Indien: leichtes Erdbeben im Narmada-Gebiet
NBA-Pressemeldung v. 27. Juli 2003 (Übersetzung)
Erdbeben im Gebiet des Narmada-Damms, Stärke 4.3 der Richter-Skala ? eine ernste Warnung für Gujarat und das Narmada-Tal
Quelle:
http://www.narmada.org/nba-press-releases/july-2003/quake.html
Erdbeben im Gebiet des Narmada-Damms, Stärke 4.3 der Richter-Skala ? eine ernste Warnung für Gujarat und das Narmada-Tal
Quelle:
http://www.narmada.org/nba-press-releases/july-2003/quake.html
Ein Erdbeben mit einer Intensität von 4.3 auf der Richter-Skala erschütterte am 27. Juli 2003 das Gebiet in der Nähe des Sardar-Sarovar-Projekts. Das Epizentrum lag bei Dhadgaon im Distrikt Nandurbar, Bundesstaat Maharashtra. Dies ist eine ernste Warnung vor einer Gefahr größerer seismischer Aktivität in der nahen Zukunft. Das Erdbeben erregt bei der Bevölkerung des Narmada-Tals Besorgnis, aber auch in Gujarat, wo sich die Menschen kaum erst von dem grauenhaften Erdbeben von 2001 im Kuch erholt haben.
Die ?leichten Erschütterungen? (wie sie von Gujarats Ministern und Beamten bagatellisierend genannt werden) sind ein Zeichen dessen, was wegen des unklugen Sardar-Sarovar-Projekt noch auf Gujarat und das ganze Narmada-Tal zukommen könnte. Man möge sich erinnern, daß auch dem Erdbeben von Kuch mehrere solcher ?leichter Erschütterungen? vorausgegangen sind. Daher sollte die Regierung diese Warnung nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Das Unionsministerium für Umwelt und Forsten hatte 1987 dem Staudamm nur unter der ausdrücklichen Bedingung zugestimmt, daß wichtige Studien, darunter auch seismologische, vor 1989 beendet wären. Die Studien wurden jedoch nicht abgeschlossen und die Genehmigung lief ab, was das Ministerium im September 1990 der Narmada-Kontrollbehörde (NCA) mitteilte. Das Ministerium bat, eine neue Genehmigung zu beantragen, und dabei ist es geblieben. Die Sache kam während der zwischen 1994 und 2000 erfolgten Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof zur Sprache. Richter Bharucha machte in seinem Urteil klar, daß ?weitere Bauarbeiten am Straudamm solange ruhen sollen, bis von ihnen eine Umweltgenehmigung ausgestellt wurde.?
Das Narmada-Tal ist eine Zone geologischer Verwerfung. Das Sardar-Sarovar-Projekt liegt im Gebiet einer Kreuzung dreier Verwerfungslinien: neben der Narmada-Verwerfung gibt es eine, die von den Arawalli-Bergen (Rajasthan) herkommt und eine weitere, die von den West-Ghats herführt. Es hat Erschütterungen im Gebiet von Khandwa gegeben und im Mai 1997 ein Erdbeben in Jabalpur, wobei es Sachschäden gab und viele Menschen getötet wurden. Dies war eine ernste Warnung. Das grauenhafte Erdbeben von Kuch im Januar 2001 ist eine weitere deutliche Mahnung vor der Gefahr, die dem Narmada-Gebiet droht. Dr. Harsh Gupta, Direktor des Nationalen Geophysikalischen Forschungsinstituts (NGRI) hatte damals festgestellt, daß die (Aus-)Dehnung der Verwerfungszone des Narmada-Son-Bruchs* für das Erdbeben von Gujarat (Kuch) verantwortlich sein könnte, das 900% mehr an Energie freigesetzt hatte als das Erdbeben von Latur. Prof. R. S. Negi (meinte), daß das Erdbeben von Gujarat möglicherweise tektonische Aktivitäten im Bereich der Narmada-Son-Bruchlinie* auslösen könnte.
Im Lichte dieser Beobachtungen und Fakten besteht Narmada Bachao Andolan darauf, daß die Regierung sofort eine gründliche Studie über die seismischen Bedingungen im Narmada-Tal von einem unabhängigen, aus hervorragenden Experten bestehenden Gremium durchführen läßt und daß alle weiteren Arbeiten am Staudamm gestoppt werden.
Zweitens muß die Wassermenge im Staubecken verringert werden, indem die Schleusen geöffnet und das Wasser aus dem Staubecken abgelassen wird. Es sollte kein zusätzliches Ablassen von Wasser aus den stromaufwärts gelegenen Staubecken erfolgen.
Es ist merkwürdig, daß die Verantwortlichen immer bei ihrem Spruch bleiben, daß ?der Damm sicher sein wird, sogar wenn sich ein Erdbeben der Stärke 6 der Richter-Skala ereignet.? Auch wenn wir zugestehen, daß die Staumauer sicher sein sollte: Wie steht es mit der vom Erdbeben verursachten Zerstörung, die durch den Staudamm beschleunigt und verstärkt wird? Was werden wir dann mit dem ?intakten Damm? machen?
* [Der Narmada-Grabenbruch setzt sich offenbar entlang des Son, einem Nebenfluß des Ganges, in gleicher Richtung (wsw/ono) fort. ? kh.]
Der Wasserspiegel im Staubecken steigt alarmierend
Inzwischen ist das Hochwasser im Narmada-Tal ständig gestiegen; der zuletzt gemessene Wasserstand beim Damm lag in den späten Nachtstunden des 27. Juli bei 100,80 m. Als die steigenden Hochwasserfluten des Narmada die Dörfer von Maharashtra erreichten, schickte die Staatsregierung Polizei, um die Bewohner gewaltsam zu vertreiben; sie riß ihre Häuser ab, ohne daß sie dem Gesetz nach umgesiedelt werden. Die Bewohner von Chimalkhedi widerstanden den Versuchen der Polizei, ihren Widerstand zu brechen.
Das Hochwasser ist, verursacht durch die Erhöhung des Staudamms auf 100 m, seit Samstag, 26. Juli in alarmierendem Ausmaß gestiegen. Es ist abzusehen, daß der Hochwasserpegel weiter steigen wird, da aus dem stromaufwärts gelegenen Tawa-Damm 105 000 Kubikfuß/sec.** (2940 cbm) abgelassen wurden. Alle 13 Tore des Tawa-Damms wurden auf einem Niveau von 5 Fuß geöffnet; dieses Wasser wird nun jeden Augenblick im Überschwemmungsgebiet erwartet. Am 27. Juli morgens betrug die Menge des vom Tawa-Damm abgelassenen Wassers 150 000 Kubikfuß/sec.** (4200 cbm). Später wurden noch 2 Mill. Kubikfuß** (56 000 cbm) abgelassen.
Die kumulative Wirkung dieser Wassermassen wird verheerend sein. Zusammen mit den Dörfern und Bauernhöfen, in denen 12 000 Familien leben, wird das Hochwasser dieses Jahr die vom Andolan und von den Dorfeinwohnern seit 1992 betriebenen 4 Dshivanshalas (Schulen für das Leben) überfluten. Die Dshivanshalas von Nimghavan, Bharad, Danel, Udadia und Jalsindhi sind in diesem Jahr vom Hochwasser bedroht. Vor kurzem haben die Schulkinder in mehreren größeren Städten Maharashtras appelliert, ihr Tal zu retten und ihr Recht auf Bildung sicherzustellen. Sie sprachen auch mit dem Gouverneur des Staates und teilten ihm ihre Beschwerden und Forderungen mit. ?
Medha Patkar
Narmada Bachao Andolan
62, Mahatma Gandhi Road, Badwani,
Madhya Pradesh ? 451551
Tel: 07290-22464
e-mail:
badwani@narmada.org
** Im Original 'cusec', dh. Kubikfuß pro Sekunde
Die ?leichten Erschütterungen? (wie sie von Gujarats Ministern und Beamten bagatellisierend genannt werden) sind ein Zeichen dessen, was wegen des unklugen Sardar-Sarovar-Projekt noch auf Gujarat und das ganze Narmada-Tal zukommen könnte. Man möge sich erinnern, daß auch dem Erdbeben von Kuch mehrere solcher ?leichter Erschütterungen? vorausgegangen sind. Daher sollte die Regierung diese Warnung nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Das Unionsministerium für Umwelt und Forsten hatte 1987 dem Staudamm nur unter der ausdrücklichen Bedingung zugestimmt, daß wichtige Studien, darunter auch seismologische, vor 1989 beendet wären. Die Studien wurden jedoch nicht abgeschlossen und die Genehmigung lief ab, was das Ministerium im September 1990 der Narmada-Kontrollbehörde (NCA) mitteilte. Das Ministerium bat, eine neue Genehmigung zu beantragen, und dabei ist es geblieben. Die Sache kam während der zwischen 1994 und 2000 erfolgten Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof zur Sprache. Richter Bharucha machte in seinem Urteil klar, daß ?weitere Bauarbeiten am Straudamm solange ruhen sollen, bis von ihnen eine Umweltgenehmigung ausgestellt wurde.?
Das Narmada-Tal ist eine Zone geologischer Verwerfung. Das Sardar-Sarovar-Projekt liegt im Gebiet einer Kreuzung dreier Verwerfungslinien: neben der Narmada-Verwerfung gibt es eine, die von den Arawalli-Bergen (Rajasthan) herkommt und eine weitere, die von den West-Ghats herführt. Es hat Erschütterungen im Gebiet von Khandwa gegeben und im Mai 1997 ein Erdbeben in Jabalpur, wobei es Sachschäden gab und viele Menschen getötet wurden. Dies war eine ernste Warnung. Das grauenhafte Erdbeben von Kuch im Januar 2001 ist eine weitere deutliche Mahnung vor der Gefahr, die dem Narmada-Gebiet droht. Dr. Harsh Gupta, Direktor des Nationalen Geophysikalischen Forschungsinstituts (NGRI) hatte damals festgestellt, daß die (Aus-)Dehnung der Verwerfungszone des Narmada-Son-Bruchs* für das Erdbeben von Gujarat (Kuch) verantwortlich sein könnte, das 900% mehr an Energie freigesetzt hatte als das Erdbeben von Latur. Prof. R. S. Negi (meinte), daß das Erdbeben von Gujarat möglicherweise tektonische Aktivitäten im Bereich der Narmada-Son-Bruchlinie* auslösen könnte.
Im Lichte dieser Beobachtungen und Fakten besteht Narmada Bachao Andolan darauf, daß die Regierung sofort eine gründliche Studie über die seismischen Bedingungen im Narmada-Tal von einem unabhängigen, aus hervorragenden Experten bestehenden Gremium durchführen läßt und daß alle weiteren Arbeiten am Staudamm gestoppt werden.
Zweitens muß die Wassermenge im Staubecken verringert werden, indem die Schleusen geöffnet und das Wasser aus dem Staubecken abgelassen wird. Es sollte kein zusätzliches Ablassen von Wasser aus den stromaufwärts gelegenen Staubecken erfolgen.
Es ist merkwürdig, daß die Verantwortlichen immer bei ihrem Spruch bleiben, daß ?der Damm sicher sein wird, sogar wenn sich ein Erdbeben der Stärke 6 der Richter-Skala ereignet.? Auch wenn wir zugestehen, daß die Staumauer sicher sein sollte: Wie steht es mit der vom Erdbeben verursachten Zerstörung, die durch den Staudamm beschleunigt und verstärkt wird? Was werden wir dann mit dem ?intakten Damm? machen?
* [Der Narmada-Grabenbruch setzt sich offenbar entlang des Son, einem Nebenfluß des Ganges, in gleicher Richtung (wsw/ono) fort. ? kh.]
Der Wasserspiegel im Staubecken steigt alarmierend
Inzwischen ist das Hochwasser im Narmada-Tal ständig gestiegen; der zuletzt gemessene Wasserstand beim Damm lag in den späten Nachtstunden des 27. Juli bei 100,80 m. Als die steigenden Hochwasserfluten des Narmada die Dörfer von Maharashtra erreichten, schickte die Staatsregierung Polizei, um die Bewohner gewaltsam zu vertreiben; sie riß ihre Häuser ab, ohne daß sie dem Gesetz nach umgesiedelt werden. Die Bewohner von Chimalkhedi widerstanden den Versuchen der Polizei, ihren Widerstand zu brechen.
Das Hochwasser ist, verursacht durch die Erhöhung des Staudamms auf 100 m, seit Samstag, 26. Juli in alarmierendem Ausmaß gestiegen. Es ist abzusehen, daß der Hochwasserpegel weiter steigen wird, da aus dem stromaufwärts gelegenen Tawa-Damm 105 000 Kubikfuß/sec.** (2940 cbm) abgelassen wurden. Alle 13 Tore des Tawa-Damms wurden auf einem Niveau von 5 Fuß geöffnet; dieses Wasser wird nun jeden Augenblick im Überschwemmungsgebiet erwartet. Am 27. Juli morgens betrug die Menge des vom Tawa-Damm abgelassenen Wassers 150 000 Kubikfuß/sec.** (4200 cbm). Später wurden noch 2 Mill. Kubikfuß** (56 000 cbm) abgelassen.
Die kumulative Wirkung dieser Wassermassen wird verheerend sein. Zusammen mit den Dörfern und Bauernhöfen, in denen 12 000 Familien leben, wird das Hochwasser dieses Jahr die vom Andolan und von den Dorfeinwohnern seit 1992 betriebenen 4 Dshivanshalas (Schulen für das Leben) überfluten. Die Dshivanshalas von Nimghavan, Bharad, Danel, Udadia und Jalsindhi sind in diesem Jahr vom Hochwasser bedroht. Vor kurzem haben die Schulkinder in mehreren größeren Städten Maharashtras appelliert, ihr Tal zu retten und ihr Recht auf Bildung sicherzustellen. Sie sprachen auch mit dem Gouverneur des Staates und teilten ihm ihre Beschwerden und Forderungen mit. ?
Medha Patkar
Narmada Bachao Andolan
62, Mahatma Gandhi Road, Badwani,
Madhya Pradesh ? 451551
Tel: 07290-22464
e-mail:
badwani@narmada.org ** Im Original 'cusec', dh. Kubikfuß pro Sekunde
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Ergänzungen