Mollyworkshop Magdeburg - Erfahrungsbericht.

Peter Lustig 24.10.2003 21:16 Themen: Repression
Heute, 24.10.03, fanden zwei Molotowworkshops in Magdeburg statt. Eins vor dem Landeskriminalamt und eins in der Fußgängerzone vor dem Karstadt. Begleitet wurde dieser Workshop von einer Gegendemonstration des Bündnises Mehr Sicherheit für Magdeburg. Es kam zu verbalen Attacken und Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen, die die Frage nach dem Sinn und Einsatz von Molotowcoctail erläuterten.
Nachdem kurzerhand der Workshop vor dem LKA beendet wurde, zogen die Gruppen in die Fußgängerzone vors Karstadtkaufhaus. Bei unserer Ankunft quäkte eine Verkäuferin durch eine Lautsprecheranlage den Vorbeilaufenden entgegen, dass diese doch Handtaschen kaufen sollten, die in der Kälte aufgebaut waren. Als dann der Workshop begann und die Gegendemonstration lauthals forderte "Stopt die Bombenleger" und "Polizeit" verstummte die Stimme der Verkäuferin und kurze Wortgefechte konnten beginnen. Auf den Plakaten der Sicherheitsfanatiker standen die Parolen "Härtere Strafen", "Mehr Sicherheit" und "129a, Ja."
Interessant war dann das Gespräch mit der Verkäuferin, die meinte, dass es heute Abend krachen würde. Auf die Frage wieso, sagte sie, "Was meinen Sie, wer hier überall wohnt? Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner. Und wenn hier so ein Molotowworkshop stattfindet, was meinen sie, was heute passiert. Die Leute haben eine mordswut auf die Regierung. Verbünden Sie sich lieber mit denen dort!."
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Ergänzungen

nicht ganz dumm...

DA MD 24.10.2003 - 23:31
... war die Polizeiführung, indem sie dafür sorgte, dass die Polizistis nicht wie üblich martialisch auftraten (zumindest nicht was die Masse angeht), sondern sich auffällig zurückgezogen hatten. Das einzige, was ganz klar machte, dass es sich nicht um einen gaaanz normalen Tag handelte und sie nix gemerkt hätten, war der völlig leere LKA-Parkplatz vor dem Gebäude der sonst ziemlich gefüllt war. Heute standen da nur drei Sixpacks.
Hätten sich mehr Menschen schon im Vorfeld beteiligt und Vorbereitungen für eigene Aktionen getätigt, dann wäre diese Situation besser nutzbar gewesen. Doch leider war es eher eine abwartende Haltung der Politischen, was die Aktion anging. Einige schwarze Gestalten huschten eine Weile in der Gegend herum, bevor die "Vorbereiteten" kamen - und waren dann zu früh weg, um überhaupt was mitzukriegen.

Übrigens standen einige volle Polizeiwagen in Nebenstraßen...

Fotos gibts auch gleich noch.

Mollliworkshop

Matthias 25.10.2003 - 10:37
Richtig lusitig war die Situation in der Innenstadt vor dem Karstadteingang.Es gab viel mehr Pulikum durch an der Stabahnhaltestelle wartende Leute und Menschen die bei Karstadt einkaufen wollten. Die Mitglieder des Pro-129a Bündnisses machten auch durch Ihre Plakate und ihre Parolen darauf aufmerksam, das gerade etwas Verbotenes im Gange war (nähmlich der Molliworkshop). Es gab viel Kontakt zu Leuten die teils ernsthaft teils schmunzelnd auch interessiert waren und mit denen Gespräche über Herrschaft, Staat, Gefängnis liefen. Spannend war, das durch die beiden gegensätzlichen Positionen der beiden Gruppen immer genügend Gelegenheiten da waren, zu agieren. Entweder griffen sich die beiden Gruppen verbal direkt an oder sie versuchten Umstehende für die jehweil ihrige Position zu gewinnen. Dadurch wurde ein erhebliches Maß an Öffentlichkeit erzeugt. Witzig war auch das wohl durch die Karstadtverkäuferin und die Überwachungskamera über den Platz die Bullen irgendwann ankamen um herauszufinden was da lief aber ziemlich schnell nach einem Handyanruf sich kollektiv zurückzogen. Das gab an sich schon wieder eine Menge Gesprächsstoff...
Bis auf kleinere Pöbeleien durch Teeniepunks lief alles problemlos