Bericht+Fotos von Spontandemo Berlin
Nach der großen Demo gegen Bildungsabbau in Berlin heute kam es im Anschluß zu einer Spontandemo. Ungefähr 400 Leute sammelten sich an der S-Bahn Brücke am Alex und blockierten die Fahrbahn und die Straßenbahnschienen. Polizei war nur vereinzelt da. Erwartet habe ich dann das übliche Spiel: die Polizei fährt auf und räumt alles ab. Aber es geschah etwas, mit dem ich erstmal nicht gerechnet hätte: Nach einigen Minuten setzte sich die Menge in Bewegung Richtung Mollstrasse und besetzte einfach die nächste Kreuzung. Verstärkung der Polizei war immer noch nicht da und so wurde eine der Hauptverkehrsknotenpunkte am Alex lahmgelegt. Nach ein paar Minuten setzte sich die Demo in die Münzstrasse in Bewegung. Genauer: auf einmal rannten alle los. Das alte Abzählspiel eben- was die folgenden 2 Stunden auch durchgehalten wurde. Ein außerordentlich gutes Gefühl mit 400 Leuten durch die Strassen zu rennen und zu protestieren. Die Polizei war hoffnungslos überfordert und die Devise "auf zum Hackeschen Markt" wurde laut. Auf dem Weg dahin wurde der Verkehr vollkommen blockiert. Leider versperrten dann ca. 20 Büttel den Weg, als wir in die Rosenthaler Strasse Richtung Hackescher Markt einbogen. Also drehten wir einfach um und rannten zum Rosenthaler Platz. Mitten zur Rushhour auf der Strasse- Verkehrschaos ahoi! Wir machten weiter unserem Unmut Luft: "Bildung für alle und zwar umsonst" wurde skandiert. Bevor die Polizei eingreifen konnte zogen wir weiter in die Brunnenstrasse zur Senatsverwaltung für Wissenschaft und Kultur. Bis hierhin wurden wir von den Polizisten recht wenig belästigt- als die ersten aber in das Gebäude stürmten wurde der Rest doch rabiat von einer Horde Staatsdiener daran behindert. Ein paar weitere entdeckten dann eine Hofeinfahrt- allerdings bekam das die Polizei recht schnell mit und machte auch hier dicht- 2 Gruppen von Leuten waren im Haus und der Rest draussen. Nach ca.15 Minuten lauter Kundgebung setzte sich die fluktuierende Masse wieder in Bewegung. Wir waren inwischen schon weniger aber immer noch gut 200 Menschen. Ein 2. Mal wurde der Rosenthaler Platz blockiert, allerdings fingen dann die Büttel an den Platz abzuräumen. Also ab in die U-Bahn! Unsere Forderung wurde kurzerhand umgemünzt in "U-Bahn für alle und zwar umsonst". Guter Einfall. Ein Spalier Polizei begleitete uns zwar, blieb aber auf dem Bahnsteig zurück - nur ein Zivi war bei uns im Waggon. Merke: U-Bahnwagen fangen an zu hüpfen wenn 30 Leute gleichzeitig auf- und ab springen. Am Alex sammelten sich dann alle wieder und wir zogen zur Bankgesellschaft und blieben dort ca.10 Minuten Parolen skandierend: "Geld zurück!" Allerdings, Herr Landowsky! Inzwischen war ziemlich viel Polizei zusammen, langsam war klar, dass die Büttel die Oberhand bekommen würden. Wir besetzen ein weiteres Mal die Strasse. Für einen guten Lacher sorgte dann der durchsagende Polizist mit einem Versprecher, als er anstatt "gehen sie auf den Gehweg" "Gehen sie auf die Fahrbahn" sagte- selbst einige Polizisten mußten grinsen- und wir taten wie uns geheissen. Allerdings wurde es danach dann ziemlich unlustig, es gab eine herbe Verhaftung und die Polizei wurde ruppiger. Wir waren inzwischen noch weniger und irgendwie war langsam klar, dass das Ende gekommen war. Ein Teil der Leute zog dann in Richtung Alex bis die Unterführung abgesperrt wurde und der Rest der Leute auf der Kreuzung festhing. Ich bin nach Hause gefahren mit der Gewissheit, dass Protest auch Spass machen kann. Die Taktik des ständigen Ortswechsels war sehr gut- die Polizei kam einfach nicht hinterher. Wir kommen wieder!
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Ergänzungen
ergaenzung
wenn die aktion bei der bevölkerung schlecht ankam, warum hab ich dann leute in autos gesehen die gehupt haben und einen erhobenen daumen rausgehalten haben, als die studenten vor der polizei zur nächsten kreuzung gerannt sind?
was die zahl angeht, is doch scheiss egal ob es nun 300 oder 200 waren, es war ne fette aktion fand ich!
Zu den Zahlen etc
Wahrnehmungsdifferenzen?
Alles in allem eine super Aktion, weiter so, so macht´s Spaß. Jetzt müßte sich nur noch der Rest an den Instituten beteiligen.
@buenaventura
Alles für Aale
und zwar umsonst !
...bildet euch!....bildet!...andere bildet banden...!!
Wie viele Studierende passen in einen Raum, der für 30 Personen ausgelegt ist? Probiert es einfach einmal aus. Es ist erstaunlich! Und es werden in Zukunft noch mehr sein! Die Berliner Unis werden bis 2009 75 Mio. Euro einsparen. Und es wird also noch schlimmer kommen, wenn wir nichts dagegen tun! Von überfüllten Seminaren, hohen Zu-gangsbeschränkungen und weggekürzten Fachbereichen haben wir genug! Aber nicht nur an den Hochschulen wird gespart. Sozialabbau ist seit Jahrzehnten ein Evergreen. Mit Rot-Grün bedeutet er im We-sentlichen auch Sozialstaats-umbau mit einem ideologischen Beigeschmack, der seines Glei-chen sucht. Die alte sozialdemokratische Parole „Wer nicht arbeitet soll auch nicht Essen“ bekommt mit der postulierten Stärkung der Eigenverantwortung und dem Ende der Unmün-digkeit der BürgerInnen einen neuen Anstrich: keine Rechte ohne Pflichten! Gleichzeitig wer-den gesell-schaftliche Interessengegensätze versachlicht und zur Frage für scheinbar neutrale Experten erklärt. Ebenso an den Universitäten, da wird alles sachlich evaluiert. Für eine poli-tische Gegenstrategie bedeutet dies, dass die aktuelle Situ-ation, die als Notwendigkeit und Sachzwang wahrgenommen wird, als interessengeleitete Deutungen enttarnt werden muss. Es geht darum, die zunehmend gesellschaftliche Normalität werdende Einsicht in vermeintli-che Notwendigkei-ten zu durchbrechen, um den sozialen Konflikt eskalieren zu können.
Aktuelle Proteste gegen Sozial- und Bildungsabbau
So berechtigt und notwendig die Proteste gegen die konkreten Kürzungsmaßnahmen sind, so problematisch ist je-doch die häufig damit einhergehende Überhöhung der Institution Sozial-staat. Die sentimentale Verklärung der 70er Jahre, in denen scheinbar - wie uns z. B. Teile von Attac weismachen wollen - noch nicht der Markt, sondern noch der Staat regierte. Wie sozial der Sozialstaat auch immer sein mag, er hat nicht die Funktion, unsere Bedürfnisse zu befriedigen und auch nicht den Zweck ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Genau des-halb können wir ein schönes Leben auch nicht einklagen, sondern müssen es uns erkämpfen. Dazu muss der Diskurs des Sparens zu durchbrochen werden: Sparen bedeutet immer Um-verteilung von gesellschaftlichem Reichtum - von unten nach oben! Haushaltskonsolidierung und Sparkurs sind ein disziplinie-render Selbstzweck! Seit 1980 haben sich die Gewinne deutscher Unternehmen verdreifacht! Es ist also mehr Geld da als behauptet wird und es gibt auch andere Verteilungsspielräume! Dennoch ist nicht das Konglomerat korrupter und inter-essengeleiteter Entscheidungen von einigen PolitikerInnen, wie die Debatte um den Berliner Bankenskandal suggeriert, an allem Schuld. Vielmehr wird sich an systemischen Notwendig-keiten, wie sie der Kapitalismus immer wieder hervorbringt orientiert. Der Zwang Profit zu erwirtschaften oder in der kapitalistischen Konkurrenz unterzugehen setzt sich unterschied-lich durch - abhängig von sozialen Kräfteverhältnissen und „Diskurs-hoheiten“ darüber, was das gesellschaftliche Allgemeinwohl sein soll: Günstige Verwertungsbedingung für das Kapital im Standort Deutschland oder ein hohes Lebensniveau für alle Menschen. Es kann also nicht um eine alternative Elendsverwaltung gehen, sondern es geht um eine grundlegende Verän-derung, die sich auch nicht in einer Vertei-lungsfrage auflöst.
Alles für alle und zwar umsonst! Berlin umsonst!
Deshalb setzen wir der aktuellen Spardoktrin die Initiative Berlin umsonst! entgegen: Alles für alle und zwar umsonst! Wir knüpfen damit an individueller Alltagspraxis - klauen, um-sonst den öffentlichen Nahverkehr nutzen, Mietverwei-gerung, ohne Erlaubnis studieren, mal ohne Karte ins Kino gehen, - an, die es zu kollektivieren und in diesem Pro-zess zu politi-sieren gilt! Hier gibt es Spielräume! Viele individuelle Praxen, die für einzelne oder auch ei-nige Erleichte-rungen bedeuten, werden sich aufgrund der systemischen Erfordernisse einer kapitalistischen Gesellschaft jedoch nicht als gesellschaftspolitische Perspektive anbieten. Wir werden also an Grenzen stoßen, die zeigen, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Si-cher nicht von einem Tag auf den anderen, sondern nach und nach! Widerstand gegen Sozi-alabbau kann auch nur kollektiv und solidarisch sein. Jede andere Politik stellt sich nicht nur selbst ein Bein, sondern reproduziert einen zentralen Moment des Kapitalismus, die Konkur-renz und gleichzeitig die Funktions-weise des Sozialstaats, der „die Bedürftigen“ in unter-schiedlichem Klientel organisiert, abspeist und gegeneinander ausspielt. Das bedeutet für die Universität, dass wir uns natürlich auch über Institut- und Uni-Grenze hinweg solidari-sieren, vernetzen und organisieren müssen! Aber genauso kämpfen wir mit den mit den lohnabhän-gig Beschäftigten in den Universitäten. Was nicht bedeutet, eigene politische Kriterien zu vergessen: So wenig wie die Kritik an Herr-schaftswissenschaften fehlen darf, ist der erste Lohnabhängige, mit dem wir uns solidarisieren, nicht der Präsident und sein Vize.
Es ist richtig und wichtig, dass sich alle Menschen erst einmal dort organisieren und wider-ständig werden, wo sie leben, arbeiten oder versuchen ebendies zu tun. Das gilt für Studie-rende wie für alle anderen auch. Und hier haben die Studierenden eine besondere Verant-wortung, da sie (nicht jedeR einzelne, aber das Kollektiv als Ganzes) nach wie vor privilegiert sind gegenüber zahlreichen anderen gesellschaftlichen Gruppen. Eher unwahrscheinlich ist, dass Ar-beitslose eine Erhöhung des Arbeitslosengelds durchsetzen, das aus der Schließung von Universitätsbibliotheken finanziert wird, während das Gegenteil nicht so fernliegend ist.
Die Verhältnisse zum Tanzen bringen !!
„Berlin umsonst!“ ist eine offene Initiative, die Menschen sucht, die ihre Aktionen in diesen Rahmen stellen. Wenn viele - auch kleine - Aktionen in vielen Bereichen an vielen Stellen sich mit „Berlin umsonst!“ einen Ausdruck geben, ist das nicht nur praktische Solidarität, sondern auch ein erster Schritt aus der Unsichtbarkeit von sozialem Wider-stand. Wir müssen präsent sein, um zu zeigen: ihr wollt sparen - wir nicht! Sie sagen Schluss mit diesem, Schluss mit jenem und na dann sagen wir:
Schluss mit Schluss! Wir diskutieren nicht über Alternativen, sondern wir nehmen uns, was uns zusteht!
Macht mit, macht’s nach, macht’s besser! Berlin umsonst!
Presse erwähnt das auch
"Insgesamt blieben die Proteste erneut friedlich. Nur nach der Auflösung der Demonstration kam es am Abend zu ein paar Rangeleien mit der Polizei. Mehr als 1 000 Studenten hatten in Mitte Straßen und Kreuzungen blockiert. Unter anderem brachten sie den Feierabendverkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße zum Erliegen."
War nicht ganz so
WEITER SO!
video dazu
kontakt: 0179 / 29 13 678
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Erfolg?? — Christian
alles für alle — ebenfalls christian
Alles für alle und zwar umsonst — buenaventura
@ christian — xsidekickx
geteilte reaktionen — pele