Innenstadtaktionstag in Gö (Bericht + Fotos)
Bereits vor einigen Wochen (10. Oktober 2003) fand in Göttingen ein nachmittäglicher Innenstadtaktionstag unter dem Motto "die stadt gehört niemandem - no control!" statt. Thematisiert und kritisiert wurde die zunehmende Kommerzialisierung öffentlicher Räume, die Zunahme von Überwachung, die Kampagne "Saubere Innenstadt" des Stadtrates, die Ausgrenzung bestimmter Personengruppen u.ä.m. An den Aktivitäten haben sich viele Gruppen und Einzelpersonen mit Aktionen und Flugblättern beteiligt. Der Aktionstag zeichnete sich meines Erachtens sehr positiv dadurch aus, dass es eine Fülle gelungener Aktionen gab, die ich trotz der Verspätung hier dokumentieren und zur Nachahmung empfehlen möchte.
Im Vorfeld hatten sich die Beteiligten koordiniert und ein Plakat gedruckt, außerdem wurden zwei begleitende Presseerklärungen versandt. Die bürgerliche Presse (insbesondere die Göttinger Monopolzeitung "Göttinger Tageblatt") hat die Aktionen jedoch komplett ignoriert. Neben den Aktionsflyern und Presseinfos gab es weitere (Aufruf-)Flugblätter verschiedener Gruppen, die mir ebenso wie die Presseerklärungen jedoch nicht vorliegen und die hier daher nicht erscheinen (vielleicht kommen die ja noch als Kommentar).
Leider war es an diesem Tag kalt und das Wetter wechselhaft, weshalb nicht so viel los war in der Stadt. Nicht so gelungen fand ich die Stände am Marktplatz, wo typisch linksradikal aussehende Cliquen herumstanden, die eher abschreckend als offen wirkten. Zudem fehlte dem Stand ein einladender Büchertisch und ein Transpi mit dem Motto der Aktion. Ebenfalls nicht so gut geklappt hat die Sache mit dem Open Mic - es gab kaum Redebeiträge. Insgesamt waren aber viele kreative und vermittlungsstarke Aktionen am Start und was ich so gehört habe, fanden die meisten Beteiligten den Tag ebenfalls sehr gelungen. Kann gut sein, dass sich daraus noch mehr entwickelt.
Die Aktionen
Ich gebe im folgenden wieder, was ich so von den Aktionen mitbekommen habe. Kann sein, dass die Beschreibungen nicht ganz 100%ig sind oder Sachen fehlen. Zudem handelt es sich auch hier nur um meine subjektive Sichtweise. Die Reihenfolge ist mehr oder minder zufällig. Nicht wiedergeben kann ich die Reaktionen der BürgerInnen auf die verschiedenen Aktivitäten, weil sie zu vielfältig sind und sowieso von der Ansprache bzw. Umsetzung im Einzelfall abhängen. Von genereller Unzufriedenheit damit unter den Aktivistis, habe ich jedoch nichts gehört.
- Neben den Ständen am Markt fand sich eine Infotafel, die viele interessierte Leser fand.
- Ständige anwesend war eine Papppuppe, welche ihre großen Ohren überall hatte und die an ihren gefletschten Zähne als der "Lauscher" erkannt werden konnte.
- Eine Gruppe hatte sich mit Bauchläden voller Putzmaterialien und Kitteln ausgestattet, um das Konzept "Saubere Innenstadt" in die Tat umzusetzen. Und wo fängt man da an? Genau: Den meisten Dreck schleppen doch die BürgerInnen in die Stadt! Also wurden sie aufgefordert, sich einer gründlichen Reinigung zu unterziehen und zudem beim Putzen von Laternenpfählen mitzuhelfen. (Vermutlich gab es auch ein Flugi dazu, ich habe es leider nicht.)
- Ein Service Team Göttingen hat sich ebenfalls direkt an die Bürger gewandt, um die von "Oberbetrügermeister Danilowiski" jüngst erlassene Innenstadtverordnung bekannt zu machen. Freundlich aber bestimmt wurde etwa darauf hingewiesen, dass die mittlere Gehgeschwindigkeit einzuhalten sei, der von der Aufenthaltsdauer abhängige Mindestkonsum nachgewiesen werden müsse, man das Abwenden des Gesichts von Kameras zu unterlassen habe etc. Der Infoflyer "Ihr Konsum - unser Standort" im offiziellen Outfit (siehe PDF) informierte über die neue Ordnung und ihren Hintergrund. Es gab alle möglichen Reaktionen: Oft Autoritätshörigkeit, manchmal Nachfragen, auch Gesprächsabbrüche, selten Unglaube oder Widerstand.
- Für kurze Zeit wurde der kleine, nicht kameraüberwachte Teil des Marktplatzes mit Flatterband markiert. (Obacht: Es gab verschiedene Fotos und ich weiß nicht, ob das obige Foto den Bereich exakt wieder gibt!)
- Kreuz und quer durch die Innenstadt trug eine schwarzgekleidete Trauergemeinde einen geschulterten Sarg. Zu Grabe getragen und mit der wiederholten Darbietung trauriger Musik gewürdigt wurde die "Lebendige Innenstadt". Eine dazu verteilte Traueranzeige informierte ebenso wie ein am Kopf des Trauermarschs getragener Grabstein über ihr Schicksal.
- Die PDS hat sich mit einer satirischen Aktion beteiligt. Aufgegriffen wurde ein Vorschlag, der bereits in einem Ausschuss des Stadtrates debattiert wurde: Das Anwerben von Patinnen und Paten zur Betreuung von Mülleimern, Kippis (Göttinger Name für Zigarettenkippensammelbehälter), Stromkästen etc. Es gab ein Faltblatt (siehe PDF) dazu. Ob sich KandidatInnen für die "Eduard-Zimmermann-Gedächtnis-Plakatte" beim OB gemeldet haben, weiß ich nicht.
- Am Marktplatz gab es eine Installation aus einem 4 x 20 m großem Vlies, deren Ausführung allerdings für einige Verwirrung gesorgt hat. Ich dokumentiere die nachgereichte Erläuterung:
"Grad schmale Der: Göttingen Leben Schöner bei AG-Vlieskunst Eure !Grad schmaler ein ist Normalität .ein alle irgendwann schränkt Ordnung und Recht, Arbeitszwang und Konsum-, Kontrolle und Überwachung :richtig mal aber jetzt ,Also .umgekehrt nicht und unten nach oben von einmal nun eben liest Mensch unkonventioneller und aufgeschlossener so noch ein Auch .gescheitert Lesenormalität ,sinnvollen recht auch ja manchmal ,verinnerlichten prima allen uns von der an ergreifend und schlicht Kunst unserer mit sind Wir .bringen zu näher Göttingen in Linken der Dadaismus den nicht gar nämlich war Intention Die .Innenstadtaktionstag beim ‚Vliesbeschriftungstechnik' neuen unserer mit überschätzt etwas wohl uns wir haben da ,Leute Liebe"
- An einigen der verbliebenen Sitzbänke/-schalen in der Innenstadt fanden sich neue, kleine Hinweisschilder mit dem Logo der Stadt Göttingen und folgendem Text: "Maximale Verweildauer 5 min. - Servicetelefon 0551 - 93516"
Ein weiterer Bericht findet hier:
http://www.goest.de/innenstadtaktion.htm
Leider war es an diesem Tag kalt und das Wetter wechselhaft, weshalb nicht so viel los war in der Stadt. Nicht so gelungen fand ich die Stände am Marktplatz, wo typisch linksradikal aussehende Cliquen herumstanden, die eher abschreckend als offen wirkten. Zudem fehlte dem Stand ein einladender Büchertisch und ein Transpi mit dem Motto der Aktion. Ebenfalls nicht so gut geklappt hat die Sache mit dem Open Mic - es gab kaum Redebeiträge. Insgesamt waren aber viele kreative und vermittlungsstarke Aktionen am Start und was ich so gehört habe, fanden die meisten Beteiligten den Tag ebenfalls sehr gelungen. Kann gut sein, dass sich daraus noch mehr entwickelt.
Die Aktionen
Ich gebe im folgenden wieder, was ich so von den Aktionen mitbekommen habe. Kann sein, dass die Beschreibungen nicht ganz 100%ig sind oder Sachen fehlen. Zudem handelt es sich auch hier nur um meine subjektive Sichtweise. Die Reihenfolge ist mehr oder minder zufällig. Nicht wiedergeben kann ich die Reaktionen der BürgerInnen auf die verschiedenen Aktivitäten, weil sie zu vielfältig sind und sowieso von der Ansprache bzw. Umsetzung im Einzelfall abhängen. Von genereller Unzufriedenheit damit unter den Aktivistis, habe ich jedoch nichts gehört.
- Neben den Ständen am Markt fand sich eine Infotafel, die viele interessierte Leser fand.
- Ständige anwesend war eine Papppuppe, welche ihre großen Ohren überall hatte und die an ihren gefletschten Zähne als der "Lauscher" erkannt werden konnte.
- Eine Gruppe hatte sich mit Bauchläden voller Putzmaterialien und Kitteln ausgestattet, um das Konzept "Saubere Innenstadt" in die Tat umzusetzen. Und wo fängt man da an? Genau: Den meisten Dreck schleppen doch die BürgerInnen in die Stadt! Also wurden sie aufgefordert, sich einer gründlichen Reinigung zu unterziehen und zudem beim Putzen von Laternenpfählen mitzuhelfen. (Vermutlich gab es auch ein Flugi dazu, ich habe es leider nicht.)
- Ein Service Team Göttingen hat sich ebenfalls direkt an die Bürger gewandt, um die von "Oberbetrügermeister Danilowiski" jüngst erlassene Innenstadtverordnung bekannt zu machen. Freundlich aber bestimmt wurde etwa darauf hingewiesen, dass die mittlere Gehgeschwindigkeit einzuhalten sei, der von der Aufenthaltsdauer abhängige Mindestkonsum nachgewiesen werden müsse, man das Abwenden des Gesichts von Kameras zu unterlassen habe etc. Der Infoflyer "Ihr Konsum - unser Standort" im offiziellen Outfit (siehe PDF) informierte über die neue Ordnung und ihren Hintergrund. Es gab alle möglichen Reaktionen: Oft Autoritätshörigkeit, manchmal Nachfragen, auch Gesprächsabbrüche, selten Unglaube oder Widerstand.
- Für kurze Zeit wurde der kleine, nicht kameraüberwachte Teil des Marktplatzes mit Flatterband markiert. (Obacht: Es gab verschiedene Fotos und ich weiß nicht, ob das obige Foto den Bereich exakt wieder gibt!)
- Kreuz und quer durch die Innenstadt trug eine schwarzgekleidete Trauergemeinde einen geschulterten Sarg. Zu Grabe getragen und mit der wiederholten Darbietung trauriger Musik gewürdigt wurde die "Lebendige Innenstadt". Eine dazu verteilte Traueranzeige informierte ebenso wie ein am Kopf des Trauermarschs getragener Grabstein über ihr Schicksal.
- Die PDS hat sich mit einer satirischen Aktion beteiligt. Aufgegriffen wurde ein Vorschlag, der bereits in einem Ausschuss des Stadtrates debattiert wurde: Das Anwerben von Patinnen und Paten zur Betreuung von Mülleimern, Kippis (Göttinger Name für Zigarettenkippensammelbehälter), Stromkästen etc. Es gab ein Faltblatt (siehe PDF) dazu. Ob sich KandidatInnen für die "Eduard-Zimmermann-Gedächtnis-Plakatte" beim OB gemeldet haben, weiß ich nicht.
- Am Marktplatz gab es eine Installation aus einem 4 x 20 m großem Vlies, deren Ausführung allerdings für einige Verwirrung gesorgt hat. Ich dokumentiere die nachgereichte Erläuterung:
"Grad schmale Der: Göttingen Leben Schöner bei AG-Vlieskunst Eure !Grad schmaler ein ist Normalität .ein alle irgendwann schränkt Ordnung und Recht, Arbeitszwang und Konsum-, Kontrolle und Überwachung :richtig mal aber jetzt ,Also .umgekehrt nicht und unten nach oben von einmal nun eben liest Mensch unkonventioneller und aufgeschlossener so noch ein Auch .gescheitert Lesenormalität ,sinnvollen recht auch ja manchmal ,verinnerlichten prima allen uns von der an ergreifend und schlicht Kunst unserer mit sind Wir .bringen zu näher Göttingen in Linken der Dadaismus den nicht gar nämlich war Intention Die .Innenstadtaktionstag beim ‚Vliesbeschriftungstechnik' neuen unserer mit überschätzt etwas wohl uns wir haben da ,Leute Liebe"
- An einigen der verbliebenen Sitzbänke/-schalen in der Innenstadt fanden sich neue, kleine Hinweisschilder mit dem Logo der Stadt Göttingen und folgendem Text: "Maximale Verweildauer 5 min. - Servicetelefon 0551 - 93516"
Ein weiterer Bericht findet hier:
http://www.goest.de/innenstadtaktion.htm
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Ein älterer Artikel zur wirren CDU-Politik
"Die Stadt, der Müll und der Geisterseher"
Der Kampf um Freiräume reißt nicht ab:
Hamburg: Protest gegen Drogenpolitik
Hamburg: "Aktive Demokratie"
Kommisar Schnellfuß entführt:
Kulturschlag im Schanzenpark Hamburg?
Fotos: Hamburg Umsonst & Halbzeit Ende Aus!
Auftakt zu Hamburg Umsonst - Heute: Kino
Abschlußkundgebung des Aktionstages in HH
Hamburger Erklärung zur Demo vom 18.10.:
KIEL
Kiel: breite Unterstützung für Meierei & Demo:
Kiel: Alte Meierei - der Kampf geht weiter:
Kiel: Meieri bleibt [photos]
OSNABRÜCK
Fazit: Kampf um AZ + Wagentage in Osnabrück:
DÜSSELDORF
Bilder zur Hausbesetzung in Düsseldorf
von "Viel Glück!"-Fee - 18.10.2003 17:05
haubesetzung in düsseldorf
von besetzerInnenfreundInnen - 18.10.2003 12:30
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SPARS-Virus in Tübingen entdeckt
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Nachttanzdemo Frankfurt
kulturoffensive frankfurt // nachttanzdemo.03
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Repressionswelle in Karlsruhe
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Prozesstermin in Gießen steht: 15.12. (+mehr)
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Persönlicher Bericht zum Utopiecamp:
BERLIN
Polizeiübergriff auf das Soziale Zentrum
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Jubel-Demo für §129a
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