Erste Mai: der urbane Mythos!

Maikäfer 03.05.2003 20:36 Themen: Soziale Kämpfe
Zum Mythos des ersten Mai's zu seiner Vorgeschichte und zu seiner Bedeutung.
Zum Ursprung, dem realen Ereignis im Mai 1987!

Auf dem Lausitzer Platz war ein Mai-Fest. Ein Fahrzeug der Polizei - VW-Bus - mußte dran glauben wohl im Rahmen einer kleinen Rangelei. Daraufhin demobilisierten die Autonomen per Motorradkuriere die Leute und empfahlen nach Hause zu gehen, da sie nun Vergeltung erwarteten.
Die Autonomen gingen also brav nach Hause, die Kreuzberger und sonstigen Berliner nicht. Sie blieben. Als dann Verstärkung kam entsstanden spontan Barrikaden, erst sehr kleine, flache Barrikaden. Aber sie schienen eine gewisse Wirkung zu haben. Diese Barrikaden wurden dann zu echten Barrikaden aufgetürmt. Die Menschen gingen nicht, nein es schienen immer mehr zu werden. Wie gesagt ganz normales Volk. Die Steine die flogen waren nicht vereinzelt es waren Wolken von Steinen, sie flogen zu Hunderten gleichzeitig. Die Bullen hatten nun erkennbar Angst, sie führten ihre Aufträge nicht mehr aus. Mit Blaulicht wurde zuerst im Schritttempo nach vorne gefahren, dann ergriffen sie panisch die Flucht. Kreuzberg war für einen Moment befreit. Bolle wurde geplündert. Ganz normales Volk, Türken-Omas mit Kopftuch gingen "einkaufen".
Dann wurde Bolle angezündet. Die Elekronik des Platzes wurde ausgeschaltet.
Das rhythmische Hämmern der Steine erklang wie Musik durch die Kreuzberger Nacht. Der Sieg war vollbracht, wenn auch nur für eine Nacht.


Dies zur Historie. Sollten hier Ergänzungen nötig sein so bringt sie.

Diesen 1. Mai beanspruchten nun die Linken für sich.

Die revolutionären 1. Mai Demos entstanden.
In der Folgezeit kam es dann auch jedes Jahr zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten.
Die Initiative zum Krawall ging mal von den einen mal von den anderen aus. Dies wäre ein extra Thema und konkret darzustellen.

Inzwischen ist es so, dass die Demos, auch die sogenannte revolutionäre friedlich verlaufen, die Bullen lassen die Demonstranten in Ruhe, verzichten auf Überfälle, anders also als früher.
Auch ist zu bemerken, dass Kreuzberg inzwischen total Bullenfrei ist am 1. Mai. Selbst am Alexanderplatz beim DGB-Mai 2003 waren wesentlich mehr Bullen, die zwischen den Demonstranten spazieren gingen.

Also die Gewalt der vergangenen Jahre hat den Gewaltverzicht des Staates in Kreuzberg gebracht.
Dieser Gewaltverzicht bewirkte auch einen total friedlichen Verlauf der Demo und des Festes.
Warum es auch dieses Jahr dann zu Angriffen auf die Bullen kam?

Nun was bedeutet der erste Mai?

In dieser Stadt und wohl auch in Hamburg, also den urbanen Zentren sind Lebensbedingungen, wo soziale Unterschichten leben, die gefrustet, in ihrer Identität sich nicht repräsentiert fühlen.
Am ersten Mai sind sie da: Die Ausgegrenzten, wie Drogenbenützer, Obdachlosen, die jungen Ausländer, auch die welche einfach Lust auf Stärke haben, darauf Männlichkeit zu celebrieren. Auch aus dem Ausland ist inzwischen ein "KrawallTourismus" entstanden, Leute die die Sensation suchen, auch sie kommen.

Wie gesagt durch die Tatsache, dass durch keinerlei Polizeieinsatz, egal ob massiv oder deeskalierend, dieser Erste Mai verhindert wurde, dadurch ist ein Mythos entstanden. Ein Mythos ist etwas irrationales, etwas an das man glaubt, so wie an Gott. So ist es in den Seelen aller eingemeiselt. Der nächste erste Mai kommt bestimmt, und die Randale wird absolut sicher wieder sein. Der Reiz ist gerade dies.

Der erste Mai im Sinne von Randale war noch nie, weder bei seiner Entstehung noch im Laufe der Jahre, eine Angelegenheit der Autonomen, der K-Gruppen oder von wem auch immer.
Der erste Mai, das war immer nackter purer Hass auf ein System, das 1987 eine Niederlage erlitt, eine Niederlage die wie Balsam in den Herzen der Unterdrückten sich eingebrannt hat. Jedes Jahr an diesem Tag bricht diese Wunde auf, der Tag der Rache, der Tag des Sieges, wo man mal dem System, in Form der Bullen, zeigen kann wo es lang geht. Genau dies ist die Psychologie des ersten Mai's in Kreuzberg und anderswo.

Also der erste Mai als urbaner Mythos eine Art Orgasmus des Protestes!

Irrational, ewig und unbesiegbar!


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Ergänzungen

in HH ist es Bambule

03.05.2003 - 20:59
Einen echten 1.5. haben wir in Hamburg nicht. Außerdem keinen Sieg, auf den man aufbauen kann. Ein lustiges Datum gibt es trotzdem: den letzten einkaufsfreien Samstag vor Weihnachten. Nach dem Weihnachtskessel 2002 sollte jetzt schon der Termin 2003 festgehalten werden. Das wird vielleicht auch irgendwann international, da es gleichzeitig dadurch politisch ist, dass der Weinachts-Konsum in Hamburgs Innenstadt auf seinem Höhepunkt gestoppt wird. Bambule überall und immer wieder.
Bis dann am Gerhardt-Hauptmann-Platz!

kleine berichtigung

alkkader 03.05.2003 - 23:20
hey maikäfer, so'n unsinn. eine runde aussetzen und im archiv nachlsen gehen!

___--??????

04.05.2003 - 00:33
Krawalltouristen....Tuerkenoma___-''''00???????,,,
komisches vokabular compañero''¿¿¿¡¡¡?????

Mythos revolutionäres Subjekt

hirschkäfer 04.05.2003 - 07:13
Wirklich kommisches vokabular...irationallität abzufeiern ist das gegenteil von "links", historisch gesehen ist der beitrag unfug und die projektion revolutionärer omnipotenzträume auf das scheinbar revolutionäre subjekt von "ausgeschlossenen" ist grausam.

mensch, mensch

Fatima 04.05.2003 - 10:31
so ein Schwachsinn, die Autonomen gingen nach Hause weil eventuell Bullen kommen könnten...und außerdem sind die Autonomen sowieso ne straff organisierte Untergrundarmee, nicht?

Wenn du das näxte mal auf Koks bist, schreibe mal lieber ne Kurzgeschichte ohne großen realen Anspruch, da haste sicher mehr Erfolg.

Mythos ist Mythos und bleibt Mythos!

Maikäfer 04.05.2003 - 13:37
@ Fatima:
so ein Schwachsinn, die Autonomen gingen nach Hause weil eventuell Bullen kommen könnten...und außerdem sind die Autonomen sowieso ne straff organisierte Untergrundarmee, nicht?

Mal abgesehen von deiner Diffamierung (Koks), Tatsachen sind kein Schwachsinn, sie sind richtig oder falsch.
Richtig ist, dass die Autonomen 1987 dazu aufriefen nach Hause zu gehen, da sie befürchteten dass die Bullen mit Verstärkung kommen und dann Leute verhaften würden.
Ich glaube nicht, dass du damals dabei warst, wenn ja dann müßtest du dies wissen.
Dass die Autonomen nur bedingt organisiert sind stimmt, hat mit ihrer Tedenz zum Anarchismus zu tun. Damals zumindest hatten sie noch ein Minimum an Strukturen.

@ Hirschkäfer:

Wirklich kommisches vokabular...irationallität abzufeiern ist das gegenteil von "links", historisch gesehen ist der beitrag unfug und die projektion revolutionärer omnipotenzträume auf das scheinbar revolutionäre subjekt von "ausgeschlossenen" ist grausam.

Hirschkäfer lese bitte noch mal.

Der "revolutionäre erste Mai" war nie, weder am Anfang noch heute ein linkes Ereignis, linke haben sich da dran gehängt.
Er ist auch nicht revolutionär im linken Sinne. Revolutionär im linken Sinne kann nur eine Revolution sein welche siegreich den Kapitalismus insgesamt stürzt.

Der erste Mai ist, war und wird es bleiben: ein Mythos der Rebellion gegen das verhasste System. Ein Hass der nicht nur in linken Köpfen und Körpern steckt. Ein Haß der täglich neu entsteht durch die Unterdrückung im kapitalistischen System.

Die "inken" sind heute weder in der Lage eine antikapitalistische Analyse der Gegenwart zu bringen noch eine Strategie und Taktik zu entwickeln welche auch nur ansatzweise zu einer Schwächung des Systems der Ausbeutung führen könnte.
Im Gegenteil die kapitalistisch ausbeuterischen Kräfte sind dabei diese Ausbeutung noch mehr zu forcieren ohne dass auch nur im entferntesten eine angemessenen Antwort linker Kräfte käme.
Linke Kräfte sind in strukurellem Konservatismus gebunden in der Wiederholung von bekannten Protestmustern ohne kreativ auf die Aktualität reagieren zu können. Sie sind heute zu über 90 Prozent von Staatschutzagenten infiltriert und kontrolliert.

der eigentliche mythos...

04.05.2003 - 13:45
...sind doch die "autonomen" selbst. da sind leute, die sich schwarz kleiden, große reden schwingen und bei jedem zucken der polizei rennen. dogmatisch wie sonst was und aber denken sie würden "revolution" machen. keine große hilfe

hintergrund kreuzberg

ali 04.05.2003 - 15:07
wichtig ist noch die zeit vor diesem ersten mai. kreuzberg war ein vernchlässigter und benachteiligter stadtteil...kurz vor dem 1.mai 87 brodelte es gewaltig: die sozialen problem im stadtteil wurden immer deutlicher, die mietpresibindung sollte aufgehoben werden und am morgen des 1.mai wurde das büro der volkszählungsgegner geräumt. die polizei, die sich in den letzten jahren bei diesen festen zurückgehalten hatte, war ständig sichtbar...

Chronologie der 1.Mai Demos

LÖPA Berlin 04.05.2003 - 15:13
Eine Chronologie bisheriger 1.Mai-Demos gibt es bei uns unter:
 http://www.geocities.com/theloepa/mai1c.html

ein Update von 2003 wird bald kommen...

Peace.

eine erfahrung, eine möglichkeit

von vielen! 04.05.2003 - 15:37
hey maikäfer, was du da "historisch" schreibst, ist dümmlicher unsinn, nicht nur von der wortwahl her.
da du offensichtlich keinen zugang zu linken publikationen über den ersten mai 1987 hast, versuche ich mal eine gegendarstellung. vielleicht kann ja auch noch jemand den link auf die "geschichte des ersten mai in berlin seit 1987" setzen, der hier kurz vor dem diesjährigen ersten mai veröffentlicht war (sven glückspils oder heinz schenk?


richtig ist, es gab nie autonome motoradkuriere in berlin. richtig ist aber auch, dass alle autonomen motoradfahrer am späten nachmittag des 1. mai 1987 alle schon viel zu breit waren um noch fahren zu können. in den dicken lederjacken knallt das bier bei sonnernschein nämlich noch mehr.
richtig ist, dass am späten nachmittag menschen sich richtung kinderbauernhof aufmachten, weil es dort mehr schatten gab. mitten auf der zweiten kreuzung hat dann ein aufgeregter oberwachtmeister seinen bulli abgewürgt, den schalthebel abgebrochen, als er den rückwärtsgang nicht mehr fand und die kiste damit entglast, weil er die tür nicht mehr aufkriegte. dies muss senator "in die wanne sperren und abtransportieren" kewenig in den falschen hals gekriegt haben, weshalb er zum grossangriff blies. völlig unkoordiniert bauten dann tausende zu besuch in berlin weilende westdeutsche bank- und versicherungsangestellte überall um den lauseplatz barrikaden, vertrieben die angreifenden truppen und eigneten sich den kiez an.

richtig ist, dass diese menschen hinterher von kewenig "die autonomen", "die bewohner" und "die anti-berliner" genannt wurden. problematisch wurde es, als später bestimmte gruppen und personen für "die autonomen" sprechen wollten.

richtig ist, dass es sich um den einzigen aufstand in der jüngeren geschichte berlins handelt. falsch ist, dass dieser seitdem jedes jahr nachgespielt wird. nachspielen geht nämlich nur, wenn man die vorgeschichte kennt. "die autonomen"haben dies begriffen. die für sie sprechen wollen nicht.

richtig ist, dass dieser aufstand kein weiteres ziel hatte, als ohne anwesenheit von aufsichtspersonen ein weniger langweiliges fest feiern zu können. richtig ist, dass in diesem die möglichkeit von befreiung aufschien und dies für "die autonomen" eine wesentliche erfahrung war/ist.
weder die einzige erfahrung noch die einzige möglichkeit.

richtig ist auch, dass in der nacht mindestens eine frau vergewaltigt wurde.

Fakten aus erster Hand, kein Märchen bitte!

Der Maikäfer 04.05.2003 - 23:10
Zitat:
"hey maikäfer, was du da "historisch" schreibst, ist dümmlicher unsinn, nicht nur von der wortwahl her.
da du offensichtlich keinen zugang zu linken publikationen über den ersten mai 1987 hast, versuche ich mal eine gegendarstellung."
Zitat Ende.

@ von vielen.
Offensichtlich warst du 1987 nicht mit dabei. Wahrscheinlich hast du noch in die Windeln geschissen.
Du suchst also demzufolge nach "linken publikationen".

Wenn man die Wahrheit nicht aus erster Hand hat, dann nimmt man sie aus zweiter Hand.
Wer sagt dir, dass die Wahrheit aus zweiter Hand identischer ist als die aus erster Hand??????

Eine solche Publikation ist subjektiv gibt die Sicht des Autors an. Dies als objektiv zu betracheten wäre dümmlich.

Die von dir angeführten Veröffentlichungen sind aus dem anarchistischen Spektrum, was ja eine gewisse Nähe zu Autonomen hat.

Merke: es gibt nur eine Wirklichkeit. Meinungen und Interpretationen gibt es dagegen unbegrenzt.
Und die Tatsache ist die, ob es dir gefällt oder nicht: Die Autonomen haben am 1 Mai 1987 nicht gekämpft. Sie haben immer eine laute Fresse, halten sich für wichtig, rennen weg wenns gefährlich wird und halten sich für den Nabel der Welt.
Inzwischen sind die Autonomen eh historisch erledigt!

Sieg im Volkskrieg!

Don't feed the trolls!

Ein Gefangener vom 1.Mai 87 04.05.2003 - 23:35
Insbesondere wenn "Maikäfer" offensichtlich ein RIM-Depp o.ä. ist, der/die in der Walpurgisnacht zuviel Pilze genommen hat.

ähh...

Warhead 05.05.2003 - 01:25
...RIM-Deppen oder ähnliche nehmen keine Pilze,sonst hätten sie mehr Phantasie...und würden aus der RIM aussteigen.

...

05.05.2003 - 17:15
zeig mir mal autonome, die weg laufen, weil bullen u.U. verstärkung holen könnten.
das ist blödsinn!!!
denn das, was viele als autonome verstehen geht der konfrontation nicht aus dem weg...

quatsch

qua 05.05.2003 - 18:17
oh mann,
finds immer wieder gut wenn geschuichten hier auftauchen die den Abspruch des Wissens haben. Auch ich bin ein bißchen älter und habe den Mai 87 mitbekommen. Ich wurde allerdings nicht von einem Motorradmelder benachrichtigt nach Hause zu gehen. Bin also, obwohl der autonomen Scene durchaus zugehörig, da geblieben. Mit mir auch hunderte andere. Auch so bilden sich Mythen.

Berlin 1. Mai 2003 - Zusammenstellung

07.05.2003 - 00:38

PS: zu loepa

07.05.2003 - 00:55
In der Zusammenstellung steht auch was zu Löpa, die zwar lobenswerter Weise die Arbeit von Genosse B. (SvenG./ThomasL.) ins Netz gestellt und mehr schlecht als recht ergänzt haben.

In der kostenlos zu ersten Mai 2002 verteilten "Interim" prangte oben sogar auf der Seite das Coyright Zeichen vor dem Namen Löpa.
Es soll hier nicht um Urheberrechte gehen, aber wer die Hauptarbeit gemacht hat, sollte schon erwähnt werden, wenn er sie es möchte, wie in diesem Fall.
("Ehre wem Ehre gebührt"- damit nicht die "Falsche" die Lorbeeren ernten)
Schlielich war diese akriebische Arbeit sehr aufwendig und könnte weiterhelfen gegen Gedächnissschwund.
Wobei ich mit Verwunderung zur Kenntniss nehmen mußte, daß
wohl eine Organisation bei der B. mitmacht,
(felS  http://www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/) kein Problem damit hatte(?) auf der 15.00 Uhr Demo mitzulaufen.