Cancun: 1 Toter bei Sturm auf Rote Zone

Mr.X 11.09.2003 01:49 Themen: Globalisierung Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Heute fand eine weitere Demonstration in Cancun statt, an der sich zwischen 6000 ("offizielle" Zahl) und 14.000 (Angaben von Aktivisten) Menschen beteiligten. Aufgerufen hatten vor allem Landlosenbewegungen. Ursprünglich wurde mit bis zu 20.000 Teilnehmern gerechnet, doch die Polizei liess die meisten Aktivisten nicht nach Cancun reisen. Viele Blockaden und Aktionen finden in ganz Lateinamerika statt. Gestern wurde ein globaler Blockadetag begangen.
Gegen 12.00 Ortszeit (MEZ: 19.00) begann die Demonstration richtung "Rote Zone", welche eine Stunde später erreicht wurde. Als die Absperrungen angegriffen und angezündet wurden, reagierte die Polizei zunächst mit einem "unbekannten" Gas. Gegen 13.30 Ortszeit gelang es etwa 50 Meter weit in die Rote Zone vorzudringen. Die Polizei begann Steine auf die Demonstration zurückzuwerfen. Eine Stunde später zog sich die Demonstration wieder zurück, die Polizei fuhr Wasserwerfer auf. Es gab einige Verletzte. Ein Koreanischer Aktivist starb gegen 16.00 Ortszeit (MEZ: 23.00) im Krankenhaus an einer Brustverletzung, die er sich mit einem Messer zugefügt haben soll (Genaueres [+ mehr Fotos] dann wohl später).
Update 2.00: Es handelte sich um einen rituellen Selbstmord. Eine Stunde nach dem Tod begann ein Trauermarsch. Weiteres:  http://cancun.mediosindependientes.org/feature/display/350/index.php
Video vom Selbstmord:  http://cancun.mediosindependientes.org/media/all/display/332/index.php
Viele Fotos von heute:  http://uruguay.indymedia.org/news/2003/09/17577.php
Hier jetzt die Breaking News von Indymedia.Cancun in 2 Sprachen:



4:07 - Lamentamos comunicar que el campesino Coreano ha fallecido en el hospital general./ We regret to inform that the Korean campesino has died at the general hospital.

3:50 - El coreano que se inmolo con una navaja se encuentra en condicion critica en el hospital general./ The Korean activist who stabbed himself in protest is in critical condition at the general hospital.

2:54 - Se avisa que una persona de la delegacion coreana se inmolo enterrandose una navaja a la altura del pecho. Se desconoce su estado de salud./A delegate from the Korean campesino delegation reportedly stabbed a knife in his chest. His condition is currently unkown.
2:30 - La marcha está retrocediendo de la primera barricada después de romperla. Hay heridos, numero todavía no confirmado. / The march is retreating from the now broken first barricade. Some reports of injuries, number not yet confirmed.


2:10 - Los enfrentamientos se han detenido pero han llegado los carros lanza agua. / Confrontations have stopped, but water cannon trucks have arrived to the site of the march.

1:55 - Los policías estan regresando las piedras. / the police are throwing rocks back at the protestors.

1:45 - Escucha los reportes en el momento a travez de Radio Hurakán dando click en el vínculo arriba / Listen news reports at Radio Hurakan clicking the link in top.

1:30 - La manifestación ha logrado abrir una brecha de 50m en la primer barricada, por la cual pasa poco a poco. Se han lanzado piedras a la policia, pero no hay respuesta. Vía Campesina está negociando con la policia para pasar el primer retén / March begins trickling through 50 meter breach in the first barricade. Rocks thrown at police. Police have not responded. Via Campesina is negotiating with police to let the march pass.

1:15 - Los manifestantes prendieron fuego frente a la valla de policía y lograron abrir una pequeña sección, la policía esta usando gas desconocido / Marchers set fire to fence and manage to open a small section. Police respond with "unknown" gas.

12:46 pm - La cabeza de la marcha está llegando al primer reten donde se encuentra la PFP en las calles de COBA y BONAMPAK / Head of the march arrives to the first roadblock on the streets COBA and BONAMPAK.

12:30 pm - La cabeza de la manifestación llega a la fuente de Av. Tulum / Head of the march reaches Tulum Ave. fountain.

12:00 pm - empieza la marcha campesina hacia la zona hotelera / Campesino march starts towards the red zone.



Links:
Subcomandante Marcos in Cancún: "Derail the Death Train of the WTO" - Daily Report #3
 http://cancun.mediosindependientes.org/newswire/display/328/index.php

Indymedia.Cancun:
 http://cancun.mediosindependientes.org

Meldungen von Google.News
 http://news.google.de/news?q=cancun&hl=de&lr=&ie=UTF-8&sa=G&edition=de&scoring=d


PS: Fotos sind von Indymedia.Italy
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Ergänzungen

Bild zum "Vorfall"

Verlinker 11.09.2003 - 01:58

at.indy

einer aus at 11.09.2003 - 02:09
Bitte die Beiträge zu Cancún auch auf at.indymedia.org posten, wär echt super.....Danke!

Mehr News von Indy.Cancun

Mr.X 11.09.2003 - 03:00
Fifty-year-old Lee Kyang Hae of the Korean Farmer?s Organization stabbed himself in front of the indifferent glare of police who were attempting to block passage of the march. The Korean farmer climbed the metal barricade, screamed something in Korean and jammed a knife into his stomach. His body fell from the top of the fence amid screams of help from the rest of his contingent who later reflected their sadness over the event.

Mehr News + Artikelübersetzung

Mr.X 11.09.2003 - 03:06
1.) Bilder vom Indy.Uruguay:  http://uruguay.indymedia.org/news/2003/09/17572.php

2.) Trauermarsch begann 0.00 MEZ:  http://cancun.mediosindependientes.org/feature/display/350/index.php

3.) Übersetzung eines Artikels von c.a. 17.00 Ortszeit (0.00 MEZ)

Koreanischer Bauer begeht Selbstmord aus Protest gegen die WTO

Ein koreanischer Farmer nahm sich am 10. Septemer das Leben als Protest gegen die Politik der Welthandelsorganisationen WTO. Zudem wurden etwa acht weitere Demonstranten, bei der ersten großen Demo, schwer verletzt.

Der fünfzig-Jährige Lee Kyang Has der Koreanischen Bauern Organisation erstach sich selbst, direkt vor den Augen der Polizisten die versuchte den Demonstrationszug aufzuhalten. Die koreanische Bauer kletterte auf die Barrikaden aus Metall, schrie etwas auf Koreanisch und rammte sich ein Messer in den Bauch. Sein Körper viel inmitten den rest seiner Gruppe, die laut um Hilfe schrieen und spätere Ihre tiefe Trauer über diesen Vorfall zum Ausdruck brachten. Lee Kyang Has erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Aus den letzten Pressemeldungen ist zu entnehmen das breits 1993, wärend des WTO Treffens in Genf, er einen Selbstmordversuch begangen haben soll.

Kannikar Kijtiwatchk von der thaiwaensischen Deligation war in der nähe der Koreaner: "Dieser Akt zeigt die schwere der Situation mit der diese Bauern konfrontiert werden, in ihren Ländern und in der ganzen Welt durch die folgen der Lieberalesierung"

An dem heutigen Tag ehren die Koreaner normalerweise ihre Väter und Vorfahren, aber diese koreanischen Bauern hatten sich dazu entschieden hier in Cacun zu sein, um zu Protestieren.

Fotos:  http://uruguay.indymedia.org/news/2003/09/17572.php

Schon einmal versucht?

Mhhh 11.09.2003 - 04:40
Ich weiss, man sollte immer etwas misstrauisch sein, wenn staatstragende Medien was behaupten. Aber soll sich jeder selbst ein Urteil bilden:

Cancún (AFP) - Der am Rande der WTO-Ministerkonferenz in Cancún durch eigene Hand gestorbene Bauer aus Korea hat offenbar schon früher einen Selbstmordversuch unternommen. Wie am Mittwoch (Ortszeit) aus WTO-Kreisen verlautete, hatte 1993 ein Koreaner sich Zutritt zum Gebäude des WTO-Vorläufers GATT in Genf verschafft und in der Eingangshalle den Bauch aufgeschlitzt. Es habe sich offenbar um denselben Lee Kyang Hae gehandelt, der am Mittwoch am Rande der WTO-Konferenz in Cancún Selbstmord beging. Damals sei Lee im Krankenhaus durch eine Notoperation gerettet worden.

Lee Kyung-hae...

armin 11.09.2003 - 13:11
...entstammt zwar einer armen Kleinbauern-Familie in Südkorea und hatte selbst jahrzehntelang mitgeholfen, auf dem Feld den spärlichen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, entschloß sich jedoch bereits vor langer Zeit, sein Leben ausschließlich dem Kampf gegen die tiefer liegenden Ursachen dieses Elends zu widmen. Er gehörte zu den Ersten, die begriffen, daß sie eine Verbesserung ihrer Lebensumstände nicht in ihren ärmlichen Behausungen erwirken können, sondern nur auf der Plattform der Großen - gestärkt durch eine internationale Organisation. So engagierte er sich bereits seit langem: Manche werden sich vielleicht an seine Aktion in Genf erinnern, er hatte sich vor dem WTO-Hauptquartier in einem Protest-Zelt eingerichtet.

Als Präsident der Korean Advanced Farmers Federation war er mit ein Vater von Via Campesina, der Bewegung der Kleinbauern, die sich gestern mit dem Marsch auf die Rote Zone mit mehr als 10.000 Menschen formiert hat und aus einer Vielzahl von kleinen Initiativen eine mächtige Sammlungsbewegung machen will. Das neue Mitglied im Reigen der facettenreichen Bewegung macht den Gipfel in Cancun bereits jetzt zu einem historischen Ereignis, denn Via Campesina steht nicht nur für hunderte Millionen Menschen, sondern für hunderte Millionen Menschen voller Wut, Verzweiflung und Elend, für hunderte Millionen Menschen ohne Alternativen - bereit den letzten Mut und die letzte Kraft für ein letztes Gefecht aufzubringen. Sie können bei dem derzeitigen Kongreß nur verlieren, egal ob sich die Reichen durchsetzen, oder die Schwellenländer.

Jeder dieser Menschen ist im internationalen Spiel nicht mehr wert, als ein Stückchen Fliegendreck. Vielleicht war es das, was Lee Kyung-hae nicht nur im Laufe seines Lebens verinnerlicht hatte, sondern mit dieser Tat auch zeigen wollte. Dieser Fliegendreck soll ohnehin gerade mit den Ergebnissen auf diesem Gipfel der WTO, Lee sah sie als Ursache einer Flut, die "unsere liebenswerten ländlichen Gemeinden zerstört", weggewischt werden - die Arbeitsplatte von Banken und korrupten Regierungen soll sauber sein.

Die anderen koreanischen Delegierten, die mit ihm reisten, schilderten ihn als "ruhigen, empfindsamen Mann". In einem Moment, als seine Gruppe einen großen Sarg gegen den Absperrzaun rammte, kletterte er hinauf, machte beschwichtigende Handbewungen in Richtung Demonstranten und rammte sich das Messer ins Herz. Er tat dies, um als Fliegendreck die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Er tat es in einem Moment, in dem die Bewegung, für die er lange gekämpft hatte, endlich stark genug ist, um auch ohne ihn auszukommen. Er tat es mit einem Gefühl für Selbstinszenierung an einem wichtigen koreanischen Feiertag, an dem die Väter geehrt werden. Das mag vielen, besonders denen fernöstliche Denkweisen fremd sind, durchgeknallt erscheinen.

Doch sein Tun war mutig und ehrenhaft und weder unvernünftig noch verrückt. "We are all Lee", skandierten die Genossen aus seiner Delegation, als man ihnen vor dem Krankenhaus die Todesnachricht brachte. Die Betroffenheit über den schockierenden Suizid soll allen Opfern auf der Welt gelten.

Quelle:  http://cancun.mediosindependientes.org/newswire/display/414/index.php

Seine Erklärung zum Hungerstreik in Genf:
 http://www.indymedia.org/front.php3?article_id=305993&group=webcast
Korean People's Action against Investment Treaties and the WTO:  http://antiwto.jinbo.net/eroom/index.html
Via Campesina:
 http://www.viacampesina.org/art_english.php3?id_article=266

(Werde was essen gehen und dann mal den Flugblatt-Text aus Genf übersetzen - schätz' bis 4 oder 5 werd' ich brauchen. Falls da schon wer dran sitzt oder es schneller kann, bitte von überflüssiger Arbeit abhalten).




Presse: Die Schule des Abschreibens

The great GATSby 11.09.2003 - 15:47
Besonders beachtenswert die deutschsprachige Presse zu dem Vorfall.
Es gibt hauptsächlich 3 Artikel die zu dem Thema im Netz kursieren, unter verschiedenen Labels (der Zeitungen). Für jedes Land ein Artikel.

Die Presse aus der BRD übernimmt 1 zu 1 den DPA-Artikel, offenbar haben selbst "renommierte" Zeitungen wie die Süddeutsche niemand vor Ort.
Immer das Gleiche:
 http://finanzen.sueddeutsche.de/nws.php?nws_id=1000248647&cmp_id=&ntp_id=362,385
 http://www.stern.de/politik/ausland/?id=512785&nv=cp_L2_tt
 http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/501654

Die Schweiz hat einen Artikel mindestens 10 mal im Netz, etwa hier:
 http://www.tagblatt.ch/kurznachrichten.cfm?sdadatei=0911d247288.html-ssi
 http://www.ebund.ch/ebund.asp?SOURCE=/news/SDA/Wirtschaft/441917.HTML
 http://www.boo.ch/newsticker/brd001_20030911000835.xml.html

Auch in Österreich wird ebenfalls gerne mehrfach verwertet:
 http://www.kleine.at/nachrichten/wirtschaft/artikel/_558082/index.jsp
 http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/489315.html
 http://www.orf.at/index.html?url=http%3A//www.orf.at/ticker/123935.html%3Ftmp%3D13100

Immerhin gibt es jeweils journalistische Eigenleistung, unterschiedliche Titel, Zwischentitel und Textlängen, aber nicht überall. Der Copy and Paste-Journalismus erreicht einen neuen Höhepunkt.

Die Macht der DPA

The great GATSby 11.09.2003 - 15:55
Wer sich noch selbst überzeugen will, unter  http://news.google.de/news?q=cancun+selbstmord&hl=de&lr=&ie=UTF-8&oe=UTF-8&scoring=d&start=0&sa=N&filter=0
finden sich noch mehr gleichlautende Artikel.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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märtyrer waren schon immer scheisse

nogodsnomasters 12.09.2003 - 12:52
seid ihr alle total durchgedreht????

"Doch sein Tun war mutig und ehrenhaft und weder unvernünftig noch verrückt."

Sein Verhalten war weder mutig noch "ehrenhaft"(was auch immer das sein mag), sondern absolut unsinnig. da sind wir nicht mehr weit von irgendwelchen "suicide bombers" oder "bin ladens" entfernt, wenn wir Selbstmord als politische Praxis anerkennen. Und wie stellt ihr Euch ein gutes Leben vor, wenn Ihr tot seid? und was soll der blödsinnige Kulturrelativismus? Haben Koreaner ein besseres Leben nach ihrem eigenen Selbstmord? - so ein Unfug - Märtyrer waren schon immer scheisse!