Blockade in Annemasse vom Samstag

Blockierer 02.06.2003 12:24 Themen: G8 Globalisierung
Gestern Morgen um 4Uhr startete vom Vaaag Village der Demozug richtung Evian.An dieser Demo beteiligten sich ca. 2000 Leute. Nachdem die Bullen anfingen Tränengas zu schiessen wurde eine Barrikade errichtet, die auch angezûndet wurde. Die Blockade wurde trotz Tränengas und Schockgranaten Dauerregen bis 17Uhr aufrecht erhallten
Am Samstag startete morgens früh um 4Uhr vom Vaaag Village in Annemasse eine Demonstration die in Richtung Evian zog. Wir gingen erstmal etwa eine Stunde fast unbehelligt von den Bullen durch de Strassen. Einige Leute trugen Barrikadenmaterial mit sich. Irgendwann tauchten dann die Bullen auf und schossen direkt ohne Vorwarnung mit CS Geschossen auf uns. Daraufhin wurde eine Barrikade aus Absperrgittern und Holzlatten errichtet. Später wurde diese Barrikade auch angezündet. Die vielleicht gerademal 20 Bullen schossen im 10 sekundentakt neue Tränengasgeschosse auf die BlockiererInnen. Sie schossen auch mit Schockgranaten direkt auf Menschen. Dieser Zustand des ständigen beschossen werden dauerte bis ca.17Uhr. Dann brachen wir freiwillig die Blockade ab und gingen zurück zum Camp
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Ergänzungen

Jammert nur...

Thomas Wanderer 02.06.2003 - 13:42
Ich bin selber grade aus Annemasse zurückgekommen und muss dem Autor hier mal ein paar Fragen stellen. Nennt man das unabhängigen sachlichen Journalismus, wenn man Polizisten sofort als Bullen bezeichnet? Ich denke dass man, um sich moralisch höher als die Polizei aufzuschwingen, mit gutem Beispiel voran gehen sollte, und hier auch mal eine neutrale Sichtweise präsentieren sollte, als die Selbstbemitleidung von euch linken Naivos!
Um es mal kurz zu machen fand ich große Teile der Organisation (Ich war im Intergalactic Camp) einfach zum Kotzen.
Da will man gegen die ungerechte Politik der Profitgeier mobilisieren und verfällt in blinden Aktivismus (aus frustrierter Weltverbesserei) - und was dabei herauskommt ist, dass man sich an den "Wachhunden" der Politiker, der Polizei, die Zähne ausbeist und die "Herrchen" fühlen sich nicht mal ans Bein gepinkelt! Die lachen doch über die Linke, weil sie sich mit lächerlichen Blockaden die im Endeffekt nichts(!!!) gebracht haben ausser negativen Schlagzeilen und Tränengas, selbst ins Fleisch schneidet. Dazu eine vertane Chance, durch die Solidarisierung mit der Arbeiterbewegung, seinen neuen Bonus bei den Bürgern weiter auszubauen. Die sind inzwischen so weit, dass sie langsam selber dem System des Kapitalismus nicht mehr ganz über den Weg trauen wie früher, wo man ihn noch gegen die Kommunisten verteidigt hat. Und alles was man denen, die auf den Demos hilfsbereit zu uns gehalten haben, präsentiert, sind zerschlagene Geschäfte, Randale usw...

Liebe LINKE! Wollt ihr so Leute auf eure Seite ziehen oder in Harakiri-Manier die Buhmänner spielen, die nicht mehr ernst genommen werden?

Gleise blockieren wie in Italien zum Irak Krieg ja!
--> Weil man da Sympathien gewonnen und symbolische Wirkung erzielt hat!

Sinnlose Blockaden die den Gipfel niemals in Gefahr gebracht haben und nur zu Schlägereien und Randalen geführt haben nein!
--> Weil sich so selber die Arschkarte zuspielt!

Ausserdem noch additional Infos zum Verlauf der Demos und Blockaden. In Genf habe ich die ganze Demo über fast keine Polizei gesehen. Die hat sich nämlich schön zurückgehalten und nicht provoziert. In Lausanne haben sich die Polizisten sogar solange zurückgehalten, bis sie mit Steinen beworfen wurden (Augenzeugenbericht von meinem Zeltnachbarn-wurde mir in ähnlicher Form aber mehrmals bestätigt)!
Das rückt die Sache doch in ein ganz anderes Licht! Da beschmutzen ein paar Militante das Ansehen der ganzen Bewegung und du, der Autor nimmst sie noch in Schutz... Vielleicht wäre eine Runde Selbstkritik für dich besser als eine Runde Selbstmitleit!

Teil des Plans

Neurodemagoge 02.06.2003 - 14:07
Gewaltsame Ausschreitungen wie in Evian werden doch von allen Organisatoren und Teilnehmern des G8 Gipfels bewusst ermöglicht und in Kauf genommen. Ich fänd's eigentlich mal viel cooler, wenn ein G8 Gipfel stattfindet und keiner seinen Arsch dahin bewegen würde.

AnnemassseBlockade

JohannesSchober 02.06.2003 - 14:31
Hallo lieber Ergänzungsschreiber,

ich bin gerade aus Annemasse zurück, habe auch im Intergalactique Village gewohnt und war auf der Blockade.
Diese Blockade hat den Gipfel verzögert, wenn auch nihct um Ewigkeiten, aber um ein paar Stunden immerhin.
Um ein bisschen Sachlichkeit in den Bericht zu bringen:
- es waren nicht nur Leute aus dem Vaaag - Camp sonder auch sehr viele aus dem Intergalatique Village dabei.
- nach einer Stunde hat die Polizei zwei Leuchtraketen abgeschossen und dann kurz dannach mit Tränengas
ich weiß nihct was genau an der Spitze des Zuges passiert ist ob die Polizei zuerst oder der schwarze Block, auf jeden Fall war der letztere nur mit ca. 30 Mann vertreten.
Es waren also keine Randalierer oder Schläger, die daraufhin einfach eine Barrikade errichteten sondern ganz normale Demoteilnehmer.
Es ging sehr solidarisch zu, es wurden die Tränengaspatronen gelöscht, Essen und Wasser gebracht.
Es waren ungefähr 30 Polizisten direkt auf der Strasse, laut BBC Informationen aber viel mehr dahinter, unter anderem auch Militär, viele Polizisten waren auch in den Dörfen neben der Strasse und man hat sie nihct gesehen.
Also nichts da mit nur 20 Hanseln.
Nach 8 h Blockade wurde die Barrikade dann ca 13.00 Uhr von den Protestierenden friedlich verlassen und der Zug ging zurück ins Dorf.
Ich danke dem Ergänzungschreiber dafür, dass er , weil er ja ganz offensichtlich nicht dabei war, für seinen UAsgewogenen Beitrag.

anwohner, polizei, stimmung

nn 02.06.2003 - 14:46
ich kann einige punkte nicht teilen (aber gross ausfuehren will ich es auch nicht)

Die Anwohner hatten keine Probleme mit der Aktion. Fast alle standen vor ihren Haeusern um sich es anzusehen, waren freundlich, unterhielten sich mit demonstranten und der polizei, und wollte wissen was vor sich ging

Der Demonstrationszug nahm am Weg zurueck sogar den ganzen muell mit der am boden und strassenrand zu finden war

Die Polizei schoss zwar unheimlich viel traenengas, aber die Polizisten selbst waren relativ entspannt, und hatten (z.B. im vergleich zu genoa) kaum aggressionen gegen die blockierer. vielleicht wurden ihnen auch nur keine horrorgeschichten im vorfeld erzaehlt - wer weiss.

immer schoen bei der wahrheit bleiben

Aktion wurde als sehr positiv bewertet

lesi 02.06.2003 - 15:35
Ich habe die Aktion auch als sehr positiv erlebt. Viele sind zun ersten mal nicht gelaufen, als das Traenengas kam - und es kam viel! Das lag unter anderem an der guten Vorbereitung und den vielen organisierten Gruppenm die mit waren. Statt dessen entwickelte sich so eine Art Sportstimmung: Kaum kamen die Granaten geflogen - rannten schon welche los, un sie weg oder aus zumachen. Das ging am besten mit Grassoden.
Besonders erfreut wurden ein paar groessere Autos am Ende der Blockade registriertm die wirklich zun Gipfel wollten und nun vor unserer Blockade standen. Scheinbar gab es auf deren Seite etwas Koordinationsschwierigkeiten.
Ansonsten waere noch zu bemerken, dass die Blockade Sonntag und nicht Samstag war. Aber hier verliert sich halt das Zeitgefuehl....

@ thomas wanderer

xsidekickx 02.06.2003 - 15:45
ok, vorweg, ich war nicht da und bin hier nur in berlin gegen den agenda 2010 parteitag auf der strasse...
aber ich denke mir doch diesbezüglich ein urtel erlauben zu können.
den polizeiapperat pauschal bullen zu nennen hat meiner meinung nach nie irgendwem wehgetan, du bist auch für sie pauschal, je nachdem wo und wann ein störer, chaot, was weiss ich. sich da auch noch drüber aufzuregen ohhh mensch!

und dann dieses ständige streit thema militanz, schreib doch bitte den leuten nicht vor, welche aktionen sie zu machen haben. wer bist du wenn du dir dieses recht herausnimmst? klar ist es danach wichtig, auszuwerten und daraus zu lernen, aber deine billige spaltende rhetorik, tztztz ich bitte dich...

den dialog bewaffnen

siesta 02.06.2003 - 16:12
die gewaltfrage ist nicht das entscheidende problem der bewegung gegen die globalisierung in kapitalistischer form. die bewegung sollte nicht den fehler machen und sich auf das setting von staatsapparat und bürgerlichen medien einlassen. wer gewalt ausübt, dass sind die staaten und das kapital. im "frieden" und im krieg. steine und molotow cocktails sind nichts gegen marschflugkörper und bomben.
"Wir müssen den Regierungen erklären: wir wissen, dass ihr die bewaffnete Macht seid, die gegen die Proletarier gerichtet ist; wir werden auf friedlichem Wege gegen euch vorgehen, wo uns das möglich sein wird, und mit den Waffen, wenn es notwendig werden sollte." (karl marx, 1871) das kapital und der staat werden nicht über die vergesellschaftung der produktionsmittel mit uns diskutieren und wenn wir die "besseren" argumente haben zustimmen. sie haben dies bestehende ordnung mit gewalt verteidigt, sie tun es und werden es wieder tun. sie müssen es tun, wenn sie nicht aufhören wollen bourgeois zu sein.
die geschichte beweist auch, dass die besseren argumente der verhungernden nichts gegen das tägliche tausendfache verrecken ausrichten. das verhungern, die kriege, aber auch der alltägliche kapitalistische wahnsinn sind nicht einem großen missverständnis seitens der bourgeoisie geschuldet, das sich mit ein paar runden tischen aus der welt schaffen ließe.
es spricht nichts gegen gewaltfreien aktiven widerstand.
unter bestimmten umständen wird er aber zu kurz greifen.
"Sich von den materiellen Grundlagen der verkehrten Wahrheit zu emanzipieren, darin besteht die Selbstemanzipation unserer Epoche. Diese "geschichtliche Aufgabe, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren" kann weder das isolierte Individuum noch die den Manipulationen unterworfene, atomisierte Menge vollbringen, sondern immer noch die Klasse, die fähig ist, die Auflösung aller Klassen zu sein, indem sie die Macht auf die entfremdungsauflösende Form der verwirklichten Demokratie zurückführt, auf den Rat, in dem die praktische Theorie sich selbst kontrolliert und ihre Aktion sieht. Nur dort, wo die Individuen "unmittelbar mit der Weltgeschichte verknüpft sind"; nur dort, wo sich der Dialog bewaffnet hat, um seinen eigenen Bedingungen zum Sieg zu verhelfen."
(Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, These 221)



anzahl der polizisten

nn 02.06.2003 - 18:49
es waren ungefaehr 80 polizisten

20 oder 30 oben auf dem weg, 40 unten (die vordere reihe, die schuetzen und der nachschub), und noch 20 in bussen oder "hoehere tiere"

nur so zur info

Blockade am Sonnatg früh

Peter P 03.06.2003 - 14:20
Ich war auch auf der Bloackade vom Interg. Village aus.

Meiner Meinung nach war die Blockade leider kein Erfolg. Die straße. die Blockiert wurde hatte keine Bedeutung. Wichtig war lediglich die Kreuzung, die die Polizisten ohne Probleme verteidigten. Über "unsere" Strße kam kein Beudeutender Transport.
Ich bin jedoch der Meinung, dass die Blockade Aktion auch anders hätte verlaufen können.
Wäre man auf den Vorschlag eingegangen, kloordiniert und in großen Blocks über die Wiesen rechts und links der Straße die Poliziekette zu umgehen bzw. zu durchbrechen, so hätte man wesentlich mehr erreichen können.
Nicht war für die Polizei leichter, als die breite Straße mit Tränengas zu beschießen, wo sie alles genau im Überblick hatte.
Nachedem im sog. "SprecherInnerat" auf den Vorschlag nicht eingegagngen wurde, versuchten wir mit einer gruppe von ca 100 Personen durch das Dorf rechts der Straße zu kommen, da dort die Polizeikette dünner bestückt war und sie weder schwere Fahrzeuge noch sehr viel Trännengas vor Ort hatte.
Unsere Aktion scheiterte leider daran, das wir zu wenige waren. Überraschenderweise feuerten die Polizisten auch zwischen den Häusern in den kleinen Gassen mit Tgas, aber lange nciht in dem Umfang wie unten.
Man hätte hier die Chance gehabt die "Front" ind unwegsames Gelände zu verbreitern udn evtl. auf die entscheidenden Kreuzung zu stoßen.
Das scheiterte unter anderem auch an der Struktur des Sprecherinnenrates, der m.M. nach nciht schnell genug reagieren konnte. Hätte man vorher ein Demokomitee o.ä. gewählt, hätte man sicher besser auf die Situation reagieren können.
Ich möchte den Symbolischen und Medienwirksamen Erfolg der Blockade trotzdem nícht abstreiten, der war sicherlich gegeben.

Im laufe des Tages wird noch ein Bericht und Bilder von der Blockade eingereicht.

Peter
(Bezugsgruppe "Dosenpfand")

Link zu anderem Artikel mit Bildern

Augenzeuge 03.06.2003 - 14:50

erfolg

florian geyer 04.06.2003 - 15:39
die blockade von anmasse war ein voller erfolg. ich war mit dabei und habe diese auch mit vorbereitet.
1. es war schade dass wir nicht auf die kreuzung kamen. aber für einen grösseren durchbruch waren wir leider zu wenige. aus dem vaaag waren leider sehr wenige da und auch die französischen aktivistinnen aus dem interg. vil. gingen in grosse mehrheit um 9:30 nach annemasse zurück auf die demo. bis zur hälfte der 500-1000 übriggebliebenen waren nach diesem zeitpunkt deutschsprachig!
aus diesen bedingungen heraus war es ein erfolg eines der 3 zufahrtstrassen 9 stunden lahn zu legen. für weitere schritte fehlte die masse und die erfahrung. beim nächsten mal können wir hoffentlich weiter gehen.
2. der ausbruch über die wiese ist bei der delegiertenplenum der bezugsgruppen besprochen und organisiert worden. es haben sich die bezugsgrupppen gemeldet die das machen woillen, wir haben sie zusammen gezählt und sind auf 60-70 leute gekommen. insgesamt waren es wohl an die 100.
3. ich fand es super, dass es eben keinen zentralkommando gab, sondern alles auf dem delegierten-plenum besprochen wurde. klar, wenn die situation eskaliert, kann man keine plena mehr machen. aber diese kultur zu entwickeln, auch in der schlacht situation so weit wie möglich basisdemokratie aufrecht zu erhalten wie nur geht, war für mich einmalig.