Genf: >>carde blanche<< oder Streik

one 05.06.2003 22:12 Themen: G8 Globalisierung
Micheline Spoerri, die Polizeichefin Genfs steht militärischen Strategien näher als liberalen Ideen.
Zitat (Geneve et Rgion; www.tdg.ch)
Montag Abend, Brücke mont-blanc in Genf, kurz vor der Brücke halt sich tapfer eine betont friedliche Sitzblokade, eingekesselt von genfer, züricher und deutscher Polizei. Der Kessel dauert nun schon einige Stunden, immer mehr Zuschauer und UnterstützerInnen sammeln sich um den Kessel.
Währendessen versucht die sozialistische Partei Druck aufzubauen, die Polizeichefin Micheline Spoerri, welche dem rechten Lager zugeordnet wird, wird aufgefordert zurücktreten, die Polizei, die friedlichen Blockierer ohne Identitätskontrolle gehen lassen. Der Machtkampf dauert Stunden, die genfer Polizei gibt nach, die deutsche und die züricher Polizei beharrt. Zum Einbruch der Nacht hin kommt es zu Strassenkämpfen, die friedliche Sitzblockade wird ohne Grund von der Polizei angegriffen. Es ist als ob sie ihr ganzen Waffenarsenal ausprobieren wollen, anstatt, was ja auch eine Möglichkeit gewesen, wäre die ProtestiererInnen fortzutragen, schiessen sie Tränengas, Gummigeschosse, Soundbomben.
Die Strassenkämpfe dauern bis tief in die Nacht und werden immer wieder angeheizt, wobei züricher und deutsche Polzei als besonders gewalttätig und unkontrolliert auffallen.
Am nächsten Tag folgt der politische Counterstrike der Polizei, sie stellt die ultimative Forderung, dass sie entweder tun und lassen können was sie wollen, das Konzept der Deesklation also zu beenden und die zero tolerance auszurufen sei, in kurzen Worten eine >>carde blanche<<, eine Erlaubnis zu tun was sie für nötig halten,was auch immer es sei. Oder die Polizei trete in Streik und könnte nicht mehr für den Erhalt der öffentlichen Ordnung garantieren.
Was interessant wenn nicht gar absurd ist, denn die Proteste waren an diesem Tag, dem 3.Juni zu Ende, es sollte nur noch eine weitere spontane Demonstration gegen Polizeigewalt geben.
Warum auch immer, die Polizei erhielt die carde blanche, und als 100-200 Protestierer den Rücktritt der Polizeichefin fordern, riegelt die Polizei die Strassen Genfs ab, um dann die sich sammelnde schaulustige Menge anzugreifen. Fassungslos stehen Anwohner an der Strasse als sie die Polizei angreifen sieht ohne dass DemonstratInnen in der Nähe sind, ohne dass es auch nur einen an den Haaren herbeigezogenen Grund gibt. Fahrradfahrer werden von ihrem Fahrrad geschubst, in kleinen Gruppen von vier bis fünf stürmen PolizistInnen durch Genf um wahlos nach Lust und Laune Menschen zu schlagen oder zu jagen.
Am 3.Juni ist die Demokratische Grundordung in Genf ausser Kraft, ersetzt durchdie Willkür einer Polizei die versucht die öffentliche Ordnung wieder herzustellen die einzig und allein sie gefährdet.Sie umstellt eine Pizzeria und zwingt alle Insassen zu gehen, Journalisten werden geschlagen und ihr Material entwendet, Verhaftungen benötigen keine Begründung mehr, selbst wer vor unkontrolliert um sich schlagenden Riotcops flieht ist verdächtig. Anwohner werden mit Gummigeschossen beschossen und bedroht.
Am nächsten Tag ist es wieder ruhig.
Die Polizei hat sich zurückgezogen.
Die schweizer Presse ist voll von Fotos welche Riotcops zeigen die durch die genfer Strassen jagen. Der Machtkampf zwischen der dem rechten Lager zugeordneten Polizeichefin und der parlamentarischen Linken geht weiter. Morgen ist die nächste Demonstration gegen Polizeigewalt und immer noch hängt die Stadt voll von Pacefahnen.
Allerdings fällt es wie immer denen die nicht selbst Opfer der die öffentliche Ordnung wiederherstellenden PolizistInnen wurden, schwer zu glauben, dass etwas faul ist im Staate Schweiz.
Vielleicht ist auch zu anstrengend.

links:
genfer Presse (französisch):

www.tdg.ch
www.lecourrier.ch

(Bilder werden nachgereicht)
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Ergänzungen

keine rechtfertigung

Rumms 06.06.2003 - 12:43
das vorgehen der polizei lässt sich mit den vorgängen der letzten tage nicht rechtfertigen.

Interessant auch die Reaktion der Medien in D

.... 06.06.2003 - 13:41
Am Montag nach dem Gipfelbeginn gab es in den meisten Zeitungen Kurzmeldungen zu den Protesten. Natürlich waren diese eine Zusammenfassung der Polizeiversionen (es seien nur ein paar 10.000 Demonstranten in genf gewesen, die Sache mit der Brücke sei ein Unfall, die hätten alle Randaliert, wobei Blockieren mit Krawall gleichgesetzt wird). Einige wenige Zeitungen schrieben Ausführlicheres.
Ab Dienstag war dann das Thema nicht mehr existent. Ich dachte immer, daß Journalisten untereinander zusammenhalten würde. Daß in Genf geziehlt Journalisten angegriffen wurden, müsste doch Empörungsrufe laut werden lassen. Statt dessen: Nix.

wohin verschwinden die Ergänzungen?

?????? 06.06.2003 - 13:46

ins müllarchiv

06.06.2003 - 13:48
das sich per mail bei den mods abrufen lässt.