgemacht sind, sondern in der globalen Krise der Marktwirtschaft auch schon so behandelt werden: Jene, die – ob sie wollen oder nicht– nie wieder integriert werden. Wer den Kelch nur an sich vorübergehen lassen will, anstatt ihn aus der Hand zu schlagen, akzeptiert die barbarischen Szenarien, wie sie sich weltweit abspielen – solange nur der eigene kümmerliche Status noch ein wenig verlängert wird. Wenn die studentischen Traveller mit ihrem deutschen Reisepaß jede Grenze passieren dürfen, übersehen sie gerne jene Leichen, die jede Nacht an den Strand der Oder gespült werden.
9. Das Problem der Revolution stellt sich der Menschheit historisch. Mit der immer grandioseren Akkumulation materieller und technischer Mittel hält nur noch die immer tiefere Unzufriedenheit aller schritt. Die Verteidiger des Bestehenden werden niemals die Gebrauchsanweisung für diese Überentwicklung besitzen, die die Basis der künftigen Poesie sein wird, da sie an der Aufrechterhaltung einer alten Ordnung arbeiten. Sie kennen höchstens das Geheimnis ihres polizeilichen Gebrauchs. Sie tun nichts als den abstrakten toten Reichtum von den potentiellen Nutznießern auf immer höherer Stufenleiter zu trennen. Wer sonst könnte diesen Wahnsinn beenden, als jene, die keinen Gebrauch ihres Lebens, ihres Raumes und ihrer Zeit haben und die das wissen. „Die geschichtliche Chance besteht darin, der einzig konsequente Erbe des wertlosen Reichtums der bürgerlichen Gesellschaft zu sein, den es umzuwandeln und in Richtung auf den totalen Menschen aufzuheben gilt.“
TEXT unter:
www.realkaroshi.org/k2/elend.html
unter www.wurfsache.de , dann „golden moments“ anklicken
Grundlage für folgende Thesen war eine im Herbst 1996 ausgestrahlte radiophone Attacke auf die aktuellen Illusionen im studentisch-bewegten Milieu und ihre Protagonisten, die studentischen Nachwuchspolitiker, die versuchen, sich als Schrittmacher des Ausgrenzungs- und Standortdiskurses zu profilieren. Den Anlässen entsprechend modifiziert, tauchten die Thesen auf Plakaten bei Parties, als Flugblätter und in Radiosendungen auf.
Die nicht zu übersehenden Anleihen bei einer 1966 im Dunstkreis der Situationistischen Internationalen erschienen Broschüre sind jedoch nicht nur inhaltlich gemeint (Über das Elend im Studentenmilieu – betrachtet unter seinen ökonomischen, politischen, psychologischen, sexuellen und insbesondere intellektuellen Aspekten und über einige Mittel, ihm abzuhelfen).
Vielmehr entstanden die vorliegenden Thesen primär für den „Gebrauch“. Damit soll keinesfalls die fetischistische Diskussion einer Praxis-Theorie-Rangordnung wiederbelebt werden, sondern nur bescheiden darauf hingewiesen werden, daß das Lernen beschleunigende Entwicklungen nur in der Auseinandersetzung mit den Kräften des Alten, im direkten Handgemenge zu haben sind. Da es mittlerweile belanglos sein dürfte, wo damit angefangen wird, „den Dialog als Verweigerung des herrschenden Monologs der Ware“ aufzunehmen, ergeben sich in jedem Aspekt der alltäglichen Misere Möglichkeiten zur Intervention.
1. Im Universitätsbereich wird das durchgesetzt, was außerhalb von ihm schon längst Realität ist: lean production, Deregulierung, Selektion. Wer diese Tendenz nicht in ihrer Gesamtheit bekämpfen will, sollte auch von der Universität schweigen.
2. Auch die Anpassung an den herrschenden Diskurs wird nichts mehr retten. Weder der Hinweis auf die Bedeutung des Faktors Wissen für die vermeintliche Rettung des Standorts Deutschland noch die Anbiederung, wenigstens gefragt werden zu wollen, wenn die nächste Strukturanpassung an die Sachzwanglogik des Weltmarktes ansteht, ändern noch etwas an der Tatsache, daß die meisten StudentInnen (vom Standpunkt des Kapitals aus) überflüssig sind.
3. Trotzdem spielen alle weiter so als wäre nichts gewesen: Die Sachwalter der ökonomischen Zwänge versichern, daß ihre Welt nach der nächsten Verschlechterung garantiert wieder heil wird. Sie sprechen von bösen Leistungsunwilligen und LangzeitstudentInnnen, die den guten Leistungswilligen das Überleben schwer machen. Die StudentInnen tun so, als könnten sie ES schaffen, wenn sie nur wirklich wollten. Folglich treiben sie ihre Zurichtung als betriebswirtschaftliche Kostenfaktoren voran. Niemand wird sie ungestraft auf die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen stossen.
4. Dieses Verdrängte ihrer Lage auszusprechen, birgt die Gefahr, daß die, die sich ihrer blinden Flecken bewußt werden, nicht mehr richtig ,funktionieren’ können. Um dies auch nicht mehr wollen zu können, ist notwendigerweise Einsicht zu gewinnen in die Hoffnungslosigkeit nicht nur der eigenen vereinzelten Situation, sondern auch Erkennen der gesellschaftlichen Totalität, an der die Menschen verzweifeln. Eine solcherart erreichte Enttäuschung wird sich als gute Waffe gegen den modischen Zynismus erweisen. Wenn die Verdrängung weiter wirkt, weil sie nicht benannt wird – als gäbe es sie nicht!, dann bedeutet eine andere Haltung zum Universitätsbetrieb auszusprechen, jedesmal die Heilige Allianz der Gläubigen zu vereinigen im Haß auf jene, die lieber noch etwas Wissen aufklauben wollen, als sofort beim Arbeitsamt vorstellig zu werden und die dies auch sagen.
5. Die Aneignung von Wissen als Ware zum Zweck der Aufwertung der eigenen Ware Arbeitskraft offenbart nicht nur die Jämmerlichkeit des Universitätsbetriebes, sondern sagt auch schon die ganze Wahrheit über eine Gesellschaft, in der die Menschen nicht nur als Ware fungieren und einander so behandeln, sondern sich selbst nur noch als eine solche wahrnehmen können. Damit ist bereits alles gesagt über eine vermeintlich nützliche Anwendung des verstümmelten Wissens in der totalitären Gesellschaft der Ware.
6. Die Bewegung des Kapitals zielt darauf ab, sich die lebendige Arbeit mit Haut und Haaren einzuverleiben. Dies scheint auf als kreative und ganzheitliche Herausforderung, zunächst einmal die abgetrennten Fähigkeiten und den unterfordernden stupiden Arbeitsprozeß zu etwas Neuem zu vereinen. Tatsächlich wird damit jedes Bedürfnis, jede Kritik und jede aus ihr erwachsende Geste zum Bestandteil der Verwertung oder Teil der Reservearmee. Der Mensch ohne Eigenschaften, wie er sich im Prozeß der Proletarisierung herstellt, sucht auf dem Markt der Bilder nach dem Besonderen, welches der rasenden Verwertung und der damit einhergehenden Entwertung „kulturellen Kapitals“ endlich einmal standhalten könnte. Die Enteignung des eigenen Lebens perfektioniert sich in der prinzipiellen Bejahung des Erscheinenden und in der Anpassung aller Individualität an den Monolog der in der Bilderwelt vorherrschenden Mode. Nonkonformismus wird zu nichts anderem als zur Standortsicherung der eigenen Ware Arbeitskraft angestrebt..
7. Im Kotau der eigenen Lebensplanung vor den scheinbar ewigen Gesetzen des Marktes offenbaren die StudentInnen nur die Misere aller, die sich feilbieten müssen, um an bezahlte Arbeit heranzukommen. Nur, daß die StudentInnen hierbei in der Produktion der Ideologien für das Bestehende ihr Geld verdienen wollen. Sie glauben an die wertfreie reine Wissenschaft unabhängig von ihrer Anwendung und wollen Anderen weismachen, daß „der Mensch nun mal so ist“, wenn diese unter die Räder kommen. Die Erbärmlichkeit der StudentInnen liegt darin, daß sie sich nicht entblöden, auch noch an das zu glauben, was sie da machen.
8. Mit ihrer Forderung, beim status quo zu verbleiben, wenden sich die StudentInnen gegen alle, die nicht nur als „überflüssige Menschen“ ausgemacht sind, sondern in der globalen Krise der Marktwirtschaft auch schon so behandelt werden: Jene, die – ob sie wollen oder nicht– nie wieder integriert werden. Wer den Kelch nur an sich vorübergehen lassen will, anstatt ihn aus der Hand zu schlagen, akzeptiert die barbarischen Szenarien, wie sie sich weltweit abspielen – solange nur der eigene kümmerliche Status noch ein wenig verlängert wird. Wenn die studentischen Traveller mit ihrem deutschen Reisepaß jede Grenze passieren dürfen, übersehen sie gerne jene Leichen, die jede Nacht an den Strand der Oder gespült werden.
9. Das Problem der Revolution stellt sich der Menschheit historisch. Mit der immer grandioseren Akkumulation materieller und technischer Mittel hält nur noch die immer tiefere Unzufriedenheit aller schritt. Die Verteidiger des Bestehenden werden niemals die Gebrauchsanweisung für diese Überentwicklung besitzen, die die Basis der künftigen Poesie sein wird, da sie an der Aufrechterhaltung einer alten Ordnung arbeiten. Sie kennen höchstens das Geheimnis ihres polizeilichen Gebrauchs. Sie tun nichts als den abstrakten toten Reichtum von den potentiellen Nutznießern auf immer höherer Stufenleiter zu trennen. Wer sonst könnte diesen Wahnsinn beenden, als jene, die keinen Gebrauch ihres Lebens, ihres Raumes und ihrer Zeit haben und die das wissen. „Die geschichtliche Chance besteht darin, der einzig konsequente Erbe des wertlosen Reichtums der bürgerlichen Gesellschaft zu sein, den es umzuwandeln und in Richtung auf den totalen Menschen aufzuheben gilt.“
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Ergänzungen