Namen von Gewalttätern veröffentlicht
Die Regionalregierung der spanischen Region Kastilien-La Mancha hat erneut Namen derer veröffentlicht, die wegen sogenannter „häuslicher Gewalt“ verurteilt worden sind. In einem Bericht über Gewalt gegen Frauen in der zentralspanischen Region sind in diesem Jahr 36 Namen von Tätern publiziert worden, die ihre Lebensgefährtinnen misshandelt haben. Obwohl weiter ein Ansteigen von angezeigten Gewalttaten gegen Frauen zu beobachten ist, sieht sich die sozialistische Regionalregierung unter José Bono auf dem richtigen Weg, um der Gewalt gegen Frauen zu begegnen.
Dass auch die Zahl der Anzeigen von Gewalttätern in Kastilien-La Mancha weiter steigt, wertet die Regionalregierung als gutes Zeichen. „Es sind immer mehr Frauen dazu fähig mit einer Terrorsituation zu brechen, in der sie mit ihrem Partner oder Ehemann leben“, argumentiert der Sozialminister der Region, Tomás Mañas. Immer mehr Frauen erstatteten deshalb Anzeige gegen die Schläger. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 1400, eine Steigerung von 22,5 Prozent zum Vorjahr. Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres hielt dieser Trend im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an.
Erfreut ist Mañas vor allem darüber, dass 2002 nur noch zehn Prozent der Frauen ihre Anzeigen gegen die Gewalttäter wieder zurückgezogen haben. Im Jahr zuvor waren es noch stolze 38 Prozent. Erfreulich sei auch, dass die Zahl der Opfer steige, die bereit sind die Namen ihrer Peiniger veröffentlicht zu sehen, was Rückschlüsse auf die Opfer zulässt. Das Einverständnis des Opfers ist, neben einer rechtskräftigen Verurteilung, Bedingung für die Publikation eines Namens im Jahresbericht. Waren im ersten Jahr nur 18 von 41 in Frage kommenden Opfern zu diesem Schritt bereit, konnten im neuesten Bericht schon 36 Namen von 89 rechtskräftig verurteilten Schlägern veröffentlicht werden.
Für Mañas zeigen die Zahlen, dass die „misshandelten Frauen Vertrauen in die Maßnahmen und Programme haben, die von der Regierung von Kastilien-La Mancha aufgelegt wurden“. Das sei ein Erfolg des 2001 verabschiedeten Gesetzes zur Prävention vor Misshandlung an Frauen. Weil sie bisher von keiner anderen Region im spanischen Staat aufgegriffen wurden, appellierte der Minister an die Zentralregierung in Madrid „einen Pakt zu schließen“. Darin sollten konkrete und effektive Maßnahmen vereinbart werden, „um diesen Auswuchs zu stoppen“.
Noch im letzten Jahr hatte sich eine scharfe Polemik um die Veröffentlichung der Namen entwickelt, mit der ein „Klima der Ablehnung von häuslicher Gewalt“ erzeugt werden soll. Angeführt wurde, die Publikation des kompletten Namens verstoße gegen Datenschutzrechte. Der Regionalregierung wurde eine Verfassungsklage angedroht, die bisher allerdings niemand eingereicht hat. In diesem Jahr gab es kaum Reaktionen auf den zweiten Bericht.
Zwar ist völlig unklar, ob das Gesetz und die Veröffentlichung der Namen in Kastilien-La Mancha tatsächlich hilft, um die Gewalt gegen die Frauen zu bekämpfen, doch das Problembewusstsein scheint zu wachsen. Da ständig mehr Frauen von ihren Partnern ermordet werden, steigt offenbar auch die Bereitschaft irgend etwas zu tun. Wenn der Trend anhält, dann könnte es in diesem Jahr einen traurigen Negativrekord geben. Im ersten Halbjahr sind nach offiziellen Angaben schon 37 Frauen ermordet worden, 52 waren es im gesamten letzten Jahr.
Nach Angaben der Frauenstiftung liegt die Zahl ohnehin höher, die Stiftung geht von mindestens 45 Fällen aus. Nach ihren Daten wurden in den letzten vier Jahren mehr als 300 Frauen von ihren Lebenspartnern ermordet. In vier Jahren hätte sich die Zahl verdoppelt. So beklagt die Präsidentin der Frauenstiftung und Mitglied der EU-Kommission für Frauenrechte und Gleichbehandlung, Elena Valenciano, es gäbe zwar in Spanien mehr Bewusstsein über das Problem, aber keinen realen Schutz für die Betroffenen. Sie griff die konservative Zentralregierung auch für das „Fehlen von glaubhaften, kompletten und vergleichbaren offiziellen Daten“ an.
Wie sich fehlender Schutz auswirkt, hat wie kein anderer der Fall von Ana María Fàbregas gezeigt. Die 52jährige wurde Mitte vergangenen Monats in Barcelona auf offener Straße von ihrem ehemaligen Freund mit einem Hammer erschlagen. Insgesamt 56 Mal hatte sie den Peiniger, der sie nachweisbar mit Mord bedroht hat, bei 15 verschiedenen Gerichten angezeigt. Erfolglos. Der konnte ihr problemlos weiter nachstellen und seine Ankündigung verwirklichen.
Die Schutzlosigkeit der Opfer von Machogewalt im Spanien der Konservativen verwundert viele Frauenorganisationen nicht. Ausgerechnet von der Frauenbeauftragten werden bekennende Frauenfeinde gefördert. Ausgerechnet Miriam Tey hat in ihrem Verlag „El Cobre“ ein Buch mit dem Titel „Alles Nutten“ veröffentlicht, dass nach Ansicht vieler Frauen zur Vergewaltigung aufruft. Erneut haben verschiedene Frauen in dieser Woche gegen einen öffentlichen Auftritt von Tey in Barcelona protestiert und von der Regierung ihren Rücktritt gefordert.
Siehe dazu auch:
http://de.indymedia.org//2003/06/54918.shtml
http://de.indymedia.org//2003/06/54267.shtml
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastián den 24.07.2003
Erfreut ist Mañas vor allem darüber, dass 2002 nur noch zehn Prozent der Frauen ihre Anzeigen gegen die Gewalttäter wieder zurückgezogen haben. Im Jahr zuvor waren es noch stolze 38 Prozent. Erfreulich sei auch, dass die Zahl der Opfer steige, die bereit sind die Namen ihrer Peiniger veröffentlicht zu sehen, was Rückschlüsse auf die Opfer zulässt. Das Einverständnis des Opfers ist, neben einer rechtskräftigen Verurteilung, Bedingung für die Publikation eines Namens im Jahresbericht. Waren im ersten Jahr nur 18 von 41 in Frage kommenden Opfern zu diesem Schritt bereit, konnten im neuesten Bericht schon 36 Namen von 89 rechtskräftig verurteilten Schlägern veröffentlicht werden.
Für Mañas zeigen die Zahlen, dass die „misshandelten Frauen Vertrauen in die Maßnahmen und Programme haben, die von der Regierung von Kastilien-La Mancha aufgelegt wurden“. Das sei ein Erfolg des 2001 verabschiedeten Gesetzes zur Prävention vor Misshandlung an Frauen. Weil sie bisher von keiner anderen Region im spanischen Staat aufgegriffen wurden, appellierte der Minister an die Zentralregierung in Madrid „einen Pakt zu schließen“. Darin sollten konkrete und effektive Maßnahmen vereinbart werden, „um diesen Auswuchs zu stoppen“.
Noch im letzten Jahr hatte sich eine scharfe Polemik um die Veröffentlichung der Namen entwickelt, mit der ein „Klima der Ablehnung von häuslicher Gewalt“ erzeugt werden soll. Angeführt wurde, die Publikation des kompletten Namens verstoße gegen Datenschutzrechte. Der Regionalregierung wurde eine Verfassungsklage angedroht, die bisher allerdings niemand eingereicht hat. In diesem Jahr gab es kaum Reaktionen auf den zweiten Bericht.
Zwar ist völlig unklar, ob das Gesetz und die Veröffentlichung der Namen in Kastilien-La Mancha tatsächlich hilft, um die Gewalt gegen die Frauen zu bekämpfen, doch das Problembewusstsein scheint zu wachsen. Da ständig mehr Frauen von ihren Partnern ermordet werden, steigt offenbar auch die Bereitschaft irgend etwas zu tun. Wenn der Trend anhält, dann könnte es in diesem Jahr einen traurigen Negativrekord geben. Im ersten Halbjahr sind nach offiziellen Angaben schon 37 Frauen ermordet worden, 52 waren es im gesamten letzten Jahr.
Nach Angaben der Frauenstiftung liegt die Zahl ohnehin höher, die Stiftung geht von mindestens 45 Fällen aus. Nach ihren Daten wurden in den letzten vier Jahren mehr als 300 Frauen von ihren Lebenspartnern ermordet. In vier Jahren hätte sich die Zahl verdoppelt. So beklagt die Präsidentin der Frauenstiftung und Mitglied der EU-Kommission für Frauenrechte und Gleichbehandlung, Elena Valenciano, es gäbe zwar in Spanien mehr Bewusstsein über das Problem, aber keinen realen Schutz für die Betroffenen. Sie griff die konservative Zentralregierung auch für das „Fehlen von glaubhaften, kompletten und vergleichbaren offiziellen Daten“ an.
Wie sich fehlender Schutz auswirkt, hat wie kein anderer der Fall von Ana María Fàbregas gezeigt. Die 52jährige wurde Mitte vergangenen Monats in Barcelona auf offener Straße von ihrem ehemaligen Freund mit einem Hammer erschlagen. Insgesamt 56 Mal hatte sie den Peiniger, der sie nachweisbar mit Mord bedroht hat, bei 15 verschiedenen Gerichten angezeigt. Erfolglos. Der konnte ihr problemlos weiter nachstellen und seine Ankündigung verwirklichen.
Die Schutzlosigkeit der Opfer von Machogewalt im Spanien der Konservativen verwundert viele Frauenorganisationen nicht. Ausgerechnet von der Frauenbeauftragten werden bekennende Frauenfeinde gefördert. Ausgerechnet Miriam Tey hat in ihrem Verlag „El Cobre“ ein Buch mit dem Titel „Alles Nutten“ veröffentlicht, dass nach Ansicht vieler Frauen zur Vergewaltigung aufruft. Erneut haben verschiedene Frauen in dieser Woche gegen einen öffentlichen Auftritt von Tey in Barcelona protestiert und von der Regierung ihren Rücktritt gefordert.
Siehe dazu auch:
http://de.indymedia.org//2003/06/54918.shtml
http://de.indymedia.org//2003/06/54267.shtml © Ralf Streck, Donostia-San Sebastián den 24.07.2003
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Für Uneingeweihte
der Madrider Regierung.
staatsfeminismus
vor allen dingen, wenn diese praktik durch den staat betrieben wird, hat dies wenig mit dem ursprünglich von autonomen frauen verfolgten gedanken, die täter mit ihrem eigenen handeln zu konfrontieren, und gewalt sichtbar zu machen, zu tun.
und der selbstschutz wird nicht wirklich vergrößert, wenn mensch in der zeitung lesen kann.
aber der spanischen regierung bringt das vielleicht mehr glaubwürdigkeit ein, jedenfalls sofern der eher bürgerliche und institutionalisierte feminismus dem auf den leim geht...
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
mit diesem text ist mal wieder bewisen, dass — egal