Die Agenda 2010 und ihre Auswirkungen
Ich zitiere größtenteils aus älteren Wochenschauen, um die Bedeutung der sozialreaktionären Politik der Regierung Schröder/Fischer noch einmal in Erinnerung zu rufen:
Die berüchtigte Agenda 2010 zur „Reform“ des Sozialstaates und des Arbeitsmarktes, zu deren Kernstücken Hartz III und IV nun einmal gehören, sieht tiefgreifende Änderungen und Einschnitte vor. Das Arbeitslosengeld wird fortan nur noch für höchstens 12 Monate anstatt wie bisher für maximal 32 Monate ausgezahlt, über 55-Jährige erhalten es maximal 18 Monate lang. Lehnt ein Langzeitarbeitsloser eine „zumutbare“ Arbeit ab (und zumutbar ist ab Beginn des 7. Erwerbslosigkeitsmonats so gut wie alles inclusive eines Minijobs), sperrt das Arbeitsamt ihm die Kohle. Die Arbeitslosen- und Sozialhilfe werden zum auf Sozialhilfeniveau liegenden Arbeitslosengeld II zusammengelegt, was zu gut deutsch knapp 350 Euro Hilfe zum Lebensunterhalt und diverse Pauschalen heißt. Wir erinnern daran, dass sich z.B. die Mietpauschalen an Werten orientieren, die bestenfalls aus den frühen 80er Jahren stammen. Kleinbetriebe unter 6 Mitarbeitern können fortan befristet Arbeitnehmer einstellen, ohne damit zu Fällen für das Kündigungsschutzgesetz aufgewertet zu werden, also hire and fire im Mittelstand. Mit Hilfe von Zeitarbeitsfirmen, Personal-Service-Agenturen und arbeitsamtlich betriebenem Druck zur Annahme von Billigjobs soll ein unternehmerfreundlicher Billiglohnsektor etabliert werden. Ab dem 42. Krankheitstag sollen die Arbeitnehmer durch eine private Zusatzversicherung selbst für das Krankengeld aufkommen. Ab 2006 wird die elektronische Gesundheitskarte eingeführt, der gläserne Bürger naht heran. Das Mutterschaftsgeld wird komplett aus der Krankenversicherung herausgenommen und durch eine Erhöhung der Tabaksteuer finanziert. Ebenfalls aus der GKV heraus fällt ab 2005 der Zahnersatz, auch dieser Posten muss zusätzlich versichert werden. Nach dem Vorbild Großbritanniens wird sich die Bundesrepublik solcherweise in ein Land der Zahnlosen verwandeln, denn als Geringverdiener kann mensch sich kaum derartige Zusatzbelastungen leisten. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Beitragssätze der Gesetzlichen Krankenversicherung zu drücken. Auf diese Weise will die Bundesregierung erklärtermaßen Vollbeschäftigung erreichen, also durch Zwangsarbeit und Abschieben in Billigjobs. Die aufgrund der Agenda 2010 anstehende Verlangsamung der jährlichen Rentenerhöhung wird zahlreichen Rentenaspiranten langfristig eine knappe Sozialrente bescheren. Langfristig ist damit zu rechnen, dass infolge der Kürzungsmaßnahmen das durchschnittliche Rentenniveau von derzeit 70 % des Nettoarbeitsentgeltes dramatisch auf 54 % absinkt. Ein Durchschnittsverdiener muss 34 Jahre lang Beiträge zahlen, um überhaupt mit einer Rente rechnen zu können, die wenigstens das Sozialhilfeniveau erreicht.
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Ergänzungen
Vor was haben die Angst?
Reklame für die Agenda kostet 2300 000 €uro.
»Mehr Jobs - Steuern senken - Bildung fördern - Später eine Rente«:
Man meint, geistig Minderbemittelten sollen damit Traumvorstellungen vorgegaukelt werden, um von der Wirklichkeit abzulenken.
Je chaotischer die Politik wird (PISA, die Arbeitslosenzahlen, die LKW-Maut, der Dosenpfand lassen grüßen!), desto mehr steigert die Bundesregierung die Ausgaben für solche »Öffentlichkeitsarbeit«: Im kommenden Jahr will sie 88 Millionen Euro = 172 Millionen DM für derartigen Unsinn ausgeben.
Vergleicht man diese Traumland-Bilder mit der Regierungswirklichkeit, kann man nur ein neues Wort erfinden: Man fühlt sich mehr als verkohlt, also »verschrödert«!
Adolf Hennecke , der deutsche Stachanow.
Die Vernichtung des Solidargedankens
Sie schaffen das Solidarsystem ab und vernichten den Solidargedanken in den Köpfen. Sie sagen: Der Sozialstaat ist an seine Grenzen gekommen. Wir können uns Arbeit für alle und soziale Sicherheit nicht mehr leisten. Tatsache ist: Seit den Achtzigerjahren reißt die Kluft zwischen oben und unten immer weiter auf: immer mehr Geld für wenige – und weniger Geld für immer mehr. Also mehr Millionäre – und mehr Arbeitslose. `Es muss wieder rentabel sein, Arbeitssuchenden einen Arbeitsplatz anzubieten´, schreiben sie, die selbst im Trockenen sitzen. Aber damit alles akzeptiert wird, muss (sic!) die Arbeitslosenhilfe runter und die Sozialhilfe; das Gefühl der Sicherheit muss verschwinden, damit die Leute bereit sind, zu allen Bedingungen zu arbeiten. Und so entsteht ein Klima, in dem Marktliberale die Sozialhilfe auf Almosen umstellen, erworbene Rechte durch Nächstenliebe ersetzen wollen – die es aber in einer Gesellschaft, in der jeder der Konkurrent des anderen ist, nicht mehr gibt. Sozialdemokraten und Mittelstandsgrüne reden von `Wohltaten´ und `Missbrauch´, so als wären Löhne und soziale Absicherung jemals Brocken vom Tisch der Reichen gewesen. Der `Neid der Besitzenden´ zerstört Solidarität und soziale Sicherung. `Vollkasko-Mentalität´ wird denen vorgeworfen, denen das Wasser bis zum Halse steht. Die soziale Sicherung ist nicht an ihre Finanzierungsgrenze gekommen, weil die Versicherten den Sozialstaat ausgebeutet haben, sondern ganz im Gegenteil, weil sie die Verlierer des Verteilungskampfes zwischen Kapital und Arbeit sind.Leidern ist die angepaßte PDS auch keine Alternative mehr.