Jahrestag der Bambule-Räumung
Heute vor einem Jahr wurde der Hamburger Bauwagenplatz Bambule geräumt. Dies nahmen etwa 500 Leute zum Anlaß, sich heute in der Nähe des ehemaligen Platzes zu versammeln. Natürlich ließ das die Polizei nicht zu, weshalb letztendlich die Reeperbahn mal wieder bis zum Morgengrauen gesperrt sein wird.
Heute vor einem Jahr wurde der Hamburger Bauwagenplatz geräumt, um den Stadtteil für die neue Messe „schön“ zu machen. Seitdem ist viel passiert: Unmengen von Demonstrationen, Unmengen von Kesseln, Unmengen von Gerichtsverfahren. Viele Leute, die ihre politische Seite an sich entdeckt haben, auch viel Ernüchterung an sich Unbeteiligter, daß die Polizei nicht das ist, für das sie noch von vielen gehalten wird, sondern statt für Frieden zu sorgen Rentner und Touristen verprügelt (so geschehen unter anderem auf der Reeperbahn im letzten Jahr), die eigentlich nur einen schönen Schaufensterbummel machen wollten.
Bei so manchem hat dies ein schales Gefühl hinterlassen, einen Knick in dem bisherigen Bewußtsein, daß „im Großen und Ganzen doch alles in Ordnung sei“. Was mit vielen passiert, die unvorbereitet in Situationen geraten, in denen die Bevölkerung versucht, der Regierung ihre eigenen Vorstellungen von etwas nahezubringen: sei es nun im Wendland mit der Anti-Atom-Bewegung, in der „Freien Heide“ im Kampf gegen das EU-Bombodrom, oder auf der blutig niedergeknüppelten Schülerdemo gegen den Irakkrieg im letzten Jahr, bei der vor allem die ganz jungen vermutlich das erste Mal Kontakt mit der „Staatsgewalt“ im tatsächlichen Sinne bekommen haben. Da drängt sich doch fast der Verdacht auf, der demokratische Grundsatz „ die Regierung hat dem Volk zu dienen, nicht das Volk der Regierung“ wird von Bundesregierung und Hamburger Senat gleichermaßen ins Gegenteil verkehrt.
Das Jahr nach der Bambuleräumung hat so einiges an Skandalen mit sich gebracht: so verprügelten die Polizisten ihre eigenen Zivilspitzel bis zur Dienstunfähigkeit, was angeblich ein Versehen war.; das Demonstrationsrecht wurde im Prinzip abgeschafft; soziale Einrichtungen dem Boden gleichgemacht, die Kameraüberwachung intensiviert (die Systeme in den S- und U-Bahnen sollen bald von Bandaufzeichnung auf Echtzeitüberwachung umgestellt werden), und noch vieles mehr.
Showdown war schließlich der 19.08., an dem Innensenator Ronald B. Schill aufgrund eines schmierigen Erpressungsversuches gegen den ersten Bürgermeister, nicht jedoch wegen des von ihm verbreiteten Terrors, den Hut nehmen durfte und nun, ganz ohne Knarre im Schulterhalfter, das eine oder andere Mal paranoid um sich blicknend in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesichtet worden sein soll... geblieben ist innenpolitisch jedoch alles beim alten, nur daß uns der Kurs jetzt als „Sozialdemokratie“ verkauft wird, die sich halt den Gegebenheiten der Zeit angepaßt habe.
Das alles sollte heute abend noch einmal im öffentlichen Raum aufleben und seinen Ausdruck finden, als sich etwa 500 Personen im Karolinenviertel in der Nähe des ehemaligen Bambule-Platzes trafen. Polizei war bereits Stunden vorher weitflächig präsent, was auch das zweite Bild zeigt, das etwa gegen 17:15 aufgenommen wurde.
Um ca. 19:30 hatten sich dann viele Leute am Eingang zur Marktstraße angefunden und standen um einen VW-Bus herum, der mit einer Tonanlage ausgestattet als Lautsprecherwagen diente. Die Rednerin habe sogar eine Demonstration angemeldet (zu welchem Zeitpunkt, ist mir allerdings nicht bekannt), sagte sie später über Lautsprecher; jedoch wurde den Leuten bereits im Vorfeld untersagt, sich von dem Platz fortzubewegen und nur eine Kundgebung gestattet.
Daß man sich daran natürlich nicht halten wollte, war klar, und so zog die Menge zuerst in die Marktstraße hinein, Trillerpfeifen machten ordentlich Lärm, und es wurde kräftig „Bambule“ gerufen. Ein wenig (unangebrachte) Nostalgie kam schon auf.
Als dann alle in die Glashüttenstraße einbogen, wurde diese von einer Polizeikette und einem Wasserwerfer am vorderen Ende dicht gemacht und dann auch hinten, durch vergeichsweise wenig Polizei. Die Menge wurde ziemlich laut, schließlich durfte man sich vereinzelt aus dem Kessel entfernen zurück in die Marktstraße, was sehr viele auch taten. Der Lautsprecherwagen löste alles „offiziell“ auf und lud die Teilnehmer noch auf ein Bier auf die Reeperbahn ein. Schließlich zog sich die zahlenmäßig nicht gerade starke hintere Polizeikette zur vorderen Kette hin zurück. Als dann aber aus der Marktstraße wieder Einheiten aufrückten, zog ich mich mit einer ganzen Zahl von Leuten zusammen Richtung Karolinenstraße zurück, von dort war es auch nicht mehr weit bis zur Reeperbahn.
Wie wir später über Radio FSK hörten, ist die Tonanlage des Lautis konfisziert worden und der Lauti selber wurde abgeschleppt.
Auf der Reeperbahn war dann ein massivstes Polizeiaufkommen, die ganze Reeperbahn wurde angeblich bis voraussichtlich 6:00 morgens für den Verkehr gesperrt. Vereinzelt standen dann auch noch Grüppchen herum, die allerdings ruhig blieben; Polizisten in Kampfmontur nahmen die Personalien von Teenagern mit Kapuzenpulli auf. Angeblich komme niemand, der „links“ aussehe, mehr auf die Reeperbahn.
Gegen 21:15 bin ich dann nach Hause gegangen, Richtung Hafen war alles ruhig. Immerhin, die Polizei scheint Angst zu haben, daß sich Aktionen auf dem Kiez wie die im letzten Jahr wiederholen – da machen sie lieber gleich selber alles dicht, anstatt zuzulassen, daß 20 Leute irgendwelche Parolen rufen. Von den „Demo“-Teilnehmern waren nämlich tatsächlich nicht viele auszumachen. In dieser Hinsicht war der heutige Tag wenigstens ein kleiner Erfolg, er zeigt einem zumindest, daß man ernst genommen wird. Und daß sich –trotz Schills Abgang- nichts im Kurs geändert hat. Und daß das Ziel das Selbe geblieben ist. Bambule hat nämlich immer noch einen gut.
Bei so manchem hat dies ein schales Gefühl hinterlassen, einen Knick in dem bisherigen Bewußtsein, daß „im Großen und Ganzen doch alles in Ordnung sei“. Was mit vielen passiert, die unvorbereitet in Situationen geraten, in denen die Bevölkerung versucht, der Regierung ihre eigenen Vorstellungen von etwas nahezubringen: sei es nun im Wendland mit der Anti-Atom-Bewegung, in der „Freien Heide“ im Kampf gegen das EU-Bombodrom, oder auf der blutig niedergeknüppelten Schülerdemo gegen den Irakkrieg im letzten Jahr, bei der vor allem die ganz jungen vermutlich das erste Mal Kontakt mit der „Staatsgewalt“ im tatsächlichen Sinne bekommen haben. Da drängt sich doch fast der Verdacht auf, der demokratische Grundsatz „ die Regierung hat dem Volk zu dienen, nicht das Volk der Regierung“ wird von Bundesregierung und Hamburger Senat gleichermaßen ins Gegenteil verkehrt.
Das Jahr nach der Bambuleräumung hat so einiges an Skandalen mit sich gebracht: so verprügelten die Polizisten ihre eigenen Zivilspitzel bis zur Dienstunfähigkeit, was angeblich ein Versehen war.; das Demonstrationsrecht wurde im Prinzip abgeschafft; soziale Einrichtungen dem Boden gleichgemacht, die Kameraüberwachung intensiviert (die Systeme in den S- und U-Bahnen sollen bald von Bandaufzeichnung auf Echtzeitüberwachung umgestellt werden), und noch vieles mehr.
Showdown war schließlich der 19.08., an dem Innensenator Ronald B. Schill aufgrund eines schmierigen Erpressungsversuches gegen den ersten Bürgermeister, nicht jedoch wegen des von ihm verbreiteten Terrors, den Hut nehmen durfte und nun, ganz ohne Knarre im Schulterhalfter, das eine oder andere Mal paranoid um sich blicknend in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesichtet worden sein soll... geblieben ist innenpolitisch jedoch alles beim alten, nur daß uns der Kurs jetzt als „Sozialdemokratie“ verkauft wird, die sich halt den Gegebenheiten der Zeit angepaßt habe.
Das alles sollte heute abend noch einmal im öffentlichen Raum aufleben und seinen Ausdruck finden, als sich etwa 500 Personen im Karolinenviertel in der Nähe des ehemaligen Bambule-Platzes trafen. Polizei war bereits Stunden vorher weitflächig präsent, was auch das zweite Bild zeigt, das etwa gegen 17:15 aufgenommen wurde.
Um ca. 19:30 hatten sich dann viele Leute am Eingang zur Marktstraße angefunden und standen um einen VW-Bus herum, der mit einer Tonanlage ausgestattet als Lautsprecherwagen diente. Die Rednerin habe sogar eine Demonstration angemeldet (zu welchem Zeitpunkt, ist mir allerdings nicht bekannt), sagte sie später über Lautsprecher; jedoch wurde den Leuten bereits im Vorfeld untersagt, sich von dem Platz fortzubewegen und nur eine Kundgebung gestattet.
Daß man sich daran natürlich nicht halten wollte, war klar, und so zog die Menge zuerst in die Marktstraße hinein, Trillerpfeifen machten ordentlich Lärm, und es wurde kräftig „Bambule“ gerufen. Ein wenig (unangebrachte) Nostalgie kam schon auf.
Als dann alle in die Glashüttenstraße einbogen, wurde diese von einer Polizeikette und einem Wasserwerfer am vorderen Ende dicht gemacht und dann auch hinten, durch vergeichsweise wenig Polizei. Die Menge wurde ziemlich laut, schließlich durfte man sich vereinzelt aus dem Kessel entfernen zurück in die Marktstraße, was sehr viele auch taten. Der Lautsprecherwagen löste alles „offiziell“ auf und lud die Teilnehmer noch auf ein Bier auf die Reeperbahn ein. Schließlich zog sich die zahlenmäßig nicht gerade starke hintere Polizeikette zur vorderen Kette hin zurück. Als dann aber aus der Marktstraße wieder Einheiten aufrückten, zog ich mich mit einer ganzen Zahl von Leuten zusammen Richtung Karolinenstraße zurück, von dort war es auch nicht mehr weit bis zur Reeperbahn.
Wie wir später über Radio FSK hörten, ist die Tonanlage des Lautis konfisziert worden und der Lauti selber wurde abgeschleppt.
Auf der Reeperbahn war dann ein massivstes Polizeiaufkommen, die ganze Reeperbahn wurde angeblich bis voraussichtlich 6:00 morgens für den Verkehr gesperrt. Vereinzelt standen dann auch noch Grüppchen herum, die allerdings ruhig blieben; Polizisten in Kampfmontur nahmen die Personalien von Teenagern mit Kapuzenpulli auf. Angeblich komme niemand, der „links“ aussehe, mehr auf die Reeperbahn.
Gegen 21:15 bin ich dann nach Hause gegangen, Richtung Hafen war alles ruhig. Immerhin, die Polizei scheint Angst zu haben, daß sich Aktionen auf dem Kiez wie die im letzten Jahr wiederholen – da machen sie lieber gleich selber alles dicht, anstatt zuzulassen, daß 20 Leute irgendwelche Parolen rufen. Von den „Demo“-Teilnehmern waren nämlich tatsächlich nicht viele auszumachen. In dieser Hinsicht war der heutige Tag wenigstens ein kleiner Erfolg, er zeigt einem zumindest, daß man ernst genommen wird. Und daß sich –trotz Schills Abgang- nichts im Kurs geändert hat. Und daß das Ziel das Selbe geblieben ist. Bambule hat nämlich immer noch einen gut.
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Ergänzungen
so dann ...
viva bambule
freiräume erstreiten
Es scheint...
Hoffe wir sehen uns alle am Samstag, den 8.11 beim Bettlermarsch!
Lichtblick am Abend:
Gruss an die Zivis die dem Typen mit Strafanzeige gedroht haben falls er ihre Fotos veröffentlichen würde. Macht euch nicht ins Hemd, wird schon nicht passieren. Hab euch lieb ;-)
reeperbahn nicht gesperrt
gegen 22 uhr war alles wieder ruhig. selbst im karoviertel waren weder potentielle demonstranten, noch polizisten, noch zivicops unterwegs.
Bewegung am Ende?
Wieso gelingt es nicht merh als einige wenige hundert 300-400 auf die beine zu bringen? dieses muss jetzt wirklich erst einmal ausdikustiert werden. bevor wieder auf die straße gegangen wird.
stellen wir uns dieser bitteren diskussion - der sache wegen.
Bambule Gedenktag
Räumung der Bambule!
Viva Bambule
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und einen Grabstrauss an einen Zaun am Ehemaligen Bambuleplatz aufgehängt.
Und dann kamen auf einmal 3 Wannen in die Vorwerkstr. und ich habe sofort mich entfernt weil ich gedacht hatte das die bullen wegen mir gekommen sind weil ich die Aktion gemacht habe und die nachbarn die bullen gerufen hätten.
zum glück war es nicht so ich habe den Strauss noch um !8 Uhr noch hängensehen.
geld is doch genug da
"Inzwischen hat Polizeipräsident Udo Nagel eingeräumt, dass die Strategie der Stärke die Innenbehörde allein durch den Einsatz von Fremdkräften aus anderen Bundesländern 2,3 Millionen Euro gekostet hat. Dabei sind die Überstunden für Hamburgs Polizisten noch gar nicht eingerechtet."
Diskussion muss sein
eine inmhaltlich diskussion über die ziele der bewegeung ist ganz dringend angesagt, nicht reiner aktionismus. schon die bewegung um umdie raf hat es verstanden, sich inhaltlich auseinanderzusetzen und ihre ziele klar zu definieren. dieses fehlt bei bambule.
laute gegröle und inhaltlich flache sprüche stärken nicht unsere interesse, nein sie zertsören die guten kontakte zur nachbarschaft. und wir sollten aufhören diese happenings zu saufveranstaltungen zu machen, das stärkt ohnehin nur das kapital, also den klassengegner! Und besoffene sind auch nicht unser aushängeschild!
die bewegung braucht jetzt geistige aktivitäten, nicht krawall.
eine bewegung scheitert?
dass eine bewegung, die gegen alles und jeden ist lange existieren kann muss doch eigentlich gar nicht erwähnt werden. schau dich doch um, wie sich die bewegung der konservativen, neu- und altfaschisten, regulierer und braveleute hält. wenn jemand gegen alles ist, dann doch eher die "so gets doch nicht" sager, die aufpasser, "alles in ordnug" - halter.
und dann denke ich: "was hat der mensch da gesagt?" "zu scheitern verurteilt?" - na, wer so schreibt, versucht auf jedenfall etwas zum scheitern zu bringen.
um das klar zu stellen: eine bewegung bewegt sich, deswegen heisst sie "bewegung". was soll also scheitern? sie ist entweder vorhanden oder nicht - sie scheitert nie. eine bewegung existiert einfach nur solange, solange sich etwas bewegt. na, und wenn sich die leute bewegen oder etwas bewegen sind sie einfach begung. nur so durch ihre bewegung[schlau was?]. die bewegung ist nicht gescheitert, denn die bewegung hat sich bewegt. und sie bewegt sich immer noch deutlich.
weisste: und wenn sich die bewegung nicht mehr bewegt, ist sie einfach nur vorbei.
im übrigen können mehrere bewegungen gleichzeitig auftreten. dann bewegt sich eben mehr. oder nacheinader. auf jedenfall scheitert eine bewegung nicht sondern bewegt sich einfach nur. sie existiert aus sich selber heraus aus - solange sie sich bewegt.
die frage ist vielleicht: woher kommt eine bewegung und wie lange dauert die bewegung? was wurde mit einer bewegung verursacht? die andere frage ist: bewege ich mich? will ich mich bewegen oder nicht? was ist mit dir? bewegest du dich? oder scheiterst du vieleicht beim versuch dich zu bewegen? kannst du dich bewegen? bewegst du dich? wenn dann scheiterst du. eine bewegung niemals.
ich weiss, bla bla, aber so einen unsinn wie "die bewegung muss scheitern" verklickern wollen - was willste da noch gross schreiben. hey: 500 ist eine ganze menge bewegung würde ich sagen. auch wenn ich gerne mehr bewegung(en) sehen würde.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Reeperbahn war frei — Peterchen
Keine Bewegung — ...
an ... — max
Bitte nicht mehr so ätzend — clara
Ende oder nicht! Ja und selber Schuld! — Renni
Genau so muß es sein! — Kleiner Bader
Warum immer das Herumgeschleime? — Stalino
was meint ihr? — Mayumi
Es muss weitergehen — jabni
Im Gegenteil hier gibt überhaupt keiner auf! — Kalinka
was soll das?! — hamburgerin
Heude abend Altona ? — max
peterchen — max
BAMBULE — nimmersatt