Homosexualität, Kirche, Faschismus, Teil I
Was bewegt einen gealterten Mullah der katholischen Kirche, das ewig alte Lied von den sündhaften Verirrungen der fleischlichen Lust zu singen?
Auf dem Drillich hatten sie ein rosanes Dreieck eingenäht. Im faschistischen Sprachgebrauch waren sie Volksschädlinge. Verfolgt, diffamiert, benachteiligt wurden sie mit der Verbreitung des Christentums als feste Institution und Ideologie der feudalen Gesellschaft. Wie ein roter Faden zieht sich die Ächtung der Homosexuellen durch zwei Millenien der Geschichte. Daran änderte weder Aufklärung noch bürgerliche Revolution etwas. Die Rechte, die Homosexuelle heute in einigen westeuropäischen Ländern gewährt bekommen, tangieren den Kanon des formalen bürgerlichen Rechts. Aber ebenso wenig wie dem Armen in der Realisierung seines gesellschaftlichen Kodex Erbarmen durch den Bourgeoisrichter widerfährt, erhalten Homosexuelle die inhaltliche Gleichberechtigung in der bürgerlichen Gesellschaft. Selbst dort, wo sie Zugang zu Standesamt, Traualtar, Adoption von Kindern erhielten, bleibt die Toleranz repressiv. Über ihnen schwebt weiterhin der allmächtige Vorwurf der Gesellschaft, abnorm zu sein. Die Lizenz zum gleichgeschlechtlichen Verkehr erhalten sie als besondere Variante des Konsumismus, in der die Ware Sex in allen Preisklassen zum Sonderpreis angeboten wird.
Ansonsten propagiert die herrschende Ideologie das abgefuckte Modell der kleinbürgerlichen Familie, das mit Jacobs-Krönung, Weichmacher und Kukident für Oma und Opa, die ins Altersheim abgeschoben wurden, Glückseligkeit verspricht. Es ist ohnehin nur mehr eine Übergangslösung bis zur nächsten Scheidung, bis der nun endlich richtige Macker , dessen Standardsymbole des Konsumismus mehr Potenz versprechen, gefunden wurde oder die x-te große Liebe mit der sanften Haut, und allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz, immer bereit zum Sex. Wenn aber die Ich-AG die Wir-AG abgelöst hat, das zweite Singleleben anbricht, der verbrauchte Körper und abgetötete Geist den Propagandaidealen des Modells geradezu widersprechen, bleibt meist nicht mehr viel Zeit bis zu der Erfahrung, dass das Geld für die private Altersvorsorge falsch angelegt wurde. Die heiß diskutierten Nebenlohnkosten dienen dann dem immer willkommenen Profit in den Kaufhäusern für das Alter von der Stange.
Ohnehin ist die okzidentale kleinbürgerliche Familie die letzten Jahrzehnte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die propagierten Ideale waren im vergangenen Jahrhundert ständigen Wechseln unterworfen. Statt Kinder fürs Vaterland wurde sie auf eine Konsumgemeinschaft mit kostenlosem Sex reduziert. Sollte trotz Präservative, Pesare und Pille das -selbstverständlich geplante- Kind die traute Gemeinschaft durchkreuzen, reduziert sich ihr Erziehungsauftrag auf die Weitergabe der repressiven und konsumistischen Mechanismen staatlicher, halbstaatlicher und privater "Bildungs"instutionen der Gesellschaft. Die Konsumgemeinschaft mit staatlichem Trauschein, und ab und an noch mit kirchlichem Segen, hat also längst die traditionellen Funktionen der kleinbürgerlichen Familie ersetzt. Ihre vornehmliche Aufgabe für kontinuierlichen Nachschub an Arbeitssklaven für die kapitalistische Maschinerie zu sorgen, ist längst schon obsolet, bietet doch der globale Arbeitsmarkt ein unerschöpfliches Reservoir wohlfeiler Ware.
Glaubenskongregation
Was bewegt also dann einen gealterten Mullah der katholischen Kirche, das ewig alte Lied von den sündhaften Verirrungen der fleischlichen Lust zu singen? Der "moderne" Großinquisitor Kardinal Ratzinger, der aus einer einfachen bayrischen Polizistenfamilie heraus Karriere in Sachen Überwachung von Glaubensfragen machte, hielt nun den Zeitpunkt für angemessen, das Nein des Vatikan zu jeder Form homosexueller Verbindungen kundzugeben. Sein Kampf gegen die Homosexualität ist nicht neu. Er führt ihn mit der Verbissenheit des Glaubenskriegers und der Macht seiner Stellung in der Amtskirche. Die letzten Jahre tat er sich nicht nur hervor durch einschlägige Erklärungen zur Homosexualität, er bekämpfte auch Priester und Nonnen, die innerhalb der Szene soziale Aufgaben erfüllten. So wurden 1999 der Priester Robert Nurgent und die Ordensschwester Jeannine Gramick, die in Washington seit den siebziger Jahren in der Szene arbeiteten und darüber in ihren Büchern "Building Bridges" und "Voices of Hope" schrieben, von ihren Ämtern entbunden. Nurgent und Gramik stehen für eine Vielfalt von Aktivitäten innerhalb der katholischen Kirche, die den offiziellen Dogmen widersprechen und vor Repressalien nicht sicher sind.
Ratzinger hält von solchen Aktivitäten nicht viel, seine Sorge gilt der Konservierung einer Kirche, die als Kulisse für Polanskis "Tanz der Vampire" geeignet wäre. Wind von der Basis ist ihm zuwider, bringt den Geruch von Ketzerei und Rebellion. 1997 schreibt er in einem intern an die Diözese Graz gerichteten Brief: "Ausgehend von den deutschsprachigen Ländern sind in letzter Zeit immer mehr Gruppen mit der Bezeichnung »Wir sind Kirche« entstanden... Die rasche Ausbreitung der Initiativen in vielen Ländern Europas und darüber hinaus gibt Anlass zu großer Sorge... Darum ersucht Sie diese Kongregation, die Entwicklung dieser Gruppen weiterhin aus der Nähe zu verfolgen und eventuell auch Vorkehrungen zu treffen, damit sich die Gläubigen - und besonders die Priester - nicht aktiv daran beteiligen..."
Wie er auch immer im Leben mit seiner eigenen Sexualität zurechtgekommen sein mag, gibt es zwei gute Gründe gegen die Homosexuellen den Kreuzzug zu führen. Der eine liegt in der Biographie eines Mannes, der schon Kraft seines Amtes, die ungebrochene mittelalterliche Tradition des Katholizismus repräsentiert. Der zweite, dass er als einflussreicher Kirchenmann auch Politik betreibt. Augenblicklich ist für die Kirche die Frage ihres Überlebens unter den Prämissen der Globalisierung aktuell. Der fortschreitende Zusammenschluss Europas zu einer wirtschaftlichen und politischen Größe, fordert geradezu das Bemühen um Erhalt und Ausdehnung ihres ideologischen und organisatorischen Einflusses. Nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus hat sie nicht nur in ihren osteuropäischen Stammländern den Einfluss gefestigt, sondern zum Leid der Orthodoxen, tritt sie auch zunehmend in deren ureigensten Domänen in Konkurrenz. Osteuropas Katholizismus hat keine Berührung zu den vielfältigen Strömungen einer universellen Kirche an der Basis, die durch Einflüsse sozialer und politischer Bewegungen geprägt wurden. In seiner Haltung zur klerikalen Hierarchie ist er bisher eine feste Stütze des in der Kirche dominierenden reaktionären Episkopats. Was der Westen schon hinter sich hat, muss der Osten noch nachholen: Die Annäherung an das standardisierte Denken eines gesellschaftlichen Systems, deren oberstes Prinzip darin besteht, auch noch den Letzten der Gesellschaft um seine Habe zu erleichtern.
Ratzinger weiß selbst, dass an diesem Weg nicht vorbeizukommen ist, dass auch die Katholiken Polens oder der Ukraine schon in einigen Jahren den Prozess einer Homologisierung durchlaufen haben, indem sich Gewohnheiten, Kleidung, Alltagsleben, Denkweisen an das Konsummodell des Westens angepasst und die letzten Bastionen eines dumpfen Katholizismus gefallen sind. Sein erneuter Feldzug gegen die Homosexualität hat eher etwas mit dem Fundamentalismus eines George Bush zu tun, der einen Tag vor Veröffentlichung der Stellungnahme der Glaubenskongregation erklärte: "die einzige Form der Ehe ist die zwischen Mann und Frau." Es ist die "Grundüberzeugung" zweier Männer, die in der Verteidigung eines Propagandabildes, eine wirksame Bastion gegen die Aufweichung repressiver Werte in der Gesellschaft oder der kirchlichen Organisation sehen.
Der Katholische Mensch
"Den" katholischen Menschen definieren zu wollen, wird etliche Schwierigkeiten bereiten, seine Facetten sind derart vielfältig, was von zweitausend Jahren Kirchenpolitik auch nicht anders zu erwarten ist. Die Insignien der Kirche Mitra, Zölibat und Heiligenkult wirken auf viele Katholiken heute eher beunruhigend als Identität stiftend, sie wissen um ihre Geschichte und den Zustand der Kirche. Sie ringen mit ihrem Glauben, hadern mit ihrem Klerus, wurden Atheisten oder "Sekten"mitglieder, sie sind bigotte Kirchgänger, berechnende hypokrite Stifter von Wohltätigkeiten, Politiker oder Funktionäre der Amtskirche, sie sind Befreiungstheologen, Rebellen und Revolutionäre, sie sind Faschisten, Massenmörder, Militärpfarrer und Generäle. Katholiken bringen auch Katholiken um, führen Krieg, horten Reichtümer, beuten aus, sie sind bisexuell und (v.a. im Klerus) homosexuell und pädophil. Sie sind kurzum Teil der kirchlichen Institutionen und Denkweisen, die seit zwei Jahrtausenden das Christentum prägen.
Der Katholizismus galt in vielen Ländern in der feudalen Epoche als dominierende Ideologie, die über allen gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen schwebte. Die Herren rechtfertigten ihre Repressionen ebenso aus seinen Lehren wie Bauern und Handwerker ihren Widerstand. Was den katholischen Menschen bis heute in sein tiefstes Unterbewusstsein als Gemeinsamkeit prägt, ist das über Jahrhunderte tradierte Schuldbewusstsein gegenüber den Äußerungen seiner Sexualität. Die Regeln sind rigide: Sünde sind Masturbation, Verkehr vor der Ehe, lustorientierter Verkehr zwischen Eheleuten, der nicht zur Zeugung von Kindern geschieht, etc. Der katholische Mensch wird durch sündhafte Gedanken geplagt, erforscht sein Gewissen kontinuierlich auf "unkeusche" Gedanken, besitzt die perfekten mentalen Voraussetzungen zur Selbstkontrolle und -denunziation, die ergänzt durch Beichtstuhl und klerikalem Beistand jedem anderen repressiven System Konkurrenz machen können. Was ihn ebenfalls prägt, ist seine widersprüchliche Haltung zur Realität, mit der er Zeit seines Lebens zurechtzukommen versucht. Der katholische Mensch löst seine Widersprüche nicht, er ist Christus und Judas zugleich.
Der Versuch einer Skizzierung bleibt immer unzulänglich, die Annäherung da fraglich, wo immer genau das Gegenteil des Klischees anzutreffen ist. Bunuel, Filmemacher, Surrealist, Katholik und einer der schärfsten Kritiker des Katholizismus im vergangenen Jahrhundert, hat bis zum Tod seine Kontakte zu Teilen der Kirche nie abgebrochen. Er bewunderte ihre nach strengen Regeln organisierten Orden der Mönche, sein Arbeitszimmer ähnelte einer Klause. In seinen Filmen lebte er den Zwist seiner katholischen Gebundenheit aus, lässt durch spanische Anarchisten den Papst erschießen, stellt einen obszönen Bettler als Christus beim Abendmahl dar, drückt das aus, was aus seiner Widersprüchlichkeit von Gefühl und Denken wächst.
War ohne Sklaverei die industrielle Revolution, die von England ausging, nicht möglich -wie einige Historiker meinen-, so war ohne Katholizismus die Sklaverei des Frühkapitalismus in großem Stil nicht möglich. Die Berührung mit anderen Kulturen, mit Naturreligionen, mit anderen, offeneren Lebensweisen und ihrem Umgang mit Sexualität, veränderte aber auch den Katholizismus. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war es dann Papst Johannes XXIII, der dieser Veränderung positiv mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils entsprach und gleichfalls Mauern zwischen der laizistischen und religiösen Welt einriss. Der gute Papst, il Papa buono, wie ihn die Italiener nannten, hat bereits Anfang der sechziger Jahre in seiner Enzyclica Pacem in terris auf die Entwicklung des globalen Widerspruchs zwischen armen und reichen Ländern hingewiesen und er formulierte zum ersten mal für die Gläubigen, Rechte und Pflichten in der Gesellschaft wie sie sich aus demokratischen Prinzipien ableiten. In Sachen Sexualmoral bleibt er unbestimmt, preist lediglich die heterosexuelle Familie als Grundzelle der Gesellschaft, würdigt jedoch das wachsende Bewusstsein der Frauen über ihre gesellschaftliche Rolle. Bis zu seinem Tod und auch noch während der 15 jährigen Epoche seines Nachfolgers Paul VI, ein glanzloser Papst, konnten sich in der Kirche die Kräfte entwickeln und freier bewegen, die auf soziale und politische Veränderungen zu Gunsten der Ausgebeuteten und Unterdrückten drängten.
Es folgte der Gegenpapst: seit 455 Jahren kein italienischer! Seine Themen: Abtreibung, Homosexualität, Familie, das ureigenste Gebiet des reaktionären und repressiven Geistes der katholischen Kirche. Die Sehnsucht nach der Rückkehr in eine Zeit, da sich Fürst Gangi in Palermo seine Maitresse hielt, weil seine Frau während des Verkehrs ein Ave Maria betete. Dem katholischen Menschen gab Johannes XXIII die Orientierung auf Demokratie, Johannes Paul II nahm sie ihm wieder.
Intermezzo: Im Kontext des christlichen Verständnisses von Homosexualität
[als I-Frame nur im Original abrufbar]
Stationen der Kirchengeschichte in Sachen Sexualmoral
Friedrich Engels schrieb irgendwann sinngemäß, dass die einzige Abwechslung des Proletariers im tristen Leben der Arbeitssklaven, die Sexualität sei. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war sie noch als Spenderin von Lebensfreude verpönt, die rigide Moral der kleinbürgerlichen Familie und das polizeiliche Auge achteten auf Einhaltung der Sitten. Ein in seiner Stellung bislang unangefochtenes Patriarchat verbannte die Frau in Küche, Ehebett und Geburtsstätte. Die Entwicklung zum konsumorientierten Kapitalismus, ein auf Markt und Warenbeziehungen konzentrierter Hedonismus, neue Technologien in Medizin und Humanbiologie durchsiebten althergebrachte Moral- und Sittenvorstellungen, die auf 20 Jahrhunderten einer Ideologie beruhten, die vom Katholizismus entscheidend mitgeprägt wurde und deren Kern in der repressiven Behandlung der menschlichen Sexualität bestand. Die Ächtung von Masturbation und Homosexualität sowie lustorientierten und zeugungsvermeidenden Sexualpraktiken waren dabei immer ein wesentlicher Bestandteil.
Der Inzest wurde in der Kirchengeschichte, in der Schwere des Vergehens, weit milder beurteilt. Thomas von Aquin beschrieb den Inzest als "eine Sünde, die weit weniger schlimm ist, als beispielsweise Masturbation und Homosexualität, als Anal- oder Oralverkehr oder der Koitus interruptus" (Summa Theologiae II-II q. 54 a. 11). Ivo von Chartres, ein Schüler des Augustinus, beschreibt den Sexualverkehr mit der Mutter als "natürlich, wenn er der Zeugung dient". Der Inzest (in weitestem Sinne) diente lange Zeit als sichere Möglichkeit, eine von der Kirche sanktionierte Scheidung zu erhalten. Warum der Inzest als weit weniger "sündhaft" eingestuft wird als Sexualpraktiken, die "rein lustorientiert" sind, und im Falle der Homosexualität kein Zeugungs"ergebnis" ausweisen können, erklärt u.a. die Kirchengeschichte.
Rom, 14. Mai 390: am Atrium der Minerva in Rom, das als Treffpunkt von Schauspielern, Künstlern und Schriftstellern bekannt ist, wird ein imperiales Dekret angebracht, das zum ersten Mal in der Geschichte eine Bestrafung homosexueller Praktiken verkündet. Die Strafe: Tod durch Verbrennen. Es ist die Zeit des Kirchenkampfes um Macht und Einfluss auf die staatlichen Geschicke nach dem Konzil von Nizäa (Trennung von der Ostkirche). Die Westkirche konsolidierte nach innen ihre Einheitlichkeit in der Auseinandersetzung mit den arianischen Häretikern. In diesem Kontext von Verfolgung und Intoleranz gegenüber abweichenden Lehrmeinungen, war der römische Imperator Valentinian II, den der Bischof von Mailand Ambrosius unter Strafe stellte, gezwungen, ein Dekret gegen Homosexuelle zu erlassen. Die Westkirche rächte sich, denn Homosexuelle am kaiserlichen Hof waren einflussreiche Kritiker am Nikenischen Dogma über die Natur von Jesus Christus, auch als arianische Kontroversien bekannt.
Vor diesem Zeitpunkt sahen sowohl religiöse wie weltliche Gesetze Bestrafung für homosexuelle Praktiken dann vor, "wenn ein Mann, der bei den Frauen männliche Attraktivität zeigte und sich dazu hingezogen fühlte oder auch gezwungen wurde, den weiblichen Part im Sexualakt mit einem anderen Mann zu spielen." Die levitischen Gesetze der Bibel verkünden die Todesstrafe gegen die Männer, "die mit einem Mann schlafen wie man mit einer Frau schläft." Als Männer galten jedoch nur diejenigen, die Anziehungskraft auf die Frauen ausübten und ihre Potenz war der Beweis für ihr Maskulinsein. Das Gesetz von Kaiser Augustus gegen den Ehebruch, verbietet u.a. auch den "Missbrauch" von Männern, "zu dem Zweck passive Geschlechtspartner zu finden, die keine >>Männer<< sind." (Seneca) Ziel war, der um sich greifenden Welle sexuellen Umgangs mit männlichen Jugendlichen entgegenzuwirken. Im Jahre 342 verabschiedete Konstantios II, der sich im Ostreich mit den gleichen Entwicklungen konfrontiert sah, ein Dekret, das eine "einfallsreiche Strafe" für das Vergehen vorsieht, wenn ein Mann sich mit einem "Verweiblichten" verehelicht. Es sollte die Ertappten zwingen, die Rollen beim Akt zu tauschen. Bei der Bestrafung homosexueller Praktiken vor dem institutionalisierten Christentum war also immer ein Mann im Spiel, der penetrieren und zeugen konnte. Letzteres galt als Kriterium der Männlichkeit. Es war auch Kriterium der sexuellen Abgrenzung gegenüber denen, die in den antiken mediterranen Kulturen als Nichtmänner, drittes Geschlecht, weder Frau noch Mann, oder als Androgyne bezeichnet wurden.
Diese Kulturen kannten auch den "natürlichen Eunuchen", "der keine körperlichen Defekte besaß, aber eine eindeutige mentale Orientierung." (Justinian) Sie hatten das Geschlechtsmerkmal, das wir heute als "angeborene Homosexualität" bezeichnen. Sie wurden gesetzlich von den Kastraten und denjenigen "mit körperlichen Defekten" unterschieden. Die natürlichen Eunuchen genossen das Recht auf Eheschließung und auf Adoption von Kindern. Eine entscheidende Tatsache, die den tradierten Hass der katholischen Kirche auf Homosexuelle erklären könnte, ist der Umstand, dass seit den Anfängen des babylonischen Reiches bis ins späte römische Imperium, die Eunuchen zwei hauptsächliche Funktionen in der Gesellschaft innehatten: Sie waren entweder Priester in den Tempeln der Götter ihrer Kulturen oder Bedienstete in den Häusern der Wohlhabenden und Mächtigen. Selbst noch in Zeiten der beginnenden Institutionalisierung des Christentums übten sie weiterhin entscheidenden Einfluss auf die gesellschaftlichen Entwicklungen aus. Nicht selten waren sie entschiedene Gegner der Westkirche und Anhänger der Arianischen Häresie. Was außerhalb des historischen Kontextes als lächerlicher unverständlicher Streit über die wahre Natur Jesus Christus erscheint, wird im Rahmen der Zeit ein durchaus verständlicher Kampf um Macht und Erhalt bzw. Ausdehnung des Einflusses.
Am Hofe Kaiser Konstantins von Byzanz herrschte der Eunuch Eusebius mit fast imperialer Macht. Allein sein Amt zu selektieren, wer zum Kaiser vorgelassen wird, verlieh ihm unumschränkte Möglichkeiten. Von diesem Eusebius wird berichtet, dass er ein Anhänger der arianischen Doktrin war. Ihre Auffassung war, dass der allmächtige Gott nicht der Vater Jesus im Sinne des Erzeugers ist, sondern dass Gott, Jesus als seinen Sohn aus einem Akt der Gnade heraus adoptierte. Offensichtlich ist die nahestehende Wirklichkeit des Eunuchen in dieser Doktrin, dem erlaubt war zu heiraten und Kinder zu adoptieren. Athanasius, ein entschiedener Vertreter des katholischen Dogmas, erzählt in seiner Geschichte der Arianer von der Mission des Eusebius in Rom, die den Bischof Liberius zwingen sollte, die Kommunion mit arianischen Christen zu akzeptieren. Athanasius schließt seinen Bericht mit folgender Bemerkung:
Es waren die Eunuchen, die auf dieser Vorgehensweise bestanden (d.h. Maßnahmen der Repression gegen nikenische Christen in den Gemeinden). Und der seltsamste Umstand an dieser ganzen Geschichte ist: die arianische Häresie, welche den Gottessohn leugnet, wird von den Eunuchen unterstützt. So wie ihre Körper unfruchtbar sind, entbehrt ihre Seele des Samens der Tugend und sie können nicht einmal das Nennen des Namens Sohn ertragen... Die Eunuchen des Konstantius können das Bekenntnis von Petrus nicht tolerieren (Mathäus 16:16) und sie drehen sich zur Seite, wenn der Vater auf seinen Sohn zeigt. Sie schmähen wie Verrückte diejenigen, die sagen, dass der Gottessohn, der von Gott gezeugte Sohn ist. So hängen sie an der Häresie von Eunuchen für die es kein genuiner und wahrer Sohn Gottes geben kann.
Die Voraussetzung zur Verfolgung und Ächtung der Homosexuellen in der Geschichte der westlichen Welt war also hiermit gelegt. Erinnern wir uns, dass die Antike "Homosexualität" als dritten Sexus ansah: "weder viril noch femminil" (Luzianus), wenig entfernt vom femininen Empfinden (Aristoteles). Zu Anfängen der Kirchengeschichte werden Homosexuelle den Männern zugeschlagen: "Männer, ohne Samen, die nicht koitieren können (Frimico Materno, Astrologe und konvertierter Christ). Der Kampf der Kirche um Macht im Staat machte die Homosexuellen zuerst zu Männern mit körperlichem Defekt, dann zu lasterhaften, sündhaften, dem Teufel hörigen Menschen.
Zurück zu den Anfängen: am 14. Mai 390 wurde auf Betreiben des Bischof von Mailand in Rom am Tempel der Minerva ein Dekret angeschlagen, das die Todesstrafe durch Verbrennen bei "homosexuellen" Geschlechtspraktiken vorsah. Der Contestatori gab es viele, dass auf Betreiben des Bischofs Ambrosius, im August des Folgejahrs, erneut ein Dekret am Forum Traianus angeschlagen wurde mit folgendem Inhalt:
Diejenigen, welche die unverschämte Angewohnheit haben, den männlichen Körper zu schmähen, um den abnormalen Sex einer Frau zu ertragen und sich somit in nichts von der Frau unterscheiden, werden für ihre Verbrechen vor allen Augen des Volkes mit den Flammen des Feuers büßen. (Dekret des Teodosius)
Es dauerte einige Jahrhunderte, fast ein Jahrtausend, um den Sieg der Kirche in Machtfragen derart zu verinnerlichen, dass er als "normale" Anschauung über "abnorme" sexuelle Praktiken die herrschende Ideologie bestimmte. Es sind die "Heiligen" der katholischen Kirche, die diese Entwicklung durch die Jahrhunderte und zwei Jahrtausende bis heute bestätigen. Eine chronologische Retrospektive einiger ihrer Aussagen soll an dieser Stelle die Entwicklung dokumentieren.
"Heiliger Augustinus", Doktor der Kirche (354-430)
Verbrechen, die gegen die Natur gerichtet sind, beispielsweise die der Sodomisten, müssen bei jedem Anlass verurteilt und bestraft werden. Auch diejenigen, die sie erlauben, werden die göttliche Strafe erfahren: Gott hat nicht den Menschen erschaffen, dass er einen derartigen Missbrauch erlaubte. Aus einer perversen Leidenschaft heraus wird die Natur erniedrigt, die Gott geschaffen hat und sie verletzt die Einheit, die zwischen Gott und uns existieren sollte. (Augustinus, Bekenntnisse, c.III, p.VIII)
"Heiliger Gregorius I", genannt der Große, Papst, Doktor der Kirche (540-604)
Es war gerecht, dass die Sodomiten durch Feuer und Schwefel starben... Denn der Schwefel läutert die Begierden des Fleisches, das belegt die Geschichte in der Bibel, wenn sie vom Feuer- und Schwefelregen spricht, den der Herr über Sodom und Gomorra ausgeschüttet hat. Er hat beschlossen, die Verbrechen des Fleisches zu bestrafen und die Art wie er bestrafte, beweist die Schwere des Verbrechens... (Moralischer Kommentar zu Hiob, XIV, 23, vol. II, p. 371)
"Heiliger Johannes Chrisostomus" (344-407), Patriarch von Konstantinopel, Doktor der Kirche, einer der schärfsten Gegner der Homosexualität in dieser Zeit.
Die homosexuelle Begierde ist teuflisch... die Begierden sind alle entehrend, da die Seele noch mehr beschädigt und durch die Sünden erniedrigt wird als der Körper durch die Krankheiten. Die schlimmste unter allen Leidenschaften jedoch ist die leidenschaftliche Begierde zwischen Männern... Die Sünden gegen die Natur sind die schwierigsten und am wenigsten gewinnbringend, da man nicht einmal behaupten kann, dass sie Vergnügen bereiteten. Denn wahres Vergnügen ist nur das, welches mit der Natur übereinstimmt. Wenn Gott jemanden verlassen hat, verkehrt sich alles in das Gegenteil! Deshalb sind nicht nur ihre Begierden (die der Homosexuellen, d.Ü.) satanisch, sondern ihr Leben ist auch diabolisch... Deshalb sage ich, dass diese schlimmer sind als Mörder, und dass es besser ist zu sterben als in dieser unwürdigen Art zu leben. Der Mord trennt lediglich die Seele vom Körper. Doch diese zerstören die Seele innerhalb des Körpers... Es gibt nichts, wirklich nichts wahnsinnigeres und schädlicheres als diese Perversität. (Johannes Chrisostomus, Homilia IV in Epistula Pauli ad Romanos, cfr. Patrologia Graeca, vol. 47, coll. 360-362)
"Heiliger Petrus Damiani", Doktor der Kirche, Reformator des Benediktinerordens (1007-1072)
Dieses Laster kann nicht wie die anderen als ein gewöhnliches angesehen werden, denn es übertrifft an Schwere alle anderen Laster. Es tötet den Körper, ruiniert die Seele, befleckt das Fleisch, vernebelt das Licht des Intellekts, verjagt den Heiligen Geist aus dem Tempel der Seele. (Patrologia Latina, vol. 145, coll. 159-190)
"Heiliger Tomas von Aquin", dominikanischer Theologe, von der Kirche zum Doktor der Christenheit ernannt (1224-1274)
Die Zügellosigkeit ist aus zwei Gründen allgemein zu tadeln. Vor allem, weil sie der menschlichen Größe widerspricht, da es sich hierbei um Vergnügungen handelt, die wir mit den wilden Tieren gemein haben... Zum zweiten, weil sie dem Adel und Anstand widerspricht, insofern die Vergnügungen der Zügellosigkeit das Licht der Vernunft verdunkeln, von dem sich der Adel und die Schönheit ableitet... Die Laster des Fleisches, welche die Zügellosigkeit betreffen, sind zwar weniger schwerwiegend die Schuld betreffend, doch umso schlimmer, was ihre Schändlichkeit anbelangt. Die Schwere der Schuld betrifft die Abweichung vom Ziel, während die Schändlichkeit sich auf die Schamlosigkeit bezieht, die v.a. unter dem Gesichtspunkt der Sündhaftigkeit bewertet wird... Doch die Laster, welche der menschlichen Natur Gewalt antun, sind noch mehr zu verurteilen. Sie sind auf die Art der Zügellosigkeit zurückzuführen, die in einem gewissen Sinn den Exzess ausmacht - dies ist der Fall bei denen, die Genuss beim Verzehr von menschlichem Fleisch empfinden, oder sich mit Tieren paaren, oder im Falle der Sodomie. (Tomas von Aquin, Summa Theologica, II-II, q. 142, a. 4)... Bei den Sünden gegen die Natur, welche die natürliche Ordnung verletzen, wird Gott selbst in seiner Qualität als Ordner der Natur beleidigt. (Tomas von Aquin, Summa Theologica, II-II, q. 142, a. 12)
Weitere ähnliche Einschätzungen der Homosexualität in der langen Liste der Heiligen der Kirche sollen dem Leser erspart bleiben, um eine vielseitige Neuauflage des immergleichen Kanons zu vermeiden. Die letzten Äußerungen stammen vom heiligen George Bush und dem katholischen Prokurator von heute in Glaubensfragen. Der Kampf gegen die Eunuchen der arianischen Häresie wird bis ins heutige Jahrtausend durch ein fundamentalistisches Christentum geführt, das in seiner Engstirnigkeit alle anderen Weltreligionen übertrifft. In Sachen Sexualität sind wir alle, die im Kontext der westlichen Zivilisation denken und handeln, gleich welcher weltanschaulichen Couleur zutiefst gemeinsam geprägt. Bis heute sind wir weit entfernt davon, den Schwulen, Schwuchteln, Weicheiern die gesellschaftliche Toleranz zuzugestehen, die Homosexuelle in der Antike als dritter Sexus genossen. Wir rümpfen die Nase, ereifern uns über die sexuelle Intoleranz anderer Religionen und lächeln verlegen oder verständnisvoll beim nächsten verbalen Tiefschlag gegen nicht heterosexuelle Beziehungen.
Intermezzo: Rechte und Vorurteile, noch weit vom Ziel entfernt!
[wird fortgesetzt]
Ansonsten propagiert die herrschende Ideologie das abgefuckte Modell der kleinbürgerlichen Familie, das mit Jacobs-Krönung, Weichmacher und Kukident für Oma und Opa, die ins Altersheim abgeschoben wurden, Glückseligkeit verspricht. Es ist ohnehin nur mehr eine Übergangslösung bis zur nächsten Scheidung, bis der nun endlich richtige Macker , dessen Standardsymbole des Konsumismus mehr Potenz versprechen, gefunden wurde oder die x-te große Liebe mit der sanften Haut, und allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz, immer bereit zum Sex. Wenn aber die Ich-AG die Wir-AG abgelöst hat, das zweite Singleleben anbricht, der verbrauchte Körper und abgetötete Geist den Propagandaidealen des Modells geradezu widersprechen, bleibt meist nicht mehr viel Zeit bis zu der Erfahrung, dass das Geld für die private Altersvorsorge falsch angelegt wurde. Die heiß diskutierten Nebenlohnkosten dienen dann dem immer willkommenen Profit in den Kaufhäusern für das Alter von der Stange.
Ohnehin ist die okzidentale kleinbürgerliche Familie die letzten Jahrzehnte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die propagierten Ideale waren im vergangenen Jahrhundert ständigen Wechseln unterworfen. Statt Kinder fürs Vaterland wurde sie auf eine Konsumgemeinschaft mit kostenlosem Sex reduziert. Sollte trotz Präservative, Pesare und Pille das -selbstverständlich geplante- Kind die traute Gemeinschaft durchkreuzen, reduziert sich ihr Erziehungsauftrag auf die Weitergabe der repressiven und konsumistischen Mechanismen staatlicher, halbstaatlicher und privater "Bildungs"instutionen der Gesellschaft. Die Konsumgemeinschaft mit staatlichem Trauschein, und ab und an noch mit kirchlichem Segen, hat also längst die traditionellen Funktionen der kleinbürgerlichen Familie ersetzt. Ihre vornehmliche Aufgabe für kontinuierlichen Nachschub an Arbeitssklaven für die kapitalistische Maschinerie zu sorgen, ist längst schon obsolet, bietet doch der globale Arbeitsmarkt ein unerschöpfliches Reservoir wohlfeiler Ware.
Glaubenskongregation
Was bewegt also dann einen gealterten Mullah der katholischen Kirche, das ewig alte Lied von den sündhaften Verirrungen der fleischlichen Lust zu singen? Der "moderne" Großinquisitor Kardinal Ratzinger, der aus einer einfachen bayrischen Polizistenfamilie heraus Karriere in Sachen Überwachung von Glaubensfragen machte, hielt nun den Zeitpunkt für angemessen, das Nein des Vatikan zu jeder Form homosexueller Verbindungen kundzugeben. Sein Kampf gegen die Homosexualität ist nicht neu. Er führt ihn mit der Verbissenheit des Glaubenskriegers und der Macht seiner Stellung in der Amtskirche. Die letzten Jahre tat er sich nicht nur hervor durch einschlägige Erklärungen zur Homosexualität, er bekämpfte auch Priester und Nonnen, die innerhalb der Szene soziale Aufgaben erfüllten. So wurden 1999 der Priester Robert Nurgent und die Ordensschwester Jeannine Gramick, die in Washington seit den siebziger Jahren in der Szene arbeiteten und darüber in ihren Büchern "Building Bridges" und "Voices of Hope" schrieben, von ihren Ämtern entbunden. Nurgent und Gramik stehen für eine Vielfalt von Aktivitäten innerhalb der katholischen Kirche, die den offiziellen Dogmen widersprechen und vor Repressalien nicht sicher sind.
Ratzinger hält von solchen Aktivitäten nicht viel, seine Sorge gilt der Konservierung einer Kirche, die als Kulisse für Polanskis "Tanz der Vampire" geeignet wäre. Wind von der Basis ist ihm zuwider, bringt den Geruch von Ketzerei und Rebellion. 1997 schreibt er in einem intern an die Diözese Graz gerichteten Brief: "Ausgehend von den deutschsprachigen Ländern sind in letzter Zeit immer mehr Gruppen mit der Bezeichnung »Wir sind Kirche« entstanden... Die rasche Ausbreitung der Initiativen in vielen Ländern Europas und darüber hinaus gibt Anlass zu großer Sorge... Darum ersucht Sie diese Kongregation, die Entwicklung dieser Gruppen weiterhin aus der Nähe zu verfolgen und eventuell auch Vorkehrungen zu treffen, damit sich die Gläubigen - und besonders die Priester - nicht aktiv daran beteiligen..."
Wie er auch immer im Leben mit seiner eigenen Sexualität zurechtgekommen sein mag, gibt es zwei gute Gründe gegen die Homosexuellen den Kreuzzug zu führen. Der eine liegt in der Biographie eines Mannes, der schon Kraft seines Amtes, die ungebrochene mittelalterliche Tradition des Katholizismus repräsentiert. Der zweite, dass er als einflussreicher Kirchenmann auch Politik betreibt. Augenblicklich ist für die Kirche die Frage ihres Überlebens unter den Prämissen der Globalisierung aktuell. Der fortschreitende Zusammenschluss Europas zu einer wirtschaftlichen und politischen Größe, fordert geradezu das Bemühen um Erhalt und Ausdehnung ihres ideologischen und organisatorischen Einflusses. Nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus hat sie nicht nur in ihren osteuropäischen Stammländern den Einfluss gefestigt, sondern zum Leid der Orthodoxen, tritt sie auch zunehmend in deren ureigensten Domänen in Konkurrenz. Osteuropas Katholizismus hat keine Berührung zu den vielfältigen Strömungen einer universellen Kirche an der Basis, die durch Einflüsse sozialer und politischer Bewegungen geprägt wurden. In seiner Haltung zur klerikalen Hierarchie ist er bisher eine feste Stütze des in der Kirche dominierenden reaktionären Episkopats. Was der Westen schon hinter sich hat, muss der Osten noch nachholen: Die Annäherung an das standardisierte Denken eines gesellschaftlichen Systems, deren oberstes Prinzip darin besteht, auch noch den Letzten der Gesellschaft um seine Habe zu erleichtern.
Ratzinger weiß selbst, dass an diesem Weg nicht vorbeizukommen ist, dass auch die Katholiken Polens oder der Ukraine schon in einigen Jahren den Prozess einer Homologisierung durchlaufen haben, indem sich Gewohnheiten, Kleidung, Alltagsleben, Denkweisen an das Konsummodell des Westens angepasst und die letzten Bastionen eines dumpfen Katholizismus gefallen sind. Sein erneuter Feldzug gegen die Homosexualität hat eher etwas mit dem Fundamentalismus eines George Bush zu tun, der einen Tag vor Veröffentlichung der Stellungnahme der Glaubenskongregation erklärte: "die einzige Form der Ehe ist die zwischen Mann und Frau." Es ist die "Grundüberzeugung" zweier Männer, die in der Verteidigung eines Propagandabildes, eine wirksame Bastion gegen die Aufweichung repressiver Werte in der Gesellschaft oder der kirchlichen Organisation sehen.
Der Katholische Mensch
"Den" katholischen Menschen definieren zu wollen, wird etliche Schwierigkeiten bereiten, seine Facetten sind derart vielfältig, was von zweitausend Jahren Kirchenpolitik auch nicht anders zu erwarten ist. Die Insignien der Kirche Mitra, Zölibat und Heiligenkult wirken auf viele Katholiken heute eher beunruhigend als Identität stiftend, sie wissen um ihre Geschichte und den Zustand der Kirche. Sie ringen mit ihrem Glauben, hadern mit ihrem Klerus, wurden Atheisten oder "Sekten"mitglieder, sie sind bigotte Kirchgänger, berechnende hypokrite Stifter von Wohltätigkeiten, Politiker oder Funktionäre der Amtskirche, sie sind Befreiungstheologen, Rebellen und Revolutionäre, sie sind Faschisten, Massenmörder, Militärpfarrer und Generäle. Katholiken bringen auch Katholiken um, führen Krieg, horten Reichtümer, beuten aus, sie sind bisexuell und (v.a. im Klerus) homosexuell und pädophil. Sie sind kurzum Teil der kirchlichen Institutionen und Denkweisen, die seit zwei Jahrtausenden das Christentum prägen.
Der Katholizismus galt in vielen Ländern in der feudalen Epoche als dominierende Ideologie, die über allen gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen schwebte. Die Herren rechtfertigten ihre Repressionen ebenso aus seinen Lehren wie Bauern und Handwerker ihren Widerstand. Was den katholischen Menschen bis heute in sein tiefstes Unterbewusstsein als Gemeinsamkeit prägt, ist das über Jahrhunderte tradierte Schuldbewusstsein gegenüber den Äußerungen seiner Sexualität. Die Regeln sind rigide: Sünde sind Masturbation, Verkehr vor der Ehe, lustorientierter Verkehr zwischen Eheleuten, der nicht zur Zeugung von Kindern geschieht, etc. Der katholische Mensch wird durch sündhafte Gedanken geplagt, erforscht sein Gewissen kontinuierlich auf "unkeusche" Gedanken, besitzt die perfekten mentalen Voraussetzungen zur Selbstkontrolle und -denunziation, die ergänzt durch Beichtstuhl und klerikalem Beistand jedem anderen repressiven System Konkurrenz machen können. Was ihn ebenfalls prägt, ist seine widersprüchliche Haltung zur Realität, mit der er Zeit seines Lebens zurechtzukommen versucht. Der katholische Mensch löst seine Widersprüche nicht, er ist Christus und Judas zugleich.
Der Versuch einer Skizzierung bleibt immer unzulänglich, die Annäherung da fraglich, wo immer genau das Gegenteil des Klischees anzutreffen ist. Bunuel, Filmemacher, Surrealist, Katholik und einer der schärfsten Kritiker des Katholizismus im vergangenen Jahrhundert, hat bis zum Tod seine Kontakte zu Teilen der Kirche nie abgebrochen. Er bewunderte ihre nach strengen Regeln organisierten Orden der Mönche, sein Arbeitszimmer ähnelte einer Klause. In seinen Filmen lebte er den Zwist seiner katholischen Gebundenheit aus, lässt durch spanische Anarchisten den Papst erschießen, stellt einen obszönen Bettler als Christus beim Abendmahl dar, drückt das aus, was aus seiner Widersprüchlichkeit von Gefühl und Denken wächst.
War ohne Sklaverei die industrielle Revolution, die von England ausging, nicht möglich -wie einige Historiker meinen-, so war ohne Katholizismus die Sklaverei des Frühkapitalismus in großem Stil nicht möglich. Die Berührung mit anderen Kulturen, mit Naturreligionen, mit anderen, offeneren Lebensweisen und ihrem Umgang mit Sexualität, veränderte aber auch den Katholizismus. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war es dann Papst Johannes XXIII, der dieser Veränderung positiv mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils entsprach und gleichfalls Mauern zwischen der laizistischen und religiösen Welt einriss. Der gute Papst, il Papa buono, wie ihn die Italiener nannten, hat bereits Anfang der sechziger Jahre in seiner Enzyclica Pacem in terris auf die Entwicklung des globalen Widerspruchs zwischen armen und reichen Ländern hingewiesen und er formulierte zum ersten mal für die Gläubigen, Rechte und Pflichten in der Gesellschaft wie sie sich aus demokratischen Prinzipien ableiten. In Sachen Sexualmoral bleibt er unbestimmt, preist lediglich die heterosexuelle Familie als Grundzelle der Gesellschaft, würdigt jedoch das wachsende Bewusstsein der Frauen über ihre gesellschaftliche Rolle. Bis zu seinem Tod und auch noch während der 15 jährigen Epoche seines Nachfolgers Paul VI, ein glanzloser Papst, konnten sich in der Kirche die Kräfte entwickeln und freier bewegen, die auf soziale und politische Veränderungen zu Gunsten der Ausgebeuteten und Unterdrückten drängten.
Es folgte der Gegenpapst: seit 455 Jahren kein italienischer! Seine Themen: Abtreibung, Homosexualität, Familie, das ureigenste Gebiet des reaktionären und repressiven Geistes der katholischen Kirche. Die Sehnsucht nach der Rückkehr in eine Zeit, da sich Fürst Gangi in Palermo seine Maitresse hielt, weil seine Frau während des Verkehrs ein Ave Maria betete. Dem katholischen Menschen gab Johannes XXIII die Orientierung auf Demokratie, Johannes Paul II nahm sie ihm wieder.
Intermezzo: Im Kontext des christlichen Verständnisses von Homosexualität
[als I-Frame nur im Original abrufbar]
Stationen der Kirchengeschichte in Sachen Sexualmoral
Friedrich Engels schrieb irgendwann sinngemäß, dass die einzige Abwechslung des Proletariers im tristen Leben der Arbeitssklaven, die Sexualität sei. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war sie noch als Spenderin von Lebensfreude verpönt, die rigide Moral der kleinbürgerlichen Familie und das polizeiliche Auge achteten auf Einhaltung der Sitten. Ein in seiner Stellung bislang unangefochtenes Patriarchat verbannte die Frau in Küche, Ehebett und Geburtsstätte. Die Entwicklung zum konsumorientierten Kapitalismus, ein auf Markt und Warenbeziehungen konzentrierter Hedonismus, neue Technologien in Medizin und Humanbiologie durchsiebten althergebrachte Moral- und Sittenvorstellungen, die auf 20 Jahrhunderten einer Ideologie beruhten, die vom Katholizismus entscheidend mitgeprägt wurde und deren Kern in der repressiven Behandlung der menschlichen Sexualität bestand. Die Ächtung von Masturbation und Homosexualität sowie lustorientierten und zeugungsvermeidenden Sexualpraktiken waren dabei immer ein wesentlicher Bestandteil.
Der Inzest wurde in der Kirchengeschichte, in der Schwere des Vergehens, weit milder beurteilt. Thomas von Aquin beschrieb den Inzest als "eine Sünde, die weit weniger schlimm ist, als beispielsweise Masturbation und Homosexualität, als Anal- oder Oralverkehr oder der Koitus interruptus" (Summa Theologiae II-II q. 54 a. 11). Ivo von Chartres, ein Schüler des Augustinus, beschreibt den Sexualverkehr mit der Mutter als "natürlich, wenn er der Zeugung dient". Der Inzest (in weitestem Sinne) diente lange Zeit als sichere Möglichkeit, eine von der Kirche sanktionierte Scheidung zu erhalten. Warum der Inzest als weit weniger "sündhaft" eingestuft wird als Sexualpraktiken, die "rein lustorientiert" sind, und im Falle der Homosexualität kein Zeugungs"ergebnis" ausweisen können, erklärt u.a. die Kirchengeschichte.
Rom, 14. Mai 390: am Atrium der Minerva in Rom, das als Treffpunkt von Schauspielern, Künstlern und Schriftstellern bekannt ist, wird ein imperiales Dekret angebracht, das zum ersten Mal in der Geschichte eine Bestrafung homosexueller Praktiken verkündet. Die Strafe: Tod durch Verbrennen. Es ist die Zeit des Kirchenkampfes um Macht und Einfluss auf die staatlichen Geschicke nach dem Konzil von Nizäa (Trennung von der Ostkirche). Die Westkirche konsolidierte nach innen ihre Einheitlichkeit in der Auseinandersetzung mit den arianischen Häretikern. In diesem Kontext von Verfolgung und Intoleranz gegenüber abweichenden Lehrmeinungen, war der römische Imperator Valentinian II, den der Bischof von Mailand Ambrosius unter Strafe stellte, gezwungen, ein Dekret gegen Homosexuelle zu erlassen. Die Westkirche rächte sich, denn Homosexuelle am kaiserlichen Hof waren einflussreiche Kritiker am Nikenischen Dogma über die Natur von Jesus Christus, auch als arianische Kontroversien bekannt.
Vor diesem Zeitpunkt sahen sowohl religiöse wie weltliche Gesetze Bestrafung für homosexuelle Praktiken dann vor, "wenn ein Mann, der bei den Frauen männliche Attraktivität zeigte und sich dazu hingezogen fühlte oder auch gezwungen wurde, den weiblichen Part im Sexualakt mit einem anderen Mann zu spielen." Die levitischen Gesetze der Bibel verkünden die Todesstrafe gegen die Männer, "die mit einem Mann schlafen wie man mit einer Frau schläft." Als Männer galten jedoch nur diejenigen, die Anziehungskraft auf die Frauen ausübten und ihre Potenz war der Beweis für ihr Maskulinsein. Das Gesetz von Kaiser Augustus gegen den Ehebruch, verbietet u.a. auch den "Missbrauch" von Männern, "zu dem Zweck passive Geschlechtspartner zu finden, die keine >>Männer<< sind." (Seneca) Ziel war, der um sich greifenden Welle sexuellen Umgangs mit männlichen Jugendlichen entgegenzuwirken. Im Jahre 342 verabschiedete Konstantios II, der sich im Ostreich mit den gleichen Entwicklungen konfrontiert sah, ein Dekret, das eine "einfallsreiche Strafe" für das Vergehen vorsieht, wenn ein Mann sich mit einem "Verweiblichten" verehelicht. Es sollte die Ertappten zwingen, die Rollen beim Akt zu tauschen. Bei der Bestrafung homosexueller Praktiken vor dem institutionalisierten Christentum war also immer ein Mann im Spiel, der penetrieren und zeugen konnte. Letzteres galt als Kriterium der Männlichkeit. Es war auch Kriterium der sexuellen Abgrenzung gegenüber denen, die in den antiken mediterranen Kulturen als Nichtmänner, drittes Geschlecht, weder Frau noch Mann, oder als Androgyne bezeichnet wurden.
Diese Kulturen kannten auch den "natürlichen Eunuchen", "der keine körperlichen Defekte besaß, aber eine eindeutige mentale Orientierung." (Justinian) Sie hatten das Geschlechtsmerkmal, das wir heute als "angeborene Homosexualität" bezeichnen. Sie wurden gesetzlich von den Kastraten und denjenigen "mit körperlichen Defekten" unterschieden. Die natürlichen Eunuchen genossen das Recht auf Eheschließung und auf Adoption von Kindern. Eine entscheidende Tatsache, die den tradierten Hass der katholischen Kirche auf Homosexuelle erklären könnte, ist der Umstand, dass seit den Anfängen des babylonischen Reiches bis ins späte römische Imperium, die Eunuchen zwei hauptsächliche Funktionen in der Gesellschaft innehatten: Sie waren entweder Priester in den Tempeln der Götter ihrer Kulturen oder Bedienstete in den Häusern der Wohlhabenden und Mächtigen. Selbst noch in Zeiten der beginnenden Institutionalisierung des Christentums übten sie weiterhin entscheidenden Einfluss auf die gesellschaftlichen Entwicklungen aus. Nicht selten waren sie entschiedene Gegner der Westkirche und Anhänger der Arianischen Häresie. Was außerhalb des historischen Kontextes als lächerlicher unverständlicher Streit über die wahre Natur Jesus Christus erscheint, wird im Rahmen der Zeit ein durchaus verständlicher Kampf um Macht und Erhalt bzw. Ausdehnung des Einflusses.
Am Hofe Kaiser Konstantins von Byzanz herrschte der Eunuch Eusebius mit fast imperialer Macht. Allein sein Amt zu selektieren, wer zum Kaiser vorgelassen wird, verlieh ihm unumschränkte Möglichkeiten. Von diesem Eusebius wird berichtet, dass er ein Anhänger der arianischen Doktrin war. Ihre Auffassung war, dass der allmächtige Gott nicht der Vater Jesus im Sinne des Erzeugers ist, sondern dass Gott, Jesus als seinen Sohn aus einem Akt der Gnade heraus adoptierte. Offensichtlich ist die nahestehende Wirklichkeit des Eunuchen in dieser Doktrin, dem erlaubt war zu heiraten und Kinder zu adoptieren. Athanasius, ein entschiedener Vertreter des katholischen Dogmas, erzählt in seiner Geschichte der Arianer von der Mission des Eusebius in Rom, die den Bischof Liberius zwingen sollte, die Kommunion mit arianischen Christen zu akzeptieren. Athanasius schließt seinen Bericht mit folgender Bemerkung:
Es waren die Eunuchen, die auf dieser Vorgehensweise bestanden (d.h. Maßnahmen der Repression gegen nikenische Christen in den Gemeinden). Und der seltsamste Umstand an dieser ganzen Geschichte ist: die arianische Häresie, welche den Gottessohn leugnet, wird von den Eunuchen unterstützt. So wie ihre Körper unfruchtbar sind, entbehrt ihre Seele des Samens der Tugend und sie können nicht einmal das Nennen des Namens Sohn ertragen... Die Eunuchen des Konstantius können das Bekenntnis von Petrus nicht tolerieren (Mathäus 16:16) und sie drehen sich zur Seite, wenn der Vater auf seinen Sohn zeigt. Sie schmähen wie Verrückte diejenigen, die sagen, dass der Gottessohn, der von Gott gezeugte Sohn ist. So hängen sie an der Häresie von Eunuchen für die es kein genuiner und wahrer Sohn Gottes geben kann.
Die Voraussetzung zur Verfolgung und Ächtung der Homosexuellen in der Geschichte der westlichen Welt war also hiermit gelegt. Erinnern wir uns, dass die Antike "Homosexualität" als dritten Sexus ansah: "weder viril noch femminil" (Luzianus), wenig entfernt vom femininen Empfinden (Aristoteles). Zu Anfängen der Kirchengeschichte werden Homosexuelle den Männern zugeschlagen: "Männer, ohne Samen, die nicht koitieren können (Frimico Materno, Astrologe und konvertierter Christ). Der Kampf der Kirche um Macht im Staat machte die Homosexuellen zuerst zu Männern mit körperlichem Defekt, dann zu lasterhaften, sündhaften, dem Teufel hörigen Menschen.
Zurück zu den Anfängen: am 14. Mai 390 wurde auf Betreiben des Bischof von Mailand in Rom am Tempel der Minerva ein Dekret angeschlagen, das die Todesstrafe durch Verbrennen bei "homosexuellen" Geschlechtspraktiken vorsah. Der Contestatori gab es viele, dass auf Betreiben des Bischofs Ambrosius, im August des Folgejahrs, erneut ein Dekret am Forum Traianus angeschlagen wurde mit folgendem Inhalt:
Diejenigen, welche die unverschämte Angewohnheit haben, den männlichen Körper zu schmähen, um den abnormalen Sex einer Frau zu ertragen und sich somit in nichts von der Frau unterscheiden, werden für ihre Verbrechen vor allen Augen des Volkes mit den Flammen des Feuers büßen. (Dekret des Teodosius)
Es dauerte einige Jahrhunderte, fast ein Jahrtausend, um den Sieg der Kirche in Machtfragen derart zu verinnerlichen, dass er als "normale" Anschauung über "abnorme" sexuelle Praktiken die herrschende Ideologie bestimmte. Es sind die "Heiligen" der katholischen Kirche, die diese Entwicklung durch die Jahrhunderte und zwei Jahrtausende bis heute bestätigen. Eine chronologische Retrospektive einiger ihrer Aussagen soll an dieser Stelle die Entwicklung dokumentieren.
"Heiliger Augustinus", Doktor der Kirche (354-430)
Verbrechen, die gegen die Natur gerichtet sind, beispielsweise die der Sodomisten, müssen bei jedem Anlass verurteilt und bestraft werden. Auch diejenigen, die sie erlauben, werden die göttliche Strafe erfahren: Gott hat nicht den Menschen erschaffen, dass er einen derartigen Missbrauch erlaubte. Aus einer perversen Leidenschaft heraus wird die Natur erniedrigt, die Gott geschaffen hat und sie verletzt die Einheit, die zwischen Gott und uns existieren sollte. (Augustinus, Bekenntnisse, c.III, p.VIII)
"Heiliger Gregorius I", genannt der Große, Papst, Doktor der Kirche (540-604)
Es war gerecht, dass die Sodomiten durch Feuer und Schwefel starben... Denn der Schwefel läutert die Begierden des Fleisches, das belegt die Geschichte in der Bibel, wenn sie vom Feuer- und Schwefelregen spricht, den der Herr über Sodom und Gomorra ausgeschüttet hat. Er hat beschlossen, die Verbrechen des Fleisches zu bestrafen und die Art wie er bestrafte, beweist die Schwere des Verbrechens... (Moralischer Kommentar zu Hiob, XIV, 23, vol. II, p. 371)
"Heiliger Johannes Chrisostomus" (344-407), Patriarch von Konstantinopel, Doktor der Kirche, einer der schärfsten Gegner der Homosexualität in dieser Zeit.
Die homosexuelle Begierde ist teuflisch... die Begierden sind alle entehrend, da die Seele noch mehr beschädigt und durch die Sünden erniedrigt wird als der Körper durch die Krankheiten. Die schlimmste unter allen Leidenschaften jedoch ist die leidenschaftliche Begierde zwischen Männern... Die Sünden gegen die Natur sind die schwierigsten und am wenigsten gewinnbringend, da man nicht einmal behaupten kann, dass sie Vergnügen bereiteten. Denn wahres Vergnügen ist nur das, welches mit der Natur übereinstimmt. Wenn Gott jemanden verlassen hat, verkehrt sich alles in das Gegenteil! Deshalb sind nicht nur ihre Begierden (die der Homosexuellen, d.Ü.) satanisch, sondern ihr Leben ist auch diabolisch... Deshalb sage ich, dass diese schlimmer sind als Mörder, und dass es besser ist zu sterben als in dieser unwürdigen Art zu leben. Der Mord trennt lediglich die Seele vom Körper. Doch diese zerstören die Seele innerhalb des Körpers... Es gibt nichts, wirklich nichts wahnsinnigeres und schädlicheres als diese Perversität. (Johannes Chrisostomus, Homilia IV in Epistula Pauli ad Romanos, cfr. Patrologia Graeca, vol. 47, coll. 360-362)
"Heiliger Petrus Damiani", Doktor der Kirche, Reformator des Benediktinerordens (1007-1072)
Dieses Laster kann nicht wie die anderen als ein gewöhnliches angesehen werden, denn es übertrifft an Schwere alle anderen Laster. Es tötet den Körper, ruiniert die Seele, befleckt das Fleisch, vernebelt das Licht des Intellekts, verjagt den Heiligen Geist aus dem Tempel der Seele. (Patrologia Latina, vol. 145, coll. 159-190)
"Heiliger Tomas von Aquin", dominikanischer Theologe, von der Kirche zum Doktor der Christenheit ernannt (1224-1274)
Die Zügellosigkeit ist aus zwei Gründen allgemein zu tadeln. Vor allem, weil sie der menschlichen Größe widerspricht, da es sich hierbei um Vergnügungen handelt, die wir mit den wilden Tieren gemein haben... Zum zweiten, weil sie dem Adel und Anstand widerspricht, insofern die Vergnügungen der Zügellosigkeit das Licht der Vernunft verdunkeln, von dem sich der Adel und die Schönheit ableitet... Die Laster des Fleisches, welche die Zügellosigkeit betreffen, sind zwar weniger schwerwiegend die Schuld betreffend, doch umso schlimmer, was ihre Schändlichkeit anbelangt. Die Schwere der Schuld betrifft die Abweichung vom Ziel, während die Schändlichkeit sich auf die Schamlosigkeit bezieht, die v.a. unter dem Gesichtspunkt der Sündhaftigkeit bewertet wird... Doch die Laster, welche der menschlichen Natur Gewalt antun, sind noch mehr zu verurteilen. Sie sind auf die Art der Zügellosigkeit zurückzuführen, die in einem gewissen Sinn den Exzess ausmacht - dies ist der Fall bei denen, die Genuss beim Verzehr von menschlichem Fleisch empfinden, oder sich mit Tieren paaren, oder im Falle der Sodomie. (Tomas von Aquin, Summa Theologica, II-II, q. 142, a. 4)... Bei den Sünden gegen die Natur, welche die natürliche Ordnung verletzen, wird Gott selbst in seiner Qualität als Ordner der Natur beleidigt. (Tomas von Aquin, Summa Theologica, II-II, q. 142, a. 12)
Weitere ähnliche Einschätzungen der Homosexualität in der langen Liste der Heiligen der Kirche sollen dem Leser erspart bleiben, um eine vielseitige Neuauflage des immergleichen Kanons zu vermeiden. Die letzten Äußerungen stammen vom heiligen George Bush und dem katholischen Prokurator von heute in Glaubensfragen. Der Kampf gegen die Eunuchen der arianischen Häresie wird bis ins heutige Jahrtausend durch ein fundamentalistisches Christentum geführt, das in seiner Engstirnigkeit alle anderen Weltreligionen übertrifft. In Sachen Sexualität sind wir alle, die im Kontext der westlichen Zivilisation denken und handeln, gleich welcher weltanschaulichen Couleur zutiefst gemeinsam geprägt. Bis heute sind wir weit entfernt davon, den Schwulen, Schwuchteln, Weicheiern die gesellschaftliche Toleranz zuzugestehen, die Homosexuelle in der Antike als dritter Sexus genossen. Wir rümpfen die Nase, ereifern uns über die sexuelle Intoleranz anderer Religionen und lächeln verlegen oder verständnisvoll beim nächsten verbalen Tiefschlag gegen nicht heterosexuelle Beziehungen.
Intermezzo: Rechte und Vorurteile, noch weit vom Ziel entfernt!
[wird fortgesetzt]
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Ergänzungen
Erstaunt
a propos unangefochtenes Patriarchat
Der Mailänder FrauenBuchLaden hat in den 90ern das Rote Sottosopra mit dem Titel "Das Patriarchat ist zu Ende" veröffentlicht, darin findet sich auch eine Selbstkritik u.a. an der Patriarchatsauffassung. Diesen Text gibt es auch im Internet unter:
Un-katholisch
"tradiertes Schuldbewusstsein gegenüber den Äußerungen der Sexualität" ist eine Erscheinung, die für einen gewissen Prozentsatz der Menschen zutrifft, aber weitgehend unabhängig von ihrer evt. Religion.
Der "lustorientierte Verkehr zwischen Eheleuten, der nicht zur Zeugung von Kindern geschieht" wird offiziell - spätestens seit dem 2.Vaticanum - als wertvolle Bereicherung gesehen, die auch zur Vertiefung der Beziehung beiträgt. Allerdings sind viele Christen gegenüber einigen Erscheinungsformen "moderner" Sexualität skeptischer, weil sie die Sexualität ganzheitlicher sehen als im Durchschnitt der Gesellschaft. Dazu gehören auch ethische Belange und eine größere Kinderfreundlichkeit.
Die Inanspruchnahme von "Beichtstuhl und klerikalem Beistand" nimmt seit längerem ab. Dafür gewinnen - im Einklang mit allgemeinen Trends - Seminare, Gruppengespräche und Psychologie an Bedeutung.
Kirche vor die Tür und Islam gleich mit
Der lapidare Satz in der franz. Verfassung lautet:
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Kritik — Andy
@Andi — Zapata
what the fuck — bob
antiislamische Hetze??? — wie
Wir hetzen... — Warhead
@Dummkopf (Warhead) — Gläubiger
warhead — sandra süd
@Gläubiger — Warhead
Sandra Süd — Warhead
@Dummkopf (Warhead) II — Gläubiger
religion ist heilbar — johannes der säufer
ohje — tztz
@Warhead 13.08.2003 14:45 — johannes hicks
Die Homepage... — Warhead
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jawoll! — s.l.
Kirche vor Tür und Islam gleich mit — Julian-Alexander