Kasseler OB bei Nazi-Sekte

AAK 05.07.2003 20:43 Themen: Antirassismus
Ort: Ramada - Treff Plaza Hotel Kassel, Zeit: 6. Juni Ereignis: Kasseler
Oberbürgermeister hält ein Grußwort, Besonderheit: Die gegrüßte "Deutsche
Unitarier Religionsgemeinschaft" ist eine nazistische Tarnorganisation und der OB Mitglied der CDU, Frage: Was hat ein bürgerlich - Rechter bei Himmlers SS - Enkeln zu suchen? Gesinnungstat oder Routinetermin?


Ort: Ramada - Treff Plaza Hotel Kassel, Zeit: 6. Juni Ereignis: Kasseler
Oberbürgermeister hält ein Grußwort, Besonderheit: Die gegrüßte "Deutsche
Unitarier Religionsgemeinschaft" ist eine nazistische Tarnorganisation und der OB Mitglied der CDU, Frage: Was hat ein bürgerlich - Rechter bei Himmlers SS - Enkeln zu suchen? Gesinnungstat oder Routinetermin?

Hier einige Hintergrundinformationen:

Vom Freitag, 6. Juni 2003 bis Pfingstmontag beherbergte das Ramada -Treff Plaza Hotel die "Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft" (DUR), die nach rechtskräftigen Urteilen Nazi-Sekte genannt werden darf und der Kasseler Oberbürgermeister Lewandowski ließ sich nicht lumpen ein Grußwort an sie zu richten.
Die rund 150 versammelten unitarischen Sektenmitglieder diskutierten unter dem harmlosklingenden Namen "Warum nicht Frieden". Doch in wie weit es bei den "Unitarien" mit Frieden bestellt ist, kann man auf den ersten Blick erkennen. Die vermeidliche Religionsgemeinschaft verwendet die Rune vom
Totenkopfring der SS. Himmler hatte während der faschistischen Herrschaft in Deutschland versucht unter diesem Zeichen eine antichristlich-antisemitisch-deutsche Religion aufzuziehen.
Doch mit dieser symbolischen Überschneidung ist es bei den Unitariern nicht getan. Die DUR wurde nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus von Weggefährten des SS-Führers Heinrich Himmler wiedergegründet. So war Gauleiter und Kriegsverbrecher Fritz Sauckel Vordenker der DUR. Nur das Todesurteil in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und seine geglückte
Vollstreckung verhinderten sein verbrecherisches Weiterwirken. Doch sein
ehemaliger Mitarbeiter Lothar Stengel von Rutkowski, SS-Hauptsturmführer setzte die Arbeit jahrzehntelang als einer der Hauptideologen der DUR fort. Und noch 1990 hielt er in der größten DUR-Gemeinde Deutschlands Kassel einen Vortrag über Gentechnik.
Neben diesen direkten personellen Kontinuität vom Faschismus zur DUR, bestehen jede Menge Verbindungen zu neofaschistischen Gruppen. Denn viele Mitglieder der DUR sind gleichzeitig in NPD, DVU oder REP aktiv. Zu betonen ist auch, dass die Jugendorganisation der DUR jahrelang in der später von der BRD verbotenen Nazijugenorganisation "Wiking-Jugend" organisiert war.

Hinter den pseudoreligiösen Inhalten der DUR wie Anti-Dualismus,
Antitrinialität, antichristlichen Tendenzen und Spiritualismus verbirgt sich Nichts anderes als Antisemitismus, Nationalismus, und deutsche "Blut- und Boden Ideologie". Auch wenn die "Unitarier" immer wieder betonen, sie seien keine Nazi-Sekte, nehmen sie weder von ihren Nazi-Gründungsvätern noch von ihrer braunen Ideologie Abstand.

Zwar hat es in den letzten Jahren Umstrukturierungen in der Führungsspitze
der DUR gegeben. So sind nun Eike Möller und Edda Scharf Vorsitzende, doch
weder an der Struktur, den Kontakten, noch an der Symbolik oder der Ideologie hat sich nennenswertes geändert.

Letzten Endes ist die DUR eine typische Nachfolge- und Auffangorganisation
des deutschen Faschismus. Ihre Besonderheit liegt in dem pseudoreligiösem
Charakter und ihrer langen Beständigkeit.
Inhaltlich mag Lewandowskis CDU den Unitarier oder der NPD nicht wesentlich entfernt sein. So bedient sie sich ausnahmslos, wie alle Parteien von Grüne bis CDU/CSU faschistischer Inhalte, wenn es darum geht den Standort Deutschland für das Kapital durch optimal Verwertungsbedingungen attraktiv zu machen.
Wir erachten es also nicht als eine Besonderheit wenn von bürgerlicher Ecke
her rassistische, antisemitische und nationalistische Politik gemacht wird
(Siehe unseren Reader "Deutschland, Deutschland über Alles" zur Veranstaltung vom 28.November 2003, www.is-kassel.de/aak), doch es verwundert wenn Lokalpolitiker wie Lewandowski keine Berührungsängste zeigen und einer Nazi-Sekte ihre
Aufwartung machen.

Und da es (noch) nicht im bürgerlichen Konsens verankert ist, dass
Oberbürgermeister offen zu Neonaziveranstaltung gehen und diese herzlich in der Stadt begrüßen sind wir auf die Reaktionen von OB und Magistrat gespannt.

In diesem Sinne:

Kein Vergeben - Kein Vergessen
Die geistigen Brandstifter lahm legen
Kein Friede mit Deutschland

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Ergänzungen

Quellen ?

KS 06.07.2003 - 10:22

Habt Ihr Quellen, auf die sich Eure Behauptungen, die Unitarier seien eine Nazi-Sekte, stützen? Ich wäre für Links dankbar.
solidarische Grüsse!

Versuchs mal mit Googel

xyz 06.07.2003 - 12:22
Versuchs mal mit Googel, oder den OPACs bei Uni-Bibliotheken. Bei manchen Datenbanken wie JADE oder JASON sollte man auch fündig werden. Aber das bezeichnensde sind ja schliesslich die Verwendung der SS-Runen, die Inhalte der DUR, und die Vorsitzenden der letzten 45 Jahre.

Nazi-Sekte

schlaumi 06.07.2003 - 13:48
In den Grenzen der Meinungsfreiheit: Unitarier-Funktionär darf man 'braune Sektenerfahrung' nachsagen
Ein Experte für Verfassungs- und Religionsrecht - Mitglied der Bonner Enquete-Kommission 'So genannte Sekten- und Psychogruppen' - rückte die Sekte Scientology in die Nähe der NS-Ideologie. Dies brachte ihm eine Retourkutsche der (Scientology nahe stehenden) Zeitung 'Vom Rechtsstaat zur Inquisition' ein, die ihn einen 'Multifunktionär mit einschlägiger brauner Sektenerfahrung' nannte und ihm jede Legitimation für ein solches Urteil über Scientology absprach. Die Kritik spielte auf das frühere Engagement des Kommissionsmitglieds bei der Religionsgemeinschaft der Deutschen Unitarier an. Der Religionsexperte wollte sich keine 'braune Sektenerfahrung' anhängen lassen und zog gegen den Herausgeber der Zeitung und den verantwortlichen Redakteur vor Gericht.

Nach dem Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg sind dessen Äußerungen jedoch vom Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt (7 U 69/99). Der umstrittene Artikel weise auf Prozesse in den 90er Jahren hin, in denen sich die Deutschen Unitarier erfolglos gegen den Vorwurf, eine 'Nazi-Sekte' zu sein, zur Wehr gesetzt hätten. Es gebe Anhaltspunkte für den Vorwurf: Die Gemeinschaft der Deutschen Unitarier sei von Nationalsozialisten gegründet und bis in die 70er Jahre von deren Anhängern geführt worden.

Deshalb müsse der Religionsexperte den Hinweis auf 'braune Sektenerfahrung' dulden (selbst wenn er als früheres Mitglied der Unitarier nicht unbedingt eine nationalsozialistische Gesinnung haben müsse). Da das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ein unverzichtbarer Bestandteil des demokratischen Rechtsstaates sei, müsse man im Meinungskampf auch eine scharfe, aggressive Sprache hinnehmen, solange die andere Seite die Grenze zur rein verunglimpfenden Schmähkritik nicht überschreite.
--------------------------------------------------------------------------------
Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg vom 3. März 2000 - 7 U 69/99

Materialsammlung dazu

supportyourlocalantifa 06.07.2003 - 14:03

Ich habe ein Problem !

HEADBANGER 04.08.2010 - 20:21
Muslim - Jude - Christ,
wer weiß schon, was das ist ? ...


Die Unitarier auch nur in Attometernähe (zehn hoch minus achtzehn Meter) des Rechtsextremismus zu vermuten, ist etwa so geistreich, als ob man Birnen zusammen mit Johannisbrot in eine Gattung pressen wollte.

Beides wächst am Baum. Aber alles geht eben nicht ...

Und deshalb sind Nazis und Freimaurer noch lange nicht unique !!!

Das wird so bleiben, und das ist gut !!!!

Gruß aus einer großen Stadt