EA: Mind. 44 Festnahmen in Nürnberg

EA Nürnberg 02.05.2003 14:30 Themen: Repression
Bericht des Ermittlungsausschusses der Roten Hilfe vom 1. Mai 2003 in Nürnberg: Mindestens 44 Gefangene - Zahlreiche Minderjährige - Verweigerung grundlegender Rechte - Mindestens zwei Verletzte - Überzogener Polizeieinsatz
Im Rahmen der Veranstaltungen am 1. Mai wurden uns bisher 44 Festnahmen bekannt. Die meisten erfolgten am Rande des Straßenfestes an der Fürther Straße im Anschluß an die "Revolutionäre 1. Mai-Demo". In der Innenstadt wurden auf dem Weg zum Bahnhof mindestens zwei Personen festgenommen. Unter den 42 Festgenommenen, die bis 20.00 Uhr alle wieder freigelassen wurden, befanden sich mindestens 24 Minderjährige, darunter ein Dreizehnjähriger.
Die Tatvorwürfe reichten von Verstoß gegen das Versammlungsgesetz über Beamtenbeleidigung und Landfriedensbruch bis hin zu Körperverletzung.
Die Gefangenen wurden alle in die Polizeiinspektion Mitte gebracht und dort erkennungsdienstlich behandelt. Zwei Personen mußten mit Kopfverletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Von einer Festnahme wird berichtet, dass drei Polizisten auf dem stark aus dem Mund blutenden Demonstrationsteilnehmer knieten und ihn mehrmals schlugen, sobald er sich rührte. Freunde des anderen Verletzten wurden von Polizisten rabiat aus dem Erler-Klinikum geworfen.
Auch auf dem Transport in die Inspektion sowie auf der Wache selbst sei es nach Angaben der Betroffenen zu zahlreichen Drohungen, Beleidigungen und Handgreiflichkeiten gekommen. Mindestens zwei Personen wurde ihr Geld nach Ende der Polizeimaßnahme nicht wieder ausgehändigt.
Allen Gefangenen, auch den Minderjährigen, wurde trotz mehrmaliger Nachfrage das Recht auf zwei Telefonate verweigert. Auch der Gang auf die Toilette wurde allen Gefangenen nicht zugestanden. Einige mußten daraufhin Flur oder Zelle nutzen.
Die Rote Hilfe Nürnberg betrachtet dies als einen ungeheuerlichen und unverhältnismäßigen Vorfall, bei dem selbst Minderjährigen ihre grundlegenden Rechte aberkannt wurden.
Auch aufgrund der Tatsache, dass wieder Festnahmen auf dem Heimweg vorgenommen wurden, rät die Rote Hilfe abermals, in Gruppen auf Demos zu gehen und sich nicht allein von diesen zu entfernen.
Rote Hilfe e. V., OG Nürnberg
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Ergänzungen

Zuwachs

inDee 02.05.2003 - 15:26
Wie ist dieser enorme Zuwachs an Festnahmen zu erklären?
Meines Wissens gab es letztes Jahr nur eine Festnahme die auf der Druck der Anwesenden zurückgenommen werden mußte?
Erfahrungsgemäß ist vor allem das Fest nach der Demo eine Art bürgernaher Veranstaltung bei dem nicht ausschließlich Szene-Leute anwesend sind sondern ganz im Gegenteil.
Wie ist diese Eskalation in dem friedlichen idyllischen Städchen wömglich geworden?

Letztes Jahr

Hotzenplotz 02.05.2003 - 15:39
Letztes Jahr ist die Stimmung auch fast übergekocht, blos haben die Bullen sich da schnell zurückgezogen. Die Festnahmen sind wohl Rache für die kurze Schlacht gewesen, bei der sich die Bullen letztenendes zurückziehen mussten.

Einer des es nicht versteht... 02.05.2003 - 16:03
Jeder,

aber auch absolut jeder der hinten an der Fürhter Straße gestanden war und Flaschen geworfen hat, hat es verdient. Das Spiel hat echt den Charme verloren. Wir machen scheiße bis die Bullen kommen und dann werfen wir Flaschen auf sie.

Zu den Beschuldigungn bezüglich der Situation auf dem Weg zum Polizeirevier kann ich nichts sagen, wenn es aber wirklich so zuging war es natürlich übel.

Rückzug?

cpt 02.05.2003 - 19:15
an hotzenplotz: der Rückzug war ein Bullenmanöver um die Leute die noch zwischen den Büschen und dem Haus standen wieder auf die Straße zu locken und dann einige durch ein Vorpreschen der Polizei einzufangen.
Quelle? N Kumple hat ein Gespräch zwischen dem(ziemlich hilflose agierenden) Einsatzleiter König und den anderen Koordinatoren belauscht.
Die Gruppe Punks die sich auf die Strasse zubewegte wurde dann gewarnt und hat darauf verzichtet die Strasse sofort wieder zu besetzen.
Als die Bullen dann nicht mehr auf der Lauer lagen wurde allerdings wieder besetzt, einige Leute brachen dann nochmal zur Polizeiwache auf und konnten dort die Polizei dazu bewegen endlich mit der Personalienfeststellung anzufangen(eine Stunde lang war dies hinausgezögert worden, der Einsatzleiter hatte an der Straße noch versprochen die Festellungen sofort durchzuführen...). Es gab noch eine Anzeige gegen die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung bei dem verletzten Punk(wenn ich das richtig verstanden habe) und eine Anzeige der Polizei wegen einem "All Cops Are Bastards" T-Shirt.

Habe Fotos der brutalen Festnahme...

xxx 02.05.2003 - 19:38
... falls sie jemand zwecks Anzeige gegen die Polizisten benötigt, lasse ich die gerne zukommen. Sind auch Fotos von Polizisten dabei, die dem Verletzten keine Hilfeleistung gaben.

@xxx

oa 02.05.2003 - 21:07
hallo xxx,

kannst du die bilder zuschicken, entweder per mail oder an:
rote hilfe
c/o libresso
bauerngasse 14
90443 nürnberg

oder montags ab 19.00 uhr in der schwarzen katze, mittlere kanalstr. 19, u-bahn gostenhof abgeben?

danke

Erler Klinikum

Motte 04.05.2003 - 18:44
also ich möchte noch etwas zu dem vorfall im Klinikum (was auch im bericht erwähnt wird) sagen. Da wir zwischen eine schlägerei IM Klinikum gegangen sind, die durch einem pöbelten fremden patienten, der sich als "normal" bezeichnete ausgelöst wurde, wurden wir unsanft aus dem Klinikum befördert (wozu auch schläge und tritte gehörten) und dürften uns als asoziales gesocks beschimpfen lassen. Einerseits verstehe ich die Reaktion anderer, nicht beteiligter patienten, finde es aber ungerecht, da einige unserer leute noch mehr aufruhr verhindern wollten und versuchten patienten zu beruhigen, mit einem klinikum-verweis und einer verhaftungsdrohung "bestraft" wurden.