Aktionswochen an Hamburgs Hochschulen

ash 17.04.2003 01:26 Themen: Bildung
Hamburgs Studenten machen erneut gegen die Pläne der Wissenschaftsbehörde mobil. Mit Aktionswochen wird gegen das neue Hamburger Hochschulgesetz (HmbHG) und die Vorschläge der Dohnanyi-Kommission protestiert.
Aktuelle Termine beim AStA der Uni
In dieser Woche wurde und wird die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) unter dem Motto "HWP in Bewegung" bestreikt. Statt Vorlesungen und Seminaren besuchen die Studenten Arbeitsgruppen zur verschiedenen Aspekten der Hochschulpolitik. Darüberhinaus gab es bisher zwei spektakuläre Aktionen. Am Montag seilten sich zwei Studenten mit einem Transparent vom Dach ihrer Hochschule ab. Am Dienstag befuhren ca. 100 Studis mit Booten die Außen- und Binnenalster und brachten mit Transparenten ihrem Protest zum Ausdruck.
Die HWP an der auch Leute ohne Abitur relativ problemlos studieren können, soll nach den Plänen der Dohnanyi-Kommission, die viele böse Dinge mit den Hamburger Hochschulen bis 2012 vor hat, mit den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität zu einer neuen "School" verschmelzen und nicht mehr als eigenständige Hochschule existieren. Um diesen Plänen Nachdruck zu verleihen hat die Behörde des Wissenschaftssenators Jörg Dräger einen Einstellungsstop für die HWP verfügt. Am Donnerstag tagt das höchste Gremium der HWP. Hauptthema: Verschmelzung ja oder nein?
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An der Hamburger Universität soll eine Aktionswoche nach Ostern folgen. Auch dort richtet sich der Protest gegen die Vorhaben der Wissenschaftsbehörde. Die Universität soll in sogenannte "Schools" zerteilt werden. Eine Art Fachbereiche mit größerer Autonomie, die sich leichter gegeneinander ausspielen lassen. So ist z.B. geplant bei den Geistes-, Kultur-, und Sprachwissenschaften 50% der Studienplätze einzusparen. Dem ganzen vorstehen sollen externe Hochschulräte, die explizit sonst keine Verbindungen zur Universität haben sollen.
In der Aktionswoche wird es u.a. ein Picknick gegen Studiengebühren, Infoveranstaltungen, eine Vollversammlung, eine Demonstration u.v.m. geben. Beendet wird die Aktionswoche mit einer Party am Freitagabend => Aktuelle Terminliste
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Eigentlich sollte das HmbHG schon Anfang April in der Bürgerschaft verabschiedet werden. Die SPD nutz einen Formfehler um die Verabschiedung des Gesetzes, das ihr auch nicht ganz gefällt, herauszuschieben. Die endgültige Abstimmung findet wahrscheinlich Anfang Juni statt. In der neuen Fassung des HmbHG sind Studiengebühren für "Langzeitstudenten" (Regelstudienzeit + 4 Semester) und Studenten, die nicht in der Metropolregion Hamburg gemeldet sind vorgesehen. Die Exmatrikulation von mißliebigen Studenten wird vereinfacht und die Selbstverwaltung der Uni beschnitten. Die SPD bemängelt vor allem eine fehlende Frauenquote und den verschärften Maulkorb für die Hamburger ASten. Wolfgang Beuß (CDU und Mitglied im Wissenschaftsausschuß) wurde mit den Worten es habe ihn "tierisch geärgert", dass die ASten sich zu Bambule geäußert hätten, zitiert. In einer Bürgerschaftsdebatte sahen CDU- und Schill-Hinterbänkler die "Hintermänner der Bambule" im AStA sitzen.

Jörg Dräger brachte sich bundesweit zuletzt mit seinem Vorschlag in die Zeitungen bis zu 2500 Euro Studiengebühren pro Jahr zu kassieren. Als Ausgleich will er das Bafög abschaffen und 6500 Euro Kredit pro Jahr anbieten. Bleiben bei einer Regelstudienzeit von 4 bis 5 Jahren 26.000 bis 32.500 Schulden.
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Ergänzungen

Ob Bildung, Soziales, Wirtschaft, Irak, ...

zoltan 17.04.2003 - 01:41
Die es kaputtgemacht haben, haben es zu bezahlen!

Termin im Juni

ein kleiner Hinweis 17.04.2003 - 02:28
Nicht nur Kritik am Bestehenden äussern, sondern auch überlegen, was wir gerne stattdessen wollen.
In Potsdam findet im Juni die Woche der Alternativen Hochschule statt. Das ist eine Mischung aus Bildungskongress und Volxuni.
Guckt mal rein:  http://www.alternativuni.de

Endlich!

Langzeitstudent 17.04.2003 - 13:12
Endlich regt sich Protest an den Hochschulen! Gut so! Noch eine kleine Ergänzung: der oben erwähnte Entwurf zur Änderung des Hamburgischen Hochschulgesetzes enthält ebenfalls eine KLausel, die es ermöglichen würde alle Langzeitstudierenden zwangsweise zu exmatrikulieren. Immerhin sind 25% der Studierenden in Hamburg sog. Langzeitstudierenden, dies dürfte daher wohl nicht gerade wenige betreffen...Also: Aufraffen und auf die Straße, bevor es zu spät ist!

Ja ab auf die Strasse

einer 17.04.2003 - 15:00
Heute (donnerstag) 21.00 Uhr Feldstr! Regierung Stürzen!

Besseres Leben für Alle! Bamabule Überall.....

1. Mai in Hamburg!

A 18.04.2003 - 13:06
Kommt am 1. Mai zum sozialrevolutionären Block in der DGB-Demo (9.30 U-Bahn Feldstr., HH) und anschließend zur sozialrevolutionären 1. Mai-Demo (11.00 Uhr Fischmarkt, HH).
Den Aufruf des Bündnisses findet Ihr hier: www.nadir.org/nadir/initiativ/agr/1mai

hwp - nackter widerstand vor`m rathaus

hamburger 18.04.2003 - 23:01
Neben dem oben schon bildlich dokumentierten aktionen der hwp`ler, kam gestern eine weitere dazu!

um die öffentlichkeit auf die situation aufmerksam zu machen, wurden neben dem im mopoartikel:

 http://www.mopo.de/nachrichten/101_politik_33074.html

genaten "nackten", noch eine domina (als senat), welche 2 sklavinen vor sich her trieb ( hwp & uni)& mehrere große transpis eingesetzt!

zusätzlich wurde ein flugblatt verteilt:


Nackter Widerstand
Dräger klaut uns das letzte Hemd

Das Gutachten der von der Wissenschaftsbehörde im letzten Jahr eingesetzten Strukturkommission, sieht unter anderem die Zusammenlegung der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) mit den Fachbereichen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg vor. Dabei hat die unterschiedliche Ausrichtung von Studium und Lehre an den verschiedenen Institutionen und deren jeweils spezifische gesellschaftliche Funktion, keine Berücksichtigung gefunden. Die HWP zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass die Studierenden vor allem über den Zweiten Bildungsweg an die Hochschule gelangen. 40% der StudienanfängerInnen haben kein Abitur und kommen durch eine Aufnahmeprüfung an die Institution. Ein weiteres Merkmal ist die gleichberechtigte Interdisziplinarität bei gleichzeitiger kritischer Ausrichtung des Lehrangebots. Die einzelnen Bildungseinrichtungen Hamburgs sind in ihrer Ausrichtung so unterschiedlich, dass die Studierenden sich bewusst für ein Bildungs- und Ausbildungsmodell entscheiden.

Weitere Vorhaben von Wissenschaftssenator Dräger sind:

 Abwicklung von bis zu 30% der Studienplatzkapazitäten

 Streichung von 40% der Studienplätze in den Sozial- Kultur- und Geisteswissenschaften und deren Degradierung zu Nebenfächern.

 Die Neuorganisation der Universität Hamburg in ca. 11 Schools, statt der bisher 18 Fachbereiche

 Die Ersetzung der Demokratischen Selbstverwaltung der Hochschulen durch Externe wirtschaftlich dominierte Hochschulräte

 Studiengebühren

 Die umfassende Etablierung von Konsekutiven Bachelor- und Master Studiengängen mit zusätzlicher Prüfung zur Aufnahme in die Master.




 Eine „Durchlassquote“ von fachspezifisch 30 - 70% für die Master.

 Die Abschaffung der Zulassung zum Studium über die Zentrale- Verteilungs- Stelle (ZVS). Stattdessen Auswahlrecht der Hochschulen.

 Ein restriktiv gestaltetes Prüfungssystem.

Wir fordern Herrn Dräger auf sein politisch gewolltes, unsoziales Streichkonzert fallen zu lassen. Es reiht sich nahtlos in die Politik des Rechtsenats ein. Die Bedürfnisse und Rechte der Menschen werden in seinen Plänen kaum berücksichtigt.

Wir Streiken nun vom 14.04.03 an für eine Perspektive der HWP. Dieser Streik wird von vielen Aktionen begleitet. Es finden Arbeitsgruppen statt die sich kritisch mit dem Vorhaben der Wissenschaftsbehörde auseinandersetzen und darüber hinaus eine eigene fortschrittliche Perspektive entwickeln.

Wir fordern:

Erhaltung und Entwicklung der HWP als eigenständige, kritische Institution.

Die Förderung kritischer Wissenschaft in Hamburg.

Keine Selektion im Bildungszugang.

Langfristige sozialverträgliche Bildungskonzepte.


HWP Streikkomitee

Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg
 asta@hwp-hamburg.de