2 Naziaufmärsche im Juli in Hamburg

Hulkster 10.07.2003 03:42 Themen: Antifa
Wie etliche andere Städte auch wurde Hamburg im zweiten Weltkrieg von den Allierten bombardiert um die von den Nationalsozialisten aufgebaute und hochgelobte 'Heimatfront' zu zerstören.
Während in Magdeburg und vor allem in Dresden Neonaziaufmärsche an Jahrestagen der jeweiligen Bombardierung inzwischen eine jährlich wiederkehreden Tradition geworden sind, wollen die NPD und "freie Kameradschaften" in Hamburg erstmals zum 60. Jahrestag der Operation 'Gomorrha' in aufmarschieren.
Antifaschistische Gruppen haben Gegenaktivitäten angekündigt [=>http://de.indymedia.org/2003/06/56297.shtml].
trauernde Neonazis
Für Samstag den 19 Juli hat der NPD-Landesverband von Hamburg einen "Trauermarsch" um 12 Uhr am U- und S-Bahnhof Berliner Tor angemeldet und einen Marsch durch die Innenstadt über den Hopfenmarkt bis zur Moorweide angekündigt. Die genaue Route wird wahrscheinlich erst kurz vorher fest stehen. Als Redner ist u.a. der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt angekündigt und es werden 300 bis 400 Nazis erwartet. Der Bahnhof Berliner Tor befindet sich am östlichen Rand der Hamburger Innenstadt. Um durch die Konsummeile Mönckebergstraße zu ziehen müßten die Nazis noch den Stadtteil St. Georg auf einer großen Straße durchqueren. Unterstützt wird die NPD bei ihrem Vorhaben von einem Flügel der Hamburger "Freien Kameradschaften" um Thomas Wulff und Tobias Thiessen und deren "Aktionsbüro Norddeutschland", das mit einem eigenen Aufruf [=> http://www.widerstandnord.com/aktionsbuero/action/hamburg.htm] zum "Trauermarsch" mobilisiert.
Nicht mit dabei ist der Hamburger Christian Worch, der schon ist fast jeder deutschen Stadt mindestens einen Neonaziaufmarsch angemeldet hat. Zwischen Worch und der Gruppe um das Aktionsbüro war es schon vor einem halben Jahr zu Streitigkeiten um die richtige Strategie gekommen. Seitdem findet keine Zusammenarbeit mehr zwischen den früheren Kadern "Nationalen Liste" statt. Der Millionärserbe Worch will am 19. Juli erneut versuchen in Leipzig vom Hauptbahnhof zum Völkerschlachtdenkmal zu marschieren.

Christan Worch hat für Montag den 28. Juli eine Mahnwache am U-Bahnhof Mundsburg angemeldet. Dort steht auf einer Verkehrsinsel an einer großen Kreuzung ein Mahnmal für 350 Menschen, die in einem Luftschutzbunker starben. Das Mundsburg Center, das Einkaufszentrum Hamburger Straße, ein Multiplexkino, McDonalds und eine Polizeiwache bilden den städtebaulichen Rahmen. Das "Aktionsbüro" ignoriert diese Veranstaltung, dafür mobilisiert aber das "Freie Infotelefon Norddeutschland" [=> http://www.widerstandnord.com/fit], das seinerseits den NPD-Aufmarsch am 19. ignoriert.

Antifa-Action
Für beide Tage wird zu antifaschistischen Proteste aufgerufen
- Am 19. Juli heißt es direkt am Berliner Tor ab 11 Uhr 30 "Platz besetzen! Nazis vertreiben!", ab 10 Uhr steht ein Infopoint auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof und um 18 Uhr wird vom Hopfenmarkt (U-Rödingsmarkt) aus unter dem Motto "Geschichte wird gemacht - Für ein antifaschistisches Geschichtsverständnis" demonstriert. Der Aufruf zur Demo ist hier zum lesen (PDF-Download)
- Am 28. Juli heißt es erneut, diesmal am U-Bahnhof Mundsburg ab 19 Uhr, "Platz besetzen! Nazis vertreiben!".

- Eine Info- und Mobilisierungsveranstaltung findet bereits am 17. Juli um 20 Uhr in der Roten Flora statt.
- Ein Infotelefon ist unter 0175/2575690 zu erreichen.
- Weitere Infos im Netz gibt es bei Avanti
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Ergänzungen

DIE NAZI AUFMÄRSCHE JULI+ AUGUST 2003

der Überblick 11.07.2003 - 09:56

Naziaufmarsch in Leer?

Ossi 11.07.2003 - 14:55
Vor knapp drei Wochen konnte man auf der ersten Seite des SonntagsReports lesen, der "Nationale Widerstand Ostfriesland" plane für den 19.07. eine Demo in Leer/Ostfriesland. Die Infos stammen von Björn Nichau aus Papenburg, der schon mehrfach versucht hat, eine Demo in Ostfriesland zu organisieren. Bisher blieb es bei den Ankünigungen. Wir vermuten, dass dies auch für den 19.07. gilt, wo in Leer angeblich 800 Faschos aufmarschieren wollten. Falls jemand Näheres in Erfahrung bringt, mailt an:  agr-rheiderland@gmx.de

Den Artikel aus dem Sonntagsreport findet man unter:www.agrweener.de.tt

Aufruf vom Hamburger Forum, DKP, PDS, VVN

fritz 12.07.2003 - 13:34
Hier noch ein Aufruf vom VVN-BdA Hamburg:
VVN-BdA Hamburg

Zum Jahrestag des „Feuersturms“ wollen Nazis durch Hamburg marschieren.
Wir sagen Nein!

Die NPD und das „Aktionsbüro Norddeutschland“ haben für Samstag, den 19. Juli eine Kundgebung (12 h Berliner Tor) mit anschließender Demonstration durch die Hamburger Innenstadt angekündigt. Der als „Trauermarsch“ bezeichnete Aufzug nimmt den 60. Jahrestag der alliierten Bombenangriffe auf Hamburg zum Anlaß, also die Zeit zwischen dme 24. Juli und dem 3. August 1943. Allein in der Nacht des „Feuersturms“ vom 27. auf den 28. Juli starben 40.000 Menschen. Natürlich beklagt das „Aktionsbüro“ nur die deutschen Opfer.

55 Millionen Menschen in ganz Europa fielen den Nazi-Mördern zum Opfer: politische GegnerInnen, die europäischen Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, BewohnerInnen der besetzten Länder – allein 20 Millionen in der Sowjetunion.

Der „totale Krieg“, den Göbbels unter dem Jubel des Parteivolks im Berliner Sportpalast verkündet hatte, kam zuletzt nach Deutschland zurück und forderte auch unter denen Opfer, die Blitzkriege, Holocaust und Vernichtungskrieg im Osten gebilligt hatten. Auch AntifaschistInnen und ZwangsarbeiterInnen verloren ihr Leben im Bombenhagel und „Feuersturm“ der Aktion Gomorrha, so wie zuvor Menschen in Guernika, Coventry und wo immer die tödliche Fracht von deutschen Bombern abgeworfen wurde.

Weil der enge Zusammenhang zwischen Nazi-Herrschaft und Expansionskrieg damals gar nicht mehr zu übersehen war, stieß nach 1945 der Vorsatz „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ auf breite Zustimmung. Die alliierte Gesetzgebung, die neben der Entmilitarisierung Deutschlands die Auflösung der Nazi-Organisationen und das Verbot eventueller Nachfolge-Organisationen vorschrieb, wurde noch 1949 (zusammen mit vielen anderen Bestimmungen, die der historischen Erfahrung geschuldet sind) ins Grundgesetz übernommen.

Daß heute die größte Nachfolgeorganisation der verbrecherischen NSDAP, die NPD, zusammen mit anderen Alt- und Neo-Nazis an fast jedem Wochenende mit ihren durch irgendeine Stadt marschieren kann, ist ein Skandal. Dies umso mehr, als der von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat gemeinsam initiierte Verbotsantrag an den wesentlichen Verbindungen zwischen Nazipartei und Verfassungs“schutz“ gescheitert ist. Die Unterscheidung zwischen Beobachtung und Steuerung von Aktivitäten neofaschistischer Parteien und Organisationen läßt sich nicht mehr erkennen. Was als medialer Höhepunkt des „Aufstands der Anständigen“ im Januar 2001 begann, endete mit einer Bruchlandung, stärkt die NPD und läßt ein Verbot aller neofaschistischen Parteien in weite Ferne rücken.

Daß Faschisten sich als Friedenskraft verkaufen wollen, ist zynisch, geschmacklos und durchsichtig: Aus den Aufrufen zum Nazi-Marsch sprechen trotz „antikapitalistischer“ Floskeln Antiamerikanismus, Antisemitismus und nationalisischer Opfermythos, verbunden mit geschichtsrevisionistischen Lügen über den Krieg, der mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann, der Auschwitz ermöglichte und der erst endete als auch deutsche Städte in Schutt und Asche lagen wie halb Europa.

Alte und neue Nazis können sich durch das gescheiterte Verbotsverfahren ebenso gestärkt fühlen wie durch Politiker, Historiker, Schriftsteller und Publizisten, die „die Deutschen“ als Opfer entdecken und so tun als hätte nicht eine ganze Nachkriegsgeneration bis zum Erbrechen von den Kriegserlebnissen der Großeltern und den Schrecken der Bombennächte gehört, ohne daß ein Wort über das Verhältnis von Ursache und Wirkung gefallen wäre. In den 50er und 60er Jahren war viel von deutschen Opfern, aber nichts von Schuld, Mittäterschaft und Schweigen die Rede

Um so wichtiger ist es, ein Zeichen gegen Geschichtsverdrehung, Antiamerikanismus und Antisemitismus zu setzen, damit nie in Vergessenheit gerät:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen –
Kein Nazi-Marsch durch Hamburg oder anderswo!

Deshalb am Samstag, 19. Juli
11 Uhr Kundgebung am Hachmannplatz
14 Uhr Kundgebung am Platz der Jüdischen Deportierten



Die Kundgebungen werden unterstützt von
Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e. V., DKP Hamburg, PDS Landesverband Hamburg

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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