6. Zivile Inspektion am Fliegerhorst Büchel

Zwia 26.05.2003 13:36 Themen: Militarismus
Am 23. Mai 2003 wurde die 6. Zivile Inspektion am Fliegerhorst Büchel in der Südeifel erfolgreich durchgeführt. Die 6 Zivilen InspektorInnen hielten sich über 40 Minuten ungehindert auf dem Atomwaffen-Stützpunkt auf, bevor ein Bereitschaftsoffizier alarmiert wurde.
Um etwa 14:00 Uhr durchtrennten die 6 Zivilen InspektorInnen den Absperrungszaun des Fliegerhorstes. Die auf der angrenzenden Landstrasse vorbeifahrenden Autofahrer konnten dies beobachten, machten aber anscheinend keine Meldung, da sich die AktivistInnen über 40 Minuten völlig ungestört über das Militärgelände bewegten.

Bemerkt wurden sie erst als sie sich – weithin sichtbar durch weisse Schutzanzüge und Transparente – schon auf dem Rollfeld des Atomwaffenstützpunktes befanden, auf dem am Vormittag noch Militärjets gestartet waren.

Der Aufforderung des Bereitschaftsoffiziers, die alarmierte Polizei abzuwarten, kamen die Zivilen InspektorInnen nicht nach, sondern führten ihre Inspektion fort. Sie wurden gewarnt, dass Militärhunde auf dem Gelände sein könnten, und wurden im Schrittempo von zuerst einem, dann zwei, Jeeps begleitet. Diese blieben in weitem Abstand hinter den Inspektoren zurück.

Auf die Frage der InspektorInnen nach dem genauen Ort der gelagerten Atomwaffen gab der Bereitschaftsoffizier die Antwort, dass die sensiblen Bereiche des Gelände bestens geschützt seien, ausserdem von amerikanischen Soldaten bewacht, und garantiert unzugänglich. Er verwies auf den mitgeführten Geigerzähler der AktivistInnen. An diesem sei abzulesen, dass die Zivilen Inspektoren noch nicht in die Nähe der gelagerten Atomwaffen gelangt seien.
Inzwischen hatten sich im Hintergrund auch einige weibliche Soldaten in hellgrünen Tarnanzügen aufgestellt, die die AktivistInnen beobachteten, und Funkgeräte benutzten.
Den InspektorInnen wurde vom Bereitschaftsoffizier erklärt, dass es sich bei den Frauen um amerikanische Soldatinnen handelte. Ein Wachsoldat erklärte, die Zivilen Inspektoren könnten froh sein, dass der Fliegerhorst von deutschem Militär geführt sei. Darüber herrschte Konsens.

Auf die Frage, wie sie es mit sich vereinbarten, amerikanische Nuklearwaffen auf ihrem Gelände zu schützen, wurde geantwortet, ein gutes Gefühl sei es nicht, aber Befehl sei Befehl und Job sei Job.

Die AktivistInnen verlangten, den Commodore des Fliegerhorstes zu sprechen, damit er ihnen Auskunft über die gelagerten Atomwaffen gebe. Den Commodore zu sprechen war nicht möglich, da er in Kabul sei. Das Kommen der Zivilen InspektorInnen war sowohl dem Commodore, als auch dem Polizeichef (wie auch dem Bundeskanzler und dem Verteidungsminister) in Briefen angekündigt worden. Der Bereitschaftsoffizier erklärte, man habe mit dem Kommen der Zivilen Inspektoren gerechnet, da man aber den genauen Termin nicht gewusst habe, sei man nicht entsprechend vorbereitet gewesen. Er gab zu, etwas geschockt darüber zu sein, dass sich die AktivistInnen so lange auf dem Gelände aufhalten konnten, ohne bemerkt zu werden.

Bis zum Eintreffen der vom Bereitschaftsoffizier alarmierten regionalen Polizei diskutierten die Zivilen InspektorInnen mit den Miliärvertretern über die Völkerrechtswidrigkeit der gelagerten Atomwaffen, übergaben Informationsmaterial und kündigten an, dass sich die Zivilen Inspektionen fortsetzten würden, bis die Atomwaffen auf dem Gelände abgeschafft würden.

Die Polizei überführte die 6 AktivistInnen auf die Polizeiwache in Cochem, wo sie erkennungsdienstlich behandelt wurden. Einige der AktivistInnen legten gegen die erkennungsdienstliche Behandlung Einspruch ein, und hatten damit Erfolg.

Gegen 19 Uhr verließen die Zivilen Inspektoren die Polizeiwache, nachdem Ihnen weitere Schritte ihrer Heimatdienststellen angekündigt worden waren.

Die Verhandlungen gegen die 6 Zivilen InspektorInnen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung werden vorraussichtlich innerhalb des laufenden Jahres stattfinden.

Zur Zeit sitzen 2 AktivistInnen, die 2002 eine Zivile Inspektion in Büchel durchgeführt haben, Haftstrafen ab.

Sie sind den jetztigen Teilnehmern der 6. Zivilen Inspektion vom 23. Mai 2003 ein Vorbild und beweisen, dass Zivile Inspektionen nicht mit den Mittel der strafrechtlichen Verfolgung unterdrückt werden können.
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Ergänzungen

Super

Massud 26.05.2003 - 14:47
Hab gar nicht viel zu sagen außer, dass das eine gelungene Aktion war. Es ist schön zu sehen das Mann sowie Frau nicht alleine ist.
Auf nach Evian !

Bis dahin friedliche Grüsse Massud
Taschi Delek

Erlebnisbericht zur Zivilen Inspektion

Ziviler Inspektor 26.05.2003 - 15:07

Erlebnisbericht zur Zivilen Inspektion am 23. Mai 2003:

Die sechste Zivile Inspektion des Atombombenstandortes in Büchel/Südeifel fand am vergangenen Freitag, den 23. Mai 2003 am frühen Nachmittag statt. Zu sechst schnitten wir den Zaun des Fliegerhorstes vom 33. Jagdbombergeschwader der Bundeswehr auf und drangen weit auf das Militärgelände vor.
Mit unseren weißen Overalls, einem weißen Transparent mit der Aufschrift "Atomwaffen abschaffen" sowie einer regenbogenfarbenen PACE-Fahne waren wir deutlich als ZivilistInnen zu erkennen. Um auf uns aufmerksam zu machen, wurde außerdem noch laut ein Horn geblasen. Auf einem asphaltierten Weg kamen wir aus dem Waldstück im Süd-Westen des Fliegerhorstes hinaus und gelangten weiter über eine Fahrstraße zu der Start- und Landebahn, wo eine Stunde vorher noch drei Tornados gestartet waren.
Als wir dann auf der Start- und Landebahn in Richtung Norden liefen, waren wir bereits 20 Minuten unentdeckt in diesem Militärgelände offen umhergelaufen, auf dem 10 Atombomben mit der 150-fachen Sprengkraft des Hiroshima-Bombenabwurfs lagern.. Obwohl wir nun direkten Sichtkontakt mit dem Tower des Fliegerhorstes hatten, dauerte es noch einmal 10 Minuten bis eine Militärstreife in einem Geländewagen auf uns zufuhr, als wir bereits nach ungefähr 500 Metern die Start- und Landebahn in Richtung der halbkreisförmig nebeneinander liegenden Hangars verließen, weil wir dort unsere Inspektion fortführen wollten. Einer der beiden Soldaten stieg aus dem Jeep und begrüßte uns mit den Worten: "Ah, Ihr seid für Frieden und gegen die Atombomben". Dies war einerseits durch unser Transparent, und andererseits durch ein Brief unsere Gruppe an Bundeskanzler Schröder, den Außenminister Fischer, den Botschafter der USA in Berlin, den Commodore des Fliegerhorstes von Büchel, sowie die zuständige Polizeidienststelle von Cochem deutlich geworden, in dem wir diese 6. Zivile Inspektion in Büchel für dieses Frühjahr 2003 angekündigt und unsere Motivation dafür begründet hatten.
Dann meinte der eine Soldat noch, dass wir nun doch besser wieder dort das Gelände verlassen würden, wo wir es betreten hatten, da wir draußen mehr Öffentlichkeit bekämen. Wir entgegneten, dass wir zum Inspizieren der hier gelagerten Massenvernichtungswaffen seien, und verlangten von ihm Auskunft über deren genauen Lagerungsort, worauf der Bundeswehrsoldat sagte, dass er sich dazu nicht äußern dürfe. Außerdem warnte er uns noch vor einem eventuell freilaufenden Hund. Wir gingen dann weiter, in der Mitte einer Verbindungspiste zwischen den Flugzeughangars und der Start- bzw. Landebahn. Nun folgte uns das Militärfahrzeug in einem Abstand von ca. 50 Metern im Schritttempo. Am ersten Hangar, den wir erreichten, nahmen wir Messungen mit unserem mitgeführten Geigerzähler vor, während die Soldaten in ihrem Wagen hinter uns warteten.
Wir gingen weiter auf der Verbindungspiste entlang der großen Hangars. In diesem Bereich werden die 10 US-Atombomben vermutet, da sie so im Bedarfsfall nah an den Tornados der Bundeswehr sind. Als wir auf dem Halbkreis der Verbindungspiste bald wieder die Start- und Landebahn erreichten, traf die Polizei von Cochem ein und nahm unsere Personalien auf. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns bereits 45 Minuten frei im Militärgelände bewegt gehabt. Neben einem weiteren Polizeiwagen trafen nun noch zwei andere Militärfahrzeuge ein, so dass wir nun eine Auswahl von Ansprechpartnern hatten, vom Wehrdienstleistenden bis zum Oberstleutnant und Major. Wir fragten auch diese, nach dem genauen Lagerungsort der Atombomben. Keiner von ihnen bestritt die Existenz dieser, sagten aber, dass sie darüber nicht reden dürfen. Der Wehrdienstpflichtige erzählte, dass er bei Beginn seines Dienstes auf die Lagerung der Atombomben hingewiesen wurde und unterschreiben musste, dass er darüber informiert wurde. Ein junger Berufssoldat sieht die Bewachung der Atombomben als ?ganz normalen Auftrag? an, der sich nicht vom Streife fahren entlang des Zaunes unterscheide. Der anwesende Oberstleutnant, gleichzeitig Umweltoffizier des Standortes, entgegnete auf unsere Frage, wie man den die Bewachung der hier gelagerten US-amerikanischen Massenvernichtungswaffen mit Umweltschutzgedanken vereinbaren wäre, dass er ja auf was für die Umwelt tue. So habe allein auf dem Standort Büchel schon 12.000 Frösche über die Straße gerettet... Wir sagten ihm dann nur noch, dass dies den Fröschen recht wenig nützt, wenn eine Atombombe explodiere. Alle anwesenden Bundeswehrangehörige reagierten ausweichend auf unsere Behauptung, dass es schon recht bedenklich sei, sich als sechsköpfige Gruppe eine halbe Stunde unbemerkt auf dem Militärgelände bewegen zu können. Und zwar nicht auf irgendeinem Bundeswehrstandort, sondern auf einem, wo 10 einsatzbereite Atombomben gelagert werden.
Mit einem Bundeswehrkleinbus wurden wir zum Haupttor gefahren, von wo uns später ein Polizeikleinbus nach Cochem brachte. In der Polizeistation von Cochem wurden wir mit Kaffe versorgt, während wir einzeln verhört und einige noch ED-behandelt wurden. Alle sechs beteiligten InspektorInnen wurden wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch angezeigt. Nach ca. 30 Minuten auf der Wache verließ der letzte der sechsköpfigen Aktionsgruppe das Polizeigebäude, vor dem unsere UnterstützerInnen schon warteten.
Wir werten die sechste Zivile Inspektion des Atombombenlagers als Erfolg, da diese so weit in das Gelände führte, dass wir wirklich etwas inspizieren konnten, und nicht mehr nur von einem Versuch gesprochen werden kann. Zwar fanden wir die Atombomben nicht, aber wir erreichten durch unsere Konfrontation, dass die anwesenden Bundeswehrsoldaten die Existenz der Massenvernichtungswaffen offen zugaben. Wir wollten am 54. Jahrestag des Inkrafttretens der bundesdeutschen Verfassung einmal mehr deutlich machen, dass "von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf".
(J. P.)

Wenigstens...

Punxatan 26.05.2003 - 15:46
Wenigstens regt sich in der Eifel Widerstand gegen die Grossmachtpolitik der USA...

mutig mutig

26.05.2003 - 18:04
mutige aktion... nur : das könnt ihr nur in deutschland machen. versucht mal in F, GB oder USA tags ( besser nachts ) in einen militärstützpunkt einzudringen. have fun ;-)

ansonsten ganz originelle aktion. auch wenn ich jetzt ziemlich beunruhigt bin wie in D atombomben gelagert werden .....

Maike 26.05.2003 - 20:22
In England gibt´s sowas auch, auch sogenannte "Pflugschar-Aktionen", wo ZivilistInnen unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" die Abrüstung selbst in die Hand nehmen... War hier vor einiger Zeit auch mal ein Bericht über eine Nonne in den USA, die für so eine Pflugschar-Aktion übel verknackt wurde.

siehe auch: Hintergrund Büchel

Rosie-Posie 26.05.2003 - 22:07
weitere Hintergrundinfos zum Fliegerhorst Büchel (Foto, Lage etc.) hier
 http://de.indymedia.org/2003/05/52470.shtml