Ergebnisse des Koordinierungstreffens der französischen Studierenden

traduction 01.12.2003 18:25 Themen: Bildung Weltweit
Nachstehend werden die Beschlüsse des Koordinierungstreffens der streikenden und protestierenden französischen Studierenden vom 30.11. dokumentiert.
Plattform des Koordinierungstreffens in Rennes
Sonntag, 30. November 2003

Nach langen, aber inhaltsreichen Debatten wurde eine Plattform der gemeinsamen und landesweiten Forderungen verabschiedet, Ergebnis der Diskussion unter den 195 Delegierten und Beobachtern, die die verschiedenen französischen Universitäten vertraten.

Von diesem Treffen an gewinnt die Mobilisierung an den verschiedenen Hochschulen eine koordinierte, landesweite Dimension.

Ein Aufruf zu einem landesweiten, dezentralen Mobilisierungstag für Mittwoch, den 3. Dezember, wurde verabschiedet und wird den VVs zur Annahme vorgelegt werden.

Plattform der landesweiten Forderungen, die den verschiedenen VVs der Universitäten vorgelegt werden wird.

Von Beginn der studentischen Mobilisierung an haben wir am Prinzip einer kostenlosen, laizistischen, demokratischen, für alle ohne Aufnahmeprüfung oder Berücksichtigung der Nationalität offenen Bildung mit dem Ziel der persönlichen und kollektiven Entfaltung festgehalten. Wie sieht es für der Zukunft dieser Prinzipien angesichts der gegenwärtigen Situationn und der ministeriellen Gesetzesvorhaben aus?

1. Über die LMD[Licence-Master-Doctorat]-Reform

Wir fordern die Rücknahme der LMD/ECTS-Dekrete, die unter dem Deckmantel der Harmonisierung (der Studienabschlüsse) den Weg dafür öffnen, daß unsere Rechte infrage gestellt werden durch das Ende des landesweiten Charakters der Abschlüsse, dadurch, daß die Universitäten, Abteilungen und Studierenden in Konkurrenz zueinander gesetzt werden, durch die Einführung der Autonomie der Bildungseinrichtungen, durch die Möglichkeiten der Selektion und Infragestellung der Prüfungsordnungen (Kompensation/Nachholsitzung im September) und durch die Anpassung der Bildungsabschlüsse an die kurzfristigen Bedürfnisse der örtlichen Arbeitsmärkte.

Dieser Logik setzen wir eine wirkliche europäische Harmonisierung entgegen, die besteht in:

- eine einfache Kennzeichnung, die Äquivalenzen aus europäischer Ebene ermöglicht

- die Beibehaltung der pädagogischen Errungenschaften von 1997 (Inhaltliches und Prüfungsordnungen)

- das Ende der Selektion

- eine Erhöhung der Anzahl und der Höhe der europäischen Mobilitätsstipendien

Dies impliziert die Annullierung der Bestimmungen über die Einführung des LMD-Systems an den Universitäten.

Was die Praktika in Unternehmen betrifft, so müssen sie auf Veranlssung des Lehrpersonals stattfinden, wirkliche Qualifikationen ermöglichen und bezahlt sein und dürfen die Schaffung oder Fortsetzung nicht-prekärer Arbeitsverhältnisse nicht behindern.

2. Über die finanziellen Aspekte

100000 Studierende leben unterhalb der Armutsgrenze. Wir lehnen die gegenwärtige Lage ab, die 48% der Studierenden dazu zwingt, zur Finanzierung ihres Studiums zu arbeiten.

Wir prangern die Aufhebung des Arbeitsvertrages der MISE [in den Schulen als Hilfskräfte beschäftigte Studierende] durch die gegenwärtige Regierung an.

Mir fordern die Schaffung eines Sozialsstatuts des Studierenden.

Außerdem fordern wir, daß die Bildung eine Priorität wird, was über ein Haushaltsgesetz umgesetzt werden muß; nur das erlaubt eine Demokratisierung des Wissens.

Ebenso fordern wir einen Plan zur Versorgung mit Wohnheimplätzen für Studierende und bessere Aufnahmebedingungen für behinderte Studierende.

Im übrigen bleiben wir wachsam gegenüber allen Anwandlungen einer Dezentralisierung der Sozialhilfe. Wir fordern außerdem den massiven Bau von Studentenwohnstädten.

Im übrigen lehnen wir die Logik des Belloch-Berichtes über den Arbeitsvertrag der Lehrenden/Forscher ab.

3. Über die Lage der ausländischen Studierenden

Wir fordern gleiches Recht für Franzosen und Ausländer. Ein Studentenausweis muß das Recht auf eine Aufenthaltserlaubnis gewähren.

4. Über das Gesetzesvorhaben zur "Autonomie"

Unsere Mobilisierung hat die Regireung zu einem Rückzug beim Gesetz über die Autonomie gezwungen. Wir müssen jedoch wachsam hinsichtlich einer möglichen Neuauflage dieser Reform unter anderem Namen bleiben. Diese Frage ist weder verbesserungsfähig noch verhandelbar, den wir wissen, daß das Gesetzesvorhaben zur "Autonomie" und die LMD-Dekrete die zwei Seiten derselben Reform sind, die die gleiche Behandlung aller Studierenden abschaffen soll.

Wir rufen deshalb die Studierenden und die Hochschulgemeinschaft auf, sich zu mobilisieren, sich zu organisieren und in den Streik zu treten (jede VV sollte sich das Zeil setzen, wenn die Bedingungen dafür geschaffen sind, die Blockade der Universitäten durch die Studierenden zu ermöglichen).

Wir rufen die französischen und europäischen Studierenden dazu auf, sich der von den Studierenden begonnenen Streikbewegung anzuschließen und sich zu mobilisieren. Und wir sind solidarisch mit allen mobilisierten gesellschaftlichen Gruppen und den prekären Arbeitern, denn wir denken, daß diese Reformen die gesamte Gesellschaft bedrohen.

Quelle:
 http://www.facsenlutte.org/article.php3?id_article=15
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Ergänzungen