studenten demo in berlin

youngstruggle 23.11.2003 03:46 Themen: Bildung
hier ist noch paar fotos von der samstag demo in berlin
kkkk
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Geht nach Hause

Ergänzer 23.11.2003 - 11:14
Wir haben es bei Euren traurigen Bemühungen mit einem Missverständnis zu tun. Weil Ihr davon betroffen seit, meint Ihr, die dafür Verantwortlichen würden bei den jetzt anstehenden Umstrukturierungsmaßnahmen irgendetwas verkehrt anstellen. Dabei hat es Euch doch einer der Politiker dieser Tage recht stichhaltig erklärt. Zwar nicht im Geiste Hegels, aber doch in seinen Worten meinte er: "Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit." Ihr lieben Leute mögt jetzt noch ein wenig dumm aus Euren Kürbisköppen gucken und dann einige ganz und gar nicht ernst gemeinte Handlungen durchführen, die so buchstäblich niemanden interessieren werden, dass nicht einmal Ihr selbst sie zu kreativen Aktionen umlügen werdet. Noch nicht einmal ein paar Fensterscheiben werden zu Bruch gehen, was wenigstens den Effekt hätte, dass die Rentner ein paar hässliche Worte über die Jugend verlieren könnten, wodurch Ihr ihnen helfen würdet, ihre angestauten Aggressionen zu verdauen - und auch Ihr könntet dabei einiges loswerden. Als ob nichts gewesen wäre werdet Ihr am Ende eines dieser immer wertloseren Zertifikate erwerben, die man Diplom oder Magister nennt. Eventuell findet der eine oder die andere immerhin einen Liebespartner. Manche nennen ihren Konformismus Widerstand und verewigen so den allgemeinen, wahrscheinlich der Werbung abgelauschten Konfusianismus, der darin besteht, dass man den Gegenständen immer völlig falsche Namen gibt.
All dies ändert nichts an den weisen Worten Eures Oberhaupts, des absolut lächerlichen Gerhard Schröder, dem stolzen Bräutigam einer autoritären Magersüchtigen, der Euch nur regieren darf, weil die anderen Politiker noch hässlicher sind. Vor der ehernen Notwendigkeit gibt es kein Entkommen. Der Staat, den Ihr gottlosen Taugenichtse anbetet, ohne es zu merken, ist pleite. Die Trusts wissen nicht wohin ihren Schund verkaufen und wollen daher Eure Arbeit immer weniger haben, wozu auch beiträgt, dass die Informatiker unter Euch an hübschen Programmen basteln, die Euch aus dem Reproduktionszusammenhang hinauszusäubern helfen. Es mag zwar weit weg scheinen, aber in Russland arbeiten die Arbeiter schon ohne Lohn. Eventuell erleben wir das große Spektakel einer echten Zusammenbruchskrise. War da nicht irgend etwas Ende der 90er in Südkorea, Malaysia, Brasilien? Und was treiben eigentlich die Japaner mit ihren faulen Krediten? In den Zeitungen kann man die Einzelheiten nachlesen, da aber alle sie sofort wieder vergessen, sind sie hier auch nicht weiter von Belang. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob Ihr auf den möglichen Bankrott nicht so reagieren werdet wie man 1789 reagierte, sondern eher auf moderne Weise, also ähnlich dem 11.9.2001. Aus Gründen der Ratio muss man nach Lage der Dinge den Zusammenbruch der Produktion fürchten und nicht herbeisehnen wie der längst vergessene Marx, der mit der Krise die Chance für das Morgenrot der neuen Gesellschaft gekommen sah. Trotzdem verspüren alle etwas Katastrophensehnsucht, denn die Welt ist nach Eurem Bilde geformt und dementsprechend hässlich und schwer zu ertragen. Sämtliche präventiven Krisenmaßnahmen werdet Ihr in das 21. "Kastratenjahrhundert" (Schiller) Geworfenen erdulden, denn nichts in Euch strebt zu Höherem. Euer formaler Widerspruch dient nur der reibungslosen Durchführung diverser Innovationen, die sich die Architekten Eurer Herrschaft für Euch ausdenken. Kein Protokollant will ihn notieren. Allenfalls werden die Betriebsnudeln unter Euch Erfahrungen beim Koordinieren sinnloser Bewegungsabläufe sammeln, womit sie sich vielleicht für einen späteren Job als Humanressourcenmanager qualifizieren könnten. Ihr seid eine Schwemme, eine Akademikerschwemme. Klar, dass ein zweckmäßig eingerichteter Staat Euch nicht ewig alimentieren kann.
Simuliert also bitte keinen Streik der Kopfarbeiter. Euer Hirn hat schon immer gestreikt, weil die deformierte Sache keinen Begriff erträgt - andernfalls wäre sie verloren. (Außerdem juckt es keinen, wenn Ihr kurzfristig keine Scheine bei dementen Lehr-kräften sammelt und ergo blamiert ein Streik Euch nur vor aller Welt.) Dass Euer Hirn streikt, hat seine Ursache freilich nicht in der Physis. Der Grund ist schlicht und wurde von Karl Marx in einem Brief an einen Herrn mit dem Namen Kugelmann ausgesprochen: "Mit der Einsicht in den Zusammenhang stürzt, vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretische Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände. Es ist hier also absolutes Interesse der herrschenden Klasse, die gedankenlose Konfusion zu verewigen." Es ist dies heute das unmittelbare Interesse aller. Wo Computer die Produktion beinahe ohne menschliche Hilfe steuern und der Mensch gelernt hat, mit dem Flugzeug zu fliegen, gibt es keinen Grund für Lohnarbeit und Disziplin. Angesichts dieser simplen Tatsache weiter das Leben zu führen, das man gerade führt, ist so erbärmlich, dass kein Mensch es aushalten kann - es sei denn, er schaltet sein Hirn aus. Dadurch, dass alle sich das Interesse zueigen machen, welches Marx noch als das ausschließlich der herrschenden Klasse bestimmte, wird die Existenz letzterer gründlicher dementiert als durch das Entstehen der apersonalen Aktiengesellschaft. Deshalb erkennt Ihr auch keine Herrschaft mehr, obwohl im Arbeitsprozeß über Euch verfügt werden wird wie eh und je. Eurer Irrationalismus ist nur der der aktuellen Erzeugungsart und das Prädikat dumm damit eine Tatsachenfeststellung und keine Beleidigung. Als Anhängsel von Euch nicht beeinflusster Kräfte kann man Euch nicht beleidigen. Wozu auch. Manch einer wird den witzigen Satz von Adorno aufgeschnappt haben: "Bei manchen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie ‚ich' sagen". Allein es ist bitterer Ernst.
Konkret bedeutet die Konfusion, das man den Wissenschafts-betrieb ruhig zusammenkürzen kann. Was soll eine Musikwissen-schaft, wenn kein Student den anderen erklärt, was der Gehalt der Eroica von Beethoven ist. Wozu überhaupt Bibliotheken, wenn kein Literaturwissenschaftler und kein Philosoph erklärt, dass Goethe oder Hegel polemisch gegen ihre Zeit opponierten und man deshalb keine Steinpuppen von ihnen aufzustellen hat, wenn man selbst den Zeitgeist repräsentiert. Was soll der Nutzen der Sorbonne zu Berlin sein, wenn kein Psychologe und kein Biologe über die aktuelle und durch und durch gesellschaftliche Verfasst-heit des Körpers und seiner Seele aufklären. Alle isolierten Fakul-täten ließen sich leicht ihrer Überflüssigkeit überführen. Was Ihr in hoffnungslos naiver Weise zu verteidigen meint, ist Staub, weshalb Ihr schlicht nach Hause gehen solltet.

@Ergänzer

ebenfalls 23.11.2003 - 14:06
Du prangerst die Irrationalität der auf die Strasse strebenden Studierenden an. Das kannst du gerne tun. Und genauso wie du stecken alle tief drin in den Herrschaftsstrukturen, die Meinungen vervielfältigen und Reformen fordern - ob in der Universität oder bei deiner Zeitungslektüre. Toll. Und welche Schlussfolgerungen ziehst du daraus? In deinem stillen Kämmerlein, wo du den selben Text in anderen Worten zum 100.000 mal neuschreibst und sonst nichts tust, als auf das Morgenrot zu warten?
Anstatt hier rumzupöbeln, wäre es doch nett, wenn du Dich zu den streikenden Studis begibst und redest. So lange redest, bis sie begriffen haben, was du schon alles zu wissen meinst. Weil auch du nicht mit deiner Weiheit auf die Welt gekommen bist und die Emanzipation nicht in Deiner Wiege unter dem Kopfkissen gelegen hat. Wenn du etwas bewegen willst, musst du etwas tun. Von alleine kommt keine Revolution.
Du brauchst eine Gelegenheit? Der stud. Protest ist arm an Inhalt. Da kannst du Dich bestimmt einbringen und verflucht nochmal den Leuten klarmachen, dass sie grade für nichts und wieder nichts auf die Strasse gehen.

Statt dummer Ergänzung, lieber ein paar Frage

Beatchen 23.11.2003 - 15:39
 http://www.astafu.de/inhalte/artikel/a_2003/analyse3

Man wird doch wohl noch fragen dürfen... :-))

Apropos Solidarität

cooper 23.11.2003 - 15:57
Von Solidarität wollten die berliner Studierenden dann plötzlich nichts mehr wissen, als die Sprecher vom Bündnis gegen die Agenda 2010 und vom ESF sprachen. Die Mehrheit ging einfach nach Hause.
Mir (Uni Potsdam) hat dann ein Student sein Schild in die Hand gedrückt, er wolle jetzt nach Hause gehen. Scheint mir so, als wollen die berliner Studis nicht mal selbst demonstrieren (nicht das das in Potsdam anders wäre). Nicht zu vergessen, dass diese Demonstration wirklich niemanden Aussenstehenden interessiert hat. Ausser vielleicht den Anwohner, der dem Veranstalter mitteilte, man solle doch bitte vom Brunen runtergehen, was die Studenten sofort willig befolgten.

tragödien farce

kopfnick 23.11.2003 - 15:59
irgendein mensch sprach davon, dass sich alles wiederholt, erst als tragödie, dann als farce. der obenstehende "ergänzer" hat eine schöne polemik geschrieben, die zwar sehr richtung verelendungstheorie geht, aber bedenkenswertes enthält. allerdings wirkt der text so, als ob der autor selbst ein akademischen titel innehat oder wenigsten probierte einen zu bekommen. dann sollte er anderen nicht ausreden, das gleiche zu machen.

wellen von studiestreiks gibt es rund alle fünf jahre, gehört quasi für eine teil der studies zum zwangsläufigen lebenslauf dazu (die mehrheit beteiligt sich nie an solchen "streiks". der wissenschaftsbetrieb wird ja auch nicht bestreikt, sondern nur ein teil der einrichtung hochschule: die ausbildung.

abgesehen von manchen parolen sind die proteste selbstredend rein egozentrisch also auf status quo erhalt ausgerichtet. mehr oder minder priviligierte wollen, dass alles so bleibt wie es ist. sowas nennt mensch konservativ. gähn

Achtung: Fotos unkenntlich machen!

Martin 23.11.2003 - 20:22
Wir haben Gerüchte erhalten, dass eine Reihe von Studenten wegen des Uni-Streiks Strafanzeige wegen Nötigung bei der Staatsanwaltschaft gestellt haben. Es geht um die Streikposten, die darüber wachen das keiner das Uni-Gebäude betritt. Einige Fotos sind auch bei Indymedia zu finden.

§ 240 StGB untersagt, einen Menschen mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassen zu nötigen. Der Gewaltbegriff der Nötigung ist umstritten. Man erinnere sich nur an die alte Diskussion der Nötigung durch Sitzblockade, die erst vor dem Verfassungsgericht zugunsten der Demonstranten entschieden wurde. Wenn aber eine „lernunwillige“ Gruppe eine „lernwillige“ Gruppe von Studierenden mit Blockade der Eingangstür daran hindert das „öffentliche“ Uni-Gebäude zu betreten, dann stellt dies eine Nötigung dar. Entscheidungen darüber gibt es aus dem Bereich des Arbeitskampfes. Betriebsbesetzungen und Betriebsblockaden stellen strafrechtlich dann eine Nötigung dar, wenn sie dazu dienen, arbeitswillige an der Arbeit zu hindern (vgl. Tröndle/ Fischer, StGB, 51. Aufl. München 2003, § 240; Rdnr. 49a).

Das bedeutet: Ein Streikposten darf sich zwar vor das Werkstor bzw. vor die Universität stellen. Ein solcher Streik ist rechtlich natürlich zulässig. Verboten ist es aber, andere das Betreten des Werkes oder der Uni zu verbieten, da es keinen Kollektivstreik gibt und jeder das Recht hat selbst zu entscheiden, ob er sich am Streik beteiligen will oder nicht. Die Anzeige der Studenten führt nun mit Sicherheit zu einer Kriminalisierung der Streikposten, die vornehmlich aus dem AStA stammen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 4 Kommentare an

solidarität wofür? — informant

Verdammte Checker — Verdammter Checker

Jammerlappen! — Berliner Studi

@Ergänzer — Da Masta