Aktionstag "Gesellschaft für Legalisierung"

maribel 26.10.2003 21:12 Themen: Antirassismus
Am Freitag den 24. Oktober hat die "Gesellschaft für Legalisierung" in Berlin unter dem Motto "Wir sind unter Euch" eine Aktionstour mit anschliessendem Gala-Abend durchgeführt. Besucht wurden u.a. die Gewerkschaft ver.di auf ihrem 1. Bundeskongress, die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, um gegen Lohnraub zu protestieren, und das Krankenhaus Charité, um medizinische Versorgung auch für Leute ohne gültige Aufenthaltspapiere zu fordern.
Die Gesellschaft für Legalisierung (GfL) hat mit der Aktionstour in Berlin eine bundesweite Offensive gestartet, die politische und soziale Rechte für MigrantInnen mit oder ohne Papiere einfordern wird.
Die Berliner Gründungsorganisationen der Gesellschaft sind Kanak Attak, Flüchtlingsinitiative Brandenburg, Polnischer Sozialrat, Mujeres sin Rostro, Medizinische Flüchtlingshilfe, RESPECT-Netzwerk, Frauen/Lesben-Bündnis gegen Rassismus und Illegalisierung-Papiere für alle, Mujeres de esta tierra, elexir-A und andere.

Gleich morgens auf dem ver.di Bundeskongress gelang es der GfL nicht nur, die Delegierten für ihr Anliegen zu interessieren: im Foyer waren die sans-papiers durch "sprechende Refugee-bags" repräsentiert, und GfL-Mitglieder verteilten Empfehlungs-Flugblätter an die ver.di-Delegierten,um Illegalisierten künftig die Mitgliedschaft zu ermöglichen und sich als Dienstleistungsgewerkschaft aktiv für deren Arbeitsrechte einzusetzen. Nach kurzen Verhandlungen sprach eine Delegation, darunter auch eine Migrantin aus Lateinamerika, im Kongressaal direkt zu den KongressteilnehmerInnen und berichtete über Lohnraub, sexuellen Missbrauch und andere Rechtsverletzungen von Illegalisierten. Die Delegation machte sich stark für das Recht, Rechte zu haben und forderte die Versammelten auf, endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass Papierlose längst hier leben und arbeiten. Die kurze Rede wurde mit viel Applaus begrüßt. Anschließend sagte ver.di-Chef Frank Bsirske in einem Fernseh-Interview wörtlich: ?Ich halte es für richtig, dass wir uns als Gewerkschaften dieses Themas annehmen. Ich kann mir eine Legalisierung vorstellen?. Der ver.di-Vorsitzende betonte aber auch, dass zuerst eine intensive Dikussion zu diesem Komplex notwendig sei. ?Die Bereitschaft dazu gibt es und das ist auf diesem Gewerkschaftstag deutlich geworden?, so Bsirske.
Die Tour WIR SIND UNTER EUCH steuerte dann als zweite Station die Baustelle am Alexanderplatz an, wo MigrantInnen ohne Papiere um ihren Monatslohn betrogen wurden und seit Monaten dieses Geld einfordern. Nach einer Kundgebung zog ein Demonstrationszug direkt vor die Büros der Wohnungsbaugesellschagt Mitte, die den Lohnraub zu verantworten hat, und forderte lautstark "Geld her!". Auch hier waren vom Lohnraub betroffene ArbeiterInnen anwesend und forderten ihre Rechte ein.
Nächste Station war das Krankenhaus Charité, wo gefordert wurde, illegalisierte MigrantInnen unabhängig von ihrem Status und kostenlos gesundheitlich zu versorgen und damit das Menschenrecht auf Gesundheit Realität werden zu lassen.
Vom S-Bahnhof Friedrichstrasse bis Kochstrasse führte der "Autokorso auf der Suche nach dem besseren Leben", und forderte die zahlreichen PassantInnen auf, sich für Illegalisierte stark zu machen und sie individuell und praktisch zu unterstützen. Nach der Station zum Thema "Schleppen und Schleusen" am Checkpoint Charlie, wo auf frühere, heute allgemein als legitim betrachtete Praktiken der Fluchthilfe aufmerksam gemacht wurde, Endete die Tour am kottbusser Tor. Abends wurde im SO36 noch ordentlich gefeiert, getanzt und sich an der Performance von Kanak Attak u.a. erfreut.

Der Berliner Aktionstag war Teil der bundesweiten Aktivitäten der Gesellschaft für Legalisierung, die in den nächsten Monaten durch die verschiedensten Städte touren wird.
(27.11. Hamburg, echochamber/click am nobistor).
Hoffentlich macht es in Zukunft genauso viel Spass!
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Ergänzungen

siehe dazu auch

,, 27.10.2003 - 11:17

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