Antifa Demo in Genthin (Sachsen-Anhalt)

Autonome Antifa Genthin 23.05.2003 12:47 Themen: Antifa
Faschistische Strukturen aufdecken und angreifen!
Neofaschismus angreifen – staatlichen Rassismus entgegentreten!
Weg mit Black Jack und Club 88 in Brettin!
Seit geraumer Zeit versuchen Faschisten, sich in Genthin und Umgebung feste Strukturen aufzubauen, was ihnen teilweise auch gelang. In einigen Teilen der bürgerlichen Gesellschaft wird das leider hingenommen. Nachdem der Sommer des „Aufstandes der Anständigen“ wieder abgeklungen ist und im Prinzip nichts erreicht wurde außer der Beruhigung der bürgerlichen Bevölkerung und das Geraderücken des eigenen Ansehens im Ausland, gilt das Konzept in den Augen der radikalen Linken als gescheitert – der Faschismus in der BRD, und nicht nur hierzulande, wirkt unvermindert fort. So stört es scheinbar auch niemanden, wenn sich in Brettin in zwei Bauwagen regelmäßig Jugendliche treffen, ihr Bier trinken und am Wochenende Naziparolen brüllen oder mal wieder die dort ansässige Schule mit faschistischen Symbolen und braunen Parolen besprühen. Auch andere Aktionen werden dort geplant und ausgeführt; ein Beispiel sind Aufkleber, die eben jenem „Klub“ zuzurechnen sind, auf denen zu lesen ist: „Stoppt Tierversuche – nehmt Behinderte“ (wobei die zu wählenden Opfer austauschbar sind). Auch in Genthin hat sich einiges getan: der Laden „Black Jack“ in der Mühlenstraße setzt jetzt auf die nationale Kundschaft der Region; was sich lange jeder von uns gedacht hat, wurde jetzt mehrfach bestätigt, z.B. nach der letzten antifaschistischen Demonstration, in deren Anschluss DemoteilnehmerInnen von mehreren Faschisten aus dem Laden heraus angegriffen wurden. Ein weiterer Beweis für faschistische Umtriebe in Genthin ist das im April durchgeführte Nazikonzert, organisiert von Mario T., welches von „Kameraden“ aus dem nördlichen Bundesgebiet auch gut besucht wurde. Im Zusammenhang mit diesem Konzert kam es zu den ersten nennenswerteren Auseinandersetzungen zwischen AntifaschistInnen und Neofaschisten seit langer Zeit in unserer Region. Nachdem mehrere alternative Leute angegriffen wurden, entschlossen sich AntifaschistInnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Angriffsversuche der Konzertteilnehmer vorzugehen.

The same producidere like last year?
Im letzten Jahr kam es nach einer antifaschistischen Demonstration in Genthin zu Ausschreitungen, nachdem AntifaschistenInnen versuchten, zu dem Genthiner Naziladen Black Jack vorzudringen. Es kam zu mehreren Festnahmen und einigen Verletzten, die durch sich im Laden befindlichen Rechtsextremisten angegriffen wurden. Wir wollen dieses Jahr auf diese Ausschreitungen versuchen, Ausschreitungen mit allen Mitteln zu verhindern, Gewalt vermeiden und versuchen, der Genthiner Bevölkerung anders bewusst zu machen, dass dieser Laden nicht aus reinem und vermeintlichen „Vandalismus“ immer wieder Steinen zum Opfer fällt. Dass die bürgerliche Schicht in Genthin keinen Wert darauf legt, sich mit dem offensichtlichen faschistischen Problem hier zu befassen, fällt leider vielfach auf und es hat u.a. durch negative Presse und Interventionen in unsere Planungsstrukturen oft zum Misserfolgen von Aktionen geführt. Deshalb werden wir dieses Jahr versuchen, auch bürgerliche AntifaschistInnen zu Aktionen zu bewegen um ein möglichst breites Spektrum für diese Demo zu gewinnen und zu verhindern, dass unser Anliegen wieder durch bewusste Eskalationstaktiken der Polizei und Hetze durch die Presse im Vorfeld (aber auch im Nachhinein) zerstört wird.

Unwissende Dorfbevölkerung?
Der Club 88 in Brettin ist zwar kein von der Gemeinde getragener, offizieller Verein, wird aber doch von der dort ansässigen Bevölkerung akzeptiert und toleriert. Auch die vermehrten Nazi-Sprühereien scheinen die Bevölkerung nicht in Unruhe oder Besorgnis zu versetzen. Nachdem SchülerInnen der Brettiner Sekundarschule bereits mehrfach verbal durch Faschisten angegriffen wurden, wurden durch die Schülerschaft vermehrt Forderungen laut, doch bitteschön etwas gegen die Faschisten und ihren zentralen Treffpunkt zu unternehmen. Da davon ausgegangen werden kann, dass das Grundstück auf dem sich die Bauwagen befinden, nicht den Nutzern selbst gehört, wäre es doch ein Ansatz der Dorfbevölkerung, klipp und klar zu sagen, dass das Grundstück nicht weiter zur Verfügung dieser Leute steht und damit kein Platz für Nazis ist. Ein konsequentes Vorgehen gegen diesen Braunschimmel in Brettin wäre ein erster Schritt um faschistischen Ideologien nicht weiterhin einen Raum zu bieten und damit ein Stück auf dem Weg Nazistrukturen – nachdem sie aufgedeckt wurden – zu zerschlagen.

„Faschismus bei uns kein Thema“
So hieß es vor 3 Jahren seitens eines Genthiners, der an der vom Bürgermeister initiierten Veranstaltung „Braucht Genthin antifaschistischen Widerstand“ teilnahm. Die Blauäugigkeit vieler Stadtväter dürfte sich nach Durchführung besagten Nazikonzerts erledigt haben und die Fragestellung müsste heißen: Wie können wir antifaschistischen Widerstand unterstützen? Doch stattdessen fordern Stadträte ein Demoverbot für AntifaschistInnen, was einerseits wieder einmal staatliche Repressionen gegenüber antifaschistischem Widerstand offenkundig werden lässt und auf der anderen Seite aufzeigt, dass versucht wird, den Nazistrukturen weiteren Handlungsraum zu schaffen. Dieses Handeln wird genau so lang andauern, bis die ersten Stimmen laut werden und Genthin letztendlich als verlorenes braunes Nest gilt – wie so viele andere Orte, zu Recht oder zu Unrecht. Doch ein größeres Problem sind da scheinbar kaputte Scheiben am Bahnhof: Sogleich wird Videoüberwachung gefordert, denn Vandalismus, das ist ein Problem. Rechte Gewalt scheinbar nicht. Wir werden trotzdem – und das wird die Demo anschaulich aufzeigen – konsequent gegen faschistische Läden, Zentren und Jugendtreffs dieser Art vorgehen.

Erstarkender Nationalismus
Nach dem Veto der Bundesrepublik zum Krieg erstarkte der Patriotismus in der bundesdeutschen Bevölkerung ungemein. Die nach zwei Angriffskriegen in den letzten 10 Jahren plötzlich pazifistische Regierung führt ein Land, welches sich nicht von den USA diktieren lässt angesehen. Die Bevölkerung hatte nach disem Veto den Glauben das Herr Schröder und Konsorten nur im Interesse der Bevölkerung gehandelt hat und somit die Mehrheit des deutschen Volkes vertreten hat. Durch diese Illusion und das rein durch wirtschaftliche Interesse geprägte Durchsetzen gegenüber der Kriegsallianz hat zum erstarken des Patriotismus geführt und stärkt das Aufkommen einer neuen „Volksgemeinschaft“, in der natürlich ausschließlich Deutsche sind und somit wird ein neuerlicher staatlicher Rassismus geschürt. Immer wieder nach Kriegen oder Angriffen gegen die "zivilisierte westliche Welt" werden Sicherheitspakete wie zuletzt nach dem 11.September verabschiedet oder die Vision von dem Schläfer der natürlich jeder unauffällige arabische Student sein kann. Ob gewollt oder nicht - die Schäden die durch diese Äußerungen deutscher Politiker angerichtet werden sind klar, Rassismus staatlich verordnet kann also gar nicht schlimm sein, und so nehmen es dumme Deutsche und sich bestätigt fühlende Faschisten gleich selbst in die Hand und gehen auch in ihrer Stadt auf arabische Terroristenjagd. Dies ist nur ein Beispiel für staatlichen geförderten Rassismus - man könnte diese noch weiterführen mit den neuen „Ausreisezentren“ der „Residenzpflicht“ oder oder oder. Also liegen die Ansätze für Faschismus und Rassismus mitten in der Gesellschaft und beim Staat. Um Faschismus zu bekämpfen oder gesellschaftliche Rassismen zu beenden müssen wir beim Staat anfangen und das kapitalistische System zerschlagen, um rassistischer Verwertungslogik und faschistischer Expansionspolitik entgegenzutreten.

Also kommt zur antifaschistischen Demonstration am Samstag den 7.6.03 um 15Uhr in Genthin am Bahnhof!
Gegen Faschismus Rassismus und kapitalistische Verwertungslogik!
Weg mit Black Jack und Club 88 Nazistrukturen aufdecken und zerschlagen!

Autonome Antifa Genthin im Mai 2003
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Ergänzungen