Kolumbien: Guerilla plant Bildung einer Untergrund-Regierung

I.B. Huriel 06.05.2003 21:41 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe Weltweit
In einer Erklärung der Internationalen Kommission der FARC-EP erklärt diese sich solidarisch mit den Regierungen in den Nachbarländern, die sich bemühen Alternativen zur Politik der US-Regierung zu entwickeln.
"Wir erklären unsere ungeteilte Solidarität mit Bolivarianischen Revolution Venezuelas, angeführt durch Präsident Hugo Chávez Frías, mit dem sozialistischen Cuba, Zeichen der Revolution und Gerechtigkeit, mit Brasilien und Ecuador, deren Bevölkerung ihren Widerstand durch die Wahl von Lula und Lucio Gutiérez ausgedrückt hat."

Weiterhin drücken die FARC ihre Solidarität mit der irakischen Bevölkerung aus und verurteilen die Aggression der USA und Englands. In diesem Zusammenhang bekräftigt die Organisation auch ihre Bereitschaft weiter entschlossenen Widerstand gegen die US-Truppen in Lateinamerika zu leisten: "Wir stellen uns gegen die Instrumentalisierung von Kolumbien als Einfallstor für die Geopolitik des Imperiums in seinem Versuch unsere Befreiungskämpfe einzuschränken."

"Gegenwärtig richtet Washington sein Interesse auf die Wasserreserven und die biologische Vielfalt unseres Kontinents und entwickelt seine Kriegspläne gegen unsere Bevölkerungen weiter, wie im Falle des Plan Colombia und seiner Ergänzung, der Iniciativa Regional Andina, die sie als Instrumente zur Durchsetzung des Plan Puebla Panamá benutzen."

In diesem Zusammenhang rufen die FARC dazu auf eine gemeinsame antiimperialistische Front auf dem ganzen Kontinent aufzubauen. In Kolumbien habe man einen Befreiungskampf entfesselt, der bezugnehmend auf Simon Bolivar, die zweite und endgültige Unabhängigkeit zum Ziel habe. "Auf der einen Seite: die Bevölkerung und ihre Organisationen; auf der anderen: das Imperium, die herrschende Klasse, ihr terroristischer Staat mit seinen offiziellen Streitkräften und seinen Paramilitärs"

Im weiteren gehen die FARC ausführlich auf den Propaganda- und Desinformationskrieg ein, nehmen zu verschiedenen Propagandalügen der Regierung Stellung und gehen in diesem Zusammenhang auch auf die ständig wiederholten Vorwürfe ein, sie würden in Nachbarländern operieren: "Weder dringen wir irgendwo militärisch ein noch realisieren wir Finanzoperationen außerhalb des kolumbianischen Territoriums." Weiterhin machen die FARC nocheinmal deutlich, dass sie bereit sind die Gefangenen auszutauschen, den Friedensprozess "mit einer Regierung die daran interessiert ist, die Ursachen des Konflikte auszuräumen" wieder aufzunehmen. Dafür sei es unter anderem notwendig den Paramilitarismus zu beenden und die Bundesstaaten Caquetá und Putumayo zu entmilitarisieren.

"Angesichts der tiefen Krise des Landes und der erwiesenen Unfähigkeit der Oligarchie, diese Krise im Sinne der Bevölkerung zu überwinden, sind wir damit beschäftigt, verschiedene soziale Schichten, Kräfte und Bewegungen – Kolumbianer in Opposition zum Faschismus von Uribe Vélez – zusammen zubringen, um eine demokratische und antineoliberale Regierung zu bilden, die ausgerüstet mit einem Friedensprogramm, eine Gegenmacht entwickelt, um das Land auf den Weg der Hoffnung, der Souveränität und der sozialen Gerechtigkeit zu führen."

Diese Neue Regierung werde gebildet von 12 kolumbianischen Repräsentanten aus allen Regionen des Landes und aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die sich mit der 10-Punkte-Plattform für ein Neues Kolumbien identifizieren. In den Anfängen werde ihre Aktivität im Untergrund stattfinden, bis die Kräfte ausreichen sie mit offenem Gesicht im ganzen Land zu entwickeln.

"Was wir anbieten, ist die Solidarität der Völker. Sie werden sich zu organisieren wissen, um eine bessere Welt aufzubauen, die Schmutz des Kapitalismus und seiner neoliberalen Politik überwindet.

Eine andere Welt ist möglich!"
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Ergänzungen

Idealer Termin

Zuschauer 06.05.2003 - 22:53
Grade heute haben die FARC mehr als 10 Leute die sie seit mehr als einem Jahr (!) als Geiseln hielten erschossen.

Ja und Ja und Aber

nervender idealist 06.05.2003 - 23:20
hey, die FARC leute kämpfen schon gegen die richtigen leute, aber vielleicht mit den falschen mitteln, auf jeden fall aber mit den falschen leuten als genossen.... scheiße, die erste ergänzung zum thema regierung und zwang triffts schon ganz gut. man sollte mal echt für gleichheit UND freiheit kämpfen, und nicht immer entweder gleichheit unter zwang oder freiheit unter ungleichheit einführen. führt die leute in die autonomie, so dass sie friedlich, selbsbestimmt und antikapitalistisch leben, aber zwingt sie nicht in eine chavez diktatur, und tötet ihre kinder nicht durch terroranschläge, is nich so gut. ghandi, mandela und luther king haben in ihrem kampf was erreicht, malcom X und che guevara hingegen gar nix und sind jetzt einfach tot und haben auf ihrem weg einfach noch ein paar andere mitgenommen.... wenn die kolumbianischen bauern von US helicoptern und kampfjets plattgemacht werden is das scheiße, aber wenn dann dafür ein kolumbianisches regierungsgebäude in die luft fliegt sagen die reichen kolumbianer: bitte, amis, helft uns gegen die bösen terroristen und die fiesen drogenmafiosis, und schon sind die freiheitskämpfer bloß geldgeile gangster, die vom glorreichen ami sherrif fertig gemacht werden müssen, und der us kongress stimmt mal eben einstimmig einem militäreinsatz zur drogenbekämpfung zu. und schon wieder verkohlen die körper von armen müttern mit ihren kindern nach dem einschlag einer fernlenkkrakete.... die leute sterben, statt frei zu werden, wenn mensch nicht endlich zeigt das man menschlicher ist als die kapitalisten. lernt aus der geschichte (siehe auch mauerfall, auch wenn das beispiel vielleicht nicht allen gefällt)

konzentration durch konzentration bekämpfen?

jan. 06.05.2003 - 23:48
ein neues zusammenleben muß auf vertrauen in den mitmenschen aufbauen. den im tiefsten grunde strebt jeder mensch nach wahr- und schönheit.

hmm

Straße für Zweiräder 06.05.2003 - 23:58
"mit dem sozialistischen Cuba, Zeichen der Revolution und Gerechtigkeit"

hmm

Nachdenken statt Nachplappern

Tommy 07.05.2003 - 00:09
"Gerade heute haben die FARC zehn Geiseln erschossen" - behauptet die Regierung Uribe. Wahr ist: Die Regierungstruppen haben ein Guerillalager angegriffen, um die Gefangenen zu befreien, dabei sind diese ums Leben gekommen. Uribe selbst hat sogar "Mitverantwortung" dafür eingeräumt.
"Chavez-Diktatur"... Ach Leute, lest doch mal die Artikel hier bei Indymedia und anderswo. Wenn das in Venezuela eine Diktatur ist, was ist denn das hier?
Aber es ist halt immer einfacher, bei einem guten Glas Wein in der warmen Stube Verhaltensnoten zu vergeben...

redessaince 07.05.2003 - 00:14
"ghandi, mandela und luther king haben in ihrem kampf was erreicht, malcom X und che guevara hingegen gar nix "

Che Guevara hat nichts erreicht??

Das werden dir aber nicht nur die Kubaner anders sagen können.
Natürlich hat Che Guevara sein Ziel nicht erreicht, Kuba ist kein ideales Land, kein solches, wie er es sich vorgestellt hat.
Aber besser als unter batista ist das heutige Kuba ohne Zweifel und vor allem sozial gerechter (ein Kubaer, der nicht aus dem obersten reichen 0,5% stammt, hatte außerdem auch nicht mehr politische Möglichkeiten als heute).

Hat Ghandi mehr erreicht?
Wenn der mitbekommen würde, was zwischen Indien und Pakistan abgeht, dann wäre er auch nicht glücklicher als Guevara.
Nebenbei haben wir in Indien ein absolut ungerechtes Kastensystem.



plapper plapper

rotweintrinker 07.05.2003 - 04:40
Soso Tommy

Ich les eben nicht nur die Artikel hier auf indymedia, da entgeht mir nicht dass die hier so glorifizierte FARC GEISELN nimmt und nicht zögert die UMZUBRINGEN.

Noch immer halten sie (zum Teil schon mehr als ein Jahr lang) Dutzende von Menschen in ihrer Gewalt. Erwähnt sei hier bloss Ingrid Betancourt, die ohne ihre Entführung im Februar 2002 heute möglicherweise Präsidentin Kolumbiens wäre. Hier auf indymedia liest man über sie rein gar nichts...

Wenn Kolumbien fällt...

Silke 07.05.2003 - 10:44
dann können die USA einpacken. Dann wird sich ganz Lateinamerika erheben! Ich drücke den Rebellen in Kolumbien, Mexico usw. die Daumen. Für die kolumbianischen Rebellen kann man übrigens auch Spenden :-)

Den Zerfall des Welt-Kapitalimus herbeisehnend,
S.

macht rotwein-glorifizierung blind ?

auch eine quelle 07.05.2003 - 11:59


Folgen der Kriegspolitik

junge welt, 7.5.2003
von Harald Neuber

Zehn Tote bei Armeeaktion in Kolumbien. Unter Opfern Gouverneur und Ex-Minister

Bei einem Großeinsatz der kolumbianischen Armee in der Provinz Antioquia sind am Montag zehn Menschen ums Leben gekommen, die sich in der Gewalt der linken Guerilla der Revolutionären Streitkräfte (FARC) befanden. Ums Leben kamen dabei auch der Gouverneur von Antioquia, Guilliermo Gaviria, und der ehemalige Verteidigungsminister Gilberto Echeverri. Bei den übrigen Toten handelte es sich um Soldaten und Polizisten. Die Regierung macht die FARC-Guerilla für die Toten verantwortlich. In ihrer Stellungnahme heißt es, es habe »keine Kampfhandlungen« gegeben. Ein Elitesoldat, der während der Militäraktion aus dem Lager der Rebellen fliehen konnte, behauptete, ein FARC-Kommandant habe die Order zur Exekution der Gefangenen gegeben. Diese Version wurde unkommentiert von allen großen Nachrichtenagenturen übernommen.

Nach Angaben alternativer Nachrichtenquellen sind jedoch »schwerwiegende Fehler der Armeeführung« für die Toten verantwortlich. So habe die Aktion gegen die attackierte FARC-Einheit bereits gut zwei Wochen vor dem Sturm auf das Lager begonnen. Am Montag dann hätten führende Militärs der Guerilla ein Ultimatum zur Freilassung der Gefangenen gestellt und die bedingungslose Kapitulation gefordert. Daraufhin hätten die Rebellen das Feuer eröffnet. Im Verlauf der Gefechte seien die Zivilisten ums Leben gekommen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Visur erklärten Bewohnern der umliegenden Dörfer, daß es auf beiden Seiten zum Teil Schwerverletzte gegeben habe. Fünf Militärs seien unmittelbar nach den Kampfhandlungen zur Behandlung in die Provinzhauptstadt Medellín verbracht worden. Trotz der Berichte über schwere Gefechte ist in dem Kommuniqué der Regierung von »totaler Professionalität« und »hochspezialisierten Truppen« die Rede, die Zusammenstöße vermieden hätten. Die gesamte Aktion sei darauf ausgerichtet gewesen, »das Risiko für die Bürger in jedem Fall so niedrig wie möglich zu halten«. Mit solchen Erklärungen versuche die Regierung offenbar, die begangenen Fehler zu verdecken, schreibt Visur.

Schätzungen zufolge befinden sich insgesamt gut 600 Menschen in der Gewalt der FARC. Meist sind es Armeeangehörige oder Polizisten, die während Gefechten in die Hände der Guerillaorganisation fielen. Seit einigen Jahren versuchen die FARC gezielt politische Akteure des kolumbianischen Staates in ihre Gewalt zu bekommen. So befinden sich seit fast einem Jahr auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Grünen Partei und der Gouverneur der Provinz Meta in Gefangenschaft der FARC. Angehörige der Betroffenen, Nichtregierungsorganisationen und Politiker des südamerikanischen Landes fordern von der Regierung des amtierenden Präsidenten Àlvaro Uribe, auf die Forderung der Guerilla nach Verhandlungen einzugehen. So soll ein Abkommen zum »humanitären Gefangenenaustausch« erreicht werden. Uribe hat sich seit seinem Amtsantritt im August vergangenen Jahres strikt gegen ein solches Abkommen und jegliche Verhandlungen mit den in Kolumbien aktiven linken Guerillabewegungen gewendet.

Der jüngste Zwischenfall wirft auch einen Schatten auf den medialen Umgang mit dem Konflikt. So wurden die Informationen der Regierung, nach denen die Guerilla die Gefangenen exekutiert habe, von internationalen Nachrichtenagenturen weitgehend unkritisch übernommen. Dabei liegt eine solche Eskalation durchaus im Interesse Uribes, der zu seiner Zeit als Gouverneur der Provinz Antioquia persönlich den Aufbau rechtsextremer Paramilitärs organisierte. In der vergangenen Woche erst hatten sich die FARC in einem offenen Brief an vier ehemalige Präsidenten gewandt und um deren Einsatz für ein humanitäres Abkommen zum Gefangenenaustausch gebeten. Nach dem Blutbad richtete sich Uribe noch am Montag in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung des Bürgerkriegslandes. »Gerade jetzt müssen wir unsere Entscheidung zum Kampf gegen den Terror bekräftigen«, sagte der Politiker. Am Mehrere Parlamentsabgeordnete und Prominente sprachen sich am Dienstag für eine Verhandlungslösung aus. Auch die Kommunistische Partei, selber ständig bedroht, forderte »eine bedingungslose Rückkehr an den Verhandlungstisch«. Einmal mehr sei die Bevölkerung aufgerufen, sich gemeinsam gegen die Kriegspolitik der Regierung Uribe zur Wehr zu setzen.

#Der Parlamentspräsident William Vélez zeigte sich am Dienstag in der Hauptstadt Bogotá davon überzeugt, daß »die Menschen, die sich in der Hand der Guerilla befinden, nicht ihrem Schicksal überlassen werden dürfen«. Nach dem blutigen Ausgang der Militäraktion dürfte sich auf die Regierung auch der Druck von betroffenen Familien erhöhen. Angehörige von Gefangenen der Guerilla hatten der Regierung wiederholt verantwortungsloses Vorgehen vorgeworfen. Auch der Ehemann der ehemaligen Grünen-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, hatte Uribe wegen dessen »Gleichgültigkeit« mehrmals scharf angegriffen. Ob sich kurzfristig die Politik der Regierung ändert, ist jedoch nicht zu erwarten.

Die FARC-Guerilla informierte ebenfalls am Dienstag in einer kurzen Stellungnahme über die Ereignisse des Vortages. Mehr als 600 Soldaten hätten am Montag getreu der Konfrontationspolitik von Uribe versucht, die Gefangenen zu befreien. Die beiden Politiker und mehrere Gefangene seien dabei umgekommen. »Für diese Geschehnisse machen die FARC Alvaro Uribe Vélez direkt verantwortlich«, heißt es in dem Schreiben.

na also

nicht gleich alles nachplappern 07.05.2003 - 13:39
danke für das jw-posting. kolumbien ist informationstechnisch wohl die heikelste Kiste überhaupt, da kann man nicht einfach nachplappern was in FAZ, SZ und TAZ steht. Vor zwei Wochen erfuhr ich z.b. aus der SZ, die Farc oder die ELN hätten einen kleinen Bub in die Luft gesprengt indem sie eine Sprengfalle an seinem Fahrrad angebracht haben. Die Meldung, sie hätten ihn verspiesen hätt ich eher geglaubt. In Kolumbien wird gelogen
und in Kolumbien morden vom Staat und der Mafia gedungene Paramilitärs im Namen der Guerilla, das darf man nicht vergessen.
Kritik kann man üben wenn man verlässliche Informationen hat. Die Betancourt-Story z.b. ist wahr und zum Kotzen. Falls sich diesbezüglich hier jemand auskennt: Wie begründet die Farc diese Aktion und wann soll sie wieder freigelassen werden?


nicht nur politisch aktive

in schweden 07.05.2003 - 17:05
befinde mich gerade in uppsala an der universität, wo wir unter anderem auch den konflikt in kolumbien thematisisert haben. einer unserer dozenten ist ein linker kolumbianer, der beide konfliktparteien kritisiert. einer seiner stark vertretenen krtitikpunkte hinsichtlich der FARC ist ihre entfuehrungstaktik. diese beschränkt sich nämlich nicht nur auf regime politiker, sondern richtet sich im prinzip gegen die ganze bevölkerung. geiselnahme und das damit verbundene lösungsgeld sind eine der haupteinnahmequellen fuer die rebellen. dies fuehrt natuerlich zu befuerchtungen in der beölkerung und damit einhergehend starkem vertrauens- und zuspruchsverlust. hingewiesen auf diesen umstand zeigt sich die FARC wenig bereit diese taktik zu ändern, da sie eben auf diese einnahmen angewiesen sind. ich frage mich, wie sie fuer eine gerechte gesellschaft etc. kämpfen können, wenn sie andererseits die bevölkerung in angst versetzen?

Wer wird entführt?

raul z. 07.05.2003 - 23:37
Ich bin bestimmt kein blinder FARC-Verteidiger, aber bei den Entführten, um die es hier geht, handelt es sich wahrlich nicht um einfache Leute. Die FARC haben vor 2 Jahren alle einfachen Soldaten und Polizisten, die sie 1998 und 1999 festgenommen hatten, freigelassen. Sie bemühen sich seit Jahren um einen Austausch der Kriegsgefangenen beider Seiten. Die kolumbianischen Regierungen haben das immer abgelehnt. Im Moment versuchen die FARC alle gefangenen Guerilleros gegen 60-70 Politiker, Abgeordnete und Offiziere zu tauschen. Der Druck in Kolumbien war so gross geworden, dass die Uribe-Regierung auf den Vorschlag der FARC ein Stück weit eingehen musste. Weil es Uribe aber überhaupt nicht ins Konzept passt, die FARC als kriegführende Partei offiziell anzuerkennen (und darauf liefe ein Gefangenenaustausch nach der Genfer Konvention hinaus), hat er vorgezogen, eine Katastrophe zu provozieren. Die Rechten konnten da nur gewinnen: Wenn die FARC die Leute freigelassen hätten, hätte sich Uribe als Befreier feiern lassen können. So steht die Guerilla als "Schlächter" und die kolumbianische Rechte als Opfer da.


Infos

selva 09.05.2003 - 09:25

@Rotweintrinker

Max 10.05.2003 - 01:45
Ingrid Betancourt wäre nicht Präsidentin, sie wäre schon tot. Es gab schon einen Tötungsauftrag. Aber trotzdem halte ich es für einen Fehler, dass die FARC sie entführt haben.

zu Ingrid Betancourt

Max 10.05.2003 - 14:14
Es ist immer noch nicht klar genau warum die FARC grüne Präsidentschafskandidatin entführte. Sie war Kritikerin der taktiken der FARC, aber das ist doch normal, sonst wäre ihr der Unterstützung der Guerilla untergestellt. In ihrem Buch über ihr Kampf gegen die Korruption in Kolumbien "Die Wut in meinem Herzen" erzählte sie wie sie 1996 Todesdrohungen bekommen hat, weil sie den damaligen Präsident Ernesto Samper wegen Korruption angeklagt hatte. Die "sicarios" (Berufkiller) wurde von Mitglider der herrschenden Oligarchie bezahlt, sie umzubringen. Sie musste mit ihrer Familie nach Neuzeeland fliehen. Trotzdem gehört sie der herrschenden Oligarchie. Ihr Vater, Yolando Pulecio, hätte der Präsident Kolumbiens werden können, wenn er es nicht abgelehnt hätte. Ihre Mutter, Gabriel Betancourt, war zweimal Erziehungsministerin, hat aber viel für die Strassenkinder gemacht. Die FARC entführt Mitglieder der Oligarchie und sie gehört dazu. Es war aber eine Fehlschätzung der FARC, weil der damalige Präsident Andres Pastrana sie sowieso aus den Weg schaffen wollte. Die FARC wollte sie zusammen mit anderen Politiker gegen gefangenge Gueriller@s austauschen. Die herrschende Oligarchie war aber glückich, dass dieser "Dorn im Auge" nicht weiter gegen die Korruption in der Regierung arbeiten konnte. Die Behauptung, dass sie jetzt Präsidentin wäre, wenn sie sich nicht in der Gewalt der FARC befände, ist sehr bedenklich. Es ist hochwarscheinlich, dass ihr dasselbe passieren würde als dem Jorge Eliécer Gaitán, der am 9. April 1948 auf einer Kundgebung ermordet wurde. Er war radikal liberaler Präsidentschaftskandidat und hätte die Wahl gewinnen können, aber natürlich wollte die korrupte Oligarchie es zum jeden Preis verhindern.

na ja

alfons 29.05.2003 - 16:49
, das die grüne präsidentschaftskandatin die präsidentschaftswahl gewinnen hätte können halte ich für sehr unwahrscheinlich, besonders hinsichtlich der
vielleicht 1,7 prozent ( ich bin da gerade nicht mehr so sicher, aber auf alle fälle unter 3 prozent) in den wahlprognossen.