Studierende bilden sich Radikalität ein.
Illusion und Irrglauben bestimmen die studentischen Proteste. In pathetischer Selbstüberschätzung beschwören Nostalgiker und euphoristische Naivlinge ein "neues '68". Vollkommen losgelöst aus dem sozialen Kontext, für ihre eigenen Egointeressen und Privilegien "kämpfend", SPIELEN die Studierenden Streik und Besetzung - und verkennen ihre reaktionäre Funktion als angehende Elite der Gesellschaft.
Selbst wenn es sich bei dem "Anschlag" auf die Bankgesellschaft (siehe "Studierende radikalisieren sich" [sic!]) tatsächlich um einen von Studierenden durchgeführten Akt halten sollte, bleibt es fragwürdig, ob dies als "Radikalisierung" zu bezeichnen ist. Es lässt sich in den bisherigen Verläufen lediglich eingebildete Radikalität vernehmen, und damit meine ich noch nicht mal die Aktionsformen, sondern eine inhaltliche Radikalität.
Z.B. die spontanen Demos besitzen wohl keinen Funken von Radikalität, wenn mensch sich deren Inhalte betrachtet. Die großen Mehrzahl der Studierenden begreift die Proteste lediglich als Privilegienwahrung - auch wenn die Resolutionen vage von einer gesamtsozialen Problematik sprechen -, während die Slogans auf Plakaten oftmals reaktionäre Inhalte darstellen (z.B. "Wir sind die Zukunft der deutschen Wirtschaft", etc.).
Auch den Besetzungen ist jegliche Radikalität abhanden. Den Aktivisten geht es oftmals nur um das reine Medienspektakel. Nicht die Vermittlung von Inhalten und die Ausdrucksverleihung des Protestes stehen im Mittelpunkt, sondern lediglich die Resonanz in den Medien. Hier wird das Mittel mit dem Ziel vertauscht. Es muss an dieser Stelle nur die "Besetzung" (besser gesagt: der GASTaufenthalt) bei der PDS betrachtet werden und eigentlich müsste jeder beteiligte Studi knallrot vor Scham werden. Doch trotz dieses desaströsen Fiakos, behaupten diese, es wäre ein Erfolg gewesen. Die beteiligten können froh sein, dass die Presse sie nicht der Lächerlichkeit preisgegeben hat, indem sie etwas genauer auf die Abläufe eingangen ist. Aber schön, wenn sie sich dennoch als knallharte Besetzer fühlen.
Was den "Anschlag" auf die bankgesellschaft betrifft, so zeugt dies von Peinlichkeit, wenn jemand darin nur einen Funken von Radikalität erkennt. Diejenigen Studierenden, die mit den Protesten wie sie zur Zeit laufen tatsächlich zufrieden sind, sollten ihren pathetischen Überschwang mal zur Seite legen und beginnen, die Proteste selbstkritisch reflektierend zu betrachten, um damit die Grundlagen für einen effizienten Protest mit radikalen Inhalten zu bilden.
Euphorie und nicht vorhandene Selbstkritik - auch das "Linkruck-Syndrom" genannt - haben schon immer zum Scheitern von Bewegungen beigetragen. Der Teil der Studierenden, den es nicht nur um eine Gewissensberuhigung und Spaß an "kreativen Aktionen" geht, sich nicht nur mit kosmetischen Forderungen zufrieden gibt und die Notwendigkeit effizienten Handelns erkannt hat - im Bewusstsein, dass ihr Protest kein studentischer ist, sondern ihn als Teil des sozialen Widerstands begreift, bildet zur Zeit eine äußerst geringfügige Minderheit. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Hoffen wir, dass die Aktion das Bewusstsein bilden wird.
Z.B. die spontanen Demos besitzen wohl keinen Funken von Radikalität, wenn mensch sich deren Inhalte betrachtet. Die großen Mehrzahl der Studierenden begreift die Proteste lediglich als Privilegienwahrung - auch wenn die Resolutionen vage von einer gesamtsozialen Problematik sprechen -, während die Slogans auf Plakaten oftmals reaktionäre Inhalte darstellen (z.B. "Wir sind die Zukunft der deutschen Wirtschaft", etc.).
Auch den Besetzungen ist jegliche Radikalität abhanden. Den Aktivisten geht es oftmals nur um das reine Medienspektakel. Nicht die Vermittlung von Inhalten und die Ausdrucksverleihung des Protestes stehen im Mittelpunkt, sondern lediglich die Resonanz in den Medien. Hier wird das Mittel mit dem Ziel vertauscht. Es muss an dieser Stelle nur die "Besetzung" (besser gesagt: der GASTaufenthalt) bei der PDS betrachtet werden und eigentlich müsste jeder beteiligte Studi knallrot vor Scham werden. Doch trotz dieses desaströsen Fiakos, behaupten diese, es wäre ein Erfolg gewesen. Die beteiligten können froh sein, dass die Presse sie nicht der Lächerlichkeit preisgegeben hat, indem sie etwas genauer auf die Abläufe eingangen ist. Aber schön, wenn sie sich dennoch als knallharte Besetzer fühlen.
Was den "Anschlag" auf die bankgesellschaft betrifft, so zeugt dies von Peinlichkeit, wenn jemand darin nur einen Funken von Radikalität erkennt. Diejenigen Studierenden, die mit den Protesten wie sie zur Zeit laufen tatsächlich zufrieden sind, sollten ihren pathetischen Überschwang mal zur Seite legen und beginnen, die Proteste selbstkritisch reflektierend zu betrachten, um damit die Grundlagen für einen effizienten Protest mit radikalen Inhalten zu bilden.
Euphorie und nicht vorhandene Selbstkritik - auch das "Linkruck-Syndrom" genannt - haben schon immer zum Scheitern von Bewegungen beigetragen. Der Teil der Studierenden, den es nicht nur um eine Gewissensberuhigung und Spaß an "kreativen Aktionen" geht, sich nicht nur mit kosmetischen Forderungen zufrieden gibt und die Notwendigkeit effizienten Handelns erkannt hat - im Bewusstsein, dass ihr Protest kein studentischer ist, sondern ihn als Teil des sozialen Widerstands begreift, bildet zur Zeit eine äußerst geringfügige Minderheit. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Hoffen wir, dass die Aktion das Bewusstsein bilden wird.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Das Elend der studis
hmmm
Radikalisierung
Radikalität.
(ii) Wenn Studierende ihre Aktionsformen radikalisieren (und für viele
heißt das schon mehr zu tun als in Seminaren zu diskutieren) ist das
zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn dies noch
keine inhaltliche Radikalisierung bedeutet kann es sich förderlich
darauf auswirken.
(iii)Wird z.B. die Bankgesellschaft angegriffen zeugt das von einem
Bewußtsein, dass es nicht ausreicht Politik zu kritisieren, sondern
dass auch die Ökonomie in die Kritik mit einbezogen werden muss.
Dies stellt eine inhaltliche Radikalisierung dar, an die
Anzuknüpfen ist.
Es ist vermessen zu glauben Studierenden von heute auf morgen beibringen zu können, dass der Kommunismus zu fordern ist und entsprechende Handlungen zu vollziehen sind. Wenn nicht zumindest kleine Schritte gemacht werden, dann passiert gar nichts.
also bitte!
Im obigen Artikel wird einfach die ganze Bewegung als Einheit behandelt- das ist sie nicht. Ja, es gibt seltsame Reformisten bei den Studentenprotesten aber es sind einfach nicht alle. Deswegen die ganze Bewegung zu diskreditieren ist lächerlich. Es gibt genügend linke Gruppen in den Protesten, die ihre Positionen lautstark vertreten.
Aber wahrscheinlich fühlt mensch sich in seiner kleinen K-Gruppe, die die Weisheit/Wahrheit für sich gepachtet hat wesentlich wohler, als in der direkten Auseinandersetzung da draussen. Anstatt sich selbst zu engagieren und unter Umständen seine politische Reinheit zu verlieren prügelt mensch lieber munter auf andere ein. Besten Dank!
Nicht reden...Machen
linkradikaler abwehrreflex
Bewegungs-"Bashing"
@ egal
Übrigens wurde in der TU neulich ein Antrag durchgestimmt (mit großer Mehrheit), dass in der Resolution festgehalten wird, dass der Streik nichts mit Kommunismus oder Sozialismus zu tun hat. Anarchismus wurde nicht genannt, dürfte aber auch gemeint sein. Ein schönes Bekenntnis von loyalen Staatsbürgern...
Die Fragen, die hier gestellt wurden, treffen die Sache jedenfalls richtig:
Relationen und fuzzy logic
Nehmen wir an, die Studierenden sind auf einer Radikalitätsskala (inhaltlich, aktionsform, Emotionalität) bei einem Wert von (0.1/0.05/0.1) und wir sprechen erst bei Werten der Art (0.9/0.3/0.7) von Radikalität, so wäre eine Veränderung in der letzten Zeit zu (0.15/0.1/0.35) eine radikalisierung, ohne dass von Radikalität zu sprechen wäre. (Über die Werte lässt sich sicher streiten :-) )
@claudi
blabla
barricadiero, wenn du so aktiv bist, weisst du doch sicher auch, dass am 1. 12. eine demo gegen sozialabbau und agenda 2010 a la 1.11. geplant ist, denen sich die studentenbewegung anschlisst.
und du weisst, dass heute gewerkschaften da waren und der versuch, sich mit arbeitsloseninitiative usw. zusammenzuschliessen unternommen wird, oder?
Studentsein
Wen haben wir da noch an der Uni? Professoren. Das sind Beamte, die in der Mehrheit kurz vor der Pension stehen (ob real oder gedanklich) und sich keinen Ärger mit dem Dienstherrn einhandeln wollen.
Wen noch? Wisss. Mitarbeiter. Sie werden zerrieben zwischen Qulifizierung, Lehre und Projekte. Die einzige Sorge besteht darin, den Absprung zu schaffen.
Ich habe schon viele Uni-Streiks erlebt (seit 1982). Die jetzigen Proteste werden im Ergebnis genauso wenig eine Wirkung hinterlassen.
Um mal ganz ketzerisch zu sein. Wenn es Studiengebühren gäbe, wäre der Streik erfolgreicher. Dann hättten die Studenten einen Grund, für eine Verbessrung der Verhältnisse einzutreten. Es ginge ja dann um ihr Geld und um die Eintreibung einer von der Uni versprochenen Leistung.
undifferenzierte kritik
doch gerade die aktion gegen die bankgesellschaft ist ein schritt in die richtige richtung.
die studierenden müssen mit allen, die vom sozialabbau betroffen sind, zusammenarbeiten. das sind in erster linie arbeitslose und arbeiterInnen.
die studierenden müssen erkennen, die grenze verläuft zwischen kapital und arbeit.
auf welcher seite sie stehen wollen, entscheiden sie durch ihr handeln.
die studierendenproteste werden sich sicher radikalisieren, wenn sie länger andauern.
die jungen leute müssen selber politische erfahrungen machen und die sind nur praktisch zu haben.
ok
Ich meinte die Proteste als breites Bündnis in bezug auf die vertretenen Meinungen- das ist natürlich etwas anderes als ein Bündnis heterogener gesellschaftlicher Gruppen...
Positiv finde ich halt allgemein, dass eben radikale linke Inhalte sich Gehör verschaffen- die Spontandemos waren ziemlich gelungen: ich muss nicht erst das kommunistische Manifest vorlesen um politisch zu sein. Allgemein mache ich mir jetzt keine Illusionen, dass morgen die Weltrevolution ausbricht (ich denke noch nicht mal dass die Einsparungen + Studiengebühren verhindert werden), aber es ist doch alles in allem ein nützliche Erfahrung- für alle Beteiligten. Irgendwo her muss die Umwälzung kommen- und da glaube ich halt an eine Organisierung von "unten" (die ein "oben" impliziert, ja).
Ok, das Ding läuft gerade, wir warten mal ab wie es weiter verläuft (Weihnachten steht vor der Tür und das ist ein denkbar schlechter Termin für Studentenproteste) und werten hinterher die gemachten Erfahrungen aus. Ei schaue mer mal, gell. See ya on da streets.
Na, wenns schon ums debatieren geht....
ellenlanger Kommentare hier. Aha, zu wenig konsequent.. Was ist dann die Konsequenz? Es geht nur um studentische Privilegien... Was will der Autor uns damit sagen? Worum soll es denn gehen? Isoliert von anderen Bewegungen.... Nun ja, irgendeiner fängt immer an. Ich bitte um Verzeihung, aber solch aufgeblasende Debatte ("war ja nur Selbstkritik") habe ich selten erlebt. Der Knackpunkt: Zum eigentlichen Beitrag kann ich nichts sagen, nicht weil ich kein Student bin, sondern mir hier jede Verbindung von realen Ablauf und dessen Kritik, irgendwie nicht vorkommt.
endlich!
toller artikel!
hier finest du die beweise für die alle ego`s aleine aus hamburg:
Ach alles so verzwickt !!!
Es gibt einfach Punkte die mich echt wurmen. Der wichtigste Punkt ist das Programm ansicht. Das fehlt so dermassen. Das ist wie wenn man Schritt zwei vor Schritt eins macht. Man kann nicht streiken bevor man weis die ideologische Basis bereitet hatt. Hoffe stark da kommt langsam was nach und es geht über gegen Kürzung hinaus.
Noch so ein Punkt ist das sehrwohl viele Studenten das Geld für Gebühren haben. Das sieht man jeden Tag an der Uni. Prollkleidung prollautos da sitzt bei einen Grossteil das Geld locker. Statistiken zeigen auch das nur ein geringer Prozentsatz aus der Arbeiterklasse oder schlechter verdienen Geseallschaft kommt. Deswegen ist das Ziel gegen Kürzung viel zuwenig. Das Ziel kann nur sein Bildung komplett umsonst für alle.
Ich glaube nicht das die linksradikale Szene sich jetzt angekackt fühlt. Wieso auch ? Die macht seit Jahren ein Kampf der viel weiter geht und sich nicht wie bei den Studenten nur artukuliert wenn sie selbst betroffen sind. Und die Spiele mit den Bullen kennen wo wir alle, da ändert sich nicht wirklich was.
Um zum Abschluss zu kommen wünsche ich mir vor allem ein gutes Programm was über die Belange only Studenten hinausgeht. Denkt bitte immer dran das auf der Welt Menschen jeden Tag verhungern in Kriegen umkommen oder nichtmal Trinkwasser haben. Alleine deswegen sollte man über den Tellerrand hinausschauen.
Jetzt bleibt nur abzuwarten ob der Protest sich radikalisiert und vor allem anhällt. Ich persönlich (auch Student ) halte mich da raus und kämpfe weiter für ne gerechte Welt ohne Grenzen.
PS: 6. Dezember Treptow Nazis Stoppen !!!
So what "Barricadiero"
Warum, lieber "Barricadiero", sollten sie das nicht tun?
Und warum sollten sie, die doch in akademischen Berufen im Kapitalismus nicht schlecht leben, so richtig massiv gegen den Kapitalismus sein?
Aus moralischen Erwägungen heraus etwa?
Warum sollen sie plötzlich als "Stellvertreter" für die sogenannten ausgebeuteten Klassen auftreten - vor allem, wenn diese Klassen selbst kaum "Kampfeslust" zeigen? (derartige Stellvertreter waren mir schon immer unsympathisch)
Und mal ehrlich: erwartest du wirklich von angehenden Akademikern eine soziale Revolution? Also tu nicht so enttäuscht!! Diese Studnix-Proteste sind schon deshalb nicht schlecht, weil daran jeder sehen kann, daß man sich nicht alles gefallen lassen muß.
kleiner Nachtrag und Beispiel
Einem NichtStudenten...
Der obige Artikel typisches hochgestochenes pseudowissenschaftliches Blabla, dessen Substanz gleich null ist und im grossen und ganzen die Aussagekraft eines Stückes Hartholz hat. Und damit meine ich vor allem dies wirklich interessante Eigenschaft der Linken sich ständig selbst ins Bein zu schiessen, nur damit alles so richtig schön "true" bleibt und keiner auf den Gedanken kommt mal ideologische Grenzen im linken Lager zu durchbrechen und einen wirklichen Konsens zwischen den verschiedenen Strömungen zu schaffen der.
Zeigt mir und den anderen Millionen Deutschen das die Linke nicht aus einer zersplittertem und untereinander fehdenden Anssamlung von Castorgegnern, Anarchisten und Kommunisten, Marxisten und Syndikalisten (ich vergesse sicher dutzende andere Gruppen/Vereine/Personen/Genossen) besteht sondern fähig ist, auch über politische Differenzen hinweg einen Konsens zu finden der für alle spricht. Solange jeder sein eigenes Süppchen kocht (oja, und das tut ihr) wird sich null ändern. Nicht für Deutschland und nichts für euch.
P.S.Dem arbeitslosen Bauarbeiter K. aus Bottrop/ Dresden/ Berlin/ Augsburg/Bremen etc. mit 340 Euro Hilfe im Monat ist es auf Deutsch gesagt scheissegal ob ein Student nun für eine bisher kostenlose (jaja, von kostenlos ist ein Studium weit davon entfernt entfernt, aber dieser Eindruck wird immer wieder gerne vermittelt) eine Gebühr bezahlen muss.
P.S.
Geht nach Hause
All dies ändert nichts an den weisen Worten Eures Oberhaupts, des absolut lächerlichen Gerhard Schröder, dem stolzen Bräutigam einer autoritären Magersüchtigen, der Euch nur regieren darf, weil die anderen Politiker noch hässlicher sind. Vor der ehernen Notwendigkeit gibt es kein Entkommen. Der Staat, den Ihr gottlosen Taugenichtse anbetet, ohne es zu merken, ist pleite. Die Trusts wissen nicht wohin ihren Schund verkaufen und wollen daher Eure Arbeit immer weniger haben, wozu auch beiträgt, dass die Informatiker unter Euch an hübschen Programmen basteln, die Euch aus dem Reproduktionszusammenhang hinauszusäubern helfen. Es mag zwar weit weg scheinen, aber in Russland arbeiten die Arbeiter schon ohne Lohn. Eventuell erleben wir das große Spektakel einer echten Zusammenbruchskrise. War da nicht irgend etwas Ende der 90er in Südkorea, Malaysia, Brasilien? Und was treiben eigentlich die Japaner mit ihren faulen Krediten? In den Zeitungen kann man die Einzelheiten nachlesen, da aber alle sie sofort wieder vergessen, sind sie hier auch nicht weiter von Belang. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob Ihr auf den möglichen Bankrott nicht so reagieren werdet wie man 1789 reagierte, sondern eher auf moderne Weise, also ähnlich dem 11.9.2001. Aus Gründen der Ratio muss man nach Lage der Dinge den Zusammenbruch der Produktion fürchten und nicht herbeisehnen wie der längst vergessene Marx, der mit der Krise die Chance für das Morgenrot der neuen Gesellschaft gekommen sah. Trotzdem verspüren alle etwas Katastrophensehnsucht, denn die Welt ist nach Eurem Bilde geformt und dementsprechend hässlich und schwer zu ertragen. Sämtliche präventiven Krisenmaßnahmen werdet Ihr in das 21. "Kastratenjahrhundert" (Schiller) Geworfenen erdulden, denn nichts in Euch strebt zu Höherem. Euer formaler Widerspruch dient nur der reibungslosen Durchführung diverser Innovationen, die sich die Architekten Eurer Herrschaft für Euch ausdenken. Kein Protokollant will ihn notieren. Allenfalls werden die Betriebsnudeln unter Euch Erfahrungen beim Koordinieren sinnloser Bewegungsabläufe sammeln, womit sie sich vielleicht für einen späteren Job als Humanressourcenmanager qualifizieren könnten. Ihr seid eine Schwemme, eine Akademikerschwemme. Klar, dass ein zweckmäßig eingerichteter Staat Euch nicht ewig alimentieren kann.
Simuliert also bitte keinen Streik der Kopfarbeiter. Euer Hirn hat schon immer gestreikt, weil die deformierte Sache keinen Begriff erträgt - andernfalls wäre sie verloren. (Außerdem juckt es keinen, wenn Ihr kurzfristig keine Scheine bei dementen Lehr-kräften sammelt und ergo blamiert ein Streik Euch nur vor aller Welt.) Dass Euer Hirn streikt, hat seine Ursache freilich nicht in der Physis. Der Grund ist schlicht und wurde von Karl Marx in einem Brief an einen Herrn mit dem Namen Kugelmann ausgesprochen: "Mit der Einsicht in den Zusammenhang stürzt, vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretische Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände. Es ist hier also absolutes Interesse der herrschenden Klasse, die gedankenlose Konfusion zu verewigen." Es ist dies heute das unmittelbare Interesse aller. Wo Computer die Produktion beinahe ohne menschliche Hilfe steuern und der Mensch gelernt hat, mit dem Flugzeug zu fliegen, gibt es keinen Grund für Lohnarbeit und Disziplin. Angesichts dieser simplen Tatsache weiter das Leben zu führen, das man gerade führt, ist so erbärmlich, dass kein Mensch es aushalten kann - es sei denn, er schaltet sein Hirn aus. Dadurch, dass alle sich das Interesse zueigen machen, welches Marx noch als das ausschließlich der herrschenden Klasse bestimmte, wird die Existenz letzterer gründlicher dementiert als durch das Entstehen der apersonalen Aktiengesellschaft. Deshalb erkennt Ihr auch keine Herrschaft mehr, obwohl im Arbeitsprozeß über Euch verfügt werden wird wie eh und je. Eurer Irrationalismus ist nur der der aktuellen Erzeugungsart und das Prädikat dumm damit eine Tatsachenfeststellung und keine Beleidigung. Als Anhängsel von Euch nicht beeinflusster Kräfte kann man Euch nicht beleidigen. Wozu auch. Manch einer wird den witzigen Satz von Adorno aufgeschnappt haben: "Bei manchen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie ‚ich' sagen". Allein es ist bitterer Ernst.
Konkret bedeutet die Konfusion, das man den Wissenschafts-betrieb ruhig zusammenkürzen kann. Was soll eine Musikwissen-schaft, wenn kein Student den anderen erklärt, was der Gehalt der Eroica von Beethoven ist. Wozu überhaupt Bibliotheken, wenn kein Literaturwissenschaftler und kein Philosoph erklärt, dass Goethe oder Hegel polemisch gegen ihre Zeit opponierten und man deshalb keine Steinpuppen von ihnen aufzustellen hat, wenn man selbst den Zeitgeist repräsentiert. Was soll der Nutzen der Sorbonne zu Berlin sein, wenn kein Psychologe und kein Biologe über die aktuelle und durch und durch gesellschaftliche Verfasst-heit des Körpers und seiner Seele aufklären. Alle isolierten Fakul-täten ließen sich leicht ihrer Überflüssigkeit überführen. Was Ihr in hoffnungslos naiver Weise zu verteidigen meint, ist Staub, weshalb Ihr schlicht nach Hause gehen solltet.
Es ist radikaler....
Wer sagt denn, wir wollten radikal sein?
Uns gehts aber andererseits auch nicht um unsere Privilegien - die haben wir und die nimmt uns vor dem Studienabschluß (in ein paar Jahren oder in meinem Fall Monaten) auch keiner mehr weg. Wenn schon, dann geht es uns um die Privilegien derjenigen, die nach uns kommen. Der Egoismusvorwurf ist also Blödsinn.
Was wir machen, ist einfach nur unsere politische Meinung ausdrücken - wenn die irgendwem nicht paßt, weil sie nicht radikal genug ist, dann ist das genauso egal wie wenn sie jemandem nicht paßt, weil er Studenten schon seit 68 Scheiße findet. :-)
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
@Demokratie sucks — verwurstung
kraftstoff, motor, sponsored by bildung — a.lo.it
Indymedia Selektion? — hans fischer
Selbstmitleid — Alice
Das geht zu weit!!! — positiv schauen!!!
ein Blick in die Realität — tobi