dresden: no nation, no border ...

vera 13.08.2003 15:41 Themen: Antifa Antirassismus Repression
Antirassistische Demo durchquert barocke Provinztown

Die gestrige Spontandemo in Dresden wurde belebt von ungefaehr siebzig Leuten, die sich am Hauptbahnhof versammelten, um auf die brutale Raeumung des Grenzcamps in Köln aufmerksam zu machen und den Versuch zu unternehmen, dessen politische Forderungen weiterzutragen.
Während die Demo mit dem Fronttransparent auf dem NO NATION ? NO BORDER - FIGHT LAW AND ORDER zu lesen war, laut durch die Bahnhofshalle auf die von sozialistischen Plattenbauten (teils von Ibis-Hotels genutzt) und Kaufhäusern gesäumte Einkaufsmeile zog, wurden ein Flyer verteilt, der eine Pressemitteilung des Camps zur Räumung enthielt, sowohl den Aufruf die Kontrollphantasien der Polizei anzugreifen und platzen zu lassen. Vom Altmarkt an waren aus der Demo Redebeiträge gegen den rassistischen Konsens und die Kriminalisierung von AntirassistInnen sowie zu den Umständen der Campräumung und deren Ablauf zu vernehmen, die anderthalb Stunden geprägt war von entschlossenem Rufen und im hinteren Teil von entschiedenem Umgang mit den grünen Hürden.
Schliesslich konnte in die historische Altstadt eingetaucht werden und mensch platzte in die touristische Idylle des Dresdner Zwingers mit anwesendem Konzertpublikum ?von sicherheitsdienstlichem Entsetzen begleitet, die seit Jahren sicher erste politische Veranstaltung in dieser Art in den alten Gemäuern zu vernehmen- mit unmissverständlicher Aussage: Um Europa keine Mauer!!!
Von dort an waren nun ,wie schon erwähnt, die vor der Demo zunehmend erscheinenden Einsatzwagen zu umgehen, um auf historischer Brücke die Elbe zu überqueren und über die zweite grosse Einkaufsmeile in die Neustadt zu gelangen. Dort konnte sich die Demo dann unkompliziert in alle Richtungen auflösen.
Polizeiliche Kontrollphantasien angreifen und platzen lassen!


Sonntag früh (10. August 2003) war die Aktion der Bullen gegen das 6. antirassistische ?Grenzcamp? vorbei. Das dazu eingesetzte Großaufgebot: 2500 Bullen, Absperrgitter, Wasserwerfer, Räumpanzer, Flutlicht und präzisierte Videoüberwachung sind dabei deutlicher Ausdruck polizeilicher Allmachtsphantasien.

Mit dieser Aktion war das Camp in Köln zunächst beendet. Dennoch gab es am Sonntag noch ein Abschlussplenum, die Infrastruktur des Camps wurde also nicht vollständig zerschlagen. In Köln und anderen Städten liefen schon während der gesamten Aktion spontane Kundgebungen und Demos. Stärkster Ausdruck des Widerstands war das Ausharren von ca. 300 Campistas auf dem Campgelände. In erster Linie zum Schutz ?Illegalisierter? gedacht, war das eine klare Ansage an Bullen und an alle, die glauben, mit Verboten, Kontrollen und Übergriffen AntirassistInnen entpolitisieren und einschüchtern zu können.

Weil sich die Campistas im Laufe dieser Woche an verschiedenen Stellen dem polizeilichen Machtanspruch widersetzten, sah die Polizei ihre Autorität untergraben. Beispielsweise wurden die Bullen immer wieder vom Eingang des Grenzcamps vertrieben, Verhaftungen verhindert und Greiftrupps von DemonstrantInnen überwältigt.

Noch ist nicht entschieden, ob sich die Polizei mit dieser Aktion einen Bärendienst erwiesen hat. Die ersten Reaktionen sowohl in Köln als auch in vielen anderen Städten weisen in die richtige Richtung. Dabei wurde nicht nur gegen den Angriff der Polizei protestiert, sondern die politischen Forderungen des antirassistischen Grenzcamps weitergetragen.

Es geht darum Bullen, Ordungsämter und Ausländerbehörden in den nächsten Tagen und Wochen
überall konkret spüren zu lassen, dass die von ihnen kriminalisierten AntirassistInnen sich von ihren Demütigungen nicht einschüchtern lassen.

NO NATION, NO BORDER ? FIGHT LAW AND ORDER
freedom of movement is everybodies right ? we are here, and we will fight!
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Ergänzungen