1500 für Uni-Streik in Göttingen

Student 17.11.2003 16:21 Themen: Bildung
Etwa 1500 Menschen haben heute an der Göttinger Uni an einer (inoffiziellen) Vollversammlung (VV) teilgenommen. Mit überwältigender Mehrheit wurde am Ende beschlossen, in der nächsten Woche eine reguläre VV abzuhalten und dort über einen Streik zu beschließen.
Inoffiziell war die heutige VV deshalb, weil der mitte-rechts AStA nicht dazu aufgerufen hatte. Einzig das Bündnis gegen Bildungsklau und die Fachschaftsräteversammlung (FSRV) hatten die Aktion organisiert. Nach dem heutigen Beschluss sieht es trotzdem so aus, als wäre der Weg für einen Streik geebnet, es gab zumindest unter den Anwesenden kaum jemanden, der nicht streiken wollte.

Die gute Stimmung auf der Versammlung, die Grußworte aus Berlin, Marburg und Frankfurt, konnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die inhaltliche Basis dünn ist. Mal bejubelten die Studierenden einen Redner, der eine enge Zusammenarbeit mit dem Unipräsidenten forderte, kurz danach applaudierten die gleichen Leute einem anderen, der jede Zusammenarbeit mit der Unileitung kategorisch ausschloss, weil diese auch für Studiengebühren eintreten würde.

Sollte es in der nächsten Wochen tatsächlich zum Streik kommen, ist inhaltliche Entschlossenheit wohl nicht, dafür umso mehr "phantasievolle Aktionen" zu erwarten, die zwar für Symphatiepunkte beim Volk sorgen, aber nicht in der Lage sind, politischen Druck auf die Landesregierung aufzubauen. Analog zu 1997 ist wieder ein "Lucky Streik", kein "Angry Streik" zu erwarten.

Das wiederum bedeutet, dass den Streikenden zwar eine Menge Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sicher sein wird, die Landesregierung ihre Pläne jedoch - mit den gebotenen "Bauchschmerzen", versteht sich - umsetzen kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Leute noch in der Lage sind, das Ruder herumzureißen und tatsächlich für ihre Interessen einzutreten - wenn nötig auch militant.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

weihnachten miteinbeziehen

john reed 17.11.2003 - 18:33
Da 1997 der "Lucky Streik" durch Totjubeln durch die Presse und Ausebben lassen über die Weihnachtstage im Nirvana endete, sollte auf jeden Fall über Weihnachten irgendetwas laufen - sonst läuft nämlich nach Weihnachten/Sylvester nix mehr in Sachen Streik, denke ich. Also, GenossInnen, überlegt euch was. Wie wär's denn mit einer fetzigen Weihnachtsdemo oder Sylvesteraktion.

Widerstand gegen Sozialabbau und Bildungsklau!

Fragen an die protestierenden Studierenden

S 17.11.2003 - 19:32

Inhalte einbringen jetz!

Schmendi 22.11.2003 - 18:39
mal vorneweg: offizielle Vollversammlungen gibt es ohnehin nur auf Fakultätsebene, insofern ist jede uniweite VV eine inoffizielle.

Aber davon ganz abgesehen denke ich, das es jetzt an uns ist, den Streik mit Inhalten zu füllen. Denn - da gebe ich "Student" recht - tun wir das nicht, werden die Proteste ungehört verhallen.

Dafür wäre es allerdings mal notwendig, das sich die Göttinger Linke aus ihrem Elfenbeinturm herausbegibt, um sich mal die Mühe zu machen, in eine soziale Bewegung zu intervenieren. Denn dafür scheinen sich die meisten dieser Leute momentan noch zu fein zu sein...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke den folgenden Kommentar

Streik ist lächerlich

Udo 08.12.2003 - 16:46
Ich finde den Streik eher lächerlich. Montag waren im ZHG fast ausschließlich Linke. Das Votum kann nicht auf die Allgemeinheit bezogen werden. Den Boykott der Vorlesungen, der eher wie eine Besetzung aussieht, wirkt nach außen nur lächerlich. Ich kann nicht auf der einen Seite gegen "Bildungsklau" sein, auf der anderen Seite aber Kommilitonen vom studieren (also vom "sich bilden" abhalten (und das ist heute passiert).
Aktionen und Demos der linken Szene sind lustig, solange sie nicht die normalen Studenten vom Lernen abhalten. Meinetwegen kann jeder der möchte 50 Semester lang studieren und in seinen Lebenslauf als Beruf "Demonstrant" schreiben. Das derzeitige Verhalten hat aber nichts mehr mit der von Links zu hochgehaltenen Loyalität zu tun.
Mal ganz abgesehen davon: So schlecht sind Studiengebühren gar nicht. Mit welcher Berechtigung soll ein Arbeiter das Studium eines BWL`lers bezahlen, der nachher das dreifache von ihm verdient???
Sparen müssen wir, das sollte uns allen klar sein, aber wo?
Sparen wir an kulturellen Dingen, rennen die Linken auf die Straße, sparen wir an Sozialleistungen, rennen die Linken auf die Straße, sparen wir an den Schulen, rennen die Linken auf die Straße, sparne wir an der Uni, rennen sie auch....