für die Verteidigung des Lebens und der Würde

CONAMAQ , übers. eduardo, rev. LinksRhein 16.10.2003 01:45 Themen: Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Dringender Aufruf und Mobilisierung der Herkunfts-Ayllus mit ihren Oberhäuptern zur Stadt La Paz, um den Belagerungsring zu verstärken
Anmerkung: Aufgrund der stark nationalistischen Argumentationsweise halte ich diesen Aufruf für nicht ganz unproblematisch. Vielleicht kann er trotzdem - als Doku sozusagen - zum Verständnis des Aufstands in Bolivien beitragen und eine Diskusion anregen. Solidarität mit den Menschen im Widerstand, gegen nationale Konstrukte. Und Dank an eduardo für die Übersetzung. (LinksRhein)



DIE MALLKUS DES QULLASUYU FÜR DIE VERTEIDIGUNG DES LEBENS UND DER WÜRDE DER INDIGENEN VÖLKER

Autor: CONAMAQ (15/10/2003 10:49)

Dringender Aufruf und Mobilisierung der Herkunfts-Ayllus mit ihren Oberhäuptern zur Stadt La Paz, um den Belagerungsring zu verstärken

Angesichts des blutigen Anfgriffes des Völkermörders Gonzalo Sánchez de Lozada, der seit Donnerstag, dem 9. Oktober das Leben von mehr als 56 Indigenen (junge Wehrpflichtige und Kinder eingeschlossen), dutzende von Verschwundenen und mehr als ein halbes tausend Verletzter gefordert hat, der die Städte La Paz und El Alto in das Schlachtfeld eines unerklärten Krieges verwandelt hat, unter Mißachtung des Rechtes auf Leben und der Existenz selbst der indigenen Völker (Aymara, Qhichwa, Guaraní ...) erklärt der Consejo Nacional de Ayllus y Markas del Qullasuyo (Nationalrat der Ayllus und Markas des Qullasuyo) zur Kenntnis des indigenen Volkes, der nationalen Gemeinschaft und der internationalen Öffentlichkeit das Folgende:

Der von der Regierung des Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada und seiner Bande von kriminellen Mördern (Carlos Sánchez Berzaín, Yerko Kucuk, Mauricio Antezana ...) gegen das indigene Volk der Städte und des Landes entfesselte Krieg ist zu einem brutalen Massenmord, Verbrechen gegen die Menschheit, Genozid eskaliert, der trotz formaler Gültigkeit der Menschenrechte, Verfassungsgarantien und einer demokatischen Regierungsform verübt wird.

Diese Regierungskriminalität ist Teil der kolonialen, rassistischen und xenophoben Pathologie einer Bande von Plünderern der nationalen Reichtümer, die unter den Abkürzungen der Parteien (MNR, NFR, MIR, UCS) und unter dem Deckmantel einer formaldemokratischen Ordnung organisiert ist, die zur Durchsetzung ihres Raubzuges nicht davor zurückgeschreckt sind, aus dem Hinterhalt auf die friedlichen Proteste der Aymaras, Qhichwas und Urus aus La Paz, El Alto und den dazugehörigen Provinzen zu schießen.

Durch seine verbrecherische Haltung hat die Regierung (Präsident und Minister) sich demaskiert und ihre wahre Identität als Vaterlandsfeinde und Verräter gezeigt, die eine Ressource, zu deren Erhaltung unsere Väter und Großväter ihr Blut auf dem Sand de Chaco vergossen haben, dem chilenischen Staat und der Habgier der multinationalen Unternehmen übergeben wollen, an denen sie ihrerseits Minderheitsbeteiligungen halten.

Angesichts des schändlichen Einsatzes der Streitkräfte und der Polizei, durch die Brüder gegen Brüder und Söhne gegen Väter und Mütter gestellt werden, rufen wir unsere Brüder und Söhne in Uniform mit väterlicher Liebe dazu auf, ihre Waffen nicht gegen uns zu richten und in Achtung vor unserer Pachamama und unserem Tata Inti ihre Vorgesetzten und den Mörder Sánchez de Lozada zu verlassen.

Die soziale und politische Krise, die das Land und seine Institutionen durchmachen, erfordert offenkundig den Dialog, aber unter den gegenwärtigen Bedingungen eines fortschreitenden Genozides sind die Regierung, und noch viel weniger Gonzalo Sánchez de Lozada, keine Gesprächspartner. Die indigenen Völker, ihre Oberhäupter, die Apu Mallkus, Mallkus, Jilaqatas und Mama T?allas, können mit ihrer Würde nicht in den Sumpf der Verbrecher hinabsteigen, die sich unter dem Schutz der Splittergeschosse immer noch an der Macht verschanzen.

Er klagt den Völkermöder Gonzalo Sánchez de Lozada und seine Anhänger vor den nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen und internationalen Tribunalen an, sich an der kollektiven Existenz der indigenen Völker durch einen unerklärten Krieg zu vergreifen, dessen einziges Zeil es ist, Indios zu töten.

Er ruft alle Mitglieder der der Nation Qullana Suyu (Aymaras, Qhichwas und Uros aus den Städten und dem Lande), die Nationen des Flachlandes, die gesellschaftlichen Organisationen und die Institutionen der Republik dazu auf, eine gemeinsame Kraftanstrengung zu unternehmen, um den BELAGERUNGSRING zu festigen, um ein für alle Mal die Bösewichter auszurotten, die die strategischen Unternehmen und Ressourcen des Vaterlandes veräußert haben, als Vorbedingung für die Rückgewinnung des GASES und die Wiederherstellung der Souveränität unsere Nation.

Die Neugründung des Vaterlandes unter Beteiligung aller indigenen Völker, gesellschaftlichen Bereiche und repräsentativen Institutionen wird die Frucht unseres gegenwärtigen Opfers sein, die zur Konstituierenden Nationalversammlung führen muß, für die wir zwischen Juni und Juli 2003 marschiert sind.

Deshalb:

Die Regionalorganisationen der CONAMAQ werden auf gesamtstaatlicher Ebene mobilisiert und in Marsch auf die Hauptstadt gesetzt, außerdem werden die Blockademaßnahmen und Hungerstreiks massiv verstärkt, bis zum Rücktritt von Gonzalo Sánchez de Lozada.


Verabschiedet in der Stadt in der Stadt La Paz, am 14. Oktober 2003


Efraín Mancilla Lucio Colque Leocadia Romero

Mallku CONAMAQ Mallku CONAMAQ Mama T'alla CONAMAQ

Daría Chambi Eugenio Quispe Nemecio Mamani

APU T'ALLA Mallku CONAMAQ Mallku CONAMAQ



Quelle:

 http://bolivia.indymedia.org/es/2003/10/3380.shtml
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Ergänzungen

@Nationalismus

Jordan Brown 16.10.2003 - 09:25
"Aufgrund der stark nationalistischen Argumentationsweise halte ich diesen Aufruf für nicht ganz unproblematisch."

Denk mal Du beziehst Dich damit hauptsaechlich auf die Bezeichnung der bolivianischen Regierung als "Vaterlandsfeinde und Verräter" und sonstige Verwendungen des Wortes "Vaterland". Das ist sicher zuerst einmal eine gewollte Umkehrung: konservative Politiker reden ja mit Vorliebe vom "Vaterland", und hier soll klar gemacht werden, dass aber genau diese Leute genau dieses angebliche "Vaterland" in Grund und Boden ruinieren.

Es ist natuerlich fuer Leute, die in der deutschen politischen Diskussion angesiedelt sind, extrem muehsam, dass Begriffe wie patria und pueblo bei der Linken und den Indigenen in Suedamerika positiv besetzt sind. Ich denk mal dahinter steckt vor allem, dass unser Geschichtstrauma darum geht, wie Deutsche im Namen ihres Deutschseins andere Voelker / ethnische Minderheiten misshandelt haben. Das Geschichtstrauma in Suedamerika geht mehr um diktatorische Regimes, die fast ausschliesslich nach _innen_ Repression ausgeuebt haben (eher noch aus dem Ausland unterstuetzt, v.a. von Nordamerika). Die Auseinandersetzungen gingen also darum, wer (i.e. welche Klasse) in einem gegebenen Land sagen darf, was geht. Oder etwas flapsig formuliert: Wem gehoert das "Vaterland"? Ich bin mir 150% sicher, dass damit absolut keine Abgrenzung gegenueber aehnlichen Bewegungen in den anderen Staaten Suedamerikas angestrebt wird. Die Leute haben mit Sicherheit solidarische Gefuehle fuer die kaempfenden Indigenen (und sonstigen linken Rebellen) in Chile, Kolumbien, Mexico, &c. &c. ... allerdings sind die in Bolivien gerade in einer ziemlich heftigen Schlacht verwickelt und haben wohl kaum Zeit, ersteinmal lange deutsche Grundsatzdebatten darueber abzuhalten, mit wem auf diesem Planeten sie sonst noch so alles sympathisieren!

und dazu auch

JB 16.10.2003 - 10:06
 http://argentina.indymedia.org/news/2003/10/141147.php
ueber eine Soli-Demo in Buenos Aires. Unter den Bildern ein Kommentar:

Es lebe das Volk von Bolivien

Weil diese Grenzen, die sie uns aufgedrueckt haben, nicht existieren. Weil wir nur ein vereintes lateinamerikanisches Volk sind, das gemeinsam fuer seine Freiheit kaempft.
Es lebe Lateinamerika

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