Nichts ist Luxus! Buy Nothing Day 2003

The great GATSby 27.11.2003 23:11 Themen: Globalisierung Kultur Soziale Kämpfe Weltweit Ökologie
Update:
Massenverhaftungen vor Großaktion gegen Werbung in Frankreich.

Einen Tag lang nichts kaufen: "Kauf Nichts Tag".
Letztes Jahr hätte ich es beinahe geschafft, einen ganzen Tag lang absichtlich nichts zu kaufen, trotz Hunger und Durst unterwegs, trotz Druck von Bekannten "Du bist doch bescheuert, ich hol mir jetzt was zu essen". Dieses Jahr am Samstag, dem 29.11 erhalte ich eine zweite Chance mehr Bewußtsein zu schaffen dafür, daß "der unüberlegte Überkonsum in unserer Gesellschaft nicht nur ökologische sondern auch menschliche Katastrophen verursacht".

indymedia.org | Adbusters.org | Stop Pub | buy-nothing-day.de | Schwarzbuch Markenfirmen
In Berlin, Wien, Dresden, Köln, Trier, Hamburg gibt es eine Vielzahl von Aktionen dazu die mich daran erinnern werden, daß ich auch etwas tun kann statt nur zu kaufen. Vielleicht bekomme ich diesmal auch was kostenlos zu trinken oder essen. Doch das hängt nicht nur von mir ab, die Menschen sind selbst gefragt. Dieses Jahr antworten auch mehr, trotz weniger Medienecho gibt es mehr Beteiligte landesweit. Auch in unseren unmittelbaren Nachbarländern wie Österreich, Dänemark, Polen [1/ 2/ 3], Frankreich, Tschechien, Niederlande ist viel geplant.

Auch weltweit begehen Menschen diesen freiwilligen Feiertag vom Einkaufsstreß, in den USA, Kanada, Italien und Israel schon einen Tag früher:indymedia.org | Adbusters.org | Großbritannien | Japan | buy-nothing-day.de | Schwarzbuch Markenfirmen

Doch die meisten Leute wissen noch nichts davon oder sträuben sich dagegen. Deswegen mehr zum warum. Es geht um nichts geringeres als um Alles, die Welt, die Menschheit und mein eigenes Wohlbefinden.

Buy Nothing Day in SchwedenIn Schweden

In Wien heißt er Kauf-Nix-Tag, in Dresden Kaufe Nix Tag, in Hamburg Kauf Garnichts Tag. Viele Namen ein Ziel, mehr Bewußtsein zu schaffen dafür, daß "der unüberlegte Überkonsum in unserer Gesellschaft nicht nur ökologische sondern auch menschliche Katastrophen verursacht".
In Berlin wird wie letztes Jahr maßgeblich vom Narra e.v in Eigenregie eine ganze Palette von Aktivitäten vorbereitet, Umsonstparty mit lediglich freiwilliger Essens- oder Getränkspende, zuvor eine Diskussion mit fachkundigen Leuten zum Thema bewußter Konsum, Konsumkritik und Markenmacht, Demo mit "Einkaufswagen-Balett", Ausstellung, Filmvorführung...

Das diesjährige Flyer-Motiv wurde übrigens eigens von einem Streetart-Kollektiv aus Halle gestaltet.
Geraldine von der Vorbereitungsgruppe meint der Kontakt zu Adbusters beschränke sich auf zwei unbeantwortete E-Mails. Doch das scheint auch das Erfolgsrezept des dieses Jahr noch weiter angewachsenen Buy Nothing Days zu sein, die autonome Selbstorganisation entlang einer bereits erfolgreichen Idee scheint ideale Voraussetzung zu sein für lokale Initiativensich zu beteiligen. So wird es unter Anderem in Köln Einkäufe ohne einzukaufen geben, in Trier Früchte verteilen vor Mc Donalds und in Dresden einen temporären Umsonstladen.
Doch das ist nichts im Vergleich zu zum Beispiel Frankreich wo dank der besonders starken Antipub (Antiwerbung) Bewegung bereits an zig Orten Aktionen stattfinden sollen.

Warum der Buy Nothing Day in Zeiten von drastischem Sozialabbau und sich ausbreitendem staatlich verordneten Elend sowie von alltäglicher Massenarbeitslosigkeit kein reiner Hohn ist, erklärt der Dresdner Umsonstladen am besten:
"Wir müssen diese Kette aus arbeiten-kaufen-mehr arbeiten-mehr kaufen durchbrechen. Die einen arbeiten immer härter für immer mehr Geld und haben überhaupt keine Zeit mehr für ihr Leben, andere haben überhaupt keine bezahlte Arbeit."
Buy Nothing Day Japan

Nichtsdestotrotz gibt es hierzulande erfahrungsgemäß mehr kritische Gemüter als tatsächlich aktive Menschen. Um einige der häufigsten Fragen schon mal zu beantworten die mir seit meiner letztjährigen Beschäftigung mit dem Thema untergekommen sind, habe ich eine kleine FAQ zusammengestellt. Die Antworten sind ganz grob und lassen sich sicher auseinanderfriemeln, doch dafür habe ich keine Zeit, ich kaufe nichts und tue was...

- Was soll das nützen? Dieser Boykott läßt sich nicht mal in der Statistik nachweisen!

Der tatsächliche Boykott ist zweitrangig und nicht das Hauptziel. Es wäre schön wenn tatsächlich nachweisbar weniger gekauft würde. Der Erfolg des Buy Nothing Day ist aber schon dann gegebenen, wenn acuh nur ein Mensch sein rücksichtloses Verbrauchsverhalten überdacht hat.

- Was soll das nützen? Vor der Revolution, Abschaffung des Kapitalismus kann mensch eh nichts tun!

Es gibt zwar kein richtiges Leben im Falschen, aber es gibt falscheres Leben im Falschen. Es ist auch möglich bereits jetzt schrittweise einen andere Welt umzusetzen.

- Was soll das nützen? Die Leute kaufen dann am nächsten oder vorigen Tag mehr!

Die Leute die einen Tag nichts gekauft haben werden bereits die Folgen spüren, mehr Zeit, neue Gedanken, Austausch mit Gleichgesinnten. Es wird also sogar denen nützen die alles vorher oder nachher kaufen.

- Was soll das nützen? Ohne Änderung der Produktionsverhältnisse hats keinen Zweck!

Der Buy Nothing Day thematisiert ebenfalls die Produktionsverhältnisse, angefangen bei Kritik an Konzernen/Marken wie Nike, Mc Donalds oder Coca Cola andererseits unterstützt er Fair Trade und alternative, ökologische Wirtschaftweisen sowie alternative Wirtschaftmodelle wie Umsonstläden, Tauschringe, selstverwaltete Strukturen und Participatory Economics.

- Warum macht ihr keinen richtigen Protest gegen Agenda 2010 zum Beispiel?

Sogenannte "richtige" Proteste sind meist rituell und richten sie sich fast immer an Machtinstitutionen wie den Staatsaparat oder Konzerne und ziehen ihren Erfolg vor allem aus der Konfrontation mit diesen.Der Buy Nothing Day dagegen zielt auf die Grundlage des gegenwärtigen Systems, die Zustimmung und Kollaboration jedes Einzelnen an diesem, auch Biomacht genannt.

- Wollt ihr unsere Wirtschaft ruinieren?

Ein Tag lang nichts kaufen würde selbst bei überragendem Erfolg die Wirtschaft nicht schädigen. Andererseits ist mehr kaufen nicht unbedingt nützlich für die Wirtschaft, selbst wenn vom utopischen Modell des unendlichen Wirtschaftswachstums ausgegangen wird, bei dem der Planet gänzlich draufgeht samt Wirtschaft. Mehr kaufen führt zu mehr Verschwendung.

- Warum macht ihr keinen "Steal Something Day"?

Jedes Jahr posten einige Leute denselben Aufruf von 1999 um im Schatten des Buy Nothing Day Publicity zu erheischen. Der Buy Nothing Day unterscheidet sich von dieser theoretischen Idee folgendermaßen: Er setzt nicht auf das Recht des Stärkeren und das Survival of the Fittest bei dem nur die was bekämen die am schnellsten wegrennen oder am dreistesten sind. Der Buy Nothing Day ist für Alle geeignet und die Menschen fügen sich gegenseitig keinen Schaden zu. Ferner richtet sich der Buy Nothing Day gegen den Warenfetisch an sich und nicht nur gegen den Erwerb dessen mit Geld. Auch ist die Reproduktion vom kapitalistischen Recht des Stärkeren auf Ausbeutung des Schwächeren durch den Übergang zum archaischen Faustrecht keine Perspektive.

- Was ist ein Warenfetisch? Hat das was mit Sex zu tun?

Ein Warenfetisch ist eine Ware die nicht wegen ihrme tatsächlichen Gebrauchswert gekauft wurde und nicht mal mehr ein Luxusgut ist, also etwas was über die Grundbedürfnisse hinausgeht. Ein Warenfetisch ist eine gekaufte Sache die dazu dient als Ersatz für etwas anderes ein nicht materielles Bedürfnis zu befriedigen. Beispiel: Ich bin unglücklich, ich kaufe mir eine teure Uhr um mich zu trösten statt mit einem Menschen der mir nahesteht über mein Problem zu sprechen. Ein Warenfetisch ist zwar nicht zwangsläufig sexuell, kann es aber sein. Wenn ein Produkt ein menschliches Bedürfnis deckt wie das nach Zuneigung oder körperlicher Liebe wie etwa Trivialliteratur oder Pornographie.

- Wollt ihr mich verarschen? Ich habe jeden zweiten Tag unfreiwillig Buy Nothing Day!

Nein, im Gegenteil, der Buy Nothing Day ist eine Gelegenheit für Leute die genug Geld haben zu merken wie es denen geht die nicht genug haben. Auch richtet sich der Buy Nothing Day direkt gegen die Ausbeutung ärmerer Gegenden der Welt. Dort haben Menschen teilweise nicht nur Buy Nothing Day sondern längere Zeitspannen weil sie im Zuge der Globalisierung für unseren Wohlstand aufkommen müssen.

- Seid ihr alle antimamerikanisch und antisemitisch ihr Schweine?

Nein, der Buy Nothing Day stamt aus Nord Amerika, exisitiert dort schon seit 12 Jahren und hat auch in Israel seit mindestens 5 Jahren begangen.

- Habt ihr nicht besseres zu tun? Geht arbeiten!

Einige Leute die den Buy Nothing Day organisieren oder unterstützen sind präkar Beschäftigte, Studierende, Erwerbslose, Künstler, Selbständige. Die meisten arbeiten oder sind anderweitig beschäftigt und engagieren sich zusätzlich in ihrer Friezeit.

- Mehr Leben, weniger kaufen? Wie soll ich denn Leben ohne zu kaufen?

Leben ist nicht das gleiche wie das pure Überleben. Das eigentliche Leben fängt erst jenseits des bloßen Überlebens an. Das heißt erst wenn die materiellen Grundbedürfnisse gedeckt sind, können die anderen menschlichen Bedürfnisse überhaupt erst entdeckt und gedeckt werden. Allerdings sollte eben vermieden werden diese Bedürfnisse wie menschliche Wärme, Zugehörigkeit oder Freiheit durch Produkte sowie warenförmige Aktivitäten oder Beziehungen zu decken. Keiner mag mich, deswegen gehe ich solange für Geld ins Fitness-Center bis ich schön genug bin funktioniert nicht.

- Wollt ihr zurück ins Mittelalter?

Nein, im Gegenteil, aufgrund des technischen Fortschritts ist es erstmals möglich nicht nur die Grundbedürfnisse zu decken sondern eben alle Facetten der Menschlichkeit zu entfalten. Die Technologie erlaubt uns dies bei korrektem Einsatz und der gleichmäßigen Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums.

- Seid ihr Schenker?

Zwar ist gegen ein solches Modell wie der Schenker grundsätzlich nichts einzuwenden, aber es eignet sich nicht für Alle. Der Buy Nothing Day propagiert keine Flucht vor der Welt sondern ein Agieren in der Mitte der Gesellschaft.

- Seid ihr Moslems?

Zwar sind die Moslems vom Glauben her zum Beispiel als Ladenbesitzer verpflichtet Fremden ohne Geld auch etwas gratis zu Essen zu geben, der Buy Nothing Day verfolgt aber einen weiterführende Ansatz der sich nicht lediglich auf religiöse Bräuche oder Traditionen stützt.

- Umsonstladen? Krieg ich bei Euch einen nagelneuen CD-Player oder ein Auto?

Ein Umsonstladen propagiert im Gegensatz zu normalen Konsumtempeln nicht den zügellosen Konsum. In einem Umsonstladen finden sich Dinge die Andere verschenken wollen weil es ihnen zuviel oder zu nichts mehr nütze ist. Diese Dinge können Andere wiederum aber sehr gut brauchen können. Ein Umsonstladen ist ein erster Schritt um weniger zu konsumieren und den vorhandenen Überfluss mit anderen zu teilen. Das lancieren der neusten Gadgets "die alle haben müssen" lieget nicht im Interesse eines Umsonstladens.

- Konsum refelektieren? Brauch ich dafür Reflektoren?

Um den eigenen Verbrauch zu überdenken brauchst du nichts, denn nichts ist fair! Und nichts ist Luxus. Wer nichts hat oder nichts kauft kann deutlich besser über das eigentlch im Leben Wichtige nachdenken.

- Seid ihr Antideutsche, Trotzkisten, Autonome, Chaoten, Bürgerkinder, Yuppies?

Die Leute die beim Buy Nothing Day mitmachen sind zuallererst Menschen. Sie sind zweitens Aktivistinnen und Aktivisten. Eine Zuschreibung zu indentitären Gruppen, oder eine abwertende Zuweisung zu einer politischen oder gesellschaftlichen Richtung mahct daher keinen Sinn. Diese Menschen sind politisch in einem direkten aktiven Sinne, die Politik im Alltag selber zu entscheiden betreffend, nicht feste Ideologien vertretend.

- Seid ihr bescheuert?

Nicht genug um diese Frage zu beantworten. Doch wer ist klüger? Die die ohne Rücksicht auf Verluste eine Art materiellen Ersatz-Hedonismus praktizieren oder die die einen bewußten Lebensstil, Solidariät vorleben und alle ihre menschlichen Bedürfnisse und Qualitäten entdecken?

Weitere kritische Fragen werden bei der Dresdner Kaufe Nix Tag-Initiative und im Buy Nothing Day-Wiki beantwortet.

Also tut was statt zu konsumieren, auch im Internet und wenn ihr schon unbedingt was schreiben wollt dann einen Erlebnisbericht, keine besserwisserischen Belehrungen.

Mehr theoretischen Hintergrund gibt es zum Beispiel der Wertkritik.
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Ergänzungen

Oscar Wilde

Zitat 28.11.2003 - 01:11
Eigentlich brauche ich gar nichts außer Luxus

der Warenfetisch

soc.rev 28.11.2003 - 01:56
hmm, der warenfetisch bedeutet aber - zumindest nach marx - was anderes, nämlich das unverstandene verhältnis von gebrauchswert und tauschwert, d.h. praktisch in der ware (also jedem gegenstand) nur den unmittelbaren gebrauchswert zu sehen und das in ihr materialisierte gesellschaftliche verhältnis - den tauschwert eben, die äquivalenz zu anderen waren bzw. die quantität "geronnener" menschlicher arbeitskraft - eben nicht.

dass fetischisiertes denken weitverbreitet ist zeigt z.b. die nullanalyse des autors des oben stehenden textes. nichts mehr zu kaufen bringt den wertverwertungsprozess sicher nicht zu fall. höchstens den individuellen lebensstandard.

erst eine kritik der politischen ökonomie entwickeln, dann anfangen über sinnvolle praxis nachzudenken!

Tauschringe

tausche arbeit gegen hängematte 28.11.2003 - 03:24
Tauschringe sind keine alternativen Wirtschaftskonzepte, sondern Kapitalismus pur, wie Kurz so prägnant zeigt:
"Anzustreben ist also nicht ein "alternativökonomischer" Zusammenhang kleiner warenproduzierender Genossenschaften oder gar von Einzelpersonen, die ihre Arbeitszeit "direkt" tauschen, wie in der regressiven Ideologie der Tauschringe vorgesehen. Denn damit wäre ja nichts weiter erreicht als die Reproduktion (oder parallelgesellschaftliche Simulation) der marktwirtschaftlichen Zwänge mit allen ihren Implikationen. Die abstrakte Tätigkeitsform Arbeit wäre nicht etwa aufgehoben, sondern die "Selbstverwaltung" würde sich darauf reduzieren, die verrückten Gesetze der Betriebswirtschaft an sich selbst zu exekutieren. Reale Aneignung könnte immer nur heißen, daß im jeweiligen Zugriffsbereich die verfügbaren Ressourcen gemäß direkter Absprache der Beteiligten eingesetzt werden und das Resultat "im Gebrauch erlischt", also nicht auf den Markt als Angebot zurückkehrt. Nur mit dieser Perspektive kann eine Rücknahme der verselbständigten Sphäre der Ökonomie in einen bewußt organisierten gesellschaftlichen Zusammenhang auch in Teilbereichen eingeleitet werden."

sehr schöner beitrag

mitdenker 28.11.2003 - 13:00
sehr schöner artikel. vor allem ist es erfrischend festzustellen, dass sich jemand mit seinem thema so ausführlich auseinandergesetzt hat, dass er auf die unvermeidlichen fragen und entgegnungen gleich eingehen und diese beantworten bzw. entkräften kann. dass immer noch kritik geäußert wird steht dem ja nicht entgegen.
jedenfalls die beste deutsche darstellung, die ich bisher zum "buy nothing day" gelesen habe, danke.
im übrigen: www.adbusters.org

FAQ, ergänzt

The great GATSby 28.11.2003 - 13:42
Wie erwartet melden sich typischerweise für die untätige hiesige Bevölkerung etliche kritischen Gemüter die versuchen alles nur schlechte herauszusuchen. Ist dieses Bemühen angesichts der kapitalistischen Entfremdung nachvollziehbar so ist seine dahingeworfene und unachtsame Qualität besonders auffällig.

- Warum macht ihrs nicht wie Oscar Wilde?

Zuallererst, das Zitat lautet korrekt: "Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten"
(  http://www.discovery.de/de/pub/specials/liebeundtriebe/ikonen/oscar_wilde.htm ).
Um es richtig zu verstehen muß es im Kontext stehen:

"Wichtiger als seine Werke war Oscar jedoch sein Leben. Ziel war für ihn, dieses „schön“ zu gestalten, d.h. schöne, edle (mithin teure) Kleidung zu tragen, ein schönes Heim, eine schöne Frau und schöne Kinder. Außerhalb dieser Umgebung verkehrte er in Kreisen, die sich mit allem Luxus umgeben konnten und aufgrund ihrer Bildung auch in der Lage waren, seinen Theorien betreffend Kunst und Schönheit zu folgen. Oskar gestaltete sich so selbst und wurde ein lebendes Kunstwerk. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an seine berühmten Wort an André Gide: 'Ich habe mein Genie auf mein Leben verwendet und auf meine Werke nur mein Talent.'"

Dieser Absatz bestätigt, daß Wilde wie auch bei der Idee des Buy Nothing Day ein Leben jenseits nur des puren Konsums lebte.

"Aber da war auch noch eine andere Liebe, die eher zum 'hellenischen' Gedanken gehörte und deshalb den christlich erzogenen Menschen, der sich dem täglichen Überlebenskampf stellen mußte und weder Sinn noch Zeit für ästhetisches oder hellenistisches Gedankengut hatte, abstieß und mit Ekel erfüllte."
(  http://www.besuche-oscar-wilde.de/interaktiv/vortrag/vissi_d_arte.htm )

Dieser Satz zeigt auch, daß der stupide Kreislauf von Arbeit und Konsum von ihm abgelehnt wurde. Der einzige Unterschied zum Buy Nothing Day ist das Wilde das durch Reichtum seiner Ehefrau erreichen konnte, es aber heutzutage auch ohne Reichtum möglich ist.

- Warum erklärt ihr den Warenfetisch falsch? Nach Marx, Adorno, Horkheimer, Debord... wird er so und so erklärt!

RTFM! Wer nicht mal eine FAQ richtig benutzen kann, der sollte sich von Kritik zurückhalten. Die FAQ erklärt eine vereinfachte Sicht auf den Warenfetisch die nicht nur für Soziologen im 12 Semester nachvollziehbar sind. Der Begriff Warenfetisch ist ein in der Wissenschaft umstrittener und dessen Definition variiert je nach Ursprung. Daher wurden auch sage und schreibe zwei davon verlinkt. Die zweite ist sehr ausführlich, für die klickfaulen noch einmal:  http://kulturkritik.net/Begriffe/wa.html#Warenfetisch

- Wie könnt ihr einfach handeln ohne vorher eine Kritik der politischen Ökonomie zu entwickeln?

Die Philosophie die hinter dem Buy Nothing Day steht ist Sache der Einzelnen und auch gewissermaßen offensichtlich. Wenn da nicht in jedem zweiten Satz eine ausführliche Kapitalismuskritik steht hat es seine Gründe. Unter Anderem den, daß es Menschen gibt die agieren und andere die theoretisieren. Die Aktiven von Buy Nothing Day sind nicht bereit zu warten bis sie im hohen Alter eine vollständige Gesellschaftsanalyse entwickeln konnten. Auch diese ist verlinkt.

- Warum schreibt ihr keine Analyse? Der obige Text ist keine!

Erstmal Respekt für die richtige Einschätzung, fast wäre es nicht aufgefallen ohne den Hinweis: Dieser Text ist ein Übersichtsartikel. Analysen und Hintergründe sind meherere verlinkt. Ansonsten Suchmaschine benutzen falls das nicht genügt.

- Warum unterstützt ihr Tauschringe? Tauschringe sind schlecht!

Tauschringe haben sich in vielen Ländern als temporäre und lokale Alternativökonomie bewährt. Zum Beispeil in Argentinien:  http://www.wildcat-www.de/zirkular/65/z65argen.htm

- Warum bezeichnet ihr Tauschringe als alternative Wirtschaftskonzepte? Das ist falsch!

Nicht richtig gelesen. Mit "alternative Wirtschaftmodelle" ist vor Allem Participatory Economics gemeint:  http://parecon.org

- Warum ruft ihr nicht zum Klauen auf, das ist viel emanzipatorischer! "Steal-Something-Day" bedeutet doch nicht, der Oma die Handtasche zu klauen, wie Du es hier anklingen lässt!

Die Aufrufe zum Klauen die sich hier immer wieder finden sind einfach nur unreflektiert und entstehen aus einer reflexartigen Antihaltung. Sie werden von 16 Jährigen Kiddies gelesen die dann wegen diesen Aufrufen von der Polizei verhaftet werden im schlimmsten Fall. Anders als etwa in Spanien (  http://www.yomango.net ) wo versucht wird daraus eine Aktionsform herzuleiten von der solidarisch viele Nutzen ziehen, versuchen hier Bildschirmrevoluzzer andere anzuheizen. Doch das unreife Leute die heute im Kaufhaus klauen, morgen dort von der Security vertrieben werden und übermorgen die wehrlose Oma ausrauben werden mangels Alternative ist ein auch in Anderen Ländern erwiesener Sachverhalt.

- Findet ihr Konsum schlecht?

Nein, wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft in der alle schon den Konsum ausprobieren konnten (selbst Sozialhilfempfänger sind deutlcih wohlhabender als 80% der Weltbevölkerung). Der Buy Nothing Day ruft nicht zum Verarmen auf sondern zum reflektieren ob Konsum wirklich das einzige sein kann.

- Warum bekämpft ihr nicht den Kapitalismus?

Es muß nicht in jedem zweiten Satz eine Parole wie "Smash Capitalism" stehen um was gegen Kapitalismus zu tun. Wem das nicht auffällt möge den Text noch einmal richtig lesen.


Wer etwas stichhaltigere Kritik äußern möchte möge sich doch damit im Wiki einbringen und vorher den Text genauer lesen sowie die Links verfolgen und die vorgefundenen Texte dazu lesen.

Kritik, ergänzt

Kalle 29.11.2003 - 00:18
"Wie erwartet melden sich typischerweise für die untätige hiesige Bevölkerung"

Woher willst Du wissen, dass ich untätig bin? ziemlich plumpe Unterstellung. Aber passt zu Deiner Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen.

"Die FAQ erklärt eine vereinfachte Sicht auf den Warenfetisch"

Nein, eine falsche. Zumindest wenn Du mit marxistischer Terminologie wie Gebrauchswert argumentierst. Dein Begriff des Warenfetisch ist ein umgangssprachlicher, ist aber nichtsdestotrotz dem Gegenstand nicht angemessen, bzw. verschleiert, dass es hier nur um eine Kritik an Bedürfniserzeugung geht.

"Daher wurden auch sage und schreibe zwei [Definitionen] davon verlinkt."

Nur hast Du leider den Begriff des Warenfetisch, den der Link zutreffend beschreibt, nicht verstanden und behauptest, mit dem Link als Untermauerung in etwa das Gegenteil dessen, was der Link aussagt.

"- Wie könnt ihr einfach handeln ohne vorher eine Kritik der politischen Ökonomie zu entwickeln?

Unter Anderem den, daß es Menschen gibt die agieren und andere die theoretisieren."

Ach, aber Menschen, die theoretisch arbeiten, sind automatisch zu Nichthandeln gezwungen. Was für eine primitive Schwarzweissmalerei! Theorie ohne Praxis bringt nix, aber Praxis ohne Theorie endet einfach nur in der Reproduktion der herrschenden Verhältnisse.

"- Warum unterstützt ihr Tauschringe? Tauschringe sind schlecht!

Tauschringe haben sich in vielen Ländern als temporäre und lokale Alternativökonomie bewährt."

Liest Du eigentlich jemals die Links, die Du angibst? Da steht exakt, dass sie lediglich der Versuch sind, einen anderen Kapitalismus zu schaffen. siehe obenstehende Kritik.

"- Warum bezeichnet ihr Tauschringe als alternative Wirtschaftskonzepte?Das ist falsch!
Nicht richtig gelesen."
Liest Du nicht mal, was Du selber schreibst?
" ...sowie alternative Wirtschaftmodelle wie Umsonstläden, Tauschringe, selstverwaltete Strukturen und Participatory Economics."

desweiteren:
"Mit "alternative Wirtschaftmodelle" ist vor Allem Participatory Economics gemeint:  http://parecon.org "

die oben erwähnte Kritik trifft ebenfalls Parecon.

"Die Aufrufe zum Klauen die sich hier immer wieder finden sind einfach nur unreflektiert und entstehen aus einer reflexartigen Antihaltung. "

Oh, du hast Küchenpsychologie studiert? Lustig, dass Du diesen mangelhafte Reflexion vorwirst, aber auf den gleichen Vorwurf an Dich damit reagierst, dass Du lieber Praxis als Theorie machen willst.

"Doch das unreife Leute die heute im Kaufhaus klauen, morgen dort von der Security vertrieben werden und übermorgen die wehrlose Oma ausrauben werden mangels Alternative ist ein auch in Anderen Ländern erwiesener Sachverhalt."

Na klar, wer heute einen Lolli klaut, begeht übermorgen Bankfälle - mit der Argumentation versucht die CDU das Strafalter runterzusetzen und die Sichergheitsverwahrung zu rechtfertigen.

"Es muß nicht in jedem zweiten Satz eine Parole wie "Smash Capitalism" stehen um was gegen Kapitalismus zu tun. Wem das nicht auffällt möge den Text noch einmal richtig lesen."
Jawohl, Herr Oberlehre, habe ich getan, nur leider sehe ich lediglich, dass die bnd-leute einen Kapitalismus wollen, wo sie selber bestimmen können, was Grundbedürfnisse (also gut) sind und was darüber hinauseht (böse). Alles eingebunden in regressive "Alternativ"modell wie Parecon, wo sämtliche Lebensbereiche kapitalisiert werden.

"Wer etwas stichhaltigere Kritik äußern möchte möge sich doch damit im Wiki einbringen und vorher den Text genauer lesen sowie die Links verfolgen und die vorgefundenen Texte dazu lesen."

Wer etwas stichhaltigere Ergänzungen äussern möchte, darf dies gerne auf Indymedia tun, aber nur, wenn mensch seine/ihre angegebenen Links auch wirklich liest und versteht.
Ansonsten bleibt es an anderen hängen, die groben Fehler, Desinformationen und Propaganda zu entlarven.

weitere Termine rund um den 29.11. + MEHR

ein Überblick 29.11.2003 - 00:49

Gemecker

Egal 29.11.2003 - 19:18
Entweder ist das an mir total vorbeigerauscht, oder der Kauf-nix-Tag wurde hier vorher nicht angekündigt. Sehr schade, da ich gerne was gemacht hätte. Nur von gelaufenen Aktionen im Nachhinein zu lesen, is langweilig.

Wo gibbet diese Umsonstläden?

KnAtter 30.11.2003 - 10:31
ja hört sich alles nich schlecht an.
deshalb wollt ich mal wissen,wo es umsonstläden/tauschläden gibt bzw webadressen/links etc ;-)

mehr umsonstlaeden

anna chi 30.11.2003 - 12:27
hallo adressen von umsonstlaeden gibts zum beispiel
hier: www.umsonstladen.info

Yeah

- 01.12.2003 - 05:07
nein,der buy nothing -day ist nicht geeignet,denen ,die haben und kaufen können klarzumachen wie das ist,sich freiwilligen Verzicht nicht leisten zu können,er ist wie wenn fette Leute vor Ostern fasten.Wenn Leute,die ihr Leben gefressen haben irgnewann mal nur noch Wasser trinken,weil irgendwo andere Hungern oder leiden,er bringt keinen Erkentnisgewin,sondern Gewissensentlastung und ist sowas wie eine kulturelle Praktik,damit eine Kultur,die Konsumkultur,sich ihrer Grenzen bewußt wird.Ob das schlecht ist ?
Auf jeden Fall erfährt der einmal in Gemeinschaft nicht kaufende nicht,wie es ist,durch INNenstädte zu rennen,in denen es alles gibt,
(außer Liebe,fuck it),und er kann nicht teilhaben,wie unüberwindbar sozio-ökonomische Grenzen sind und das es physisch weh tun kann,sich in kein Kaffe setzen zu können.So lang können Straßen sein...
und Leitungen auch !

Ich konsumiere also bin ich

The great GATSby 01.12.2003 - 12:18
Weitere kafkaesk-besserwisserische Pseudokommentare zum Thema:

 http://www.intro.de/index.php3?nav=10&con=/news/news&einenews=1069770082&

 http://www.de-bug.de/news/2104.html

Sehr beeindruckend wie sich Linksradikale und Konsumopfer einvernehmlich gegen den Buy Nothing Day wehren. Es muß also wohl was dran sein an dem was die Junge Welt konstatiert: "Wenn weltweit kein Mensch mehr konsumiert, geht der Kapitalismus zugrunde. Radikaler geht es eigentlich nicht mehr".
 http://www.jungewelt.de/2003/11-28/017.php

Guter Artikel bei der TAZ:
 http://www.taz.de/pt/2003/11/29/a0103.nf/text.ges,1

Auf die ND ist auch Verlaß:
 http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=45267&IDC=3

Die bürgerlich konservative Süddeutsche versucht uns aber weiszumachen, daß Konsum glücklich macht:
 http://www.sueddeutsche.de/sz/sonderseiten/red-artikel1523/

Die Bücher von Erich Fromm wie "Haben oder Sein" sind an ihnen wohl gänzlich vorbeigegangen.

Auch empfehlenswert:  http://www.geocities.com/situ1968/leben.html


In Berlin gabs "Mensch ärgere dich nicht" mit einem Gutschein für 0 Euro beim Kadewe als Hauptpreis, Theater über privatisiertes Wasser, Film über die Unterdrückung der Arbeiterinnen von Adidas-Subunternehmen, Lese-Duell pro/contra Kapitalismus und Diskussionrunde unter Anderem mit dem Greenpeace Gründer. Danach Demo mit Parolen wie "Nix ist billig!". Währenddessen Radiosendung bei Fritz. Abends und Nachts dann Konzerte, DJ's... Falls zufällig doch eine/r von den Indymedia-Leser/innen sich dahin verirrt hat, ich war der ganz vorne an der Bühne am meisten abgegangen ist. Der Muskelkater vom Headbanging ist aber schon fast wieder weg, ich mach das zum Glück öfters. Und: dieses Jahr hab ichs locker geschafft nichts zu kaufen, anders als der TAZ-Mensch, nicht nur wegen dem leckeren selbst gebackenen Kuchen im Roten Salon.
Auf jeden Fall Respekt und vielen Dank an die Orga-Crew! Das war schon fast ein Buy Nothing Festival!

Falls ich nicht der Einzige war der das überhaupt mitbekomen hat, wär schön zu lesen wie es bei Anderen und in Dresden sowie Köln lief, oder direkt bei Adbusters posten!

Die Verbalradikalen vom "Steal Something Day" haben sich immerhin getraut unten am Eingang, 3 Stunden nah ihrer anberaumten "Aktion" ihre Flyer auszulegen. Um sie an die Leute zu verteilen waren sie nicht mehr "radikal" genug ;-) Ich glaube persönlich nicht, daß da etwas lief.

Bis zum nächsten Jahr!





noch mehr Kritik

kalle 01.12.2003 - 23:51
Die offiziell-brave Demo wurde übrigens bei der Hauptveranstaltung angekündigt, dass doch alle verpflichtet (!) seien mitzugehen. *lol* die Moralisiererei durchzog schon vorher die diskussionsrunden...
und auf den Konzernchef von Greenpeace kann mensch auch nicht wirklich stolz sein.

und schon wieder glänzt Mr. Oberlehrer "The great GATSby" durch seine Unfähigkeit mit Kritik umzugehen. So schreibt er:
"Weitere kafkaesk-besserwisserische Pseudokommentare zum Thema"
Ohne auch nur auf die Kritik einzugehen...


desweiteren:
"Sehr beeindruckend wie sich Linksradikale und Konsumopfer einvernehmlich gegen den Buy Nothing Day wehren. Es muß also wohl was dran sein an dem was die Junge Welt konstatiert: "Wenn weltweit kein Mensch mehr konsumiert, geht der Kapitalismus zugrunde. Radikaler geht es eigentlich nicht mehr"."
Dass dieser Satz totaler Unfug ist, brauch ich keiner/keinem zu sagen. Der Kapitalismus wird längst untergegangen sein, bevor alle aufhören können zu konsumieren, denn woher sollen sie denn die Waren bekommen, die sie zum Überleben brauchen - sicher nicht aus einem kapitalistischem System - Konsumverzicht bringt daher als Mittel zur Überwindung des Systems rein gar nix. Und dass die "Konsumopfer" im Gegensatz zur moralisierenden Elite des Buy-nothing-days vielleicht eine andere Kritik am bnd haben als Linksradikale, wird mal schön eingeebnet. Weil es ja so schön ist, sich als moralisch saubere, (und bloss nicht radikale) menschen darzustellen, die auf theorie scheissen, um sich einfach mal gut zu fühlen. na, wenns spass macht...


aus dem von dir gelobten Interview aus der jungen Welt:
"Wir verstehen uns aber auf keinen Fall als Radikale. Wir wollen im besten Sinne Mainstream sein, das heißt, von möglichst allen verstanden werden."
Da hat sie recht, Radikale (das heisst an die Wurzeln Gehende) sind sie wirklich nicht - eher moralisierende Linksliberale - was sie wollen, ist ein netterer Kapitalismus, sonst nichts. siehe oben stehende Kritik.

und mr. poser freut sich, dass es den steal-something-leuten nicht gelungen ist, ihre action zu machen. die haben ja auch etwas zu verlieren, im Gegensatz zu den braven, angepassten Aktionen des bnd. Zum Beispiel Aufruf zu Straftaten, wird ganz gut bestraft. und zeigt ja auch wieder, wie schwer es Menschen haben, denen der buynothingday schon deswegen am Arsch vorbeigeht, weil sie jeden Tag klauen müssen.
Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich aber hingegangen - aber ich musste an anderer stelle noch einklaufen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 8 Kommentare an

tu was, klau was! — stealsomethingday

hab ich gemacht — Roter Wedding

Pralle Tüten — Shopper

... — The great GATSby

Tage danach — earl

ohohoh — theoretiker