Gewerkschaft. Hör mal zu.

Marcus Hammerschmitt 30.08.2003 13:02 Themen: Soziale Kämpfe
Ver.di auf Abwegen - die Unterwanderung der Gewerkschaften durch Freiwirte und Anthroposophen nimmt kein Ende
Ich hatte dir doch seinerzeit schon gesagt, dass das mit den Wurzelmännchen, den Erdstrahlkundlern, den Steiners, Gesells etc. nichts bringt.

 http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_nachtigallen.html

Und was muss ich jetzt lesen, da ich die Publik aufschlage, deine unvergleichliche Mitgliederzeitschrift?

 http://www.verdi-publik.de/index.html

Auf S. 17? Den Artikel "Macht fünf Chiemgauer bitte!"

 http://www.verdi-publik.de/verdi_publik_wcms/fmpro?-db=verdi_publik_wcms.fp5&-lay=eingabe&-format=text.html&-error=fehler.html&-recid=35597&-find

Thema: eines dieser bescheuerten Ersatzgeldexperimente, bei dem die Leute die Form des Fetischs wieder für das wahre Problem halten. Hauptgewährsleute: Rudolf Steiner

 http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_hansson.html

und Silvio Gesell.

 http://trend.partisan.net/trd1298/t291298.html

Zitat:

"Der >Chiemgauer< ist eine Ersatzwährung, mit der man lokal handeln und so der Globalisierung die Stirn bieten will."

Gewerkschaft, jetzt ehrlich. Ein paar Erläuterungen.

- Dieser Kindergeburtstag funktioniert (wenn er's denn tut) aufgrund des Welthandels außenrum. Er kann nicht existieren ohne das, was er zu bekämpfen vorgibt. So etwas wie autarke Regionen hat es in der ganzen Weltwirtschaftsgeschichte nicht gegeben und wird es nie geben. Sie sind das Konstrukt eines dämlichen Regionalchauvinismus. Daher auch ihre Attraktivität für Hinterwäldler.

- Steiner und Gesell waren Wirrköpfe. Bitte, lest es in ihren Werken nach. Der eine hat geglaubt, dass weiße Frauen graue Kinder kriegen, wenn sie in der Schwangerschaft schwarze Männer anschauen, und der andere hat in seinen grundlegenden Ausführungen zur Wirtschaftstheorie anno 1916 den Industriekapitalismus vergessen. Gewerkschaft, please.

- Diese Phantasiegeldexperimente haben die fatale Neigung dazu, dein Hauptthema zu missachten, Gewerkschaft - grob gesprochen, das Verhältnis von Kapital und Arbeit. Im Internet würde man sagen: off topic. Sie haben eine falsche Theorie dazu, wie Wert entsteht, und kümmern sich dementsprechend um die Frage, in welcher Form das Warenalläquivalent (Geld) auftritt. Selbstverständlich sind sie auch nicht geeignet, das Schreckgespenst der Gesellianer an sich, den Zins, abzuschaffen. Ob ihr's glaubt oder nicht: Wenn in einer kapitalistischen Gesellschaft heute ein Phantasiegeld eingeführt wird, das nicht verzinsbar ist, haben wir morgen ein anderes Warenalläquivalent, das es sehr wohl ist. Und wenn es sich dabei um Kaurischnecken oder Marlboro-Zigaretten handelt.
Man könnte jetzt ewig so weitermachen, von den grundsätzlichen gedanklichen Fehlern Herrn Gesells, bis zu den komischen Gestalten, die bei diesem Mist an Bord sind. Aber ich will es dabei mal bewenden lassen. Wie wäre es, Gewerkschaft, wenn du dich statt mit diesem Unfug mit wirklicher Politik beschäftigen würdest? Wie zum Beispiel der Agenda 2010? Nein? Schade.

Grüße,

M. Hammerschmitt

 http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/high.html
 http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_linkskurve.html
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

zins auf kaurimuscheln*

weist 31.08.2003 - 17:35
schritt 1: du hortest & leihst dir kapital

schritt 2: du investierst dieses

schritt 3: durch akkumulation einer großen menge kapital ist es möglich, mehrwert zu schaffen, bzw. die akkumulation einer großen menge kapital _erfolgt_ normalerweise überhaupt, um mehrwert zu schaffen (billig kaufen, teuer verkaufen als banales beispiel, die entwicklung eines neuen produkts, der aufbau von fertigungsanlagen dafür, die produktion, mobilisierung von käuferInnen und vermarktung der ware als eher komplexes)

schritt 4: dadurch ist es möglich, bei rückgabe des in schritt 1 gesammelten kapitals einen zins zu zahlen (bzw. in erster linie für den verleiher, einen zins zu verlangen, denn er kann das geld in der zwischenzeit ja nicht verjuxen) - wenn du nur herauskriegst, was du inverstiert hast, macht ein zinssystem keinen sinn. irgendwer wird auf die idee kommen, daß es möglich ist, zinsen zu fordern; irgendwer wird sie dann auch zahlen (weil er dann einen vorteil hat: mehr leute werden ihn beleihen. er kann mehr kapital akkumulieren als die leute, die keine zinsen zahlen, und kann damit mehr profit einstreichen, trotzdem er zinsen zahlt - wenn er sich nicht verinvestiert). und presto - different currency, same problem.

zinsen sind einfach ein produkt der tatsache, daß es unter umständen notwendig sein mag, kapital zusammenzuborgen, um etwas damit anzufangen (wenn man nämlich gerade nicht liquide genug ist).


* eigentlich: kaurischnecken *klugscheiß*

Braune Esoterik auf linken Homepages?

Punxatan 02.09.2003 - 14:46
Wenn man sich die Postings anschaut, die zum Teil bei "Open Theory" auftauchen (findet man etwa bei www.projektwerkstatt.de als Unterpunkt), dann kommt einen wirklich das Grauen.
Esoterische Vaterfiguren wie Steiner sind allerdings Vorläufer u.a. des Thule-Ordens, Wegbereiter der spezifisch nationalsozialistischen Esoterik. Mal ganz abgesehen von ausuferndem Sexismus, Frauenrolle sei Mutterrolle, dem "gebärfreudigen Becken der Frau" und was die überaus ausführliche literarische Hinterlassenschaft Steiners sonst noch so an Grausamkeiten zu bieten hat...
Merkwürdige Teoreme über "das Geld an sich" nehmen auch zu, etwa den Vorschlag, den heutigen Euro durch einen virtuellen Euro zu ersetzen, um so die Gesamtmenge zirkulierenden Geldes einschätzen zu können...
Man erhält den Eindruck von "sich links fühlenden", die aber in Wirklichkeit längst auf einen ganz anderen Zug aufgesprungen sind, Background vielleicht die altbekannte Mär von "schaffendem und raffendem Kapital", oder auch die Verschwörungstheorien eines Van Helsink...
In Zeiten wirtschaftlicher Verwerfung installiert die Bourgeoisie eben gerne irgendeine Form von esoterischem oder kirchlichem Trost, dafür steht dann auch die Blütezeit christlicher Fundamentalisten zur Zeit der Adenauerregierung...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige den folgenden Kommentar an

Bitte ausführen — L.Ös