Peru: landesweite Streiks + Polizeigewalt bei "lateinamerikanischem G8"

just say no - update freitag, 30.5.03 31.05.2003 03:35 Themen: G8 Globalisierung Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Wochen miltanten Protests haben den 17. Gipfel der 19 Präsidenten der "Rio Gruppe" der lateinamerikanischen Staaten in Cusco, Peru eingeleitet. Während der Proteste kam es zu landesweiten Streiks in verschiedenen Sektoren: Lehrer, Transportarbeiter und andere. Ein Generalstreik für die nächsten Tage ist im Gespräch. Weite Teile des Landes sind blockiert.
Die Staatsgewalt reagiert auf die Proteste mit brutaler Gewalt. 10 bis 20 Menschen sind in den letzten Tagen verhaftet worden. Am Freitag verlor ein Lehrer bei einem Übergriff durch die Polizei ein Auge. Mittlerweile beträght die Zahl der Streikenden 2 Millionen, der Präsident rief den Ausnahmezustand aus und die Armee ist jetzt im Einsatz.

Die Proteste richten sich gegen die korrupten neoliberalen "demokratischen" Regierungen, Einsparungen im Sozial- und Bildungsbereich, Steuererhöhungen, die Strukturanpassungs-programme des IWF und die Auswirkungen der Freihandelszone FTAA. Deutlich wurde die Politik von Präsident Alejandro Toledo abgelehnt.

Doch auch die Regierungsvertreter selbst gaben kritische Töne von sich. So heisst es in der unterzeichneten "Vereinbarung von Cusco" u.a.: "Die Zeit des "Neoliberalismus", in der ein Rückzug des Staates aus der Wirtschaft gepredigtworden sei, sei Vergangenheit...". Künftig wolle man mindestens 20% der Zinsen für die Bedienung der Schulden in den Schuldnerländern für soziale Belange ausgeben. Weitere Themen waren u.a. die Lage in Venezuela und der Bürgerkrieg in Kolumbien.

Bericht aus Peru von Montag: Chaos in Peru
Bericht vom Dienstag: Peru: Streiks weiten sich aus
Bericht vom Mittwoch: Panzer in den Staedten Perus
Bericht vom Freitag: Massaker an protestierenden Studenten in Peru

weitere Links:
Indymedia Peru | Editorial & Background Information [es] | Corporate Media Report & Photos [en | es]
AK Kraak-Tour: Eins | Zwei | Drei
Bilder vom 22.Mai










Bilder vom 21.Mai - Tausende Lehrer nahmen an dieser Demonstration teil









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Ergänzungen

Was findet sich so in der Presse?

Zeitungsleser 26.05.2003 - 05:00
Zumeist Kurzmeldungen auf seite 5 von dpa und reuters abgetippt.

In den Zeitungsberichten liesst es sich so, als wenn die Regierungschefs sich eigentlich ausschliesslich aus Wohltätigkeitsgründen getroffen hätten. Kein Wort über die Folgen ihrer fatalen Politik.
Auch über die Proteste nicht ein einziges Wort - zumindest in den Meldungen, die ich gefunden habe.

Dabei wurde sogar über ein kleines Erdbene berichtet:
 http://www.vol.at/tmh/zr/national/newswelt/APS_News_Welt-134023.shtm

Ausnahmezustand in Peru verhängt

von tagesschau 28.05.2003 - 14:13
Angesichts der sich ausweitenden Protestwelle hat der peruanische Präsident Alejandro Toledo den Ausnahmezustand über das südamerikanische Land verhängt. Die zunächst für 30 Tage befristete Maßnahme gibt dem Militär das Recht, notfalls auch mit Gewalt gegen Tausende von Demonstranten vorzugehen, die seit Tagen viele Straßen blockiert halten.

Den Protesten der Bauern, die Schutz gegen Importe verlangen, haben sich in den letzten Tagen auch Lehrer sowie Beschäftigte des Gesundheits- und des Justizsystems angeschlossen, die höhere Gehälter fordern. In einer TV-Ansprache erklärte Toledo, die Proteste verletzten die "grundlegenden Rechte" aller Bürger. Kurz darauf erklärte Bildungsminister Gerardo Ayzanoa den Lehrerstreik für illegal.

noch viel mehr...

ralpho 28.05.2003 - 20:46
die proteste fordern mittlerweile den ruecktritt des praesidenten und richten sich vor allem auch gegen die privatisierung von wasser (bauernproteste) - versuche weiterhin updates zu posten...

Wo finde ich weitere Infos

Martin 28.05.2003 - 22:36
Der Titel sagt eigentlich alles. Wo kann man sich weiterführend informieren? Richten sich die Proteste gegen den Gipfel oder nur gegen die eigene Regierung? Mit welcher härter geht das Militär vor? Scharfe Munition?
Ich bin dankbar für jede Information

MfG Martin

PasteurOS / Prenzlauer Berg / Berlin / Germany

Hallo Martin

28.05.2003 - 22:51
Die Proteste richten sich eigentlich gegen die Politik, für die die Regierung und die anderen Rio-Staaten stehen. Die Proteste sind also ähnlich motviert, wie die gegen das G8 in Evian. Der Unterschied: Breite Bevölkerungsschichten tragen diesen Protes. Wohl auch wegen der krassen Verarmung. Mittlerweile scheint aus den Protesten ein Aufstand der Bevölkerung geworden zu sein. Bislang wurde mit Gas geschossen. Das Militär wird jetzt wohl auch schrfe Munition einsetzen.
Weiterführende Infos: Eigentlich nur bei den jeweiligen Indymedias (Indy-Peru, Indy.de und Indy-global), bei peruanischen Nachrichtenseiten (sind dann eher Pro-Regierng) und vielleicht bei zmag.org. Ansonsten siehts eher mau aus. Die "normale" Presse desinformiert ja leider als sie informiert.
Aber wenn noch wer anders Links zu Quellenhat: Immer her damit!

liebe ÜbersetzerInnen ...

LinksRhein 29.05.2003 - 02:10
... von Texten der indymedias von Peru, Kolumbien, Argentinien, und alle anderen:

koordiniert euch, um Doppelübersetzungen zu vermeiden, reserviert längere Texte als von euch begonnen, unterstützt euch gegenseitig bei Zeitmangel, schwierigen Übersetzungen etc.

mit dem Übersetzungs-Tool bei  http://www.free.de/Zope/linksrhein/imc

und der deutschen Mailingliste für Übersetzungskoordination  www-de@lists.indymedia.org unter  http://lists.indymedia.org/mailman/public/www-de/