Schill`s Fälschungen: Entarnt!

TazeOne 18.09.2003 17:41 Themen: Soziale Kämpfe
Schills Kriminalstatistik erweißt sich als plumpe Fälschung.
Zu Erinnerung: Barnabas war im schönen Hamburg mit dem Versprechen angetreten die Kriminalität um 50% zu reduzieren. Überall dort, wo das Stadtbild davon beeinflußt wäre. Ausdrücklich ausgenommen: Die Yuppie und Mafia Szene in der er und sein Sozius Wellinghausen (dem schon mal zur Warnung in die Knie geschossen wurde) sich bewegten.
Soweit so schlecht, bei der Präsentation der im vergangen Juli verkündete der Monsterherpes™
dann auch einen Rückgang der Kriminalität, zwar nicht die angepeilten 50%, aber immerhin ganze 2,5%. Diesen Umstand hat die hanseatische Frohnatur dann noch als ganz großen Erfolg gefeiert, was auch von der Presse munter so übernommen wurde. Nun, kaum hat Schill das selbe Schicksal wie die Bambule erlitten (sein platz wurde geräumt), kommen pikante Details ans Licht. Es scheint so, als hätte Hamburgs Polizei sich redlich bemüt ihrem Lieblingschef die Statistik "aufzuhübschen". Man ließ 7000 Fälle einfach so "in der Software verschwinden". Tja, jahrelang bedienen sie ihre Computer richtig und dann zufällig unter einer den Bullen genehmen Regierung, vergessen einige Beamte die einfachsten Bedienschritte wie "abspeichern"...
Das ganze wurde jetzt bei internen Untersuchungen festgestellt, wobei man aber natürlich nicht von böser Absicht ausgeht. Laut der neuen Zahlen ist die Kriminalität im Bereich des Berichtes tatsächlich um 2% gestiegen.

Ein durchaus übliches Vorgehen zu der Zeit in Hamburg, der Verfassungsschutz stand vor einem ähnlichen Problem. In dessen Quartalsbericht ist wie jedes Jahr zu lesen, dass es eine immer kleiner werdende autonomme Szene in Hamburg gebe, die natürlich von Grund auf Böse ist. Nun, das steht auch in ihrem letzen Bericht, die Aktionen von "Linksextremisten" würden abnehmen, die Isolation größer werden. Was man an dieser Stelle dezent ausklammert ist ein anständiger Aufstand, der sich zu genau dieser Zeit auf Hamburgs Strassen abgespielt hat: Bambule, ca. 70 Demonstationen mit oft weit mehr als tausend Teilnehmern, Massenmilitanz und nächtlichen Riots wie z.B. bei Karoviertelfest als hunderte Festbesucher den Einsatzzugmitte aus dem Karoviertel geprügelt haben.
Beim Verfassungsschutz stand man nun vor dem Problem eingestehen zu müssen
das wohl in der Stadt ein wesentlich größeres Potential an Leuten da ist, die auf Platzverweise pfeifen, die sich auch zehnmal einknasten lassen anstatt diese Regierung zu aktzeptieren. Es gab ein paar tausend Verhaftungen, massig Strafverfahren etc.
In den Pressestatments des VS wurde dann auch die "Linksextrimuskeule" auch bis zum Erbrechen geschwungen, vor jeder bundesweiten Demo meldete sich der VS und warnte vor dem bösen, undemokratischen Konglomerat aus Autonomen, PDS und Kommunisten. Im VS Jahresbericht hingegen war man an schönen "Wir haben alles unter Kontrollle" - Zahlen interessiert. Und so, oh Wunder, wurden die eben noch als Feinde der Demokratie gescholtenen, zu "Teilen des demokratischen Spektrums" und die Bambule mit allem drum und dran wurde aus dem Bereich "Bedrohungen von Links" ausgeklammert, zwar noch erwähnt, aber nicht in der Statistik.

Jeder weiß, das Statistik die hohe Kunst der Lüge ist. Aber peinlich ist es schon, wenn man erwischt wird....

tausend grüße und küße an alle die mit uns draußen auf der Strasse waren!

Taze


Hier noch die Doku eines aktuellen Berichtes zur Kriminalitätsstatistik:


Hamburgs Kriminalitätsstatitik zu positiv

18. Sep 15:04


Ronald Schill
Foto: AP

Der ehemalige Hamburger Innensenator Roland Schill hatte für das erste Halbjahr einen Rückgang der Verbrechensrate gemeldet. Nach Presseberichten ist die Rate tatsächlich aber gestiegen.

Die vom früheren Hamburger Innensenator Ronald Schill im vergangenen Juli präsentierte Kriminalitätsstatistik war offenbar zu positiv. Das «Hamburger Abendblatt» berichtet am Donnerstag mit Berufung auf die Innenbehörde, es seien mehr als 7000 Fälle nicht in die Halbjahresbilanz 2003 eingeflossen.
Schill hatte einen Rückgang der Gesamt-Kriminalität in Hamburg um 2,5 Prozent vermeldet. Der korrigierten Fassung zufolge wäre die Verbrechensrate dagegen um mehr als zwei Prozent gestiegen.

Schuld an dem Fehler waren laut Hamburger Polizei Probleme bei der Dateneingabe. Näher wollte sie die Meldung nicht kommentieren. Das «Abendblatt» berichtet, laut einer behördeninternen Ermittlung hätten mehrere Beamte die Polizei-Software falsch bedient. Schill und die von ihm gegründete «Partei Rechtsstaatliche Offensive» waren in Hamburg mit dem Versprechen angetreten, die Kriminalität innerhalb eines Jahres zu halbieren. (nz)
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Links zum Thema

yyxx 18.09.2003 - 18:50
Nun kommt auch Spiegel Online mit ner Meldung zum Thema:
 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,266220,00.html
Und dann noch die Pressemitteilung von Udo Nagel Polizeipräsi und Münchenimport:
POL-HH: 030918-7. Eingabefehler bei der polizeilichen Kriminalstatistik für das erste Halbjahr 2003
[18.09.2003 - 16:56 Uhr]
Hamburg (ots) - Der Präses der Behörde für Inneres, Herr
Innensenator Dirk Nockemann und Polizeipräsident Udo Nagel haben
heute auf einer Pressekonferenz erläutert, dass es zu einem Fehler
bei der Dateneingabe zur Erfassung der Halbjahresstatistik 2003
gekommen ist.

Seit dem 01.01.2003 wurde die polizeiliche Kriminalstatistik als
Webanwendung per PC umgestellt. Neu dabei ist, dass der eingegebene
Datensatz von den eingebenden Beamten durch einen Extra-
Computerbefehl freigegeben werden muss. Anfang der Woche wurde
bekannt, dass es hier zu Anwenderfehlern gekommen ist. Am 16.09.2003
erhielt Polizeipräsident Udo Nagel Kenntnis von dem Problem. Noch am
gleichen Tag wurde eine Prüfgruppe mit der Untersuchung beauftragt.

Es wurde festgestellt, dass an fast allen Dienststellen quer durch
die Polizei dieser Bedienfehler aufgetreten ist. Parallel dazu hatte
die Statistikabteilung des LKA beim Controlling der Datensätze
Wohnungseinbruch ebenfalls Unregelmäßigkeiten entdeckt und eine
Prüfroutine über die Abteilung Information und Kommunikation (IuK)
veranlasst.

Festgestellt wurde, dass 7.220 Fälle aus allen Deliktsbereichen
über mehrere Dienststellen in der Hamburger Polizei zwar gespeichert,
aber nicht in der Halbjahresstatistik 2003 eingeflossen sind. Im
Halbjahresvergleich zu 2002 ist somit nicht die Abnahme von 2,5% =
3.418 Fälle, sondern eine Steigerung von 2,8% = 3.802 Fälle zu
verzeichnen.

In den besonderen Deliktsbereichen, wie Straftaten gegen das Leben
(- 23,9%), Diebstahl (-3,3%), Raub bzw. räuberische Erpressung
(-2,1%), Handel und Schmuggel von Rauschgift (-1,4%) ist weiterhin
ein Rückgang zu verzeichnen. Bei der Gewaltkriminalität (+0,7%),
Wohnungseinbruch (+0,8%) und Rauschgiftkriminalität (+15,5%) sind
Zuwächse vorhanden. Die Aufklärungsquote beträgt nun 44,7% (-0,9%).
In den Prioritätsbereichen der Polizei insbesondere im Straßenraub
ist nach wie vor ein Rückgang von -14,9% zu verzeichnen.

Alle relevanten Abläufe für die Eingabe der Statistik sind geprüft
worden. Technisch ist der Bedienfehler erkannt und wird von der IuK-
Abteilung in den nächsten Tagen nachgebessert. Die Beamten erhalten
dann auf dem Bildschirm eine sogenannte Hinweisfunktion, damit dieser
Fehler künftig nicht mehr passieren kann. Nach einem Abgleich von
Auffälligkeiten in der Statistik ist sichergestellt, dass mit
heutigem Datum alle Fälle in der polizeilichen Kriminalstatistik
erfasst sind, die Richtigkeit der Zahlen ist somit gesichert.

Dazu Polizeipräsident Udo Nagel: "Ich möchte mich im Namen der
Polizei für diesen Fehler öffentlich entschuldigen. Vor allem für die
Eindrücke, die in der Innenbehörde, bei anderen Politikern, bei
Journalisten und Bürgern dieser Stadt durch diese falsch erhobenen
Zahlen entstanden sind. Gerade die Polizei muss mit korrekten Zahlen
arbeiten, deshalb sind wir sofort mit diesen Fehlern und korrigierten
Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen."

Fa.

in diesem Sinne

Wie in "1984"

Orwell 19.09.2003 - 22:27
na ja, daß Geschichte andauernd neu geschrieben wird und Daten manipuliert, ist ja keine Neuigkeit. Schills Bodyguards stammten immerhin aus der ultrarechten Szene und sein Berater in Sachen Drogenpolitik aus dem "Narconon-" Scientologyprojekt. Daß man auch durch Einbeziehung bzw. Auslassung von Wirtschaftskriminalität der Statistik eine neue Wendung geben kann, hat sich ebenfalls in der Vergangenheit gezeigt.

Interessant ist ein Diagramm im Verfassungsschutzbericht 2002: es zeigt die Verteilung "Extremistischer Gewalttaten" in 2002, verteilt auf die Bundesländer und jeweils aufgesplittet in "Linksextremismus", "Rechtsextremismus" und "Durch bausländische Extremisten". REchtsextremisten machen den größten Teil aus, Linksextremisten ca. 1/3 bis 1/2 weniger, bei den Ausländischen ist der Anteil verschwindend gering. Das läßt zum einen eine andere Betrachtung des Problems "Internationaler Terrorismus" zu, zum anderen fällt unter den Tisch, daß Linksextremistische Gewalttaten meist Farbbeutelwürfe oder das Anzünden von Polizeifahrzeugen sind, bei den Rechtsextremisten hingegen brennende Asylbewerberheime, zu Tode geprügelte Obdachlose und ähnliches. Das alles hat ganz unterschiedliche Qulitäten. Und Kriminalität ist halt nicht gleich Kriminalität. Das hat auch schon Herr Schill gewußt.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 2 Kommentare an

gute antipaganda — weist

Glaube... — Mika