Indien/Narmada: Hungerstreik angekündigt
Pressemitteilung von NBA (Narmada Bachao Andolan), 3. Aug. 2003
Vom Staudammmprojekt betroffene Adivasis stürmen Büro der Steuerbehörde (Collector?s Office). Sie verurteilen die Verhaftungen und fordern, vor der nächsten Flut Maßnahmen zu ergreifen. Fastenaktion der Adivasis beginnt am 5. August.
Vom Staudammmprojekt betroffene Adivasis stürmen Büro der Steuerbehörde (Collector?s Office). Sie verurteilen die Verhaftungen und fordern, vor der nächsten Flut Maßnahmen zu ergreifen. Fastenaktion der Adivasis beginnt am 5. August.
Quelle:
http://www.narmada.org/nba-press-releases/august-2003/collector.html
62, Mahatma Gandhi Road, Badwani,
Madhya Pradesh - 451551
Tel: 07290-22464
Email:
badwani@narmada.org
Hunderte von Adivasis der vom Sardar-Sarovar-Damm betroffenen Dörfer Maharashtras und anderer Gemeinden in den Satpura-Bergen haben das Büro des Steuerbeamten** im Nandurbar-Distrikt gestürmt. In vehementem Protest gegen die Verhaftung von Noorji Vasave und anderer Adivasis, sowie der Aktivist(inn)en Pratibha Shinde, Kirsing Padvi, Sanjay Mahajan, Shyambhai, Chetan u. a. aus dem Dorf Chimalkhedi, wo es während der Tage der Überschwemmung (27./28. Juli) heftige Kämpfe gab, sprachen mit Besorgnis und Entschiedenheit mit Behördenvertretern und der Polizei, um die sofortige Freilassung der Verhafteten und Gerechtigkeit zu fordern.
Im Verlauf der dreistündigen Diskussion mit dem Steuerbeamten (Collector)brachten die Adivasi-Führer diesen zu dem Eingeständnis, daß Hunderte von Adivasis durch das Hochwasser Schäden an ihren Häusern und Feldern erlitten haben, wodurch die Position von Andolan und der offizielle Report der Arbeitsgruppe seine Bestätigung erhielten. Dies geschieht, so erklärten die erregten Adivasis den Behördenvertretern, in grober Verletzung aller Gesetze und Rechtsnormen. Dadurch werden auch die unwahren Behauptungen widerlegt, mit denen die Fragen nach der Rehabilitation der Betroffenen in beiden Häusern des Parlaments, Volksversammlung* und Rajyasabha**, beantwortet worden waren. Die Ministerien hatten zuvor den MLA?s von Shivsena in Mharashtra und CPI(M)**-Parlamentsmitglied Mr. Chandran Pillai unter klarem Bruch ihres Sonderstatus mitgeteilt, daß alle Familien in der betroffenen Zone unterhalb 100 m, 234 in Maharashtra und 1800+ in Madhya Pradesh umgesiedelt worden seien. Daher gehe die Erhöhung des Staudamms konform mit den gesetzlichen Vorgaben! Diese Lügen wurden nun von der Flut hinweggespült.
Die von Noorji Padavi, Keshav Vasave und Anderen von der Organisation NBA, sowie Ranchchod Tadvi, Ramdasbhai, Sugribahen und Anderen von ?Punarvasan Sangharsh Samiti? geführten Adivasis befanden sich in Begleitung Medha Patkars und anderer Aktivist(inn)en, die ohne Zögern ihre nächsten Schritte ankündigten. Da mit dem 31. Juli die ?Warn- und Beobachtungs?-Phase zu Ende gegangen ist und das erste Hochwasser Gemeinden und landwirtschaftliche Kulturen zerstört hat, kündigte Keshav Vasave die nächste Phase der Satyagraha** an. Da der Staat, wie er sagte, gewalttätig geworden sei, müßten sie zu Gandhis Weisheit und Methoden Zuflucht nehmen. Zwei Adivasi-Vertreter jedes Tahsils** (Akrani und Akkalkua) werden ab 5. August in Chimalkedi und Nimgavan abwechselnd fasten. Medha Patkar bezeichnete die Überflutung ohne vorherige Umsiedlung der Betroffenen als einen Fall größter Ungerechtigkeit gegenüber den menschlichen Werten und den Menschenrechten und drückte ihre Trauer darüber aus, zeigte sich aber auch entschlossen, alles anzustreben, was immer den Adivasis an Entschädigung geboten würde. Sie beschrieb den Prozeß der Täuschung und der Verheimlichung, der auch dann noch weiterging, nachdem Maharashtras Kabinett den Forderungen zugestimmt hatte, und stellte ein Ultimatum bis zum nächsten Ansteigen des Hochwassers. Wenn die erwartete Regierungsentscheidung nicht erfolgt, die Frage der bisher nicht zu Betroffenen erklärten Familien darin nicht enthalten ist, die auswärtigen Landzuweisungen nicht annulliert und Hunderte von Hektar für brauchbares Privatland nicht ausgewiesen ist, mit anderen Worten: wenn es vor dem nächsten Hochwasserschub keinen nennenswerten Fortschritt gibt, werden die Satyagrahis** zu anderen, intensiveren Mitteln greifen.
Der Steuerbeamte willigte ein, die Anliegen den höheren Stellen vorzutragen und verpflichtete sich, innerhalb zweier Wochen Entschädigungszahlungen für die diesjährigen Verluste zu leisten. Am wichtigsten war die Entscheidung, ab 7. August die Dokumentation der Arbeitsgruppe über den Umsiedlungs- und Rehabilitationsprozeß auf Dorfebene fortzuführen. Dies würde zu einer lange Zeit in Anspruch nehmenden Korrektur der Aufzeichnungen führen. Die Aktivist(inn)en erklärten dem Steuerbeamten kategorisch, es sei Sache der Regierung, die Beschwerdebehörde zu kontaktieren, nicht die der Betroffenen. Wir glauben, daß gewaltlose Aktionen wie diese ein klarer Indikator für die Einheit und Stärke des Volkes durch Satyagraha sind. Wir appellieren auch an das Gewissen der Nation ? Volksvertreter, Volksorganisationen, prominente Persönlichkeiten und die gesamte Zivilgesellschaft ? Anteil zu nehmen und uns zu helfen, Gerechtigkeit zu erzielen. ?
Yogini Khanolkar, Tukaram Pavra, M.K.Sukumar
* das indische Unterhaus oder Lok Sabha
** Steuereinnehmer (Collector) eines Distrikts, ist u.a. für die Korrektur und Bewertung von Grundstücksurkunden und die Einschätzung der betroffenen Familien zuständig
** CPI(M) - Kommunistische Partei Indiens (Marxisten)
** Rajhyasabha ? indisches Oberhaus
** Satyagraha ? ?Festhalten an der Wahrheit? - von Mahatma Gandhi um 1930 initiierte Bewegung für Aktionen des zivilen Ungehorsams, unter Anwendung von Ahimsa ? absoluter Gewaltlosigkeit.
** Satyagrahi ? Anhänger dieser Bewegung
** Tahsil ? kleiner Verwaltungsbezirk unterhalb der Distriktsebene
http://www.narmada.org/nba-press-releases/august-2003/collector.html 62, Mahatma Gandhi Road, Badwani,
Madhya Pradesh - 451551
Tel: 07290-22464
Email:
badwani@narmada.org Hunderte von Adivasis der vom Sardar-Sarovar-Damm betroffenen Dörfer Maharashtras und anderer Gemeinden in den Satpura-Bergen haben das Büro des Steuerbeamten** im Nandurbar-Distrikt gestürmt. In vehementem Protest gegen die Verhaftung von Noorji Vasave und anderer Adivasis, sowie der Aktivist(inn)en Pratibha Shinde, Kirsing Padvi, Sanjay Mahajan, Shyambhai, Chetan u. a. aus dem Dorf Chimalkhedi, wo es während der Tage der Überschwemmung (27./28. Juli) heftige Kämpfe gab, sprachen mit Besorgnis und Entschiedenheit mit Behördenvertretern und der Polizei, um die sofortige Freilassung der Verhafteten und Gerechtigkeit zu fordern.
Im Verlauf der dreistündigen Diskussion mit dem Steuerbeamten (Collector)brachten die Adivasi-Führer diesen zu dem Eingeständnis, daß Hunderte von Adivasis durch das Hochwasser Schäden an ihren Häusern und Feldern erlitten haben, wodurch die Position von Andolan und der offizielle Report der Arbeitsgruppe seine Bestätigung erhielten. Dies geschieht, so erklärten die erregten Adivasis den Behördenvertretern, in grober Verletzung aller Gesetze und Rechtsnormen. Dadurch werden auch die unwahren Behauptungen widerlegt, mit denen die Fragen nach der Rehabilitation der Betroffenen in beiden Häusern des Parlaments, Volksversammlung* und Rajyasabha**, beantwortet worden waren. Die Ministerien hatten zuvor den MLA?s von Shivsena in Mharashtra und CPI(M)**-Parlamentsmitglied Mr. Chandran Pillai unter klarem Bruch ihres Sonderstatus mitgeteilt, daß alle Familien in der betroffenen Zone unterhalb 100 m, 234 in Maharashtra und 1800+ in Madhya Pradesh umgesiedelt worden seien. Daher gehe die Erhöhung des Staudamms konform mit den gesetzlichen Vorgaben! Diese Lügen wurden nun von der Flut hinweggespült.
Die von Noorji Padavi, Keshav Vasave und Anderen von der Organisation NBA, sowie Ranchchod Tadvi, Ramdasbhai, Sugribahen und Anderen von ?Punarvasan Sangharsh Samiti? geführten Adivasis befanden sich in Begleitung Medha Patkars und anderer Aktivist(inn)en, die ohne Zögern ihre nächsten Schritte ankündigten. Da mit dem 31. Juli die ?Warn- und Beobachtungs?-Phase zu Ende gegangen ist und das erste Hochwasser Gemeinden und landwirtschaftliche Kulturen zerstört hat, kündigte Keshav Vasave die nächste Phase der Satyagraha** an. Da der Staat, wie er sagte, gewalttätig geworden sei, müßten sie zu Gandhis Weisheit und Methoden Zuflucht nehmen. Zwei Adivasi-Vertreter jedes Tahsils** (Akrani und Akkalkua) werden ab 5. August in Chimalkedi und Nimgavan abwechselnd fasten. Medha Patkar bezeichnete die Überflutung ohne vorherige Umsiedlung der Betroffenen als einen Fall größter Ungerechtigkeit gegenüber den menschlichen Werten und den Menschenrechten und drückte ihre Trauer darüber aus, zeigte sich aber auch entschlossen, alles anzustreben, was immer den Adivasis an Entschädigung geboten würde. Sie beschrieb den Prozeß der Täuschung und der Verheimlichung, der auch dann noch weiterging, nachdem Maharashtras Kabinett den Forderungen zugestimmt hatte, und stellte ein Ultimatum bis zum nächsten Ansteigen des Hochwassers. Wenn die erwartete Regierungsentscheidung nicht erfolgt, die Frage der bisher nicht zu Betroffenen erklärten Familien darin nicht enthalten ist, die auswärtigen Landzuweisungen nicht annulliert und Hunderte von Hektar für brauchbares Privatland nicht ausgewiesen ist, mit anderen Worten: wenn es vor dem nächsten Hochwasserschub keinen nennenswerten Fortschritt gibt, werden die Satyagrahis** zu anderen, intensiveren Mitteln greifen.
Der Steuerbeamte willigte ein, die Anliegen den höheren Stellen vorzutragen und verpflichtete sich, innerhalb zweier Wochen Entschädigungszahlungen für die diesjährigen Verluste zu leisten. Am wichtigsten war die Entscheidung, ab 7. August die Dokumentation der Arbeitsgruppe über den Umsiedlungs- und Rehabilitationsprozeß auf Dorfebene fortzuführen. Dies würde zu einer lange Zeit in Anspruch nehmenden Korrektur der Aufzeichnungen führen. Die Aktivist(inn)en erklärten dem Steuerbeamten kategorisch, es sei Sache der Regierung, die Beschwerdebehörde zu kontaktieren, nicht die der Betroffenen. Wir glauben, daß gewaltlose Aktionen wie diese ein klarer Indikator für die Einheit und Stärke des Volkes durch Satyagraha sind. Wir appellieren auch an das Gewissen der Nation ? Volksvertreter, Volksorganisationen, prominente Persönlichkeiten und die gesamte Zivilgesellschaft ? Anteil zu nehmen und uns zu helfen, Gerechtigkeit zu erzielen. ?
Yogini Khanolkar, Tukaram Pavra, M.K.Sukumar
* das indische Unterhaus oder Lok Sabha
** Steuereinnehmer (Collector) eines Distrikts, ist u.a. für die Korrektur und Bewertung von Grundstücksurkunden und die Einschätzung der betroffenen Familien zuständig
** CPI(M) - Kommunistische Partei Indiens (Marxisten)
** Rajhyasabha ? indisches Oberhaus
** Satyagraha ? ?Festhalten an der Wahrheit? - von Mahatma Gandhi um 1930 initiierte Bewegung für Aktionen des zivilen Ungehorsams, unter Anwendung von Ahimsa ? absoluter Gewaltlosigkeit.
** Satyagrahi ? Anhänger dieser Bewegung
** Tahsil ? kleiner Verwaltungsbezirk unterhalb der Distriktsebene
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Ergänzungen