Proteste im Senkenbergmuseum

Popel im Chaos 09.11.2003 23:18 Themen: Bildung Repression Soziale Kämpfe
Ein Bericht über den friedlichen Protest im inneren des Senkenbergmuseums.
Beim friedlichen Protest wärend der Rede von Roland Koch greifen CDU-Treue Zuschauer mit Gewalt ein, Polizie steht dabei, nimmt die Anzeigen gegen die Gewalttäter nicht auf und schmeißt die Demonstranten Raus.
Anzeige gegen gewalttätige Zuschauer und gegen die Beamten gestellt.
Es war ein schöner sonniger Morgen, als man sich um 8h schlaftrunken aus dem Bettchen schälte, den Versuch zu wagen, zu zweit und sehr herausgeputzt der Wiedereröffnung des Senckenbergmuseums durch einen Festakt beizuwohnen. Es hatten sich schon ein paar - offensichtlich linke - Studenten getroffen und wurden von ca. 8 Beamten in Kampfanzügen daran gehindert, an der öffentlichen Veranstaltung teilzunehmen.
Auch die gute Kleidung ? wegen der Draeds wohl nicht authentisch genug ? reicht nicht aus, eine Kontrolle der Taschen des männlichen Besuchers werden wesentlich intensiver als die des weiblichen Besuchers untersucht. Weder Mantel- noch Rocktaschen werden von Polizisten eines der beiden Geschlechter durchsucht. Was man da hätte mithineinbringen können ... Aber man darf alles behalten und manches wird gar nicht erst gefunden (so z.B. eine Trillerpfeife, Aufkleber und ein Taschenmesser).
Bei anderen wird besser hingeguckt. Eine Gruppe von ca. 20 Studenten haben vor gehabt, ihrem stillen Protest auf T-Shirts und mit Seifenblasen Ausdruck zu verleihen. Aufschriften waren beispielsweise: "Bildung für Alle", "Bildung braucht Zeit", ?Unsere Träume zerplatzen wie diese Seifenblasen?.
Einzelne dieser Gruppe kamen dennoch hinein und wunderten sich über ihr Glück. Wohin gegen noch einmal bei mindestens zwei nicht mit ?T-Shirt bewaffneten? eine weitere Kontrolle im Museum stattfindet, zu der später noch ein Kommentar folgt.

Um 11h soll Roland kommen und als zweiter beim Festakt sprechen, erfährt man.
Man wandelte im Senckenbergmuseum umher, was nicht uninteressant ist. Der erste Lichthof wurde sehr schön hergerichtet und die Exponate erstrahlen im neuen Glanz und bunten Scheinwerfern. Nervig war, daß man ständig von Beamten in Zivil photographiert wurde. Viele stellten sich sehr tolpatschig an und waren leicht ausfindig zu machen.

Roland Koch bekam in erster Reihe vor der Bühne sogar zwei Stuhle ... dem schlagen anscheinend die hohen Diäten ins Gewicht :)
Der einfach schöne Aufkleber der FH-Frankfurt mit dem Informationsminister des Saddam-Hussein-Regimes und der Aufschrift: ?Der Neue in Wiesbaden?: ?Studiengebühren sind sozial und gerecht? mußte ? auch wenn klar war, daß das nur kurz der Fall sein würde ? einfach zwischen die Stühle, die für Herrn Koch reserviert waren geklebt werden.

Unwillkürlich auf diese Aktion folgte die oben erwähnte zweite Kontrolle durch die Zivis vom Eingang, bei der wiederum hauptsächlich der männliche Besucher kontrolliert wurde und beiderlei Geschlechter sich bis auf die Haut entblößen mußten. Nachdem wir der Bitte nach dem Abgeben der Aufklebern nachgekommen waren, schien man uns zu vertrauen.

Naja, man schaute uns mißtrauisch an und ermahnte uns mehrfach "den Ball flach zu halten" und wies drauf hin, daß man "ein Auge auf uns haben würde?.
Die Jazzband spielte und der erste Lichthof füllte sich mit Gästen. 4 Reihen Stühle waren für die geladenen und prominenten Gäste.
Nach der Einführung des Präsident der Senckenberggesellschaft wandte sich auch schon Roland an das Publikum und klammerte sich an das Pult. Beschützt auf beiden Seiten von Security ? ausgerüstet mit Regenschirmen.
Der erste Applaus für ihn war verhalten. Zwitschern von original Senckenberg-Luftballons, die verteilt worden waren, machten das Zuhören schwierig.

Drei der ursprünglich an die zwanzig umfassende Gruppe mit Seifenblasen bewaffneter Studenten standen direkt hinter den Reihen der Prominenz. Sie entledigten sich ihrer Sakkos und Jacketts, um den Protest durch die T-Shirts friedlich auszudrücken. Dazu pusteten sie Seifenblasen gemäß dem Motto: ?Unsere Träume zerplatzen wie diese Seifenblasen?.
Friedliebender Protest ist von der CDU und ihrer Anhängerschaft wohl nicht gewollt. Genörgel aus den Reihen der CDU-Fans machte sich breit.

Auf einmal schlägt ein älterer Herr zu, greift einen Demonstranten an und kippte ihm mitunter die Seifenlösung über den ?teuren Anzug, der extra für den Zugang zu diesen elitären Kreisen? getragen wurde. Die paradoxe Begründung des aggressiven Zuschauers war, daß sich angeblich eine ältere Dame durch die Seifenblasen bedroht gefühlt habe. Die Herausgabe seiner Personalien für eine Rechnung der Reinigungskosten wurden sehr unfreundlich von ihm abgelehnt.
Roland Koch machte eine schnippische Bemerkung zu den Vorfällen: ?Wenn ihr ordentlich studieren würdet, dann habt ihr auch keine Nachteile?. Daraufhin ein Applaus der - anscheinend schlecht über die Thematik aufgeklärten - Zuschauer durchsetzt mit entsetzten Buh-Rufen.

Die Demonstranten hatten ihr Ziel erreicht und machten sich aus der ersten Reihe auf den Weg zum Ausgang. Beamte wurden auf dem Weg aufgefordert die Personalien des Täters zu ermitteln wenn nicht sogar gleich eine Anzeige gegen jenen aufzunehmen. Dies wurde aber von mehreren Beamten abgelehnt, statt dessen wurden die Angegriffenen aus dem Gebäude geschoben, das sie ohnehin vorhatten, freiwillig zu verlassen.

Die Zivis, die ja ein Auge auf uns werfen ? ähm, haben ? wollten, kamen, um das Luftballonkonzert zu beenden. Während der Zivi nur recht locker den Luftballon einer Demonstrantin festhielt, sich dann aber einer zweiten zu wandte, griff ? just als der Chef-Zivi die Entfernung von den störenden und nicht störenden aus unseren Reihen direkt neben uns stehend anordnete ? ein Besucher an. Beim Versuch den Luftballon an sich zu reißen, verletzte er die angegriffene Demonstrantin.
Er weigerte sich in arrogantestem Tonfall, weine Personalien herauszurücken, es wäre ausreichend Polizei im Raum.

Nebenstehende Beamten, die das Geschehen mitbekommen haben, weigerten sich auch hier, die Personalien des Täters festzustellen oder eine Anzeige aufzunehmen, dies habe das 13. Revier zu machen, welches man jedoch selber aufzusuchen habe. Es folgte die Entfernung der Demonstranten aus dem Gebäude.

Das 13.Revier weigerte sich eine der Anzeigen aufzunehmen, da man von Kollegen aus dem Senckenbergmuseum informiert worden war, daß es sich um Nichtigkeiten handele. Nach dem Besuch im Krankenhaus, 4maligem Röntgen und einem Verband wurde man im 13. Revier von den Beamten ein weiteres mal sehr schroff abgewiesen. Man wurde sodann zum Präsidium geschickt.

Mit mehr als 4 Stunden wurde die Odyssee des Anzeige Erstattens im Polizeipräsidium endlich beendet:
Hier wurden die beiden Anzeigen gegen Unbekannt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung erstattet, zudem kommen auf die Beamten, die sich weigerten die Personalien der Angreifer festzustellen, eine polizeiinterne Untersuchung zu.

Über das geschehen drausßen wurde ja mehrfach berichtet.

Außerdem waren die Fluchtwege des Universitätsgebäude, die in den Innenhof führten abgeschlossen oder sogar mit Kabelbinder zugesperrt! Eine Unverantwortliches Vorgehen, dass die Brandschutzverordnung missachtet und Menschenleben in Kauf nimmt!


So long: Popel im Chaos
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Ergänzungen