1. Mai in Leipzig

black cat 03.05.2003 02:48 Themen: Soziale Kämpfe
Nachdem in den letzten Jahren der 1. Mai in Leipzig aus libertär-linksradikaler Sicht recht schwach war, gelang es auf der diesjährigen Demonstration immerhin, antikapitalistische und arbeitskritische Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Enttäuschend gering allerdings war die TeilnehmerInnenzahl von ca. 100-300 Menschen bei der traditionellen Gewerkschaftsdemo, die sich wie in jedem Jahr gegen 9 Uhr am Connewitzer Kreuz Richtung Markt in Bewegung setzte. Überraschend - vor allem für die "üblichen verdächtigen" DemoteilnehmerInnen - war das Erscheinen von ca. 20 jungen, arbeitskritischen Linksradikalen - die FAU-IAA Leipzig hatte im Vorfeld zu der Demo mobilisiert. Gemessen an der gesamten TeilnehmerInnenzahl und der frühen Uhrzeit sind 20 libertäre Linksradikale mit 4 Transparenten schon als kleiner Erfolg zu werten.
Nach einiger Zeit gelang es, fast an der Demospitze einen "Anti-Arbeits-Block" zu bilden - unter anfänglichem Widerstand von IG-Metall-Mitgliedern, die schliesslich nebeneinander im Abstand von wenigen Zentimetern zum Fronttranspi des Blocks ("Gegen Arbeitswahn und Kapitalismus") liefen, um dieses zu verdecken. Auch sonst sorgten die ArbeitsgegnerInnen für eine deutliche Belebung der - normalerweise von grauhaarigen GewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen und autoritären KommunistInnen und von in Endlosschleife abgespielten, traditionellen Kampfliedern geprägten - Demo: z.B. durch viele Sprechchöre wie "Stress, kaum Geld und keine Zeit - das ist (die) freie Lohnarbeit.", "100 Jahre DGB/SPD tun dem Kapital nicht weh.", "Arbeit, Geld und Ware - da kriegt man graue Haare!", "Gegen Chefs und Spaltung - für Selbstverwaltung!"

Auf dem Marktplatz waren schliesslich ca. 300-500 Menschen zur Abschlusskundgebung anwesend. Während der eher langweiligen Reden mit den immergleichen Inhalten hatte mensch Zeit, sich die vielen Info- und Verkaufsstände näher anzuschauen. Vertreten waren u.a.: Naturfreunde e.V., Neues Deutschland, Aktionskreis Frieden, MLPD, Che-Guevara-Fans, irgendeine Finanzdienstleistungsfirma, PDS, SPD, alle möglichen Gewerkschaften, ein Bastelstand von jungen DDR-RomantikerInnen, etc.
Aus der Reihe tanzten hier: eine gemütliche Sitzecke mit Sesseln, Sofas und Teppich von der ver.di-Jugend, die FDP, die mit einem Transpi "Liberal ist sozialer." und dem Verteilen von gelben Nelken provozieren wollte, sowie Menschen vom Mobilisierungsbündnis für die Anti-Arbeits-Demo in Erfurt, die dem allgemeinen Arbeitswahn etwas Urlaubsstimmung entgegensetzen wollten - leider gingen sie mit den 2 Sonnenschirmen, einem kleinen Tisch und einem Transpi am Rande ein wenig unter. Verteilt wurden mehrere Flugblätter mit arbeitskritischen Inhalten und es wurde auf die Demo in Erfurt aufmerksam gemacht.

Demonstration "Gegen die Arbeit - Für das Leben"
Dienstag 6. Mai, 15.30 Uhr, Karl-Marx-Platz (am Juri-Gagarin-Ring) in Erfurt

Das Leipziger Mobilisierungsbündnis:  http://www.linxxnet.de/ameisen

Die Erfurter Demo-Veranstalter:  http://ameisen.arranca.de



[P.S.: Leider trat meine Kamera kurz nach Demobeginn in den Streik - höchstwahrscheinlich wird aber bald noch eine weitere (und komplette) Fotoserie gepostet ...]
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Ergänzungen

Berichtet die LVZ ...

black cat 03.05.2003 - 03:08
... hier eigentlich von der gleichen Veranstaltung?

???

igorowitsch 03.05.2003 - 15:45
ähm, was bitte, habe ich mir unter "sozialer Euthanasie" vorzustellen????

hä?

hä? 03.05.2003 - 20:00
anarchie organisieren???? geht denn sowas....

aber sicher!!!

carlo starkblom 04.05.2003 - 04:46
die forderung/ anarchistische strukturen und lebenszusammenhänge zu organisieren/ stellt keineswegs einen widerspruch in sich dar/ es sei denn/ mensch definiert anarchie/ wie im rahmen bürgerlicher presseerzeugnisse nur allzu üblich/ als blankes chaos/ als blutigen/ brutalen kampf aller gegen aller/ und nicht/ wie libertäre theorieentwürfe/ beispielsweise auf pierre-joseph proudhon/ michail bakunin/ peter kropotkin oder gustav landauer zurückgehende denkmodelle/ es vertreten/ als zustand sozial gerechter/ herrschaftsfreier ordnung...
l´état pourqoui???

Also...

Pepe 04.05.2003 - 14:27
...wenn ich mir anschaue, wie viel in Merseburg ("Gegen deutschen Arbeitswahn-für ein selbstbestimmtes Leben") Los war (ca. 300-400 Leute) dann wäre es doch besser gewesen, wenn die Leipziger auch nach Merseburg gefahren wären, oder?