Studierende bilden sich Radikalität ein.

Barricadiero 29.11.2003 19:10
Illusion und Irrglauben bestimmen die studentischen Proteste. In pathetischer Selbstüberschätzung beschwören Nostalgiker und euphoristische Naivlinge ein "neues '68". Vollkommen losgelöst aus dem sozialen Kontext, für ihre eigenen Egointeressen und Privilegien "kämpfend", SPIELEN die Studierenden Streik und Besetzung - und verkennen ihre reaktionäre Funktion als angehende Elite der Gesellschaft.
Selbst wenn es sich bei dem "Anschlag" auf die Bankgesellschaft (siehe "Studierende radikalisieren sich" [sic!]) tatsächlich um einen von Studierenden durchgeführten Akt halten sollte, bleibt es fragwürdig, ob dies als "Radikalisierung" zu bezeichnen ist. Es lässt sich in den bisherigen Verläufen lediglich eingebildete Radikalität vernehmen, und damit meine ich noch nicht mal die Aktionsformen, sondern eine inhaltliche Radikalität.

Z.B. die spontanen Demos besitzen wohl keinen Funken von Radikalität, wenn mensch sich deren Inhalte betrachtet. Die großen Mehrzahl der Studierenden begreift die Proteste lediglich als Privilegienwahrung - auch wenn die Resolutionen vage von einer gesamtsozialen Problematik sprechen -, während die Slogans auf Plakaten oftmals reaktionäre Inhalte darstellen (z.B. "Wir sind die Zukunft der deutschen Wirtschaft", etc.).

Auch den Besetzungen ist jegliche Radikalität abhanden. Den Aktivisten geht es oftmals nur um das reine Medienspektakel. Nicht die Vermittlung von Inhalten und die Ausdrucksverleihung des Protestes stehen im Mittelpunkt, sondern lediglich die Resonanz in den Medien. Hier wird das Mittel mit dem Ziel vertauscht. Es muss an dieser Stelle nur die "Besetzung" (besser gesagt: der GASTaufenthalt) bei der PDS betrachtet werden und eigentlich müsste jeder beteiligte Studi knallrot vor Scham werden. Doch trotz dieses desaströsen Fiakos, behaupten diese, es wäre ein Erfolg gewesen. Die beteiligten können froh sein, dass die Presse sie nicht der Lächerlichkeit preisgegeben hat, indem sie etwas genauer auf die Abläufe eingangen ist. Aber schön, wenn sie sich dennoch als knallharte Besetzer fühlen.

Was den "Anschlag" auf die bankgesellschaft betrifft, so zeugt dies von Peinlichkeit, wenn jemand darin nur einen Funken von Radikalität erkennt. Diejenigen Studierenden, die mit den Protesten wie sie zur Zeit laufen tatsächlich zufrieden sind, sollten ihren pathetischen Überschwang mal zur Seite legen und beginnen, die Proteste selbstkritisch reflektierend zu betrachten, um damit die Grundlagen für einen effizienten Protest mit radikalen Inhalten zu bilden.

Euphorie und nicht vorhandene Selbstkritik - auch das "Linkruck-Syndrom" genannt - haben schon immer zum Scheitern von Bewegungen beigetragen. Der Teil der Studierenden, den es nicht nur um eine Gewissensberuhigung und Spaß an "kreativen Aktionen" geht, sich nicht nur mit kosmetischen Forderungen zufrieden gibt und die Notwendigkeit effizienten Handelns erkannt hat - im Bewusstsein, dass ihr Protest kein studentischer ist, sondern ihn als Teil des sozialen Widerstands begreift, bildet zur Zeit eine äußerst geringfügige Minderheit. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Hoffen wir, dass die Aktion das Bewusstsein bilden wird.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Das Elend der studis

.. 29.11.2003 - 19:48

hmmm

soldateska 29.11.2003 - 20:21
Der Artikel stimmt meiner Ansicht nach leider. Die Kritik trifft nicht nur auf Berin sondern auf Studenten"bewegungen", es ist mehr eine Studentenarschkriecherei, generell zu. Die politische Dimension wird bei den Protesten selten bis garnicht thematisiert, es geht um einzelne Forderungen ohne politischen Kontext, vor dem die Asten zuviel Schiss haben, daher sind die diesjaehrigen Studentenproteste z.B. gegen Studiengebuehren in Freiburg, schneller gescheitert, als sie Begonnen haben.

Radikalisierung

Radikaler Studi 29.11.2003 - 20:24
(i) Radikalisierung ist ein relationaler Term und impliziert nicht
Radikalität.
(ii) Wenn Studierende ihre Aktionsformen radikalisieren (und für viele
heißt das schon mehr zu tun als in Seminaren zu diskutieren) ist das
zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn dies noch
keine inhaltliche Radikalisierung bedeutet kann es sich förderlich
darauf auswirken.
(iii)Wird z.B. die Bankgesellschaft angegriffen zeugt das von einem
Bewußtsein, dass es nicht ausreicht Politik zu kritisieren, sondern
dass auch die Ökonomie in die Kritik mit einbezogen werden muss.
Dies stellt eine inhaltliche Radikalisierung dar, an die
Anzuknüpfen ist.

Es ist vermessen zu glauben Studierenden von heute auf morgen beibringen zu können, dass der Kommunismus zu fordern ist und entsprechende Handlungen zu vollziehen sind. Wenn nicht zumindest kleine Schritte gemacht werden, dann passiert gar nichts.

also bitte!

tripleA 29.11.2003 - 20:30
Der Artikel ist das übliche Bewegungs-Bashing Marke JungleWorld/Antideutsch etc. Die Argumentationsmuster von selbiger Fraktion sind eigentlich immer gleich: sozialen Bewegungen wird Reformismus, mangelnde inhaltliche Radikalität etc. vorgeworfen. Einzig der Verweis "antisemitisch" fehlte eigentlich noch. Gleichzeitig wird selbst nie eine positive Handlungsoption angegeben, mensch begnügt sich damit mit möglichst blumiger Sprache auf breite Bündnisse einzudreschen.
Im obigen Artikel wird einfach die ganze Bewegung als Einheit behandelt- das ist sie nicht. Ja, es gibt seltsame Reformisten bei den Studentenprotesten aber es sind einfach nicht alle. Deswegen die ganze Bewegung zu diskreditieren ist lächerlich. Es gibt genügend linke Gruppen in den Protesten, die ihre Positionen lautstark vertreten.
Aber wahrscheinlich fühlt mensch sich in seiner kleinen K-Gruppe, die die Weisheit/Wahrheit für sich gepachtet hat wesentlich wohler, als in der direkten Auseinandersetzung da draussen. Anstatt sich selbst zu engagieren und unter Umständen seine politische Reinheit zu verlieren prügelt mensch lieber munter auf andere ein. Besten Dank!

Nicht reden...Machen

Cream 29.11.2003 - 20:55
Ganz meine Meinung TripleA. Man kann natürlich wieder irgendwelche "Sprecher" auf nen wagen stellen...den dann all die So ist die Welt Perfekt Forderungen runterlallen laßen die er sonst nur besoffen der Ethno Studentin aufm Klo erzählt und dann in der nächsten Woche feststellen, daß keiner mehr zu den Demos geht weil die Identifikation fehlt. Man sollte sich erstmal auf die Hauptforderungen beschränken und später vielleicht mal schauen wie der Wind weht (VV`s/Seminare/öffentl. Meinung)

linkradikaler abwehrreflex

egal 29.11.2003 - 20:56
da fühlt sich die linksradikale szene mal wieder übertölpelt, nachdem sie in vielen städten deutschlands so gut wie gar nichts mehr auf die reihe kriegt. dass sich bei studentenprotesten durchaus auch "privilegiensichernde" und "bürgerliche" stimmen artikulieren ist ja nichts neues. die zunehmende radikalität der aktionsformen ist aber auch durchaus ein zeichen in die richtige richtung. mir scheint es eher, dass die wie auch immer geartete radikale linke, die studierendenproteste als konkurrenz begreift, statt als chance auf größere proteste. in vielen redebeiträgen und flugblättern wird durchaus auch die ökonomie kritisiert

Bewegungs-"Bashing"

barricadiero 29.11.2003 - 21:09
Die meisten Ergänzungen sind das übliche "Bashing" Marke verklärender Euphorismus. Die Argumentationsmuster von - nun ja, "selbiger Fraktion" verkneife ich mir (wer spricht hier pauschal von "Einheiten"?!) - was weiß ich wem. Ich selbst habe den Artikel geschrieben und betone hiermit, dass ich mit "selbiger Fraktion"(Antideutsch) nicht im geringsten etwas zu tun habe. Der Artikel hat nichts mit einem Reformismusvorwurf zu tun, sondern konstatiert vielmehr, dass es fatal sein könnte, wenn die protestierenden Studierenden nicht bald zu einem sozialen Bündnis mit anderen vom Sozialabbau Betroffenen übergehen - schließlich ist der Bildungsaabbau Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz und ein Erfolg eines singulären studentischen Protestes könnte die Ümwälzung von Kürzungen auf andere soziale Sektoren bedeuten. Außerdem: Meint hier irgendjemand, dass in solch einem kleinen Artikel eine Handlungsoption angeboten werden soll (Lese dafür mal die "StreikSchrei"). Ich glaube, Handlungsoption sollten die Bewegungen selbst entwickeln und nicht vorgetischt bekommen. Ich bin selbst in den Protesten aktiv, wahrscheinlich mehr als Mr. TripleA. Es geht hier tatsächlich nur um Selbstkritik und Erfahrungswerte. Pack dich lieber mal an der eigenen Nase, scheiß auf K-Gruppen (das ist gut so) und sprech nicht von einem breiten Bündnis, das keines ist! Letzeres soll nämlich erzielt werden, und das letzte was man dafür braucht ist irgendetwas "einheitliches". Übrigens: was häßlich ist und weniger häßlich wird, ist das dann eine "Verschönerung"? Soviel zum definitionstheoretischen zur realtionalen Term der "Radikalisierung".

@ egal

claudi Getränke 29.11.2003 - 21:16
Bei den meisten Studis ist die Vorstellung von Ökonomie begrenzt auf "die Konzerne" und "die Banken". OK, ist vielleicht noch nicht das allerschlimmste. Das allerschlimmste ist die Trennung von Kapital und Nation und die totale Befürwortung der demokratische verfassten Verhältnisse! Es wird ja ständig an den demokratischen Souverän appelliert!! "Er" soll dies und das machen und diese Forderungen sind auch alle berechtigt!

Übrigens wurde in der TU neulich ein Antrag durchgestimmt (mit großer Mehrheit), dass in der Resolution festgehalten wird, dass der Streik nichts mit Kommunismus oder Sozialismus zu tun hat. Anarchismus wurde nicht genannt, dürfte aber auch gemeint sein. Ein schönes Bekenntnis von loyalen Staatsbürgern...

Die Fragen, die hier gestellt wurden, treffen die Sache jedenfalls richtig:

 http://www.astafu.de/inhalte/artikel/a_2003/analyse3

Relationen und fuzzy logic

Der Relator 29.11.2003 - 21:26
Wir könneten einem Wagen Begriff je nach Erfüllungsgrad einen Wert von 0 bis 1 zuordnen. Dies geht auch für entgegengesetzte Begriffspaare wie z.B. kalt und heiß. Hat etwas den Wert 0 bei kalt hat es den Wert 1 bei warm. Ist also z.B etwas häßlich (Häßlichkeitswert 1, Schönheitswert 0) und wird dann weniger häßlich (Häßlichkeitswert 0.9 Schönheitswert 0.1) dann handelt es sich natürlich um eine Verschönerung, solange man anerkennt, dass es sich um fuzzy terme handelt.
Nehmen wir an, die Studierenden sind auf einer Radikalitätsskala (inhaltlich, aktionsform, Emotionalität) bei einem Wert von (0.1/0.05/0.1) und wir sprechen erst bei Werten der Art (0.9/0.3/0.7) von Radikalität, so wäre eine Veränderung in der letzten Zeit zu (0.15/0.1/0.35) eine radikalisierung, ohne dass von Radikalität zu sprechen wäre. (Über die Werte lässt sich sicher streiten :-) )

@claudi

Demokratie sucks 29.11.2003 - 21:30
Wird festgestellt, dass die Forderungen (Bildung und Ssoziales) nicht innerhalb der bürgerlich-kapitalistischen Demokratie durchsetzbar sind (wenn also allzuoft von Sachzwängen die Rede ist) bleibt Resignation oder in Frage Stellung von bürgerlich-kapitalistischen Demokratie.

blabla

alex 29.11.2003 - 22:14
der relator, mathe-student, hm? :)

barricadiero, wenn du so aktiv bist, weisst du doch sicher auch, dass am 1. 12. eine demo gegen sozialabbau und agenda 2010 a la 1.11. geplant ist, denen sich die studentenbewegung anschlisst.
und du weisst, dass heute gewerkschaften da waren und der versuch, sich mit arbeitsloseninitiative usw. zusammenzuschliessen unternommen wird, oder?

Studentsein

Alice 29.11.2003 - 23:10
Das Elend der Studentenbewegung ist doch, dass "Studentsein" eine Durchgangsstation von 5 Jahren ist. Die Motivation, wirklich für Verbesserungen auch für eine kurze Zeit persönliche Einschränkungen und Nachteile hinzunehmen, ist gering. Von Erfolgen werden die jetzigen Studenten nicht partizipieren. Im übrigen ist die Bindung an eine Uni sowieso schwach. Der mobile Student, der von der ZVS irgendwohin geschickt wird und für den Auslandssemester und -praktika den Charakter von Grundrechten haben, möchte sich mit der konkrten Situation am Studienort nicht beschäftigen. Daher muss ein Streik Event- und Spasscharakter haben. Das ist der einzige gemeinsame Nenner, der zu finden ist.

Wen haben wir da noch an der Uni? Professoren. Das sind Beamte, die in der Mehrheit kurz vor der Pension stehen (ob real oder gedanklich) und sich keinen Ärger mit dem Dienstherrn einhandeln wollen.

Wen noch? Wisss. Mitarbeiter. Sie werden zerrieben zwischen Qulifizierung, Lehre und Projekte. Die einzige Sorge besteht darin, den Absprung zu schaffen.

Ich habe schon viele Uni-Streiks erlebt (seit 1982). Die jetzigen Proteste werden im Ergebnis genauso wenig eine Wirkung hinterlassen.

Um mal ganz ketzerisch zu sein. Wenn es Studiengebühren gäbe, wäre der Streik erfolgreicher. Dann hättten die Studenten einen Grund, für eine Verbessrung der Verhältnisse einzutreten. Es ginge ja dann um ihr Geld und um die Eintreibung einer von der Uni versprochenen Leistung.

undifferenzierte kritik

lesender arbeiter 29.11.2003 - 23:18
die kritik ist sicher nicht falsch, dass viele studierende sauer sind, dass sie als "künftige elite" vom sparkurs betroffen sind.
doch gerade die aktion gegen die bankgesellschaft ist ein schritt in die richtige richtung.
die studierenden müssen mit allen, die vom sozialabbau betroffen sind, zusammenarbeiten. das sind in erster linie arbeitslose und arbeiterInnen.
die studierenden müssen erkennen, die grenze verläuft zwischen kapital und arbeit.
auf welcher seite sie stehen wollen, entscheiden sie durch ihr handeln.
die studierendenproteste werden sich sicher radikalisieren, wenn sie länger andauern.
die jungen leute müssen selber politische erfahrungen machen und die sind nur praktisch zu haben.



ok

tripleA 29.11.2003 - 23:19
Wau- konstruktive Diskussionen bei indymedia- das gibt es selten. Ok, mr. barricadiero, ich gestehe, dass auch ich bei meinem Posting polemisiert habe. Im Endeffekt enthält dein Artikel wirklich weniger "bashing" als von mir überspitzt dargestellt und zeigt tatsächlich, ich gestehe, einige Schwachpunkte auf. Ich denke halt nur, dass das klassische rumhacken auf Reformisten allgemein nicht das Ding sein kann. Oder wie Flugblätter an der HU (raten Sie mal in welchem Cafe?), die sich gegen den Streik aussprechen.
Ich meinte die Proteste als breites Bündnis in bezug auf die vertretenen Meinungen- das ist natürlich etwas anderes als ein Bündnis heterogener gesellschaftlicher Gruppen...
Positiv finde ich halt allgemein, dass eben radikale linke Inhalte sich Gehör verschaffen- die Spontandemos waren ziemlich gelungen: ich muss nicht erst das kommunistische Manifest vorlesen um politisch zu sein. Allgemein mache ich mir jetzt keine Illusionen, dass morgen die Weltrevolution ausbricht (ich denke noch nicht mal dass die Einsparungen + Studiengebühren verhindert werden), aber es ist doch alles in allem ein nützliche Erfahrung- für alle Beteiligten. Irgendwo her muss die Umwälzung kommen- und da glaube ich halt an eine Organisierung von "unten" (die ein "oben" impliziert, ja).

Ok, das Ding läuft gerade, wir warten mal ab wie es weiter verläuft (Weihnachten steht vor der Tür und das ist ein denkbar schlechter Termin für Studentenproteste) und werten hinterher die gemachten Erfahrungen aus. Ei schaue mer mal, gell. See ya on da streets.

Na, wenns schon ums debatieren geht....

Alfons Kilad 29.11.2003 - 23:32
Verstehe ich hier eigentlich nur "Bahnhof". Die Studenten machen eigentlich nichts oder nicht das Richtige, aber sie machen was, trotz
ellenlanger Kommentare hier. Aha, zu wenig konsequent.. Was ist dann die Konsequenz? Es geht nur um studentische Privilegien... Was will der Autor uns damit sagen? Worum soll es denn gehen? Isoliert von anderen Bewegungen.... Nun ja, irgendeiner fängt immer an. Ich bitte um Verzeihung, aber solch aufgeblasende Debatte ("war ja nur Selbstkritik") habe ich selten erlebt. Der Knackpunkt: Zum eigentlichen Beitrag kann ich nichts sagen, nicht weil ich kein Student bin, sondern mir hier jede Verbindung von realen Ablauf und dessen Kritik, irgendwie nicht vorkommt.

endlich!

student activist 29.11.2003 - 23:50
..."wenn mensch sich deren Inhalte betrachtet. Die großen Mehrzahl der Studierenden begreift die Proteste lediglich als Privilegienwahrung"...


toller artikel!

hier finest du die beweise für die alle ego`s aleine aus hamburg:

 http://de.indymedia.org//2003/10/63893.shtml

 http://de.indymedia.org//2003/10/63511.shtml

Ach alles so verzwickt !!!

soso 29.11.2003 - 23:58
Also vorne weg möchte ich den Studenten Solidarität wünschen. Aber gleichzeitig muss ich mich ausgrenzen.


Es gibt einfach Punkte die mich echt wurmen. Der wichtigste Punkt ist das Programm ansicht. Das fehlt so dermassen. Das ist wie wenn man Schritt zwei vor Schritt eins macht. Man kann nicht streiken bevor man weis die ideologische Basis bereitet hatt. Hoffe stark da kommt langsam was nach und es geht über gegen Kürzung hinaus.

Noch so ein Punkt ist das sehrwohl viele Studenten das Geld für Gebühren haben. Das sieht man jeden Tag an der Uni. Prollkleidung prollautos da sitzt bei einen Grossteil das Geld locker. Statistiken zeigen auch das nur ein geringer Prozentsatz aus der Arbeiterklasse oder schlechter verdienen Geseallschaft kommt. Deswegen ist das Ziel gegen Kürzung viel zuwenig. Das Ziel kann nur sein Bildung komplett umsonst für alle.

Ich glaube nicht das die linksradikale Szene sich jetzt angekackt fühlt. Wieso auch ? Die macht seit Jahren ein Kampf der viel weiter geht und sich nicht wie bei den Studenten nur artukuliert wenn sie selbst betroffen sind. Und die Spiele mit den Bullen kennen wo wir alle, da ändert sich nicht wirklich was.

Um zum Abschluss zu kommen wünsche ich mir vor allem ein gutes Programm was über die Belange only Studenten hinausgeht. Denkt bitte immer dran das auf der Welt Menschen jeden Tag verhungern in Kriegen umkommen oder nichtmal Trinkwasser haben. Alleine deswegen sollte man über den Tellerrand hinausschauen.

Jetzt bleibt nur abzuwarten ob der Protest sich radikalisiert und vor allem anhällt. Ich persönlich (auch Student ) halte mich da raus und kämpfe weiter für ne gerechte Welt ohne Grenzen.

PS: 6. Dezember Treptow Nazis Stoppen !!!

So what "Barricadiero"

Tom 30.11.2003 - 00:42
Soso, eine Gruppe von Leuten, die einmal akademische Berufe ausüben werden, setzt sich also zur Wehr, um ihre sog. "Privilegien" zu wahren.

Warum, lieber "Barricadiero", sollten sie das nicht tun?

Und warum sollten sie, die doch in akademischen Berufen im Kapitalismus nicht schlecht leben, so richtig massiv gegen den Kapitalismus sein?
Aus moralischen Erwägungen heraus etwa?

Warum sollen sie plötzlich als "Stellvertreter" für die sogenannten ausgebeuteten Klassen auftreten - vor allem, wenn diese Klassen selbst kaum "Kampfeslust" zeigen? (derartige Stellvertreter waren mir schon immer unsympathisch)

Und mal ehrlich: erwartest du wirklich von angehenden Akademikern eine soziale Revolution? Also tu nicht so enttäuscht!! Diese Studnix-Proteste sind schon deshalb nicht schlecht, weil daran jeder sehen kann, daß man sich nicht alles gefallen lassen muß.

kleiner Nachtrag und Beispiel

Tom 30.11.2003 - 01:09
Ich kenne einen ehemaligen K-Gruppen-Kader-Genossen (nicht son kleiner Mitläufer), der heute als Professor und Chefarzt einer mittelgroßen Klinik die fette Kohle einfährt, da hat er nochmal Glück gehabt, daß das damals nix wurde mit Revolution.....

Einem NichtStudenten...

Thomas 30.11.2003 - 06:25
wie mir ist:
Der obige Artikel typisches hochgestochenes pseudowissenschaftliches Blabla, dessen Substanz gleich null ist und im grossen und ganzen die Aussagekraft eines Stückes Hartholz hat. Und damit meine ich vor allem dies wirklich interessante Eigenschaft der Linken sich ständig selbst ins Bein zu schiessen, nur damit alles so richtig schön "true" bleibt und keiner auf den Gedanken kommt mal ideologische Grenzen im linken Lager zu durchbrechen und einen wirklichen Konsens zwischen den verschiedenen Strömungen zu schaffen der.
Zeigt mir und den anderen Millionen Deutschen das die Linke nicht aus einer zersplittertem und untereinander fehdenden Anssamlung von Castorgegnern, Anarchisten und Kommunisten, Marxisten und Syndikalisten (ich vergesse sicher dutzende andere Gruppen/Vereine/Personen/Genossen) besteht sondern fähig ist, auch über politische Differenzen hinweg einen Konsens zu finden der für alle spricht. Solange jeder sein eigenes Süppchen kocht (oja, und das tut ihr) wird sich null ändern. Nicht für Deutschland und nichts für euch.
P.S.Dem arbeitslosen Bauarbeiter K. aus Bottrop/ Dresden/ Berlin/ Augsburg/Bremen etc. mit 340 Euro Hilfe im Monat ist es auf Deutsch gesagt scheissegal ob ein Student nun für eine bisher kostenlose (jaja, von kostenlos ist ein Studium weit davon entfernt entfernt, aber dieser Eindruck wird immer wieder gerne vermittelt) eine Gebühr bezahlen muss.

P.S.

Thomas 30.11.2003 - 06:48
Medienspketakel? Zumindest Hauptsendezeit, und dazu noch mal keine vermummten die randalierend durch Berlin ziehen. Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte, und heut ist dieses Satz wichtiger den je.

Geht nach Hause

Alice Salomon 30.11.2003 - 12:37
Wir haben es bei Euren traurigen Bemühungen mit einem Missverständnis zu tun. Weil Ihr davon betroffen seit, meint Ihr, die dafür Verantwortlichen würden bei den jetzt anstehenden Umstrukturierungsmaßnahmen irgendetwas verkehrt anstellen. Dabei hat es Euch doch einer der Politiker dieser Tage recht stichhaltig erklärt. Zwar nicht im Geiste Hegels, aber doch in seinen Worten meinte er: "Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit." Ihr lieben Leute mögt jetzt noch ein wenig dumm aus Euren Kürbisköppen gucken und dann einige ganz und gar nicht ernst gemeinte Handlungen durchführen, die so buchstäblich niemanden interessieren werden, dass nicht einmal Ihr selbst sie zu kreativen Aktionen umlügen werdet. Noch nicht einmal ein paar Fensterscheiben werden zu Bruch gehen, was wenigstens den Effekt hätte, dass die Rentner ein paar hässliche Worte über die Jugend verlieren könnten, wodurch Ihr ihnen helfen würdet, ihre angestauten Aggressionen zu verdauen - und auch Ihr könntet dabei einiges loswerden. Als ob nichts gewesen wäre werdet Ihr am Ende eines dieser immer wertloseren Zertifikate erwerben, die man Diplom oder Magister nennt. Eventuell findet der eine oder die andere immerhin einen Liebespartner. Manche nennen ihren Konformismus Widerstand und verewigen so den allgemeinen, wahrscheinlich der Werbung abgelauschten Konfusianismus, der darin besteht, dass man den Gegenständen immer völlig falsche Namen gibt.

All dies ändert nichts an den weisen Worten Eures Oberhaupts, des absolut lächerlichen Gerhard Schröder, dem stolzen Bräutigam einer autoritären Magersüchtigen, der Euch nur regieren darf, weil die anderen Politiker noch hässlicher sind. Vor der ehernen Notwendigkeit gibt es kein Entkommen. Der Staat, den Ihr gottlosen Taugenichtse anbetet, ohne es zu merken, ist pleite. Die Trusts wissen nicht wohin ihren Schund verkaufen und wollen daher Eure Arbeit immer weniger haben, wozu auch beiträgt, dass die Informatiker unter Euch an hübschen Programmen basteln, die Euch aus dem Reproduktionszusammenhang hinauszusäubern helfen. Es mag zwar weit weg scheinen, aber in Russland arbeiten die Arbeiter schon ohne Lohn. Eventuell erleben wir das große Spektakel einer echten Zusammenbruchskrise. War da nicht irgend etwas Ende der 90er in Südkorea, Malaysia, Brasilien? Und was treiben eigentlich die Japaner mit ihren faulen Krediten? In den Zeitungen kann man die Einzelheiten nachlesen, da aber alle sie sofort wieder vergessen, sind sie hier auch nicht weiter von Belang. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob Ihr auf den möglichen Bankrott nicht so reagieren werdet wie man 1789 reagierte, sondern eher auf moderne Weise, also ähnlich dem 11.9.2001. Aus Gründen der Ratio muss man nach Lage der Dinge den Zusammenbruch der Produktion fürchten und nicht herbeisehnen wie der längst vergessene Marx, der mit der Krise die Chance für das Morgenrot der neuen Gesellschaft gekommen sah. Trotzdem verspüren alle etwas Katastrophensehnsucht, denn die Welt ist nach Eurem Bilde geformt und dementsprechend hässlich und schwer zu ertragen. Sämtliche präventiven Krisenmaßnahmen werdet Ihr in das 21. "Kastratenjahrhundert" (Schiller) Geworfenen erdulden, denn nichts in Euch strebt zu Höherem. Euer formaler Widerspruch dient nur der reibungslosen Durchführung diverser Innovationen, die sich die Architekten Eurer Herrschaft für Euch ausdenken. Kein Protokollant will ihn notieren. Allenfalls werden die Betriebsnudeln unter Euch Erfahrungen beim Koordinieren sinnloser Bewegungsabläufe sammeln, womit sie sich vielleicht für einen späteren Job als Humanressourcenmanager qualifizieren könnten. Ihr seid eine Schwemme, eine Akademikerschwemme. Klar, dass ein zweckmäßig eingerichteter Staat Euch nicht ewig alimentieren kann.

Simuliert also bitte keinen Streik der Kopfarbeiter. Euer Hirn hat schon immer gestreikt, weil die deformierte Sache keinen Begriff erträgt - andernfalls wäre sie verloren. (Außerdem juckt es keinen, wenn Ihr kurzfristig keine Scheine bei dementen Lehr-kräften sammelt und ergo blamiert ein Streik Euch nur vor aller Welt.) Dass Euer Hirn streikt, hat seine Ursache freilich nicht in der Physis. Der Grund ist schlicht und wurde von Karl Marx in einem Brief an einen Herrn mit dem Namen Kugelmann ausgesprochen: "Mit der Einsicht in den Zusammenhang stürzt, vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretische Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände. Es ist hier also absolutes Interesse der herrschenden Klasse, die gedankenlose Konfusion zu verewigen." Es ist dies heute das unmittelbare Interesse aller. Wo Computer die Produktion beinahe ohne menschliche Hilfe steuern und der Mensch gelernt hat, mit dem Flugzeug zu fliegen, gibt es keinen Grund für Lohnarbeit und Disziplin. Angesichts dieser simplen Tatsache weiter das Leben zu führen, das man gerade führt, ist so erbärmlich, dass kein Mensch es aushalten kann - es sei denn, er schaltet sein Hirn aus. Dadurch, dass alle sich das Interesse zueigen machen, welches Marx noch als das ausschließlich der herrschenden Klasse bestimmte, wird die Existenz letzterer gründlicher dementiert als durch das Entstehen der apersonalen Aktiengesellschaft. Deshalb erkennt Ihr auch keine Herrschaft mehr, obwohl im Arbeitsprozeß über Euch verfügt werden wird wie eh und je. Eurer Irrationalismus ist nur der der aktuellen Erzeugungsart und das Prädikat dumm damit eine Tatsachenfeststellung und keine Beleidigung. Als Anhängsel von Euch nicht beeinflusster Kräfte kann man Euch nicht beleidigen. Wozu auch. Manch einer wird den witzigen Satz von Adorno aufgeschnappt haben: "Bei manchen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie ‚ich' sagen". Allein es ist bitterer Ernst.

Konkret bedeutet die Konfusion, das man den Wissenschafts-betrieb ruhig zusammenkürzen kann. Was soll eine Musikwissen-schaft, wenn kein Student den anderen erklärt, was der Gehalt der Eroica von Beethoven ist. Wozu überhaupt Bibliotheken, wenn kein Literaturwissenschaftler und kein Philosoph erklärt, dass Goethe oder Hegel polemisch gegen ihre Zeit opponierten und man deshalb keine Steinpuppen von ihnen aufzustellen hat, wenn man selbst den Zeitgeist repräsentiert. Was soll der Nutzen der Sorbonne zu Berlin sein, wenn kein Psychologe und kein Biologe über die aktuelle und durch und durch gesellschaftliche Verfasst-heit des Körpers und seiner Seele aufklären. Alle isolierten Fakul-täten ließen sich leicht ihrer Überflüssigkeit überführen. Was Ihr in hoffnungslos naiver Weise zu verteidigen meint, ist Staub, weshalb Ihr schlicht nach Hause gehen solltet.

Es ist radikaler....

Realist 30.11.2003 - 17:29
es ist radikaler wenn hundert Kitamitrabeiterinnen aufgrund des Studentenstreiks entscheiden, auf einer Demo gegen Sozialabbau ihrer Forderung nach Erhalt der Kitas Nachdruck zu verleihen, als eine sozialrevolutionäre "Kapitalismus abschaffen"-Demo mit 100 Teilnehmern.

Wer sagt denn, wir wollten radikal sein?

Denial 12.12.2003 - 17:58
Den Anfang des Artikels kann ich nicht nachvollziehen - ich bin selber Student, fahre z.B. morgen auf Demo und von uns hier denkt keiner, wir wären die neuen 68er.

Uns gehts aber andererseits auch nicht um unsere Privilegien - die haben wir und die nimmt uns vor dem Studienabschluß (in ein paar Jahren oder in meinem Fall Monaten) auch keiner mehr weg. Wenn schon, dann geht es uns um die Privilegien derjenigen, die nach uns kommen. Der Egoismusvorwurf ist also Blödsinn.

Was wir machen, ist einfach nur unsere politische Meinung ausdrücken - wenn die irgendwem nicht paßt, weil sie nicht radikal genug ist, dann ist das genauso egal wie wenn sie jemandem nicht paßt, weil er Studenten schon seit 68 Scheiße findet. :-)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

@Demokratie sucks — verwurstung

Indymedia Selektion? — hans fischer

Selbstmitleid — Alice

Das geht zu weit!!! — positiv schauen!!!