Augenzeugenbericht Castortransport NIX 7

Margarete Pauschert, Leony Renk 21.11.2003 13:32 Themen: Atom
Der letzte Castor-Transport hat neue Dimensionen erreicht: Verlust der demokratischen Grundrechte fuer ganze Doerfer ohne Begruendung nur auf Vermutungen hin, Rechtsanwaelte nicht durchgelassen, Sanitaetswagen entfernt, Telefonanrufe aus dem Kessel verhindert, Name des Einsatzleiters "vergessen", wachsender polizeilicher Vandalismus.
11. - 12. November 2003 im Wendland, 5 km vor Gorleben:

In dieser Nacht werden zwei Doerfer komplett eingekesselt: Grippel, da gibt es eine Strassenblockade, eigentlich ein Strassenfest, es gibt keinen einzigen vermummten Menschen, dafuer drei Konfliktmanager von der Kirche vor Ort und ebenso viele von der Polizei --und Laase, wo die Kulturveranstaltung im "Musenpalast" non stop laeuft: Harry Potter-Lesung solange "bis das Gute siegt" und andere Programme.

Ohne eine einzige Ankuendigung ruecken mehrere Zuege Polizei ein, raeumen grob den Buergersteig in Grippel und wir hoeren wir als erste Ansage der Polizei, (in Laase gab es keine Ansage):

"Sie sind alle in Gewahrsam genommen." Es ist 0.22 Uhr. Danach werden einzelne herausgegriffen, ob Spitzel dabei sind, koennen wir nicht feststellen. Die Dorfbevoelkerung zieht sich in mehreren Gruppen in ein Privathaus an der Strasse zurnck, das liegt an der Castorstrecke.. Zuletzt sind ungefaehr 30 Laaser und Grippeler EinwohnerInnen im Haus.. Der Wasserwerfer faehrt auf dieses private Grundstueck, das Haus wird von aussen mit Scheinwerfern erleuchtet, keine Person kann mehr raus ohne in den Polizeikessel zu kommen. Nachdem die ersten DemonstrantInnen ueber den Zaun geworfen werden, wird der Zaun zum Nachbargrundstueck ohne Einwilligung des Besitzers zerstoert und die Menschen werden von der Strasse in den Kessel getrieben, "freiwillig" koennen sich Menschen in das Polizeigatter begeben oder sie werden getragen, teilweise ruppig, Nasen- und Kopfdrehgriffe werden beobachtet. Auf dem gegenueberliegenden Grundstnck stellen sich vier Polizeiketten auf und zwei Beamte schleichen an der Rueckseite des Hofes herum, weil " widrige Umstaende das erfordern.", wie sie sagen. Die Hofbesitzerin droht an, ihren Mann zu holen, als er erscheint, sind alle Polizisten vom Grundstueck abgernckt.

Derselbe Hofbesitzer hat in dieser Nacht erfolglos den Einsatzleiter sprechen wollen um sich die Rechtmaessigkeit begruenden zu lassen fuer die polizeilichen Massnahmen auf seinem Grundstueck und die Polizeibeamten, die aktiv mit der Raeumung und Besetzung seines Privatgrundstuecks im Einsatz sind, haben "vergessen" wer der Einsatzleiter war. Gleichzeitig haben die Polizeibeamten das Dorf Laase eingekesselt, alle Zufahrtswege sind gesperrt fuer Autos, Fussgaenger koennen hinein, aber nicht wieder hinausgehen. FussgSnger, die ihren Hund ausfuehren wollen, werden daran gehindert, das Haus zu betreten das sie vor den Augen derselben Beamten kurz zuvor verlassen hatten. Mehrere Grundstuecke werden mit Lampen ausgeleuchtet. Im eingekesselten Dorf gibt es darueber hinaus Grundstuecke, die extra gekesselt werden, zusaetzlich gibt es auf der Strasse auch noch Polizeiketten. Auf den Strassen gibt es mehrere Kessel, in denen Personen, die sich auf der Strasse bewegt haben in Gruppen gekesselt werden. Wieder andere duerfen passieren.

Welche PolitikerInnen lassen zu, dass eine Einsatzleitung der Polizei ihre BeamtInnen falsch informiert und so indoktriniert, dass sie vor dem Einsatz in Angst und Schrecken versetzt werden?

Die Polizeibeamten wirkten orientierungslos "ist das hier ein Dorf oder eine Stadt?" - ueberfordert, hastige Fragen (vermutlich an die Einsatzleitung) "hier ist eine Person...was soll ich machen?" und uneinsichtig, Kinder(13 und 15 Jahre alt) wurden nicht nach Hause gelassen. Erst nach dem Eingreifen der Nachbarin wurde einem Kind erlaubt, in Begleitung eines Polizeibeamten, der sich lustig machte ueber die Angst des Kindes nach hause zu gehen. Die uebrigen irrten auf der Strasse umher. Gegen 5.00 Uhr frnh, als der Castortransport an Laase vorbeifuhr, sassen immer noch mehrere 13jaehrige Maedchen im Gefangenenwagen unmittelbar an der Strecke. Der polizeiliche Konfliktmanager hatte keinen Einfluss auf die polizeilichen Massnahmen und auf Nachfrage wiederholte er: "Ja, ich bin eine Witzfigur".

Die Abgeordnete der Gruenen befand sich in der Veranstaltung des Musenpalastes und wurde ebenfalls am Verlassen des Dorfes gehindert.

Als Hausbesitzerin wurde ich gehindert, mein eigenes Haus zu betreten, obwohl ich mich ausweisen konnte, gelang es mir erst nach langen Diskussionen durchzusetzen, dass ich mit einer Besucherin unseres Hauses unser Grundstueck betreten konnte.

Entsetzt waren wir, dass PolizeibeamtInnen fnr Einsaetze im gewaltfreien Widerstand nicht ausgebildet sind. Viele BeamtInnen handelten auf blossen Verdacht hin ("es wurde angenommen, dass in Grippel und Laase Gewalttaten geplant wurden", vgl. Kommentare in der EJZ). Entsetzt waren wir als wir hoerten, dass PolizeibeamtInnen gesagt wird: "Es gibt im Landkreis Doerfer, in denen sich Widerstandsnester gebildet haben und dort sind die PolizeibeamntInnen mit Saeure empfangen worden."

Scheinbare Konzeptionslosigkeit ist das Konzept: brutale Festnahmen in Quickborn, lockere Plaudereien in Splietau, Raeumung in Gusborn am Montag 11.11., Strassenfest in Gusborn am Dienstag 12.11.

Um 5.00 Uhr fuhr der Castor-Transport an Laase vorbei, der Beamte mit dem ich lange diskutiert hatte, weil er mich nicht zu den Menschen im Kessel am Ortseingang gelassen hatte, sagte: "Ich bin doch auch Ihrer Meinung," drehte sich um und zog mit seiner Mannschaft ab.

Sie stehen hier falsch - ich wohne hier richtig, sagte ein Einwohner zu einer Polizeibeamtin in Laase

Dem Ausverkauf der Grundrechte bei den bisherigen Transporten folgte bei diesem Transport die Erfahrung "am Leibe". Die 30 Menschen, die in Grippel stundenlang im Haus - angestrahlt durch Wasserwerfer-- miterlebten, wie der Kessel auf der Wiese nebenan mit und ohne Gewalt seitens der Polizei gefnllt wurde, (es handelte sich um etwa 1000 Menschen) und dabei befuerchteten aus dem Haus heraus geraeumt zu werden.

Die Menschen in Laase auf der Strasse,(BesucherInnen des Musenpalastes und EinwohnerInnen), die ohne Begruendung "in Gewahrsam" genommen worden waren und sich nicht mehr bewegen konnten. Die VeranstalterInnen im Zelt, die das Dorf nicht mehr verlassen durften. Die Kinder (13 und 15 Jahre alt), die nicht nach Hause gehen durften.

Der Pfarrer unserer Kirchengemeinde, ausgewiesen als Konfliktmanager seitens der Kirche, wurde mitsamt seiner Gemeinde auf dem Kirchengrundstnck, (dem alten Kirchhof der Gemeinde), gekesselt und in unwuerdiger Weise bedraengt.

"Der Widerstand war fair", - so der oberste Einsatzleiter, Herr Niehoerster, "und der Transport auf der letzten Strecke in der Dunkelheit war auch ein Kompliment an den Widerstand " Offizieller Kommentar auf den handys der Beamten als der Castortransport in Gorleben eingefahren war: Der Drops ist gelutscht" - Passt es zu dieser Sprache, dass berichtet wird, dass bei Ingewahrsamnahmen im Raum Gusborn besonders bei Jugendlichen, die diesmal zahlreich auf der Strasse waren, gezielte Griffe und Tritte auf Genitalien beobachtet wurden???

Gewaltfreier, kreativer, Widerstand wurde durch einige gewaltbereite Polizisten beantwortet. Viele Polizeibeamte, die wir mit unseren Steuern bezahlen, denn es sind Staatsbeamte, verpruegeln, kesseln und bespitzeln uns. Die Methoden der Ausweiskontrolle unterschieden sich in nichts von den jahrelangen Schikanen an der innerdeutschen Grenze. "Sie koennen hier heute nicht einreisen." Zitat eines Beamten.

Erfreut waren wir, dass junge Maedchen im Grippeler Kessel sich nicht einschnchtern liessen und in staendigem Blickkontakt mit den Beamten ihr Lied sangen: "Auch du bist ein Mensch, auch du hast ein Herz, du hast vielleicht Kinder wach auf, dreh dich um

Entsetzt waren wir, da#sswir vom Lautsprecher der Polizei hoerten: "Hier sind unbegleitete Kinder, wenn die Eltern sie jetzt nicht hier beim Treffpunkt abholen, kommen sie ins Jugendamt," waehrend gleichzeitig die Menschen, die die Kinder abholen wollten, daran gehindert wurden, zu dem angesagten Treffpunkt zu kommen.

In diesem Zusammenhang ist der Kommentar des Einsatzleiters, Herrn Niehoerster unangemessen: "Die wenigen Moeglichkeiten der Ueberraschung muessen ausgenutztwerden." So grosszngig bedankt sich ein vermeintlicher Sieger bei den "VerliererInnen".

Es steht aber noch nicht fest, wer in dieser Nacht verloren hat oder ob es ueberhaupt einen Sieger gegeben hat: Feststeht, dass Menschen (nicht aelter als 18 Jahre) gesagt haben: Es gibt nicht: "Wir Guten gegen die Boesen, wir muessen lernen noch mehr zu differenzieren." Feststeht, dass PolizeibeamtInnen und Konfliktmanager der Polizei ueber die Durchfnhrung der Massnahmen entsetzt waren und das zu erkennen gaben. Feststeht, dass republikweit die irrige Annahme herrscht, dass die Castoren in das Bergwerk gefahren werden, selbst in serioesen Medien wie ARD-Kinderkanal, bzw. Frankfurter Rundschau wird so berichtet. Wer weiss, dass die Castoren in einer Wellblechhalle mit einer schmalen Betonschicht gelagert werden, die nicht gegen Flugzeugabstuerze gesichert ist. Wer weiss, dass es keine Einsicht in das Betriebshandbuch gibt? Wer weiss ,dass es keinen Katastrophenplan fnr den "Ernstfall"gibt?

Feststeht: dass in Laase bislang keine gewaltbereiten DemonstrantInnen angetroffen wurden und die Polizei trotzdem unverhaeltnismaessig vorgegangen ist. Feststeht: dass allein die Tatsache, dass ich in Laase wohne ausreicht um mich zu einer potentiellen Straftaeterin zu machen

Wenn Sie nicht da waeren, waeren wir auch nicht da, sagte eine Beamtin zu einem Einwohner in Laase

Heisst das, wir sollen verschwinden, wir duerfen nicht mehr wohnen?

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Aufklaerungsarbeit zu leisten, denn dieser letzte Transport hat neue Dimensionen erreicht: Verlust der demokratischen Grundrechte fuer ganze Doerfer ohne Begruendung, nur auf Vermutungen hin. Rechtsanwaelte werden nicht durchgelassen, Sanitaetswagen werden entfernt. Telefonanrufe aus dem Kessel werden nicht verbunden (der angewaehlte Anschluss klingelt - die Leitung bleibt stumm), der Name des Einsatzleiters wird "vergessen", und wachsender polizeilicher Vandalismus macht sich breit.

Wir befuerchten: Wenn diese Massnahmen, die das neue Niedersaechsische Gefahren-Abwehr-Gesetz vorwegnehmen, (das noch nicht ratifiziert worden ist), in saemtlichen Bundeslaendern durchgefnhrt werden, ist es zu spSt, sich dagegen zu wehren.

Wir befnrchten: Wenn wir keinen Widerstand mehr leisten, wird die Gorleben-Strecke zur "Zone" erklaert und wir, die EinwohnerInnen an der Strecke werden regelmaessig gekesselt.

Wir befuerchten, dass diese Transporte auf die Dauer nur mit Massnahmen durchgesetzt werden koennen, die eine Entwicklung zur Diktatur nicht mehr ausschliessen.

Irgendwo muss der Muell ja hin.

Die Tatsache, dass es weltweit kein Endlager gibt, obwohl seit 1945 Atommnll produziert wird, zeigt, dass es auch in absehbarer Zeit kein sicheres Endlager geben wird. Keine deutsche Partei traut sich zuzugeben, dass es zur Zeit weltweit keine Loesung fuer die Lagerung von Atommuell gibt. Die Gefahr, dass Atommuell, der "irgendwo" in der Erde verbuddelt wird, sich ueber kurz oder lang mit dem Grundwasser verbinden wird , ist nicht auszuschliessen. Unser Grundwasser ist verbunden mit dem weltweiten Wassersystem. Atommuell-Lagerung ist eben kein regionales Problem des Landkreises Luechow-Dannenberg, wie PolitikerInnen uns weismachen wollen. Die Atomkraftwerke muessen jetzt abgeschaltet werden.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

an die laase bewohner

no 21.11.2003 - 19:07
also lieber laase bewohner
ein vorneweg ich war auch dort und habe protestiert und habe so einiges gesehen und erlebt. was ich zu deinem Beitrag anfügen möchte ist zum einem der artikel  http://de.indymedia.org/2003/11/66295.shtml . also ja es waren z.T. auch "vermummte","gewaltbereite" menschen vor ort (die sich aber friedlich verhielten).
bei aller solidaritaet moechte ich aber ein paar kritikpunkte anbringen.
was geht in deinem kopf vor wenn du menschen die stundenlang bei minustemperaturen im kessel standen und vielen repressalien/ schikanen ausgesetzt waren anschreist sie mögen nicht über dein frischbepflanztes beet laufen nachdem sie nach ihrer "freilassung" nur noch eins im sinn hatten: "rein in die warme scheune nebenan"????? der kürzeste weg für die gekesselten war eben über dieses "beet" (was in der dunkelheit eh nicht zu erkennen war) zu laufen gerade weil die bullen den kleinen maschendrahtzaun niedergetrampelt hatten und vielen personen keinen anderen weg liessen. ist dem deutschen kleinbürger dann doch das kleine gemüsebeet im garten wichtiger als widerstand gegen den Castor oder die solidarität mit den protestierenden vor ort? Diese menschen setzen sich vor allem auch für euch vor ort ein indem sich euch unterstützen und du (? oder ihr!) habt nichts weiter zu tun als euch früh um 5 gedanken um euer beet zu machen an dem eben 12 castoren mit einer ungeheuten strahlungsintensität vorbeigefahren sind. diese strahlung ist mit abstand gefährlicher für dein spätherbstliches gemüsebeet als ein paar durchgefrorende menschen auf dem weg in die scheune (wo schon einige per anorndung des notartztes ein paar momente früher landeten)!!!!
wenn beschwerde dann klage gegen die bullen vor ort oder sonstwie gegen die verantwortlichen aber aktivisten vor ort anzuschreien ist echt das wiederwärtigste!
eine aufgebrachte ortsansässige frau erklärte mir das eine solche blockade in dieser grösse in Grippel nicht mehr stattfinden würde da zuviel kaputt gegangen sei!!!! sollte diese aussage ernstgemeint sein, dann ist noch nicht genug kaputtgegangen! allzuviel augenscheinliches wurde nicht zerstört und wenn dann nur ausschliesslich versehentlich!! und auch dann kann die (dörfliche/bundesweite) solidarität hier einstpringen oder nicht? (zum beispiel einkommenseinbussen wegen der zerdrückten kartoffeln auf denen einige aktivisten in der scheune schliefen)??
und überhaupt was denkt ihr, zerstört mehr in euren deutschen vorgärten? achthundert aktivisten oder xtausend tonnen radioaktiver müll in einer 5km entfernten "wellblechhalle"???
jemand der mehr kraft aufbringt über sein gemüsebeet zu heulen oder "was alles kaputtgegangen ist" (bei einer friedlichen! sitzblockade) als über den atommüll der nebenan liegt und vor sich hin strahlt der scheint doch schon ne menge strahlen abbekommen zu haben.
Klar gab es ungeheure repressionen. Diese wird es weiter geben! es ist wie wir alle vor ort gesehen haben egal ob friedlich oder "gewalttätig" (ist es gewalt sich in ketten aufzustellen? ist es gewalt eine barrikade zu bauen? ist es gewalt feuertonnen auf die strasse zu stellen?) vorgegangen wird. eine seite ist und bleibt gewalttätig: die polizei. Nützen wird es nichts das wir ach so toll friedlich waren. weder in den medien noch vor dem richter noch sonstwo.
solange das "gewaltmonopol" geachtet wird, wird der castor eben notfalls mit gewalt "gelutscht". und das tollste nicht ein pups in der grossen weiten welt kümmert es das diese gewalt unangebracht war. (ausser die üblichen 1000 verdächtigen und ein paar indymediabesucher)
wichtig ist das wir alle mit den aktionsformen der "anderen (friedlich/militant)" vertraut sind und uns gegenseitig respektieren und uns unterstützen und allesamt nur noch halb so viel jammern wie bisher und das ist an die "hippies" ebenso gerichtet wie an die "gewaltbereiten"
das soetwas funktioniert zeigen beispiele wie G8 in Evian.
also scheiss was auf deinen vorgarten und tu was (sinnvolles).


ps. die bullen haben sich gefreut das der widerstand so "fair" war aber sie werden niemals fair werden. alles aber auch wirklich alles in laase ist mit sicherheit so gelaufen wie sich die bullen das vorher gedacht haben. eventuell noch besser (habt ihr das schwere gerät gesehen gesabusse bagger räumpanzer xwawe etc??)

Auch Vorgärten sind wichtig

J. Stay 22.11.2003 - 02:11
Da ist in der Wahrnehmung aber einiges durcheinandergeraten. Vielleicht haben es nicht alle mitbekommen: Da gab es in Grippel also eine Familie, die auf ihren Grundstücken, dort wo sie leben und arbeiten, mehrere Tage und Nächte bis zu 1.000 Leuten ein- und ausgehen ließ, die alles zur Verfügung stellte, dass die Aktionen ein Erfolg werden konnten, die noch nicht mal Geld für die Unmengen an Brennholz haben wollte, dass verfeuert wurde.

Im Dorf Grippel ist durchaus nicht jeder auf der Seite des Widerstandes. Der Familie wurde im Vorfeld von manchen abgeraten, die Aktionen zu unterstützen. Sie haben es trotzdem gemacht, haben das Risiko auf sich genommen, dass sie hinterher, falls etwas schief geht, im Dorf völlig untendurch sind.

Sie haben das alles gemacht, weil sie natürlich wissen, was 5 km weiter bei Gorleben passiert und wie wichtig es ist, sich dagegen zu wehren.

Natürlich ist ein frisch eingesäter Vorgarten dagegen unwichtig. Aber was spricht dagegen, den Versuch zu unternehmen, ihn trotzdem vor Zerstörung zu bewahren? Was spricht dagegen, den Versuch zu unternehem, auch "im Kleinen" Schäden abzuwenden? Sollen die Leute etwa sagen, weil in Gorleben so viel Scheiße läuft, ist es ihnen egal, dass die viele Arbeit, die sie sich mit ihrem Garten gemacht habe, völlig unnötigerweise zertrampelt wird?

Wir reden hier doch nicht über einen Garten, der zertrampelt wurde, weil er der einzige noch freie Weg z.b. zu einer Aktion war. Sowas gab es auch immer mal und die Besitzer haben das meistens akzeptiert, wenn hinterher alle mit angepackt haben, die Schäden zu beseitigen.

Und wir reden nicht über Leute, denen ihr Vorgarten wichtiger ist als der Widerstand. Aber dass es nach 26 Jahren immer noch lebendigen Widerstand im Wendland gibt, hat eben auch etwas damit zu tun, dass die Menschen trotz der Scheiße in Gorleben versuchen einen vernünftigen Alltag zu leben (inklusive Vorgarten). Der Widerstand ist Teil dieses Alltags, nicht sein Gegenteil.

Nur wenn wir die Menschen an der Strecke mit ihren kleinen alltäglichen Bedürfnissen auch ernst nehmen, können wir gemeinsam gegen die großen Probleme angehen. Wenn wir ihnen aber vermitteln: Was Euch im Kleinen wertvoll ist, das ist uns völlig egal, dann kann die Zusammenarbeit nicht funktionieren.

Ich selbst bin übrigens nach Öffnung des Kessels auch durch den Garten gelatscht und bin deswegen angeschrien worden. Klar war ich nicht mehr so achtsam, weil ich eben müde und ausgepowert war, gute Gründe also. Aber trotzdem tat es mir leid und ich hab mich entschuldigt.

"Wettkampf"

x 22.11.2003 - 17:22
Was in diesem Jahr im Wendtland stattfandt muß noch einer viel größeren Analyse unterzogen werden.
Auch ich war in Laase.
Bisher habe ich die Polizei als Menschen angesehen, die irgendwann mal eine falsche Entscheidung getroffen haben (Polizist zu werden) und sie deshalb soviel als möglich in Ruhe gelassen. Mein Ding gemacht und diese "Hindernisse" umgangen/ ignoriert - bei ihnen ging es halt ums Geld, bei mir um eine mir sehr wichtige politische Einstellung. Das es von beiden Seiten immer wieder zu "Ausrastern" kam habe ich öfter gemerkt - vielfach dagegen angegangen. Nach diesem mal habe ich keine Lust mehr Demonstranten von provozierenden "Gesprächen" mit Polizizsten abzuhalten.
Wer sich in Laase des nachts noch noch auf die Strasse getraut hat, wurde zwar nicht automatisch in Gewahrsam genommen, aber (ohne das man die Polizisten in irgendeinwer Weise angesprochen etc.) aufs Übelste beschimpft - bis hin zu sexistischen Ausfällen.
Und as auch auf Seite der Polizei eine Ideologie gibt eine Ideologie, die nicht nur aufs Geld aus ist, sondern auf eine gnadenlosen Wetkampf mit den Demonstranten wurde mir nachd em CASTOR-Durchzug bewußt.
Es war nämlich noch möglich über diverse Wege aufs Feld und in den Wald Richtung Gorleben zu gelangen.
Und genau dort, wo im letzten Jahr die große Sitzblockade stattfand, wurde, nachdem der CASTOR-Transport durch war auf voller Lautstärke aus einem Polizeibus heraus "We are the champions abgespielt".
Wenn sie also einen "Wettkampf" wollen,, können sie ihn von unserer Seite her bekommen - nicht mit allen Mittel, den Menschen sind noch immer unangreifbar für mich - aber mit den meistmöglcihen und einer , bleiben wir doch in deren Sprache, gesteigerten Effizienz.
Es ist viel mehr möglich, als die Menschen im Widerstand es sich im Moment zu trauen. Wach werden - gegen Demokratieabbau vorgehen !!!