Summertime - im Knast

Thomas Meyer-Falk 03.08.2003 12:42
Summertime - im Knast
Summertime - im Knast

Wer kennt ihn nicht, den musikalischen Klassiker von Gershwin: "summertime ... fishs are jumping ... and the cotton is high..."!? Es war wirklich heiß in den letzten Wochen, die Gefängnisjuristin X, über die schon vielfach berichtet wurde (zuletzt:  http://www.germany.indymedia.org/2003/07/57115.shtml) brütete im Büro, vielleicht die Hemdsärmel aufgekrempelt, starrte den Ventilator an, verscheuchte hin und wieder eine Fliege vom Bildschirm...
Wir sehen sie da sitzen, schwitzend und vielleicht Gershwin vor sich hinsummend: "... fishs are jumping ... and the cotton is high", vom baldigen Urlaub träumend, Palmen, Meer....

Am 8. Juli 2003 jedoch griff sie zur Feder und verbot mir den gemeinsamen Wochenendspaziergang im Gefängnishof mit einem Mitgefangenen, da ich diesem verbotene Rechtsberatung erteilt und dafür sogar - anlässlich eines Sportfestes (am 5. und 6. Juli), zu dem ich wegen der Isolationshaft, in der ich sitze, keinen Zutritt hatte - Esswaren als Gegenleistung erhalten hätte, die mir der Gefangene durch Wärter bringen ließ.

Halb Deutschland lag in Parks, an Seen, Freibädern und ließ sich von der Sonne bräunen, oder saß müßig träumend unter Bäumen, somnambul (=mondsüchtig) glücklich, der tätigen Welt abhandengekommen. Nicht so Frau Oberregierungsrätin X, schließlich will das Urlaubsgeld irgendwie verdient sein und so verteidigte sie furios ihre Verfügung vom 8. Juli gegenüber dem zwischenzeitlich von mir eingeschalteten Landgericht Karlsruhe. Auf mehreren Seiten porträtierte sie mich als querulatorischen Gefangenen, der nun nicht nur seine Aversion durch Verfassen von Schriftsätzen in eigener Sache auslebe, sondern der nun sogar wage, einem Mitgefangenen behilflich zu sein bei einer strafvollzugsrechtlichen Angelegenheit.

"Summertime, my daddy is rich an mum is good looking, summertime ...". Ja, nun war ich am Zug und durfte schwitzen ob der Ausführungen von Frau X; als erstes attestierte ich ihr, dass ihr Schreiben ans Gericht frei sei von jeglicher juristischer oder logischer Stringenz, d.h. Beweiskraft. So hatte ich beispielsweise keineswegs Esswaren als Belohnung erhalten, vielmehr hatte die Gefangenenvertretung aus Solidarität allen in Einzelhaft sitzenden Gefangenen ein bisschen was zu Essen gebracht an jenem 5. und 6. Juli. Und selbst wenn ich Rechtsberatung erteilt haben sollte, so wäre dies keine verbotene Rechtsberatung gewesen aus formaljuristischen Gründen. Soweit Frau X, fuhr ich fort, der Gefangenenvertretung bescheinige, dass Gesten der Solidarität nicht angebracht seien, falle dies auf sie selbst zurück, anstatt in "kritikasterhafter" Weise diese Gefangenen und mich abzuqualifizieren, sollte man uns viel eher angesichts praktizierter Solidarität belobigen :)

Der Vorsitzende Richter SCHMIDT vom Landgericht dachte vielleicht an Woody Allen, der einmal fragte: Wenn sich das Universum unaufhörlich ausdehnt, warum bekomme ich nie einen Parkplatz? Jedenfalls wischte er die Verfügung von Frau X vom 8. Juli am 22. Juli vom Tisch, da sie rechtswidrig sei. Von verbotener Rechtsberatung sei nichts zu erkennen, diese sei erst gegeben, falls ich mehrfach Rechtsrat erteilen würde. dass im übrigen Gefangene sich im Gespräch zwangsläufig über juristische Sachverhalte austauschen, läge auf der Hand und sei auch nicht verwerflich. Indirekt ließ der Richter erkennen, dass er vermutet, die JVA, möglicherweise im speziellen Frau X, könnte ein Problem damit haben, wenn deren Verfügungen gerichtlich beanstandet werden; er jedenfalls, d.h. der Richter, könne gut damit leben, wenn von Zeit zu Zeit Beschlüsse des Gerichts durch die nächste Instanz aufgehoben würden.

Summertime ... Das Sommertheater wird sicher fortgesetzt und im Herbst und Winter folgen weitere Vorstellungen. Wir dürfen auf die kommenden Inszenierungen gespannt sein.
P.S.: Reklamationen wegen miserabler Leistungen der Regisseurin können leider nicht
berücksichtigt werden und an der Abendkasse gibt es kein Geld zurück :)

Thomas MEYER-FALK, c/o JVA - Z. 3117, Schönbornstr. 32, D-76646 Bruchsal, Germany
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Armin 03.08.2003 - 14:02
Das ist ja alles sehr interesssant lieber Thomas, aber du hast mir bzw. uns immer noch nicht erzählt weshalb du überhaupt im Knast bist!? Irgend etwas musst du doch angestellt haben, denn wer nichts tut, kommt auch nicht ins Gefängnis.

@armin: doch

ali 03.08.2003 - 14:35
mensch kommt auch in den knast ohne etwas getan zu haben. so ist das nunmal in dieser scheindemokratie.

nasowas

,,, 03.08.2003 - 15:28
aber nicht aus Geldgier

Warum...

Im Internet Recherchierer 03.08.2003 - 15:33
Soweit ich weiß sitzt Thomas wegen eines Bankraubes im Gefängniss den er verübt hat um sein politisches Handeln finanzieren zu können. Hauptsächlich den Antifaschismus soweit ich mich erinnere. Bin mir aber net 100% sicher ob das stimmt, vieleicht meldet sich ja mal einer von den Thomas-UnterstützerInnen

@internetrecherchierer

unterstützerIn 03.08.2003 - 16:14
thomas ist ein sogenannter „Red Skin“/RASH = Red & Anarchist Skinheads.
Verurteilt wurde er wegen eines Banküberfalls, anlässlich dessen Geld für politische Projekte organisiert werden sollte, sowie in zwei weiteren Verfahren wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung von Richtern und Staatsanwälten.

@Sven

Kopfschmerz 03.08.2003 - 20:49
Na Sven, Du hast bestimmt noch keine politische Arbeit gemacht. Erstmal: Wenn man den Revolverblättern glauben würde, bekommt man beim guten, alten Bankraub eh nur ein paar 1000 in die Hand gedrückt (mehr hat die Kassiererin nicht bei sich, auch wenn die Seniorin, der Du die Knarre ins Ohr drückst, plötzlich ganz und gar vom Sozialismus überzeugt ist).
So, vielleicht möchtest Du z.B. ein Flugblatt erstellen, das nicht nur unter den 300 Demogesichtern der nächsten Metropole verteilt werden soll, sondern auch bundesweit verschickt: Vielleicht möchtest Du einen Pentium-Rechner, damit da auch eine Graphik reinkann oder einen 17Zoll-Monitor, weil Dir sonst beim Layouten die Augen kaputtgehen. Dann kommen Druckkosten (farbig ist ja, müssen wir zugeben, sehr viel ansprechender) und vorallem viel Porto. Ja, für Politik kann man viel Geld ausgeben: Anwaltshonorare, Reisekosten (nicht jede Polittgruppe trifft sich Bad Benedigtheim), Telefon/Internetgebühren...
Und es könnte sogar sein, daß Du außer einer 40h-Stelle (inc. Fahrtzeit 50h), die körperlich anstrengend ist, nichts vom Arbeitsamt vorgeschlagen bekommst und Du merkst, während Du diesen Scheißjob machst, kriegst Du nichts anderes mehr auf die Reihe, mußt in der spärliche Freizeit die Seele auch mal mit einem unpolitischen Besuch bei Freunden pflegen... und Geld aus der Bank ist nun wirklich besser!