Rechter Szenetreff oder normale Kegelbahn
Gericht entscheidet am heutigen Montag, ob eine Erlebnisgaststätte in Berlin-Marzahn ein Neonazi-Treff ist. Die Lokalität "Eulenspiegel" hatte ein Jugendmagazin verklagt, das dies im Juni 2002 behauptet hatte. Im September feierten 200 Neonazis samt Prominenz im "Eulenspiegel".
(Berlin) Der Name Eulenspiegel ist normalerweise mit Humor verbunden - ob als närrischer Schalk des Mittelalters oder ostdeutsches Satiremagazin. Der Eulenspiegel in Berlin-Marzahn, eine Erlebnisgaststätte mit Kegelbahn, macht weniger durch Lustigkeit als durch vermeintliche rechte Umtriebe von sich reden. Im Juni des vergangenen Jahres hatte das Berliner Jugendmagazin Mono in einem Artikel über den Bezirk Marzahn behauptet der Eulenspiegel sei ein "Treffpunkt des Rechtsextremismus". Die Reaktion der Betreiber ließ nicht lange auf sich warten. In der nächsten Ausgabe musste Mono eine Gegendarstellung abdrucken, in der es hieß, die Einrichtung sei "zu keinem Zeitpunkt" ein solcher Treffpunkt gewesen. Darüber hinaus verklagte der Eulenspiegel das Umsonst-Magazin auf Schadensersatz in Höhe von mehreren tausend Euro. Die Allianz-Versicherung hatte den Erlebnistreff für eine Jugendveranstaltung "Go Future" im September 2002 angemietet, dann aber "wegen schlechter Berichterstattung" doch einen Rückzieher gemacht.
Pikanterweise stürmten Ende September 2002 drei Hundertschaften der Berliner Polizei die Marzahner Lokalität, um dort die Personalien von knapp 200 Gästen der Berliner Nazirocker "Vandalen" festzustellen. Die wollten im Eulenspiegel heimlich ihr 20-jähriges Bestehen feiern – mit Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter ihnen befanden sich etliche Größen der deutschen Neonazi-Szene. Neben NPD-Funktionären wie Jens Pühse, dem stellvertretenden Vorsitzenden der NPD in Sachsen und dem 74-jährigen Friedhelm Busse, einst Vorsitzender der 1995 verbotenen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" konnte die Polizei auch die Personalien von Bendix W. feststellen. Letzterer hatte kurz vor der Bundestagswahl derart auf den Grünen Christian Ströbele eingeschlagen, dass dieser eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Gegen andere bei der Razzia kontrollierten Nazis laufen Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, so zum Beispiel gegen Jean-René B., der auch Mitglied der Naziband "Landser" ist.
Am heutigen Montag steht nun die Gerichtsverhandlung zwischen dem Jugendmagazin und der Erlebnisgaststätte beim Amtsgericht Mitte an. "Sollten wir verlieren, ist die Existenz unseres jungen Magazins bedroht", sagt Jason Krüger, der Herausgeber von Mono. Er ist erstaunt, dass der Eulenspiegel die Klage nach den Vorkommnissen im September nicht zurückgezogen hat. Das sieht Thorsten Krummbach, der Inhaber des Eulenspiegel, anders. Die Nazi-Party sei von einer Einzelperson bei ihm angemeldet worden. Ihm sei deshalb nicht ersichtlich gewesen, dass es sich um Rechtsradikale handele. "Wir bestehen ja schon seit sechs Jahren, hatten Gregor Gysi und Lothar de Maizière zu Talkrunden hier und sind in keiner Weise politisch ausgerichtet – weder nach links noch nach rechts." Ihm stoße auf, dass in dem Mono-Artikel ganz Marzahn als assozial und rechtsradikal diffamiert werde. Zur Untermauerung seiner Unschuld hat Krummbach Mitarbeiter des Staats- und Verfassungsschutz zum Gerichtstermin vorladen lassen, denn "die müssen es ja wissen". Mono-Chef Krüger sieht sich jedoch durch die Polizei-Razzia im September bestätigt: "Mit dem Treffen der Naziprominenz hat sich ja endgültig bewahrheitet, was wir im Juni geschrieben haben. Deshalb sehen wir der Verhandlung positiv entgegen." Bleibt also spannend, wie das Gericht heute entscheidet. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.
Pikanterweise stürmten Ende September 2002 drei Hundertschaften der Berliner Polizei die Marzahner Lokalität, um dort die Personalien von knapp 200 Gästen der Berliner Nazirocker "Vandalen" festzustellen. Die wollten im Eulenspiegel heimlich ihr 20-jähriges Bestehen feiern – mit Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter ihnen befanden sich etliche Größen der deutschen Neonazi-Szene. Neben NPD-Funktionären wie Jens Pühse, dem stellvertretenden Vorsitzenden der NPD in Sachsen und dem 74-jährigen Friedhelm Busse, einst Vorsitzender der 1995 verbotenen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" konnte die Polizei auch die Personalien von Bendix W. feststellen. Letzterer hatte kurz vor der Bundestagswahl derart auf den Grünen Christian Ströbele eingeschlagen, dass dieser eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Gegen andere bei der Razzia kontrollierten Nazis laufen Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, so zum Beispiel gegen Jean-René B., der auch Mitglied der Naziband "Landser" ist.
Am heutigen Montag steht nun die Gerichtsverhandlung zwischen dem Jugendmagazin und der Erlebnisgaststätte beim Amtsgericht Mitte an. "Sollten wir verlieren, ist die Existenz unseres jungen Magazins bedroht", sagt Jason Krüger, der Herausgeber von Mono. Er ist erstaunt, dass der Eulenspiegel die Klage nach den Vorkommnissen im September nicht zurückgezogen hat. Das sieht Thorsten Krummbach, der Inhaber des Eulenspiegel, anders. Die Nazi-Party sei von einer Einzelperson bei ihm angemeldet worden. Ihm sei deshalb nicht ersichtlich gewesen, dass es sich um Rechtsradikale handele. "Wir bestehen ja schon seit sechs Jahren, hatten Gregor Gysi und Lothar de Maizière zu Talkrunden hier und sind in keiner Weise politisch ausgerichtet – weder nach links noch nach rechts." Ihm stoße auf, dass in dem Mono-Artikel ganz Marzahn als assozial und rechtsradikal diffamiert werde. Zur Untermauerung seiner Unschuld hat Krummbach Mitarbeiter des Staats- und Verfassungsschutz zum Gerichtstermin vorladen lassen, denn "die müssen es ja wissen". Mono-Chef Krüger sieht sich jedoch durch die Polizei-Razzia im September bestätigt: "Mit dem Treffen der Naziprominenz hat sich ja endgültig bewahrheitet, was wir im Juni geschrieben haben. Deshalb sehen wir der Verhandlung positiv entgegen." Bleibt also spannend, wie das Gericht heute entscheidet. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.
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Ergänzungen
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allerdings sind dort vereinzelt schon mal größere fascho-trupps zugegen, die sieht man dann gegen 2 uhr in die strassenbahn stolpern und besoffen gucken. stress gabs da eher selten.
ich muss aber sagen, dass der laden solche leute nicht abweist, was natürlich besser wäre.
aber was soll auch sonst in einen solchen laden gehen, wo techno gespielt wird???
und marzahn als assozial und heruntergekommen zu bezeichnen is mir zu dumm, denn auch dort geibt es linke treffs und gegenaktivitäten!!! sonst würd ich's hier nich ausshalten. aber jemand muss ja was tun gegen diese prolos!!
WAS GEHT ????
Ich zum Beispiel bin Linksradikaler und höre trotzdem ab und zu Techno (GOA/Trance um genauer zu sein, aber für dich läuft das wahrscheinlich unter Techno). Das Techno nur von Rechten gehört wird, ist ein Vorurteil, das genauso alt wie falsch ist.
Gericht weist Klage ab
Wo genau ist der Klub?
Dezentrale Aktionen und antifaschistische Kiezspaziergänge durchführen!!!!!!!!!
Danke.
Viva Autonomia!
der klub is
nähe strassenbahnhalte "bürgerpark marzahn" und "jan-petersen-str"
gut mit numma 8,6,7,17 oder bus x54,291 zu erreichen.
einfach zum carré-zenter laufen und fragen *g*
Addy
bringt bestimmt viel da vorbeizuschauen!!! dann werden nächste mal sicher alle zu hause bleiben!!! 100 pro!!!
normal
aktionen gegen den "eulenspiegel" währen IMHO aber eher
kontraproduktiv.
Nicht so harmlos
Ein ständiger Treffpunkt der Rechten ist das Eulenspiegel wohl nicht, aber ein Ort, der anscheinend trotzdem für die Rechten als adequater Treffpunkt in frage kommt. Und gerade solche Orte sind am Ende richtig gefährlich, weil sie den Rechten sugerieren, das sie ihre verrauchten Hinterzimmer verlassen können und in bürgerlichen Etablissements die Sau raus lassen können. Letztendlich sind solche Orte für die Neue Rechte viel wichtiger als irgendein verkommender Nazi-Fanclub.