kulturoffensive frankfurt // nachttanzdemo.03
In Frankfurt/Main hat sich ein Bündnis aus politischen Gruppen, Party Crews und Vereinen mit dem Ziel gegründet, die repressive Innenstadtpolitik gegenüber den wachsenden Randgruppe, alternativen Wohnprojekten, Partys und Kultur zu thematisieren und zu bekämpfen.
Die Kampagne, deren Homepage unter www.kulturoffensive.org zu finden ist, ist vorerst auf ein Jahr angelegt und soll neben Demos Konzerte und Partys sowie alle möglichen anderen Aktionen verbinden.
Nutzt das Logo der Kulturoffensive für eure Flyer, stellt Euch in den Zusammenhang der Kampagne, organisiert Euch! das Logo gibt es neben anderen Informationen auf der Homepage zum Download.
Die Frankfurter Kampagne startet mit der diesjährigen Nachttanzdemo, deren Aufruf wir im folgenden dokumentieren:
nachttanzdemo.03 … reclaim your area
10.10.2003 // 18 uhr // zoo frankfurt (U6/U7)
Frankfurt, das heißt: weltoffene Metropole mit Flair, die sich ihrer multikulturellen Zusammensetzung rühmt. Das heißt tanzen bis spät in die Nacht beim Sound of Frankfurt, genießen der Idylle beim Rosen- und Lichterfest, flanieren beim Museumsuferfest, mitfiebern beim Radrennen rund um den Henningerturm, feiern der Helden beim Ironman und so weiter und so fort.
Frankfurt, das heißt: Vertreibung all dessen, was nicht zum Image der schicken Metropole von Welt passt. Das heißt rassistische Kontrollen auf der Zeil, Abschiebungen nonstop vom Frankfurter Flughafen, Schließung alternativer Partylocations, Vertreibung von Wohnsitzlosen, Kriminalisierung von Partys, Illegalisierung von Wohnprojekten und so weiter und so fort.
Diese beiden Beschreibungen der Stadt stehen in keinem Widerspruch zueinander. Es sind die beiden Seiten „Zuckerbrot“ und „Peitsche“ der gleichen Medaille – des aktuellen Konzepts der Stadt- und Standort-Politik. Treffend zusammenfassen lässt sich dies auch mit dem Werbespruch der Bahn: Sicherheit, Sauberkeit, Service (SSS).
(let´s talk about capitalism)
Laut neoliberaler Wirtschaftslogik kann eine Stadt heutzutage nur überleben, wenn sie so viele Unternehmen, soviel Kapital wie möglich auf ihrem Stadtgebiet bindet. Da dies der neoliberalen Logik zufolge das Interesse aller Städte sein muss, steht die Stadt in Konkurrenz zu anderen Standorten. Damit Frankfurt in der Konkurrenz um die Investoren nicht den Anschluss verliert, braucht die Stadt nicht nur einen größeren Flughafen, sondern muss auch sonst einiges für die Standortfaktoren tun: Für Investoren ist nicht nur die Anbindung an Infrastruktur wie Flughafen oder Autobahn interessant, sondern es will auch niemand in einer Stadt investieren, die für die Firma nichts an Image, für die Mitarbeiter nichts an Lebensqualität und für Firmenkunden nichts an Programm zu bieten hat. Frankfurt muss also Image, Lebensqualität und (Kultur-) Programm der Stadt für eine bestimmte Zielgruppe stetig verbessern.
So nehmen auch kulturelle Angebote in Form kommerzieller Veranstaltungen oder Großevents, die Frankfurts Image aufbessern zu.
Als Fortsetzung dieser Standort-/Stadtpolitik mit anderen Mitteln ist die repressive Politik gegenüber unkommerzieller Kultur und den wachsenden Randgruppen der Gesellschaft zu betrachten: Wohnsitzlose, Bettler oder Punks auf der Zeil stören beim Konsum, auf dem Weg zur Arbeit, bei der Erholung; allgemeiner: Menschen, die nicht ins notwendigerweise erwünschte Bild der sicheren und sauberen Stadt passen, haben konsequenterweise keinen Platz in dieser. Da hilft das Gerede von der sozialen Stadt wenig, um über die Entwicklung hinwegzutäuschen.
Um Vereinfachungen vorzubeugen: Diese Kritik kann kein moralischer Vorwurf an „die da oben“, an die Nutznießer dieser Stadtpolitik sein, sondern macht nur Sinn als Kritik an den Verhältnissen, die diese Politik nicht nur „erwünscht“, sondern eben „notwendig“ machen.
(let´s talk about germany)
Während sich die Stadt offiziell rühmt, 150 verschiedenen Nationalitäten ein Zuhause zu bieten, also die (hier durch Nationalitäten definierte) Unterschiedlichkeit der Menschen zumindest zu Propagandazwecken nutzt – tut sie an anderer Stelle alles, um Andersartigkeit, Veränderungen oder Abweichungen von der städtischen Linie zu verhindern. Im Gegensatz zur offiziell propagierten Vielfalt sorgen städtische Behörden in typisch deutscher Manie für spießige Einheit: Die Farbe der Sonnenschirme in Sommergärten soll einheitlich sein, Gemüsestände dürfen nur bis zu einer bestimmten Weite auf den Bürgersteig ragen, es gibt enorme Auflagen- und Genehmigungskataloge für Partys etc.
Die Ordnungspolitik der Stadt scheint nicht allein durch eine Kritik am Kapitalismus erklärbar zu sein: Ein lebendiges alternatives Nachtleben könnte neben dem kommerziellen Mainstream durchaus auch als Standortfaktor mit „Undergroundqualitäten“ das gewisse Etwas bieten. Stattdessen mischt sich kapitalistische Standortpolitik mit den Interessen kommerzieller Veranstalter und der Kleinbürgerlichkeit deutscher Behörden, die in deutschem DIN-Wahn alle Unterschiede einebnen, alles Neue verbieten und so alles Kreative jenseits von Kommerz und Mainstream verhindern.
Um auch an dieser Stelle falschen Schlussfolgerungen vorzubeugen: Uns geht es darum, abseits des deutschen Kontrollfetischs kreativ und widerständig zu leben und zu feiern, anstatt Standortfaktor für Frankfurt zu spielen.
(reclaim your area)
Dieser Stadtpolitik gemeinsam und entschieden entgegenzutreten ist Ziel der KulturOffensive, die sich aus politischen Gruppen, Vereinen und Clubs gegründet hat. Erste Station der Kampagne soll die nachttanzdemo.03 sein, auf die eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kultur & Repression“ sowie Partys, Veranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen folgen werden. watch out for flyers!
nachttanzdemo.03
topic: reclaim your area
date: 10.10.2003
time: 18 Uhr
location: Zoo Frankfurt
Infos, Aktuelles, Termine & Kontakt:
http://www.kulturoffensive.org
initiative KulturOffensive powered by:
autonome.antifa [f]
Bembelterror
Dionysos e.V.
Space Place
Wagenplatz Rödelheim im Exil
JungdemokratInnen/Junge Linke Frankfurt
antifa.jugend.frankfurt
DJ Kaffeekränzchen
MainstromKultur
DGB Jugend Frankfurt
Schaubar
Beatz against Fascism
Nordbar
Exil
StadtSchülerInnenRat
ExZess
Trip Beat
Cantina Buen Barrio
Undergound Source
Igl21
Club Kiew
The Playground
Monsun Crew
Untergrund Navigator
Frankfurter Schule
Nutzt das Logo der Kulturoffensive für eure Flyer, stellt Euch in den Zusammenhang der Kampagne, organisiert Euch! das Logo gibt es neben anderen Informationen auf der Homepage zum Download.
Die Frankfurter Kampagne startet mit der diesjährigen Nachttanzdemo, deren Aufruf wir im folgenden dokumentieren:
nachttanzdemo.03 … reclaim your area
10.10.2003 // 18 uhr // zoo frankfurt (U6/U7)
Frankfurt, das heißt: weltoffene Metropole mit Flair, die sich ihrer multikulturellen Zusammensetzung rühmt. Das heißt tanzen bis spät in die Nacht beim Sound of Frankfurt, genießen der Idylle beim Rosen- und Lichterfest, flanieren beim Museumsuferfest, mitfiebern beim Radrennen rund um den Henningerturm, feiern der Helden beim Ironman und so weiter und so fort.
Frankfurt, das heißt: Vertreibung all dessen, was nicht zum Image der schicken Metropole von Welt passt. Das heißt rassistische Kontrollen auf der Zeil, Abschiebungen nonstop vom Frankfurter Flughafen, Schließung alternativer Partylocations, Vertreibung von Wohnsitzlosen, Kriminalisierung von Partys, Illegalisierung von Wohnprojekten und so weiter und so fort.
Diese beiden Beschreibungen der Stadt stehen in keinem Widerspruch zueinander. Es sind die beiden Seiten „Zuckerbrot“ und „Peitsche“ der gleichen Medaille – des aktuellen Konzepts der Stadt- und Standort-Politik. Treffend zusammenfassen lässt sich dies auch mit dem Werbespruch der Bahn: Sicherheit, Sauberkeit, Service (SSS).
(let´s talk about capitalism)
Laut neoliberaler Wirtschaftslogik kann eine Stadt heutzutage nur überleben, wenn sie so viele Unternehmen, soviel Kapital wie möglich auf ihrem Stadtgebiet bindet. Da dies der neoliberalen Logik zufolge das Interesse aller Städte sein muss, steht die Stadt in Konkurrenz zu anderen Standorten. Damit Frankfurt in der Konkurrenz um die Investoren nicht den Anschluss verliert, braucht die Stadt nicht nur einen größeren Flughafen, sondern muss auch sonst einiges für die Standortfaktoren tun: Für Investoren ist nicht nur die Anbindung an Infrastruktur wie Flughafen oder Autobahn interessant, sondern es will auch niemand in einer Stadt investieren, die für die Firma nichts an Image, für die Mitarbeiter nichts an Lebensqualität und für Firmenkunden nichts an Programm zu bieten hat. Frankfurt muss also Image, Lebensqualität und (Kultur-) Programm der Stadt für eine bestimmte Zielgruppe stetig verbessern.
So nehmen auch kulturelle Angebote in Form kommerzieller Veranstaltungen oder Großevents, die Frankfurts Image aufbessern zu.
Als Fortsetzung dieser Standort-/Stadtpolitik mit anderen Mitteln ist die repressive Politik gegenüber unkommerzieller Kultur und den wachsenden Randgruppen der Gesellschaft zu betrachten: Wohnsitzlose, Bettler oder Punks auf der Zeil stören beim Konsum, auf dem Weg zur Arbeit, bei der Erholung; allgemeiner: Menschen, die nicht ins notwendigerweise erwünschte Bild der sicheren und sauberen Stadt passen, haben konsequenterweise keinen Platz in dieser. Da hilft das Gerede von der sozialen Stadt wenig, um über die Entwicklung hinwegzutäuschen.
Um Vereinfachungen vorzubeugen: Diese Kritik kann kein moralischer Vorwurf an „die da oben“, an die Nutznießer dieser Stadtpolitik sein, sondern macht nur Sinn als Kritik an den Verhältnissen, die diese Politik nicht nur „erwünscht“, sondern eben „notwendig“ machen.
(let´s talk about germany)
Während sich die Stadt offiziell rühmt, 150 verschiedenen Nationalitäten ein Zuhause zu bieten, also die (hier durch Nationalitäten definierte) Unterschiedlichkeit der Menschen zumindest zu Propagandazwecken nutzt – tut sie an anderer Stelle alles, um Andersartigkeit, Veränderungen oder Abweichungen von der städtischen Linie zu verhindern. Im Gegensatz zur offiziell propagierten Vielfalt sorgen städtische Behörden in typisch deutscher Manie für spießige Einheit: Die Farbe der Sonnenschirme in Sommergärten soll einheitlich sein, Gemüsestände dürfen nur bis zu einer bestimmten Weite auf den Bürgersteig ragen, es gibt enorme Auflagen- und Genehmigungskataloge für Partys etc.
Die Ordnungspolitik der Stadt scheint nicht allein durch eine Kritik am Kapitalismus erklärbar zu sein: Ein lebendiges alternatives Nachtleben könnte neben dem kommerziellen Mainstream durchaus auch als Standortfaktor mit „Undergroundqualitäten“ das gewisse Etwas bieten. Stattdessen mischt sich kapitalistische Standortpolitik mit den Interessen kommerzieller Veranstalter und der Kleinbürgerlichkeit deutscher Behörden, die in deutschem DIN-Wahn alle Unterschiede einebnen, alles Neue verbieten und so alles Kreative jenseits von Kommerz und Mainstream verhindern.
Um auch an dieser Stelle falschen Schlussfolgerungen vorzubeugen: Uns geht es darum, abseits des deutschen Kontrollfetischs kreativ und widerständig zu leben und zu feiern, anstatt Standortfaktor für Frankfurt zu spielen.
(reclaim your area)
Dieser Stadtpolitik gemeinsam und entschieden entgegenzutreten ist Ziel der KulturOffensive, die sich aus politischen Gruppen, Vereinen und Clubs gegründet hat. Erste Station der Kampagne soll die nachttanzdemo.03 sein, auf die eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kultur & Repression“ sowie Partys, Veranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen folgen werden. watch out for flyers!
nachttanzdemo.03
topic: reclaim your area
date: 10.10.2003
time: 18 Uhr
location: Zoo Frankfurt
Infos, Aktuelles, Termine & Kontakt:
http://www.kulturoffensive.org initiative KulturOffensive powered by:
autonome.antifa [f]
Bembelterror
Dionysos e.V.
Space Place
Wagenplatz Rödelheim im Exil
JungdemokratInnen/Junge Linke Frankfurt
antifa.jugend.frankfurt
DJ Kaffeekränzchen
MainstromKultur
DGB Jugend Frankfurt
Schaubar
Beatz against Fascism
Nordbar
Exil
StadtSchülerInnenRat
ExZess
Trip Beat
Cantina Buen Barrio
Undergound Source
Igl21
Club Kiew
The Playground
Monsun Crew
Untergrund Navigator
Frankfurter Schule
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
gefunden bei jungle world:
Kein Recht auf Party!
Wir sind ein Zusammenschluss von Leuten, die in den letzten Jahren lose mit der Fuckparade zu tun hatten (als DJs, Mithelfer oder Besucher). Vor der Fuckparade 2003 haben wir erfahren, dass eine in der Fuckparade-Organisation involvierte Personengruppe unmissverständlich rechte Gesinnungen vertritt. Wir haben dieses Thema im März 2003 gegenüber den Fuckparade-Organisatoren angesprochen. Die Reaktionen waren abwiegelnd und herunterspielend – unsere Einwände wurden weder ernst genommen, noch zeigte man bisher Interesse, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. »Bunker-Tom« ist langjähriges Mitglied der Fuckparade Orga-Crew. Er ist seit etwa zehn Jahren in der Gabbaszene bekannt durch seine Aktivitäten im ehemaligen Club »Bunker«, von dem bis heute auch die Fuckparade startet bzw. an dem sie endet. Seine Webseite www.bunker-tom.de enthielt neben Infos über Gabbamusik eben auch eine Download-Sektion, in der sich kleine Bilder und Grafiken herunterladen liessen, wie etwa die Konföderierten- Südstaatenflagge. Ebenso wurde die rechtsradikale Website »www.the-iron-eagle.org« verlinkt und das »Netz gegen linke Gewalt« sowie eine »Initiative zur Reinhaltung der deutschen Sprache«. Es wurde kein Hehl aus der Abneigung gegenüber »sexuell Abnormen« (damit sind Homosexuelle gemeint), Drogenabhängigen und Ausländern gemacht. Ein Text unter dem Titel »Was ist Nationaler Widerstand« war ebenfalls verlinkt. Erst nach wiederholter Thematisierung wurde seine Page wenige Tage vor der Fuckparade im Juli 2003 gelöscht. Deren URL leitet nun auf www.bin-laden-crew.de um. Weitergehend passierte nichts. »Bunker-Tom« ist Mitglied der Bin Laden Crew, einer Gruppe, die die gleichnamige Webseite betreibt. Das hier vertretene Weltbild weist starke Übereinstimmung mit dem von rechtsextremen Ideologen auf: Amerika wird als bösartige Weltmacht eingestuft, die grundlos alle Völker überfällt; gleichzeitig werden Sympathien für Bin Laden und den politischen Islam gehegt und antijüdische Ressentiments, als Israelkritik getarnt, verbreitet. »Bunker-Tom« und die übrigen Mitglieder der »Bin Laden Crew« sind keine Randfiguren, sondern seit Jahren Mithelfer und Ordner auf der Fuckparade und mit den Organisatoren bestens vertraut. Fakt ist: Die Organisatoren sind nicht willens, Leute mit offensichtlich rassistischem und antisemitischem Gedankengut aus der Fuckparade zu verbannen. Wir distanzieren uns ausdrücklich von der Fuckparade. Wir fordern die Organisatoren nochmals auf, Antisemiten und Rassisten aus der Parade zu entfernen und sich öffentlich von selbigen zu distanzieren. Keine Party mit Rassisten und Antisemiten.
menschen von freak-animals.org
noch was
trauma bio
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
derbverspieler — hm
bembelterror (jungle world) — antinationale antifa
@ mods — Spielverderber
... — ...
Rufmord — Trauma XP