Entwicklungsministerin bloßgestellt!

AktivistIn 25.06.2003 11:16 Themen: Globalisierung
Sechs AktivistInnen störten eine Propaganda-Veranstaltung der Entwicklungsmiisterin Heidemarie Wieczorek-Zeul.
Am 23.6.03 schlichen sich einige Attac-AktivistInnen beim "SPD-Eine-Welt-Forum" ein, um der Bundesministerin für Entwicklungszusammenarbeit Heidemarie Wieczorek-Zeul das Leben etwas schwerer zu machen. Das "SPD-Eine-Welt-Forum" ist ein Propaganda-Treffen der entwicklungspolitisch interessierten in der SPD, auf dem sich die Ministerin in regelmäßigen Abständen abfeiern lässt. Aber nicht nur auf diesem Treffen erntet sie Applaus, sondern in den meisten NGOs und in Teilen von Attac gilt sie immer noch als eine von den "Guten". Sie beherrscht es, sich mit Geschwafel von "Liberalisierung darf kein Selbstzweck sein" in breiten Kreisen der Linken Ansehen zu verschaffen, das sie nicht verdient. Im Gegenteil, sie ist nichts weiter als ein Ahornblatt der neoliberalen SPD-Grüne-Regierung, Antikapitalistisch oder kapitalismus-kritisch sie auf keinen Fall.
Auf die Melodie von "Heidi" sangen die sechs AktivistInnen ihr das ironische Loblied auf die Liberalisierung (Text siehe unten) und machten so auf ihren heuchlerischen Geist aufmerksam. Ein Flugblatt (Text siehe unten) wurde verteilt, das die Politik des BMZ anprangert und nach getaner Arbeit zogen sich die AktivtInnen zurück - auf die "sachliche Diskussion" mit den Herrschenden, die die (ehemals!?!) "Rote Heidi" anbot wollte sich keineR einlassen.

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Liedtext (Auf die Fernseh-Melodie von Heidi):

"Der Heidi Poverty-Reduction-Song"

Heidi, Heidi, Deine Welt sind die PPPs
Heidi, Heidi, denn damit holt man Profite raus
Firmen freun sich, das Risiko trägt der Staat allein
Heidi, Heidi, Freihandel muss es sein


Und die RWE und der BDI
Und Mercedez Benz und Vivendi
Und die WTO und der IWF
Und die Deutsche Bank und die Allianz
Alle jubeln, doch gegen Armut hilft das alles nichts

Heidi, Heidi
In einem Bott
Mit Lamy
Untergangstrategie

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Flugblatt-Text:

"Forget aid, think business!"
Eingebettet in Clements ?Außenwirtschaftsoffensive? bereitet das BMZ unter Heidemarie Wieczorek-Zeul transnationalen Wasserkonzernen das Terrain für Aktivitäten in den Ländern des Südens. Anstatt durch den Erlass von Schuldenzahlungen notwendige Mittel für die Grundversorgung im Süden bereit zu stellen, wird mit Hilfe des Mythos von der Finanzierungslücke in der globalen Wasserversorgung privatwirtschaftlichen Profitinteressen Vorzug gegeben.
Diese Strategie spiegelt sich sowohl in den vom BMZ angepriesenen PPPs als auch in den laufenden GATS Verhandlungen wieder, in denen die EU von insgesamt 72 Staaten die Liberalisierung der Trinkwasserversorgung fordert. Staatliche Regulierungen wie Preisobergrenzen oder Auflagen zum Anschluss von Armenvierteln in Entwicklungsländern stehen zur Disposition, die öffentliche Wasserversorgung gerät unter Privatisierungsdruck.
Die zahlreichen Negativerfahrungen mit Privatisierungen von öffentlichen Wasserversorgern - erheblicher Preisanstieg, Qualitätsminderung sowie Beschneidung der öffentlichen Mitbestimmung - offenbaren, dass es Frau Wieczorek-Zeul nicht primär um den Aufbau der Wasserversorgung in Entwicklungsländern und die Versorgung der ärmsten Bevölkerungsgruppen geht, sondern um ein investitionsfreundliches Klima für hiesige Konzerne.
Wir fordern Frau Wieczorek-Zeul auf, nicht länger Entwicklungspolitik im Dienste privater Profitinteressen zu betreiben.
Als ersten Schritt fordern wir von der Ministerin, auf die sofortige Rücknahme der EU Forderungen in den laufenden GATS Verhandlungen durch die Bundesregierung hinzuwirken.
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Ergänzungen

Unklarheiten

The great GATSby 25.06.2003 - 14:47
Kompliment zu der Aktion. Allerdings bleibt einiges unklar, was sind PPP's? Warum sollte eine Person aus der kapitalistischen Machtelite "Antikapitalistisch oder kapitalismus-kritisch" sein?
Außerdem:
Was ist GATS? (Das wissen die meisten nach wie vor nicht)
 http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/wto/GATS_Barlow.htm
 http://home.t-online.de/home/netzwerkamturm/wasistgats.pdf

Kurz-FAQ zu G8, WTO (inkl. GATS, GATT + TRIPS) und IWF
 http://de.indymedia.org/2002/06/24987.shtml

 http://www.gats.de

Was sind PPPs?

AktivistIn 25.06.2003 - 16:46
PPPs sind "Public-Private-Partnerships", eine vom BMZ propagierte Form der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bei der Entwicklungshilfe. Der Vorwurf ist, dass PPPs nichts weiter sind, als Außenhandelsförderung, die keinem außen den Unternehmen was bingt.

Siehe dazu:
 http://einewelt.spd.de/

25.06.2003 - 17:00
Sicherlich kann man nicht von einer Bundesministerin antikapitalistische Politik erwarten. Das sagt aber auch niemand von der Aktion. Es ist im Gegenteil wichtig den Personen die solche Ämter haben auch klarzumachen, dass das was sie da machen nicht das ist, weswegen sie einmal in die Politik gegangen sind. Und das Entwicklungspolitig nichts gutherziges ist, sondern ein Geschäft ist nun nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Ich finde das ne gute Aktion.
Und das es Leute gibt, die wie hier wieder in den Kommentaren zu lesen, ihren persönlichen Frust auf alles mögliche Projezieren... nunja.

super aktion

ali 25.06.2003 - 18:04
weiter so!

Attac...

Anarchist 25.06.2003 - 23:53
..for President. Ihr seid echt die neuen Globalisierungsverbesserer. Gleich nach den Grünen. Weiter so...

Reden ist Silber

Kird 26.06.2003 - 09:50
warum habt ihr denn das Angebot für eine Diskussion ausgeschlagen?
Klar sind solche Profis Meister im Ausweichen und Verdrehen.
Aber mit Daten und Fakten, die unserer Kritik zu Grunde liegen (müssen), ist auch so eine Schwätzerin in die Ecke zu drängen.

Aufklärung ja - Gesprächsverweigerung nein

staatsbuerger 26.06.2003 - 11:17
Es ist wirklich sehr lobenswert, dass die Berliner attacies auf die Widersprüchlichkeiten der rot-grünen Entwicklungspolitik aufmerksam macht.

Nun war bei der Veranstaltung ja nicht nur die Ministerin anwesend, sondern auch viele Bürger mit Interesse für unsere 'Eine Welt'. Wenn unter diesen Umständen das Gespräch verweigert wird, dann mag diese Aktion zwar dem Selbstbewusstsein der Berliner attacies nützen. Ob ein solches Verhalten allerdings bei den anwesenden Interessenten zu mehr Aufgeschlossenheit gegenüber der vorgebrachten (und dann nicht diskutierten) Kritik beiträgt, möchte ich bezweifeln.

aus eigener erfahrung

26.06.2003 - 12:04
das verweigern des gespräches war ok so.
bestimmt kennen das einige hier: sobald kameras am start sind, bringt ein gespräch mit politikerInnen o.ä. lediglich, dass die medienwirksam ihre schlagsätze ablassen können, und das ist dann das, was berichtet wird. insofern ist aufmerksam machen und flugi verteilen OHNE diskussion, bei der wir meist "unterlegen" sind bzw. die aktion am nächsten tag medial diskreditiert wird m.E. besser und wirkungsvoller.