demo in neuss

antira 29.11.2003 20:07 Themen: Antirassismus
Heute demonstrierten mindestens dreihundert Menschen gegen den Frauenabschiebeknast in Neuss. Zur Demonstration hatten die JungdemokratInnen / Junge Linke NRW aufgerufen.
Weit über 300 Menschen haben in Neuss gegen den rassistischen und sexistischen Normalzustand. In Neuss befindet sich seit 1993 der bundesweit einzige Frauen-Abschiebeknast. Eingeführt unter einer SPD-Landesregierung, die 'in Sachen Abschiebung und Abschiebeknäste' auch als Vorbild für die anderen Bundesländer diente.
Der Knast befindet sich mitten in der Stadt Neuss, wenig auffällig und spektakulär. In dem Knast sind momentan zwischen 60 - 80 Frauen eingesperrt, darunter immer wieder schwangere und minderjährige. Die Frauen sind in der Regel in willkürlich in Zweier- und Sechserzellen eingesperrt, die medizinische Versorgung ist unzulänglich.nd demonstriert. Etwa um 14.30 Uhr begann die Auftaktkundgebung vor dem Bahnhof. Anfangs schien die Demo noch eher klein, was sich aber im Laufe der Demo noch änderte. Vor dem Frauenabschiebeknast wurde an den Absperrungen gerüttelt, bis die Polizei einschritt, die im letzten Moment das Kippen dieser verhindern konnte. Auf spanisch und französisch wurde ein Gruß an die Insassinnen ausgesprochen, in der Hoffnung, dass diese die Möglichkeit hatten etwas von dem außen geschehenden mitzubekommen. Der Demozug war mit vielen antirassistischen Parolen sehr laut und hübsch zu betrachten. Neben einer schwarzen Fahne, einiger roten Fahnen, einer Antifa-Fahne, nervte aber leider die DKP mit ihren Fahnen (mit DKP-Logo und Schwarz-weiß-rot hinten). Auf den Transparenten war u.a. anderem "open borders - open minds", "no border, no nation - stop deportation" oder "zusammen für befreiung kämpfen" zu lesen. In den Redebeiträgen wurde auch noch einmal deutlich gemacht, dass sich mit der Rot-Grün-Machtübernahme nichts zum besseren gewändet hat, sondern sich der Gesamtzustand eher verschlechtert hat. Auf der Abschlusskundgebung gab es dann noch kostenlos was vegaterisches zu essen.

HIER DER DEMOAUFRUF:  http://de.indymedia.org//2003/11/66672.shtml

Kampf dem sexistischen und rassistischen Normalzustand!


In Neuss befindet sich seit 1993 der bundesweit einzige Frauen-Abschiebeknast. Eingeführt unter einer SPD-Landesregierung, die 'in Sachen Abschiebung und Abschiebeknäste' auch als Vorbild für die anderen Bundesländer diente. Der Knast befindet sich mitten in der Stadt Neuss, wenig auffällig und spektakulär. In dem Knast sind momentan zwischen 60 - 80 Frauen eingesperrt, darunter immer wieder schwangere und minderjährige. Die Frauen sind in der Regel in willkürlich in Zweier- und Sechserzellen eingesperrt, die medizinische Versorgung ist unzulänglich. Die Frauen haben nur freien Zugang zu Kartentelefonen, die oft die einzige Möglichkeit sind die Außenwelt zu kontaktieren, da die Besuchszeiten stark eingeschränkt sind. Wobei sich die Frage aufdrängt, wie die Frauen die Telefonkarten finanzieren sollen. Meist ohne Informationen über ihr Verfahren und ihre Rechte, ist für die Frauen die Dauer der Haft nicht absehbar.

Warum werden diese Frauen kriminalisiert und eingesperrt?

Aus eigenem Entschluss und /oder gezwungenermaßen haben die Frauen ihr Zuhause, ihren Sprachraum, ihre FreundInnen und Familien keineswegs leichtfertig verlassen. Sie flohen vor sexualisierter Gewalt, vor politischer Unterdrückung, vor Umweltzerstörung, vor Krieg und vor geschlechtsspezifischer Armut (Frauen leisten weltweit 2/3 der gesellschaftlich notwendigen Arbeit erhalten aber nur 10% des Welteinkommens und 1% des Weltvermögens). Sie haben Arbeit, ökonomische und politische Sicherheit gesucht. Sie haben die Kraft und den Mut aufgebracht, sich gegen Angriffe auf ihre körperliche Unversehrtheit und ihr Selbstbestimmungsrecht als Frau, wie Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Lesbenverfolgung, Berufsverbote und Kleidervorschriften zu wehren und zu fliehen. Doch aufgrund der immer schärfer werdenden Asyl- und Einwanderungspraxis der BRD bleibt den Frauen oft nur die Wahl zwischen Ehe, Abschiebung oder Illegalität. Als "Illegale" sind sie auf Fluchthelfer angewiesen, mit dem Risiko von diesen finanziell und auch sexuell ausgenutzt zu werden. Illegalität fördert Ausbeutung, Erpressung, Misshandlung und Erniedrigung in Haushalten, der Gastronomie und in der Prostitution. Permanente Angst und Unsicherheit prägen so den rechtlosen Alltag ohne Papiere. Der Frauenabschiebeknast in Neuss ist ein Symbol rassistischer Einwanderungspolitik, die in Zukunft wohl nur noch für den Kapitalismus verwertbare Menschen die Einreise in die Festung Europa gestatten wird. Der Knast ist auch Symbol einer Einwanderungspolitik, die patriarchale Unterdrückungsverhältnisse als Flucht- und Migrationsgrund ignoriert und Sexismus und Rassismus in der eigenen Gesellschaft reproduziert.

Wir rufen jede und jeden dazu auf, gegen die sexistischen und rassistischen Gewaltverhältnisse in Staat und Gesellschaft zu demonstrieren, laut, entschieden und phantasievoll.

- Weg mit dem Frauenabschiebeknast in Neuss! Weg mit der Abschiebehaft!
- Anerkennung geschlechtsspezifischer Fluchtursachen als Asylgrund!
- Eigenständiges Aufenthaltsrecht für Frauen!
- Arbeits-, Gesundheits- und soziale Rechte für alle Menschen!
- Jede und jeder hat das Recht, dort zu leben wo sie /er es will!
- Kein Mensch ist illegal!
- Kampf dem sexistischen und rassistischen Normalzustand!

Deswegen: auf zur Demo gegen den Frauenabschiebeknast in Neuss am 29.11. ab 14.Uhr am HBF in Neuss!


UnterstützerInnen dieses Aufrufes: Alternative Liste Uni Köln, Antifa-AG Uni Bielefeld, Antifa Hagen, AStA der Ruhe Uni Bochum, AStA Uni Düsseldorf, Autonomer Frauenprojektbereich der Uni Paderborn, BAVV (Studentische Fakultätsvertretung Köln), Büren-Gruppe Paderborn, Fachschaft Philosophie an der RWTH Aachen, Flüchtlingsplenum Aachen, footnotbombs Düsseldorf, Frauenrechtsbüro gegen sexuelle Folter e.V. Berlin, Grüne Hochschulgruppe Paderborn, JungdemokratInnen / Junge Linke NRW, JungdemokratInnen / Junge Linke KV Duisburg, KV Bochum, KV Münster, KV Bielefeld, KV Herford, KV Neuss, KV Köln, KV Lippstadt, Kein Mensch ist illegal Köln, Kollektive Lilitza Köln, Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW, Landes Astentreffen NRW, Ludwig Quidde Forum, Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, Nicaragua Büro Wuppertal, Ökologische Linke Köln, PDS Neuss, PDS Bottrop, SDAJ Neuss, Ulla Jelpke (junge welt), Verein für politische Flüchtlinge Münster, Wir Frauen e.V.
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Ergänzungen

dkp-fahnen

° 29.11.2003 - 20:17
Kleiner Hinweis - warscheinlich hast du dich nur verschrieben - aber bei den DKP-Fahnen ist nicht "schwarz-weiß-rot" sondern "schwarz-rot-gold" for der roten Fahne zu sehen. Die DKP-Fahnen sind aber trotzdem scheiße. Lustig aber fande ich die UDSSR-Fahne auf der auch noch Lenin abgebildet war.

fotos zur demo

demoteilnehmerIn 29.11.2003 - 20:37
ein paar bilder zur demo gibt es hier
 http://de.indymedia.org/2003/11/68612.shtml

ps: ich finde nationalfahnen, wie schwarz-rot-gold oder die der UdSSR habe auf unseren demos absolut nix zu suchen. und dann laufen die leute wohl noch mit und rufen "no border, no nation" - diese ML-kacke kann einem den ganzen tag versauen und die demo wird darurch nicht unbedingt glaubwürdiger.

übrigens: die DKP hat verschiedene varianten der roten fahne mit schriftzug "DKP" und dahinter die bundesrepublikanische fahne (schwarz-rot-gelb) - mal auf rein rotem grund (seit 1968), mal auf rotem grund mit weissem kasten (besonders hässlich).
Quelle:  http://www.crwflags.com/fotw/flags/de%7Ddkp.html#hor

Mensch

44 29.11.2003 - 22:02
dann müsst ihr hinschreiben in die Einladung das keine Kommies erlaubt sind.

kommies

ü 30.11.2003 - 07:45
es geht ja nicht um kommunisten. wir tragen gerne selber rote fahnen und haben auch nichts grundsätzlich gegen hammer & sichel. aber auf dogmatische kommunisten, die die mauer gern zurück hätten und sich einzig un alleich lenin und stalin unterwerfen wollen, haben wir einfach keinen bock!

Polizei schritt nicht ein

Beobachta 30.11.2003 - 12:43
also hier im Text stand ja das die Bullen eigeschritten seien, nachdem ne Zeitlang an den Absperrungen gerüttelt wurden und sie hätten dadurch verhindert das sie fallen. Nur ich hab das allerdings ganz anders mitbekommen. Es wurde an den Absperrungen gerüttelt aber so das es simbolisch war und es sah beim besten Willen (ich hätte mich auch gefreut wenn sie gefallen wären) nicht so aus als würden die Gitter fallen. Hinter den Absperrungen standen auch nur paar Bullen die gar nichts machten sondern nur guckten. Wenn die Leute ernsthaft vorgehabt hätten das die Absperrrungen fallen wären sie innerhalb der ersten 5 sekunden gefallen.
Ich will die Bullen jetzt nicht in Schutz nehmen aber es war nunmal so.

presse

lijuli 02.12.2003 - 20:32
Gibt es eigentlich irgendwo einen richtigen Zeitungsartikel zur Demo?

Hier ist eine kleine Meldung, die in der Lippstädter Tageszeitung erschienen ist:

Junge Linke bei Demo in Neuss

LIPPSTADT. Einige Mitglieder der Jungen Linken Lippstadt nahmen jetzt an einer Demonstration gegen Rassismus in Neuss teil. Konkret richtete sich die Demo gegen die Verhältnisse in Deutschland einziger Haftanstalt für weibliche Abschiebehäftlinge in Neuss. In den Redebeiträgen kritisierten die Demonstranten den Umgang mit Asylsuchenden, gleichzeitig forderten sie die Anerkennung geschlechtsspezifischer Fluchtursachen als Asylgrund.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Habt Ihr nix Besseres zu tun — Lambrusco-Kid

super — super