Goldener Geldsack an IGZ überreicht

FAU Münster & Osnabrück 30.09.2003 22:01 Themen: Soziale Kämpfe
Die Ortsgruppen Münster und Osnabrück der FAU (Freie ArbeiterInnen Union, www.fau.org) haben heute, am 30.09.2003, dem Geschäftsführer der IGZ (Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V.,  http://www.ig-zeitarbeit.de/), Werner Stolz, den Goldenen Geldsack 2003 verliehen.
Die Ortsgruppen Münster und Osnabrück der FAU (Freie ArbeiterInnen Union, www.fau.org) haben heute, am 30.09.2003, dem Geschäftsführer der IGZ (Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V.,  http://www.ig-zeitarbeit.de/), Werner Stolz, den Goldenen Geldsack 2003 verliehen.
Der Goldene Geldsack wurde von den genannten Ortsgruppen als Preis für innovative Arbeitsmarktpolitik gestiftet.
Die IGZ erheilt den Preis stellvertretend für die Zeitarbeitsbranche, die mit dafür verantwortlich ist, dass feste Arbeitsplätze abgebaut und durch unsichere, schlechter bezahlte Beschäftigungsverhältnisse ersetzt werden.
Die unten dokumentierte Laudatio wurde in den Münsteraner Büroräumen der IGZ sowie im Anschluss mit Megaphon vor denselben verlesen.



Kontakt:
FAU Münster
c/o Infoladen Bankrott
Dahlweg 64
48153 Münster
e-mail:  faums@fau.org
homepage: www.fau.org/bsy/muenster
Präsenz: (fast) jeden Dienstag um 20.00 Uhr im Infoladen Bankrott
dann auch telephonisch erreichbar unter: 0251/9742469


Dokumentation der Laudatio:
Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte Sie herzlich begrüßen zur erstmaligen Verleihung des Preises ?Der goldene Geldsack?, mit dem hervorragende Leistungen innovativer Arbeitsmarktpolitik ausgezeichnet werden. Der diesjähriger Preisträger ist die ?Interessengemeinschaft deutscher Zeitarbeitsfirmen? IGZ, in deren Räumen wir heute freundlicherweise (nicht) zu Gast sein dürfen. Stellvertretend für unseren Preisträger und alle seine Mitglieder wird nun Herr/Frau ... / Niemand den goldenen Geldsack 2003 (leider nicht) entgegennehmen. Ich beglückwünsche Sie zu diesem mutigen Schritt.

Zur Urteilsbegründung:
In Zeiten schwindender Wachstumsraten und schwindelerregend steigender Belastungen der Unternehmen durch Lohn- und Lohnnebenkosten verschwinden viele Millionen Arbeitsplätze im Nichts. Kaum ein Unternehmen konnte noch die Bürde tragen, alternde Arbeitskräfte mit endlosen Kündigungsfristen und steigenden Tariflöhnen zu beschäftigen. Zeitarbeit wurde das Zauberwort: Junge, flexible Menschen, kurze Beschäftigungsdauer und auf Bestellung gleich vor Ort und zu jeder Arbeit bereit. Hunderttausende neue Stellen entstanden und gaben manchem sinnlos gewordenen Menschenleben neue Perspektiven. Mit zeitgemäß schlanken Arbeitsverträgen machte auch dem Unternehmer sein Betrieb wieder Spaß.
Die Firmen der Zeitarbeitsbranche überzeugten also nicht nur mit einer tollen Geschäftsidee, sondern auch durch ihre caritative Einstellung, endlich jedem wieder eine Chance zu geben, und nicht zuletzt durch ihre zutiefst christliche Gesinnung: Die bis dahin völlig arbeitslosen Tarifkommissionen des Christlichen Gewerkschaftsbundes erblühten zu neuem Leben. Manch einer rieb sich angesichts der Stundenlöhne verwundert die Augen: Hat da jemand irgendwo eine Ziffer vergessen? Nein, endlich kann man seine Lohnkosten wieder an einer Hand abzählen. Die Dankbarkeit der Millionen Verzweifelten kannte keine Glaubensgrenzen, und auch der DGB konnte der neuen Qualität christlichen Handelns nicht wiederstehen.
Doch eine viel größere Ehrung als durch einen kümmerlichen Geldsack wurde den Pionieren des neuen Arbeitens durch Bundeskanzler Schröder und den Käsehersteller Hartz zuteil: Die erfolgreichsten Arbeitsbeschaffer dürfen sich nun PersonalServiceAgenturen nennen und sich der edlen Aufgabe widmen, die Arbeitsämter von den Schwervermittelbaren und Drückebergern zu entlasten, die sonst keiner haben will. Einmal durch Sozialhilfeentzug zu neuer Aktivität ermutigt, werden auch sie der Faszination des neuen Arbeitens erliegen. Für fünf Euro pro Stunde von einem Betrieb in den nächsten gescheucht, werden sie die Wirtschaft kräftig ankurbeln und die letzten überbezahlten Dauerarbeitsplatzbesetzer von ihren Fressnäpfen verjagen. Wer hätte das gedacht, dass sich in einer sozialdemokratisch regierten Wohlfahrtsrepublik so viel bewegen kann?

Vielen Dank.
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Ergänzungen

warum....

zapp 02.10.2003 - 04:10
....hört man von der FAU eigentlich immer so wenig?:_(

ist die fau wirklich so unsichtbar?

fauista 07.10.2003 - 16:02
interessant, dass der eindruck entsteht, dass so wenig von der fau zu hören ist. eigentlich ist sie ganz aktiv und munter zur zeit... schaut mal auf die neugestaltete homepage www.fau.org oder in die Direkte Aktion! es gibt viel inhaltliche Arbeit zu agenda 2010, hartz etc., die in der "linken" ansonsten eher ungeliebt und vernachlässigt scheinen, aber dafür vielleicht weniger in den klassischen linken feldern, die auch bei indymedia dominieren. aber mit dem anspruch gewerkschaft sollte man sich im moment auch wirklich auf die Themen Arbeit und Sozialpolitik konzentrieren, da droht genug und passiert wenig! vielleicht liegt es daran. leider ist die sonderausgabe der DA zur agenda 2010 schon vergriffen, sonst würde ich sie wärmstens empfehlen. Kommt zur großen Demo gegen Sozialklau am 1.11. in Berlin!!!

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