1. Erlebnisbericht vom Bombodrom- Camp
12:00:
Wir holten Anne-Marie Frieddrich ab und trafen uns mit dem Fahrradtreck in einem Cafe. Die 84 jährige ist eine der Initiatoren der Bürger Initiative (BI) FREIe HEIDe und nimmt kein Blatt vor dem Mund. In offenem und einfachen Ton erzählt Sie von der Namensgebung, den entäuschenden Erfahrungen mit den Lokal- und Bundes- Politikern. Als Lehrerin mußte Sie öft verängstigten Schulkinder bei den lautstarken Tieffliegemanövern beruhigen. "Nach dem Ivan, die Germanski", und nun die Sorge um den Einsatz von JP8 Treibstoff, die neuen Einsätze der Bundeswehr und die Zerstörung des grade aufgebauten lokalen Tourissmus.
13:40:
Die heiße Schokolade ist ausgetrunken und die Fahradkolonne ist wieder auf der Straße. Wir machen uns mit den Autos auf den Weg zum Bombodrom. Von Zechlin kommen wir nach sieben Kilometern und vielen Schlaglöchern am Mahndenkmal "Port Zechlin" an. Bereits 1992, 95 und 98 wurde daß Denkmal von einer großen Demo besucht und liegt direkt vor einer der vielen Schranken zum Militärgelände. Wir hatten uns es grade auf der Schranke zum Foto bequem gemacht als zwei Jeeps der Feldjäger (MP Militär Pol vizei) mit einem Affenzahn an uns vorbei rasten um dann auf die Bremse zu gehen.
Der Truppführer der vier versuchte dann ein Gespräch zum Meinungsaustausch mit uns anzufangen was nur sehr zurückhaltend begann. Im laufe der nächsten zwei Stunden wurden dann aber doch viele Themen angesprochen, vom Tragen einer Waffe, unlegetimen Befehlen, von der lokalen Situation, dem Einsatz der Bundeswehr zur Hochwasserkatastrophe usw. Mehr als stundenlange Gespräche brachte dann ein verärgerter Anwohner, dessen Haus so gut wie nichts mehr Wert ist, zum Ausdruck. Seinem kurzen Auftreten zollten die Feldjäger mit hilflosem Verständnis. Zum Ende stimmten Sie auch einem Photo zu, waren aber sogleich auch recht besorgt darum welche Form der dazugehörige Bericht annehmen würde. Zur etwa gleichen Zeit hatte sich die Fahrradtruppe an einer anderen Schranke versammelt und inspezierte von dort das Bombodrom.
16:50:
Wir sind in Basdorf, einer gemeinde mit 5-6 Häusern in der Nähe des Bombodroms. Das FREIe HEIDe Logo steht groß auf der einzigen Straße. Der noch nicht alte, aber sehr robust wirkende Mann mit seiner Familie, sichert uns seine Unterstützung zu.
17:10
Das letzte Denkmal das wir heute Besuchen wurde 1994 errichtet und sorgte damals für viel Pressewirbel. Inmitten des Bombodroms, wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges ein Flütlichgstrupp von den Russen zusammen geschossen. Die Sache wurde bekannt als einer der Anwohner davon erzählte wie er die Leichen vergraben mußte. Die BI organesierte 94 eine Nacht und Nebel Aktion zum Jahrestag und stellte viele Kreuze auf. Es folgten jährliche Besuche des Denkmals, woraufhin es die Bundeswehr aus dem direkten Zielgebiet, an den Rand des Bomobodroms verlegte.
18:00
Wir sind in Rägelin, die nachgelenden Kirchenglocken läuten und wir betreten ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus das nun Outspace genannt wird. Im Garten hängen Seile der Klettergruppen von den Bäumen und ein paar Leute sitzen im Bugalow zum politischen Seminar. Wir bekommen in einer Küche mit tiefer Decke was zu trinken. Wir sind beeindruckt von diesem freiheitlichen und alternativen Zentrum. Wir können nur kurz verweilen, da wir im Camp erwartet werden, aber auch hier sichert man uns Unterstützung zu.
Über viele Schlaglöcher und Abkürzungen beenden wir die Rundreise um das Bombodrom und gesellen uns zum Abendessen. Das gut versorgte Camp bei Schweinrich liegt an einem wunderschönen klarem Waldsee und so lässt sich Aktion und Ausspannen gut kombinieren. Zum Abend gibt es eine große Runde mit verschiedenen Sprechern der BI. Unser großes Zelt steht inzwischen und wir indymedias machen uns es endlich unter einem Dach im Schlafsack gemühtlich.
Alle Bilder gibt es hier und weitere Berichte folgen in den nächsten Tagen
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
danke