1. Mai 2003 - Vorläufige Zusammenfassung

anti 08.05.2003 15:24
Eine Woche nach dem diesjährigen 1. Mai ist es denke ich Zeit, einmal Bilanz zu ziehen.
Jaja, der 1.Mai: ein immer wieder von Linken (und leider auch Rechten) begangener Feiertag, dem nicht zuletzt die wichtige Aufgabe zufällt, der Szene wieder etwas Mut zu geben. Dieses Jahr jedoch war denke ich manches bemerkenswert:
1. Gewerkschaften demontieren sich selbst:
Auch wenn DGB-Chef Sommer in Neu-Anspach klar beliebter war als der Kanzler, haben die Gewerkschaften wieder einmal bewiesen, dass sie kaum realistische Konzepte haben. Die jetztigen "Reformpläne" der Regierung Schröder (die eigentlich Rückschrittspläne sind - Rückschritt zu 1900) sind zwar in ihrer jetztigen Form indiskutabel; die Vorschläge der Gewerkschaften (v.a. die höhere Neuverschuldung) aber auch! Die verblendete Einschätzung der Lage macht manche Gewerkschaftsbosse gar völlig wirklichkeitsfremd. Nein, das einzige was helfen KÖNNTE wäre eine Abkehr des Bismarckschen Konzeptes, bei dem die Arbeit alle Sozialversorgungsansprüche finanziert. Dazu müsste jedoch eine umfassende ENTEIGNUNG (ja,
ich fürchte so muss es sein) der großen Privatbanken und der großen deutschen Vermögen kommen, so kann der Umstieg auch finanziert werden. Doch welche Partei traut sich das ernsthaft?

2. Neonazis können überall marschieren
Egal wo, sei es in Berlin, Halle oder Frankfurt/M., die Rechte
konnte diesen 1. Mai als Erfolg verbuchen! Besonders in Berlin war die Zahl der Gegendemonstranten wirklich schwach, auch die Aktionen hätten einer Verbesserung bedurft. Wir dürfen doch nicht aufgeben, sobald mal ein paar mehr als die normalerweise üblichen 100-200 Glatzen auftauchen! Wo waren denn in Berlin alle, die dann abends wieder Krawall gemacht haben? Da hätten sie ein fast schon "legitimes" Ziel für ihre Pflastersteine gehabt, aber dann waren sie natürlich alle weg... Etwas besser
in Halle, aber machen wir uns nichts vor, die Faschos konnten ihre Demo bis zum Schluss durchziehen, wir konnten ihren Marsch nicht abbrechen. Auch Frankfurt/M. war ein Erfolg für die Nazis: ich denke es ist ziemlich klar dass die "plötzliche Absage" beabsichtigt war (es stand auch mal ein Beitrag dazu hier auf Indy, wurde aber glaub' ich gelöscht) und die Nazis uns somit wunderbar ins Leere laufen liessen!

3. Krawall in Berlin (und Hamburg)
Obwohl der Bezirk Kreuzberg sich dieses Jahr vieles überlegt hat, um die 1. Mai-Randale zu verhindern, geschafft haben sie es dank einigen Unverbesserlichen auch dieses Jahr nicht. Wieder
mussten einige hundert Jugnedlich Steine schmeissen, Autos anzünden und sich vom Wasserwerfer durch die Strassen treiben lassen. Und das obwohl die Kreuzberger Bevölkerung dieses Mal ausdrücklich signalisiert hat, dass ihre Sympathien für die Krawallmacher am Ende sind! Liebe Leute, wenn ihr schon Krawall machen wollt, dann geht doch auf den Ku'damm oder nach Grunewald zu den Bonzenvillen, aber doch nicht in einen der ärmsten Bezirke Berlins! Hamburg blieb dagegen weit hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurück, hier kann ich (angesichts von Schill und Bambule) jedoch noch deutlich mehr Sinn hinter gewaltsamen Aktionen erkennen als in Kreuzberg!

4. Resümee
Wir müssen uns was einfallen lassen, sonst werden wir als echte Alternative bald nicht mehr wahrgenommen. Auch das Auftreten dem rechten Pack gegenüber muss wieder entschlossener werden, auch wenn das NPD-Verbot gescheitert ist! Als positiv sehe ich dagegen die vielen "revolutionären"/alternativen 1. Mai-Demos an, etwa in Nürnberg oder Bottrop. Und noch etwas: ist der Irakkrieg und der amerikanische Rechtsbruch wirklich schon so schnell vergessen?

Grüße, ein anti
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Ergänzungen

Berlin muss nach links

Berlin pberg 08.05.2003 - 20:41
Wie wäre es wenn wir das nächste mal aufm ersten Mai uns erst mal die Glatzen vornehmen, dann die Gewaltkiddies die Kleinwagen ausbrennen und dann in einer politischen Atmosphäre uns sinnvolle Aktionen ausdenken, in dem die breite Masse einen Angriff gegen die Unterdrücker sehen kann und nicht auf die Masse selbst? Autohäuser war schon mal nen Anfang, vielleicht aber eher eins von Porsche oder Bmw oder so als von fiat? Und die Aktionen mal so geordnet und geschlossen wie die autonomen (ich spreche von den echten und nicht den lachnummern die sich heute so bezeichnen wollen) es mal vorgemacht haben. Ich hab das mal beobachtet- die Bullen waren diesmal in 20er Gruppen im Einsatz. Mit 30 Mann mal geschlossen auftreten - da sind die doch am wegrennen - und mehr wollen wir doch (hoffentlich) nicht. Und dann vielleicht diese geile Volksfest bei Tageslicht nutzen um politische Gruppen zu profilieren - Aktionen abzugleichen - Diskussion und Einbindung der Anwohner bzw Bev.

Bankrott galoppiert weiter

Fassungslos 08.05.2003 - 22:54
Ich habe jetzt schon einige Äußerungen nach dem Motto: "den Kids aufs Maul" gelesen. Das langt. Ich fordere die Leute, die sich solche Aussagen anmaßen auf, ihre Haltung gründlich zu revidieren. Nicht dass ich gut finden würde, wie die so genannten Kids drauf sind, aber sie feindlich und autoritär angehen (weil das, was hier über mir vorgeschlagen wird, nichts anderes als eine autoritäre Geste wäre) wird wohl kaum die Ursachen für ihre Art, sich zu artikulieren, lösen. Über die zugereisten Mittelklasse-Kids will ich nicht so sehr reden, ihre Auftritte gehören in der Tat konsequent verhindert. Es geht mir um die sozial benachteiltigten Kids aus Kreuzberg und auch sonst wo her. Wem hier nichts besseres zu ihnen einfällt, als dass sie aufs Maul kriegen sollen, der zeigt sein wahres Gesicht,eins, das auf keinen Fall links ist.

Migrantensoli war richtig "in" in den letzten Jahren. Aber wer jenseits der Illegalität nur einen einfachen Ausländerstatus hat, wird nicht einmal mehr wahrgenommen, als Mensch, der deshalb mitunter großen Problemen ausgesetzt ist. Auch gegen den Kapitalismus sein hat seinen Reiz, aber die Bedingungen und die Umgebung die das Leben von sozial und gesellschaftlich besonders Schwachen bestimmen und was für Folgen das alles hat, ist eindeutig nicht mehr Thema. Es ist schon widerlich, wer sich alles für links ausgibt. Für Kids wie die aus Kreuzberg oder sonstwo ganz unten müsste eher gekämpft als so ein monströses Zeug geredet werden. Soziale Gerechtigkeit müsste auch und gezielt zur Verbesserung der Lebensumstände benachteiligter Kids erkämpft werden. Viele von ihnen kompensieren auf die leidlich bekannte, vollkommen hirnrissige Weise ihre extremen sozialen Grenzen. Das gehört wahrgenommen und reflektiert. Diese sozialen Grenzen haben Ursachen, verdammt noch mal, diese sind es, die plattgemacht gehören, nicht die Kids!

Ach ja, noch eine Anmerkung in Sachen 30 gegen 20: nie und nimmer laufen 20 Berliner Ordnungshüter vor 30 geschlossenen Gegnern ohne weiteres weg. Die operieren nämlich in Kleingruppen, die aber nach wie vor ganz eng in der guten alten Hundertschaft eingebunden sind. Die polizeiliche Kleingruppe ist eine gezielte technische Neuerung aus der zweiten Hälfte der 90er, die explizit als Antwort auf die Kleingruppentaktik der Linken entwickelt wurde. Um die Ecke kommt aber ganz schnell die ganze Hundertschaft gelaufen, wenn Gruppe X in Bedrängnis gerät. "Gegner" mit dem nötigen Zeug, um die wirklich in die Flucht zu schlagen, sind grundsätzlich weit und breit nicht in Sicht. Kampfsport hin und Kampfsport her. Da sind die linken Kampfsportler den polizeilichen Hobbybrüdern meistens weit unterlegen! Ich hatte vielfach Gelegenheit, das zu beobachten.

was für ein scheiss

lach 09.05.2003 - 10:02
kreuzeberg feiert seinen 1. mai. da feirn kreuzberger in kreuzberg. das ist ihre feier und bullen haben sich an diesem tag da rauszu halten. keine bullen- kein krawall.

bullen

ich 09.05.2003 - 14:21
naja, kampfsport hin oder her. Die meisten bullen können nicht kämpfen. sowohl mit der hand als auch mit tonfas(die kann man den pfeifen auch aus der hand klauen.es ist bei denen ja nur bedingt pflicht und das was die in der pflicht lernen ist zu wenig. Natürlich gibt es auch bullen, die ihre freizeit opfern und dementsprechend was können, von den ganzen spezial-fritzen mal ganz abgesehn´.
Tja, letzendlich haben die bullen nur den vorteil ihrer rüstung und der großen geschlossenen gruppe

Keine Bullen - Kein Krawall????

anti 09.05.2003 - 14:46
ich will ja nichts sagen, aber die äußerung dass die kreuzberger ihren 1. mai in ruhe feiern wollen (sprich ohne bullen) ist doch etwas merkwürdig. in ruhe heißt nämlich auch, nicht angst haben zu müssen dass irgendwelche krawallos wahllos mein auto abfackeln, obwohl's eh nur ein 10 jahre alter vw golf ist. die bullen haben sich dieses jahr wirklich zurückgehalten (mal schauen
wie viele mich dafür jetzt wieder fertig machen wollen) am 1. mai (der mauerpark war was anderes) und trotzdem gab's randale. und das waren auch keine erzürnten kreuzberger, sonder angereiste krawall-touristen oder gelangweilte immigranten-machos (ist nicht rassistisch gemeint).

REVOLUTIONÄRER 1. MAI IN GRUNEWALD!!!
FRIEDE DEN HÜTTEN, KRIEG DEN PALÄSTEN!!!

marschieren?

ergänzer 09.05.2003 - 14:48
2. Neonazis können überall marschieren

In Frankfurt nicht! Aucch wennd as eventuell ein Fake war mit dem FFM aufmarsch (ich glaubs aber nicht) konnten sie definitiv NICHT marschieren, sondern WIR auf IHRER Route. Das finde ich nen Erfolg!

auch wenn es beim ersten mal gelöscht wurde..

mastermindchaos 09.05.2003 - 16:54
...riecht mir das trotzdem stark nach fascho-posting

Naziposting

Jan 09.05.2003 - 17:03
Naziposting, definitiv!

Auf nach Mitte!

Quandt 09.05.2003 - 17:58
Es wird schon seit Jahren versucht eine revolutionaere Maidemo nach Mitte anzumelden, die dann regelmaessig nicht genehmigt wird - und dann wird halt doch wieder nach Kreuzberg gezogen um den eigenen Kiez zu zerschlagen. Warum sollte man sich das bieten lassen? Einfach trotzdem nach Mitte, dass ohne Zweifel als "rote Zone" abgeriegelt werden wuerde, aber so ein Szenario oeffnet doch viel mehr Moeglichkeiten...

Also Aufruf an die linksradikalen Mai-Vorbereiter: Reagiert auf das erneut absehbaren Verbot einer Demo nach Mitte kreativer, widerstaendiger, ungehorsamer und lasst uns im Vorfeld diskutiern wie man den 1. Mai 2004 in die Neue Mitte traegt!

Zusammenstellung 1.5.03 Berlin auf indy

10.05.2003 - 01:45