Greenpeace steigt auf Castor-Verladekran

aktivist / greenpeace 21.10.2003 14:39 Themen: Atom
Greenpeace auf Castor-Verladekran in Dannenberg: / "Erst wenn der
letzte Tropfen Grundwasser verstrahlt ist, werdet ihr feststellen,
dass Gorleben kein sicheres Endlager für Atommüll ist."

Fotos sind zu finden bei:
Hamburg - Gegen den bevorstehenden Transport von zwölf
Castorbehältern mit Atommüll ins Wendland protestieren seit heute
Morgen 20 Greenpeace-Aktivisten am und auf dem Castor-Verladekran am
Bahnhof Dannenberg. Die Umweltschützer sind auf das Dach des
Krangebäudes geklettert und haben an der Fassade ein sieben mal neun
Meter großes Banner befestigt: "Erst wenn der letzte Tropfen
Grundwasser verstrahlt ist, werdet ihr feststellen, dass Gorleben
kein sicheres Endlager für Atommüll ist." Greenpeace fordert von der
Bundesregierung, die Castor-Transporte zu beenden, den unsicheren
Salzstock Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endlager aufzugeben
und mit der Suche nach einer anderen, weniger gefährlichen
Möglichkeit der Entsorgung zu beginnen.

"Der Salzstock in Gorleben ist geologisch für die Lagerung von
Atommüll völlig ungeeignet", sagt Greenpeace-Atomexperte Mathias
Edler. "Wenn die Bundesregierung dort Atommüll vergräbt, setzt sie
die Trinkwasserversorgung kommender Generationen aufs Spiel." Der
Salzstock ist nicht komplett vom Wasserkreislauf getrennt.
Radioaktive Partikel könnten langfristig ins Grundwasser gelangen.
Wenn Menschen dieses Wasser trinken, würden sie innerlich verstrahlt
werden. Die medizinischen Folgen von Verstrahlung sind bekannt:
Immunerkrankungen, Krebs, Tod.

1977 hatte der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Ernst
Albrecht (CDU) den Salzstock nahe der Grenze zur DDR aus rein
politischen Erwägungen als möglichen Endlagerstandort ins Spiel
gebracht. Bereits 1981 stellten Wissenschaftler fest, dass sich über
dem Gorlebener Salzstock keine durchgehende wasserdichte Tonschicht
befindet. Das heißt: Es gibt keine geologische Schranke zwischen Salz
und Grundwasser. Atomindustrie und Politik halten dennoch bis heute
am Standort fest - und schaffen Tatsachen: Direkt über dem Salzstock
nahm die Bundesregierung 1995 schon mal ein oberirdisches
"Zwischenlager" für Atommüll in Betrieb.

32 Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen wurden seitdem dort
eingelagert. Greenpeace erwartet für die Woche ab dem 10. November
2003 einen weiteren Transport mit zwölf Castoren aus der
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Im Zwischenlager
muss der Atommüll rund 40 Jahre lang abkühlen, anschließend soll er
in ein Endlager. Ein solches ist aber bis heute weltweit nicht
gefunden.

Mathias Edler: "Jeder weitere Castor im Zwischenlager Gorleben
erhöht das Risiko, dass auch das geplante Endlager dort in Betrieb
genommen wird - mit unkalkulierbaren Risiken für die Region."
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