Medien, Manipulation und Militanz gegen den Irak-Krieg
WETZLAR (lhe). Knapp zwei Wochen nach dem Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in Wetzlar ist ein Bekennerschreiben einer bisher unbekannten Gruppe eingegangen. Nach Mitteilung der Polizei vom Mittwoch handelt es sich um eine Gruppierung mit dem Namen "feministisch-antimilitaristische Zelle", die sich gegen Militarismus und die patriarchale Ordnung richte. Einen Tag nach Beginn des Irak-Kriegs hatte die Polizei in der Behörde zwei so genannte Molotow-Cocktails gefunden, von denen sich nur einer entzündet hatte.
(Quelle: Giessener Anzeiger im Internet, 3.4.2003,
http://www.giessener-anzeiger.de/sixcms/detail.php?id=800852&_next=GA_Mittelhessen)
(Quelle: Giessener Anzeiger im Internet, 3.4.2003,
http://www.giessener-anzeiger.de/sixcms/detail.php?id=800852&_next=GA_Mittelhessen)
Meldungen wie die obige stellten während des Irak-Kriegs immer nur Randnotizen dar - oder wurden komplett verschwiegen. Weil es nicht ins Bilder der "nationalpazifistische Volksgemeinschaft" passte, die von Friedensbewegten bis zu Rot-grün reichte, deren Re-Militarisierung der BRD einfach "vergessen" wurde. Nicht nur die Medien, auch die Friedensbewegung mitsamt den dominanten Kreisen dort, haben Teil daran, dass Protest gegen den Irak-Krieg in Doitschland umgehend kanalisiert wurde und Abweichendes ausgegrenzt und verdrängt wurde - emanzipatorische Positionen in weiter Ferne. Daher beschäftigt sich dieser Artikel etwas intensiver mit den Strukturen der Friedensbewegung und der Rolle der Medien und Diskurse ...
Friedensproteste - staatstreu, kanalisiert und "von oben" organisiert
Deutlich wird immer wieder, dass "die" Friedensbewegung (die natürlich keine geschlossene Einheit bildet) selbst von Dominanzen und elitären Zirkeln durchzogen ist, die den Unmut der Menschen kanalisieren - und diese Führungsebenen werden nicht einmal verleugnet, wie einige Zitate zum Thema belegen. Ein besonderes Beispiel bildet die Kampagne "resist" - eine weitere "Retorte", neben dem Netzwerk Friedenskooperative maßgeblich von den NGO-ManagerInnen initiert, welche auch schon im Anti-Atom-Bereich mit X-tausendmalquer und am erfolgreichsten mit Attac für die Kanalisierung von Protest sorgten. Die militanten Proteste in Göteborg und Genua hatten Globalisierungs- bzw. weitergehende Kapitalismuskritik einige Öffentlichkeit verschafft. Das öffentliche Interesse wurde in Deutschland von der bis dahin unbedeutenden NGO Attac genutzt, um Bewegung zu assimilieren mit einer widerlichen Mischung aus Vereinnahmung, Instrumentalisierung und gleichzeitiger Hetze gegen militante Aktionsformen. Auf ganz ähnliche Weise, mit verbalradikalem Gestus, den nötigen Presse-Kontakte und dem wohlwollende Hypen durch FR, junge welt usw. wurde in wenigen Wochen "resist" zur wichtigsten Aktion und quasi-Dachverband der deutschen Friedensbewegung konstruiert. Jedes zweite Interview wird mit den selbsternannten SprecherInnen (voll basisdemokratisch ...) der Kampagne geführt. Wenig bekannt ist, dass z.B. bei den ersten Aktionen die "besetzen" Flächen vor der Frankfurter Airbase durch die "resist"-Führung angemietet und mit der Gegenseite abgesprochen waren. Trotzdem werden die Sitzblockaden als die Spitze von Widerständigkeit inszeniert - andere Protestformen werden so verdrängt und "undenkbar" gemacht .. ein Diskurs wird verschoben.
Kanalisierung hat in Deutschland Tradition - von linksliberaler Presse bis hin zu den Eliten in sozialer Bewegung ist mensch hier besonders modern, was die frühzeitige Integration bzw. komplette Assimilierung von Protest anbelangt. Leider gibt es dagegen wenig Gegenwehr oder Versuche, Gegenmodelle eines vielfältigen, hierarchiefreien Widerstands zu organisieren - ohne SprecherInnen, Wichtig-Gremien und informellen Dominanzen (Beispiele dafür unter
http://www.hoppetosse.net). Statt dem Abfeiern der eigen Aktion als "Erfolg" a la resist wäre daher kritische Analyse und der Streit um weniger dominanzgeprägte, offene und herrschaftskritische Strukturen angesagt. Denn solange wird Widerstand "von unten" in Doitschland eh nur eine leere Phrase sein ...
Diskurse als Helfer kanalisierten Ungehorsams
Diskurs meint ein Geflecht von Medien, wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten, die ständige Wiederholung von Argumentationsmustern, welche zu bestimmten Denkweisen und Erwartungshaltungen bei Menschen führen: Der Glaube, dass Kinder minderwertig seien und unfähig zur Selbstbestimmung, ist so ein Diskurs, der Tag für Tag aufs Neue reproduziert wird. Diskurse als Form subtiler Beherrschung werden nicht zentral gelenkt - aber sie ist verschränkt mit institutioneller Herrschaft ... Regierungen, Medien und Presse können aus ihrer Stellung z.B. ganz anders auf Diskurse zugreifen und diese organisieren - da wird nichts dem Zufall überlassen. Diskurse sorgen in modernen Herrschaftssystemen dafür, dass Menschen ohne offensichtliche Gewalt oder Herrschaftsdurchgriff funktionieren, arbeiten gehen oder gegen Krieg demonstrieren, wenn es der Regierung passt.
Diskurse die erste: Bei den letzten Kriegen mit offizieller deutscher Beteiligung (Kosovo, Afghanistan) wurden Meldungen von sog. "Kollateralschäden" usw. in deutschen Medien wenig hochgehalten ... Antikriegsproteste waren absolut marginal. Während des aktuellen Irak-Kriegs wurde mit Bildern verwüsteter Häuser, ziviler Einrichtungen usw. nicht gespart - es passt halt zu den Interessen von FR bis zum Schröder-Fischer Gespann, die sich darin einig sind, dass Europa in der Welt den Ton angeben soll. Ohne Genaueres zu wissen darf davon ausgegangen werden, dass die Berichterstattung in den offiziell kriegsführenden Ländern etwas anders aussah (Berichte oder Ergänzungen dazu erwünscht!). Die Meinung der Menschen scheint beliebig manipulierbar.
Diskurse die zweite: Als Legitimation für UN-Inspektionen wie den Krieg wurden im Vorfeld des Gemetzels immer wieder angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak benannt, um bei den Menschen Akzeptanz für unzählige Tote und ein zerstörtes Land zu beschaffen. Weder wurden solche Waffen gefunden, noch von Saddam eingesetzt ... vielleicht wurde auch gar nicht danach gesucht. Sehr wahrscheinlich ist, dass es sich also um Kriegs-Propaganda handelte (ohne das widerliche Baath-Regime beschönigen oder entlasten zu wollen). In der Berichterstattung spielte die zentrale Kriegslegitimation jedenfalls plötzlich kein Rolle mehr. Nachdem der Diskurs seinen Dienst erfüllt hat, wird er halt weg geworfen - und es scheint niemanden zu interessieren oder die Glaubwürdigkeit der KriegstreiberInnen darunter zu leiden.
Diskurse die dritte: Zur Berichterstattung über Proteste gehört immer ein Diskurs darüber, welche Aktionsformen legitim, legal oder illegal sind, was friedliche Proteste sind und wo Gewalt beginnt. Dieser Diskurs dient dazu, Widerstand zu spalten, in systemgerechte Bahnen zu lenken, aber auch einfach, Sympathien oder Solidarisierungen mit direkten Aktionen zu verhindern: Während Mahnwachen, Lichterketten usw., die Herrschaft nicht angreifen und sich dem Demonstrationsrecht unterwerfen, gelobt werden, werden Ausschreitungen oder militante Aktionen diffamiert oder verschwiegen. Das ist nicht neu - dazu kommt, dass in der aktuellen Berichten über die Friedensbewegung dieser Diskurs um einiges verschoben wurde: Die Blockade von US-Militärfahrzeugen oder das versuchte Durchbrechen von Absperrungen wird in der FR plötzlich unter dem Begriff ?Zwischenfall? einsortiert. Auch die Führungskreise der Friedensbewegung selbst betonen immer wieder, Gewalt in den eigenen Reihen verhindern zu wollen Gleichzeitig wir z.B. die ?resist? Sitzblockade als Höhepunkt von entschlossenem Widerstand konstruiert und dadurch vieles verdrängt, was darüber hinaus gehen könnte. In Italien, wo sich in den letzten Jahren eine andere Kultur der Widerständigkeit entwickelt hat (da wird schon mal ein Abschiebeknast von hunderten AktivistInnen tagsüber zerstört), würden solche Berichte vermutlich eher Verwunderung und schmunzelnde Gesichter hervorrufen.
Formen des Widerstands, die den demokratischen Rahmen von Latschdemos, Lichterketten oder Mahnwachen verlassen, nicht an die Mächtigen appellieren und vom europa-patriotistischen Mainstream abweichende Positionen beziehen und sich daher nicht vereinnahmen lassen, sind nur als Randnotiz zu lesen oder werden totgeschwiegen. Gewerkschaften, Bewegungseliten und Mainstream-Presse haben die öffentliche Wahrnehmung fast völlig im Griff - all das führt dazu, dass unabhängige Aktionsgruppen, abweichende Positionen und radikale Aktionsformen diskursiv nahezu ausgelöscht sind.
Beispiel eins: Anlässlich des vierten Jahrestages des NATO-Kriegs gegen Jugoslawien hatte eine Autonome Gruppe auf einem Berliner Garnisonsfriedhof mehrere Kriegerdenkmäler beschädigt. In die jw schaffte es die Aktion immerhin als Randnotiz mit zwei Sätzen - während ansonsten resist und Co. abgefeiert werden.
Beispiel zwei: Ein Tag nach Beginn des Irak-Kriegs verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in Wetzlar. Nach Polizeiangaben entstand 3000 Euro Sachschaden, ein politischer Hintergrund sei nicht erkennbar. Während der Anschlag in lokalen Medien nur als Randnotiz vorkam und in überregionalen Medien nicht einmal erwähnt wurde, berichteten EinwohnerInnen in Wetzlar von einen großem Polizeiaufgebot inklusive Hubschraubereinsatz in der Anschlagsnacht. Was Ziel und Zeitpunkt allen nahe legte, die eins und eins zusammen zählen können, bestätigte die Polizei zwei Wochen später: ?Nach dem Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in der Spilburgstraße bei dem ein Sachschaden von ca. 3.000 Euro entstand, ging mittlerweile ein Bekennerschreiben bei einer Frankfurter Zeitung von einer Gruppierung ein, die sich ?feministisch-antimilitaristische Zelle? nennt und sich u.a. gegen Militarismus, Nationen und Grenzen und die patriarchale Ordnung richtet. Die Gruppierung war bisher nicht bekannt.? (Quelle: 2.04.03, Polizeipräsidium Mittelhessen im Internet,
http://www.pp-mittelhessen.de) Recherchen bei verschiedenen Frankfurter Zeitungen ergaben, dass nie Bekennerschreiben eingegangen waren. Das wirft neue Fragen auf, die wohl nie zu klären sind. Sicher aber dürfte sein, dass solche Aktionen nicht in die herrschende Berichterstattung
Infos rund um Militarisierung in Doitschland & Europa:
http://www.imi-online.de
Infoseite gegen Krieg und Herrschaft:
http://www.nolawnowar.de.vu
Der nächste Krieg kommt bestimmt. Und hoffentlich ein frecher, offener Widerstand mit klaren Positionen gegen "das Recht des Stärkeren und die Herrschaft des Rechts", der sich nicht von Regierungen, Medien und Bewegungseliten einlullen & verarschen lässt ... no law, no war!
Friedensproteste - staatstreu, kanalisiert und "von oben" organisiert
Deutlich wird immer wieder, dass "die" Friedensbewegung (die natürlich keine geschlossene Einheit bildet) selbst von Dominanzen und elitären Zirkeln durchzogen ist, die den Unmut der Menschen kanalisieren - und diese Führungsebenen werden nicht einmal verleugnet, wie einige Zitate zum Thema belegen. Ein besonderes Beispiel bildet die Kampagne "resist" - eine weitere "Retorte", neben dem Netzwerk Friedenskooperative maßgeblich von den NGO-ManagerInnen initiert, welche auch schon im Anti-Atom-Bereich mit X-tausendmalquer und am erfolgreichsten mit Attac für die Kanalisierung von Protest sorgten. Die militanten Proteste in Göteborg und Genua hatten Globalisierungs- bzw. weitergehende Kapitalismuskritik einige Öffentlichkeit verschafft. Das öffentliche Interesse wurde in Deutschland von der bis dahin unbedeutenden NGO Attac genutzt, um Bewegung zu assimilieren mit einer widerlichen Mischung aus Vereinnahmung, Instrumentalisierung und gleichzeitiger Hetze gegen militante Aktionsformen. Auf ganz ähnliche Weise, mit verbalradikalem Gestus, den nötigen Presse-Kontakte und dem wohlwollende Hypen durch FR, junge welt usw. wurde in wenigen Wochen "resist" zur wichtigsten Aktion und quasi-Dachverband der deutschen Friedensbewegung konstruiert. Jedes zweite Interview wird mit den selbsternannten SprecherInnen (voll basisdemokratisch ...) der Kampagne geführt. Wenig bekannt ist, dass z.B. bei den ersten Aktionen die "besetzen" Flächen vor der Frankfurter Airbase durch die "resist"-Führung angemietet und mit der Gegenseite abgesprochen waren. Trotzdem werden die Sitzblockaden als die Spitze von Widerständigkeit inszeniert - andere Protestformen werden so verdrängt und "undenkbar" gemacht .. ein Diskurs wird verschoben.
Kanalisierung hat in Deutschland Tradition - von linksliberaler Presse bis hin zu den Eliten in sozialer Bewegung ist mensch hier besonders modern, was die frühzeitige Integration bzw. komplette Assimilierung von Protest anbelangt. Leider gibt es dagegen wenig Gegenwehr oder Versuche, Gegenmodelle eines vielfältigen, hierarchiefreien Widerstands zu organisieren - ohne SprecherInnen, Wichtig-Gremien und informellen Dominanzen (Beispiele dafür unter
http://www.hoppetosse.net). Statt dem Abfeiern der eigen Aktion als "Erfolg" a la resist wäre daher kritische Analyse und der Streit um weniger dominanzgeprägte, offene und herrschaftskritische Strukturen angesagt. Denn solange wird Widerstand "von unten" in Doitschland eh nur eine leere Phrase sein ... Diskurse als Helfer kanalisierten Ungehorsams
Diskurs meint ein Geflecht von Medien, wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten, die ständige Wiederholung von Argumentationsmustern, welche zu bestimmten Denkweisen und Erwartungshaltungen bei Menschen führen: Der Glaube, dass Kinder minderwertig seien und unfähig zur Selbstbestimmung, ist so ein Diskurs, der Tag für Tag aufs Neue reproduziert wird. Diskurse als Form subtiler Beherrschung werden nicht zentral gelenkt - aber sie ist verschränkt mit institutioneller Herrschaft ... Regierungen, Medien und Presse können aus ihrer Stellung z.B. ganz anders auf Diskurse zugreifen und diese organisieren - da wird nichts dem Zufall überlassen. Diskurse sorgen in modernen Herrschaftssystemen dafür, dass Menschen ohne offensichtliche Gewalt oder Herrschaftsdurchgriff funktionieren, arbeiten gehen oder gegen Krieg demonstrieren, wenn es der Regierung passt.
Diskurse die erste: Bei den letzten Kriegen mit offizieller deutscher Beteiligung (Kosovo, Afghanistan) wurden Meldungen von sog. "Kollateralschäden" usw. in deutschen Medien wenig hochgehalten ... Antikriegsproteste waren absolut marginal. Während des aktuellen Irak-Kriegs wurde mit Bildern verwüsteter Häuser, ziviler Einrichtungen usw. nicht gespart - es passt halt zu den Interessen von FR bis zum Schröder-Fischer Gespann, die sich darin einig sind, dass Europa in der Welt den Ton angeben soll. Ohne Genaueres zu wissen darf davon ausgegangen werden, dass die Berichterstattung in den offiziell kriegsführenden Ländern etwas anders aussah (Berichte oder Ergänzungen dazu erwünscht!). Die Meinung der Menschen scheint beliebig manipulierbar.
Diskurse die zweite: Als Legitimation für UN-Inspektionen wie den Krieg wurden im Vorfeld des Gemetzels immer wieder angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak benannt, um bei den Menschen Akzeptanz für unzählige Tote und ein zerstörtes Land zu beschaffen. Weder wurden solche Waffen gefunden, noch von Saddam eingesetzt ... vielleicht wurde auch gar nicht danach gesucht. Sehr wahrscheinlich ist, dass es sich also um Kriegs-Propaganda handelte (ohne das widerliche Baath-Regime beschönigen oder entlasten zu wollen). In der Berichterstattung spielte die zentrale Kriegslegitimation jedenfalls plötzlich kein Rolle mehr. Nachdem der Diskurs seinen Dienst erfüllt hat, wird er halt weg geworfen - und es scheint niemanden zu interessieren oder die Glaubwürdigkeit der KriegstreiberInnen darunter zu leiden.
Diskurse die dritte: Zur Berichterstattung über Proteste gehört immer ein Diskurs darüber, welche Aktionsformen legitim, legal oder illegal sind, was friedliche Proteste sind und wo Gewalt beginnt. Dieser Diskurs dient dazu, Widerstand zu spalten, in systemgerechte Bahnen zu lenken, aber auch einfach, Sympathien oder Solidarisierungen mit direkten Aktionen zu verhindern: Während Mahnwachen, Lichterketten usw., die Herrschaft nicht angreifen und sich dem Demonstrationsrecht unterwerfen, gelobt werden, werden Ausschreitungen oder militante Aktionen diffamiert oder verschwiegen. Das ist nicht neu - dazu kommt, dass in der aktuellen Berichten über die Friedensbewegung dieser Diskurs um einiges verschoben wurde: Die Blockade von US-Militärfahrzeugen oder das versuchte Durchbrechen von Absperrungen wird in der FR plötzlich unter dem Begriff ?Zwischenfall? einsortiert. Auch die Führungskreise der Friedensbewegung selbst betonen immer wieder, Gewalt in den eigenen Reihen verhindern zu wollen Gleichzeitig wir z.B. die ?resist? Sitzblockade als Höhepunkt von entschlossenem Widerstand konstruiert und dadurch vieles verdrängt, was darüber hinaus gehen könnte. In Italien, wo sich in den letzten Jahren eine andere Kultur der Widerständigkeit entwickelt hat (da wird schon mal ein Abschiebeknast von hunderten AktivistInnen tagsüber zerstört), würden solche Berichte vermutlich eher Verwunderung und schmunzelnde Gesichter hervorrufen.
Formen des Widerstands, die den demokratischen Rahmen von Latschdemos, Lichterketten oder Mahnwachen verlassen, nicht an die Mächtigen appellieren und vom europa-patriotistischen Mainstream abweichende Positionen beziehen und sich daher nicht vereinnahmen lassen, sind nur als Randnotiz zu lesen oder werden totgeschwiegen. Gewerkschaften, Bewegungseliten und Mainstream-Presse haben die öffentliche Wahrnehmung fast völlig im Griff - all das führt dazu, dass unabhängige Aktionsgruppen, abweichende Positionen und radikale Aktionsformen diskursiv nahezu ausgelöscht sind.
Beispiel eins: Anlässlich des vierten Jahrestages des NATO-Kriegs gegen Jugoslawien hatte eine Autonome Gruppe auf einem Berliner Garnisonsfriedhof mehrere Kriegerdenkmäler beschädigt. In die jw schaffte es die Aktion immerhin als Randnotiz mit zwei Sätzen - während ansonsten resist und Co. abgefeiert werden.
Beispiel zwei: Ein Tag nach Beginn des Irak-Kriegs verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in Wetzlar. Nach Polizeiangaben entstand 3000 Euro Sachschaden, ein politischer Hintergrund sei nicht erkennbar. Während der Anschlag in lokalen Medien nur als Randnotiz vorkam und in überregionalen Medien nicht einmal erwähnt wurde, berichteten EinwohnerInnen in Wetzlar von einen großem Polizeiaufgebot inklusive Hubschraubereinsatz in der Anschlagsnacht. Was Ziel und Zeitpunkt allen nahe legte, die eins und eins zusammen zählen können, bestätigte die Polizei zwei Wochen später: ?Nach dem Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in der Spilburgstraße bei dem ein Sachschaden von ca. 3.000 Euro entstand, ging mittlerweile ein Bekennerschreiben bei einer Frankfurter Zeitung von einer Gruppierung ein, die sich ?feministisch-antimilitaristische Zelle? nennt und sich u.a. gegen Militarismus, Nationen und Grenzen und die patriarchale Ordnung richtet. Die Gruppierung war bisher nicht bekannt.? (Quelle: 2.04.03, Polizeipräsidium Mittelhessen im Internet,
http://www.pp-mittelhessen.de) Recherchen bei verschiedenen Frankfurter Zeitungen ergaben, dass nie Bekennerschreiben eingegangen waren. Das wirft neue Fragen auf, die wohl nie zu klären sind. Sicher aber dürfte sein, dass solche Aktionen nicht in die herrschende Berichterstattung Infos rund um Militarisierung in Doitschland & Europa:
http://www.imi-online.de Infoseite gegen Krieg und Herrschaft:
http://www.nolawnowar.de.vu Der nächste Krieg kommt bestimmt. Und hoffentlich ein frecher, offener Widerstand mit klaren Positionen gegen "das Recht des Stärkeren und die Herrschaft des Rechts", der sich nicht von Regierungen, Medien und Bewegungseliten einlullen & verarschen lässt ... no law, no war!
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Alles was Mensch braucht!
Passt dazu: Redetext von 3.4.-Demo in Giessen
Was ist Krieg? Wer führt ihn an, wer stachelt ihn an, wer hat welche Interessen am Krieg?
Ich möchte etwas sagen dazu, was hinter dem Morden, hinter den Zerstörungen und den vielen Lügen steht, die damit verbunden sind. Denn Krieg kommt nicht von irgendwo, ist kein Naturereignis und erst recht keine plötzliche Katastrophe, die über die Menschen hereinschwappt. Sondern Krieg braucht Bedingungen – und die werden systematisch hergestellt.
Krieg findet nicht zwischen Menschen statt, sondern immer zwischen Nationen oder Völkern. Die bestehen zwar aus Menschen, aber das Typische an ihnen ist gerade, dass der Mensch als Individuum untergeht in der kollektiven Einheitlichkeit der Nation oder des Volkes. Nation und Volk aber brauchen der Herrschaft, um sich überhaupt zu konstituieren. Niemals käme der Mensch aus Konstanz von selbst auf die Idee, ein Volk oder eine Nation mit den Menschen aus Flensburg zu sein, während seine Nachbarin in Bregenz ein anderes Volk, eines anderen Fleisch und Blut ist. Volk und Nation sind die Folge von gleichschaltender Identitätsbildung. Mensch ist nicht Deutscher, Amerikaner oder Iraker, sondern er wird dazu gemacht. Volk und Nation entstehen durch die, die für das Volk sprechen – und durch die Diskurse, die ständig überall reproduzierte Meinung, dass es ein Volk, eine Nation, eben eine kollektive Einheit gäbe. Es ist nicht möglich, dass sich die Menschen aus Flensburg und Konstanz, aus Aachen und Cottbus selbstorganisiert zu einer Einheit zusammentun – das bedarf der Steuerung, der Erzeugung des Gefühls von Zugehörigkeit und Einheitlichkeit. Volk und Nation entstehen in den Medien, in den Schulbüchern, in der Erziehung, in den Gesetzen und der Realität von Kontrolle und Repression, in alltäglichen Handlungen und Gesprächen. Ohne Herrschaft, sei die personale der Regierungen und Institutionen oder die informelle der Diskurse, Werte und Normen, gäbe es Volk und Nation nicht.
Kriege bedürfen des Volkes bzw. der Nation. Wer Menschen auf Zugehörigkeit, auf Identität zu einem grossen Ganzen trimmt, grenzt andere wiederum aus. Wir und Ihr sind die Pole des Denkens von Nation und Volk. Daraus entstehen die Konflikte, die Interessen derer, die im Namen von Volk und Nation reden – und die dann jeden Konflikt um Interessen zu einem zwischen Völkern und Nationen machen. Insofern handeln Volk und Führung kollektiv. Sie sind identisch, weil es ein Volk ohne Führer nicht gibt. Und Führer ohne Volk ebenso nicht. Nur die Menschen werden nicht gefragt, sind aber Teil des Ganzen, weil sie nicht begreifen, dass sie eingefügt sind in das System von Volk und Nation – und das sie selbst zum Bestandteil desssen geworden sind, was Volk und Nation bildet. Sie haben das verloren, was Menschen auszeichnen – ihre Autonomie.
Der Blick auf den Irak-Krieg zeigt das alles sehr deutlich. Vor wenigen Tagen hat das US-Repräsentantenhaus den Aufruf zu einem Gebetstag verabschiedet. Darin soll das amerikanische Volk beten für die Krieger in der Wüste, die zum Wohle eben des Volkes dort kämpfen. So entsteht Identität, Bushs Reden und die vieler amerikanischer PolitikerInnen, Medien, religiöser FührerInnen organisieren das Volk, das sie als ihren Legitimation wiederum brauchen.
Kein Stück anders auf der anderen Seite: Husseins Parolen triefen vor völkischem und nationalem Stolz. Und selbst wo ein solch widerliches Regime wie das im Irak die Bevölkerung knechtet und schikaniert, gelingt es ihr, den Diskurs des einen Volkes aufrechtzuerhalten. Die Amerikaner und Briten spüren es in der Wüste, wie gut auch auf der anderen Seite die geistige Gleichschaltung funktioniert.
Wer den Blick abwendet vom aktuell wahrgenommenen Konflikt im Irak, bemerkt die Übereinstimmungen mit den Konflikten überall in der Welt. Da kämpfen Menschen gegen Menschen, aber die einen fühlen sich als Russen, die anderen als Tscheschenen. Was eigentlich der Unterschied ist, wird keiner genau sagen können, aber es reicht, um das Wir und Ihr so stark zu konstruieren, dass aufeinander geschossen wird.
Wenn Nord- und Südkorea aufeinander treffen oder Israel und Palästina, so sind es immer Menschen, die handeln. Aber sie handeln eben nicht als Menschen, sondern als Teil des Kollektivs, ihrer Nation, ihres Volkes. Dabei stört es nicht, dass die Herrschenden immer wieder Menschen, die eben noch zum Volk gehörten, selbst abschlachten, einsperren, vertreiben, verfolgen. Die Ausmerzung des Abtrünnigen gehört zu Logik des Völkischen und des Nationalen.
Ganz bemerkenswert ist die Debatte in Europa und vor allem in Deutschland. Nein – mitgeschossen wird direkt nicht. Aber die Logik der Debatte ist dieselbe. Wo Bush, Hussein und Co. das Volk erst mit konstruieren und dann lenken mit ihren Wir- und Ihr-Bildungen, handeln Deutsche und Europafans ebenso. Im Schatten der völkischen Krieg entsteht das Gespenst der Nation Europa – ein durchaus meist von Rechten besetzter Begriff, der sich herauswagt, der geformt wird und zum kollektiven Gedankengut wird einer immer mehr gleichgeschalteten Masse von Menschen.
Ich zitiere: “Heute ... erleben wir die Entstehung einer europäischen Nation. Auf ein und demselben Kontinent, an ein und demselben Tag und für ein und dieselbe Sache haben sich die Völker gegen den Krieg erhoben.” Das schreibt nicht die NPD, sondern der als linker Sozialdemokrat geltende und bei den sogenannten GlobalisierungsgegnerInnen hochgejubelte französische Ex-Minister Strauss-Kahn – und zwar in der Frankfurter Rundschau. Das Blatt ist ohnehin zur Speerspitze europa-nationalistischer Propaganda geworden. Die offensive Sympathie für die staatstreue bis völkische überwiegende Mehrheit der Friedensbewegung und ihrer gleichgeschalteten Aktionen wird seit einigen Tagen sogar gekoppelt mit offen militaristischen Positionen, dem Wahn eines hochgerüsteten und damit den USA Paroli bietenden Europa. Noch ein Zitat aus dem euro-nationalistisch-militaristischen Kampfblatt FR, in dem deutlich wird, dass es tatsächlich um eine Nation Europa geht, in dem die anderen den Krieg kritisierenden Nationen als das Ihr, das Fremde definiert werden: “Es gibt keine euro-asiatische Wertegemeinschaft von Paris bis Peking. Infolgedessen gibt es keine Alternative zu den Bemühungen, die EU zu einer politischen Union auszubauen, mit einer eigenen Sicherheits- und Verteidigungspolitik”.
Doch es geht noch weiter. Die Muster der Einheitsbildung, des Kollektiven, des “Wir” sowie die daraus abgeleitete Ausgrenzung des Anderen, Fremden und eben dann oft Feindlichen findet sich nicht nur zwischen Völker und Nationen, sondern auch auf allen anderen Ebenen der Gesellschaft. Wo sich Clans, Gruppen, Vereine, Parteien, Familien usw. streiten bis bekämpfen, da sind es meist nicht die Menschen, sondern die Kollektive die handeln. Sie handeln gegen das Andere, ohne die Menschen dort zu kennen. Die Muster interner gesellschaftlicher Herrschaft sind so ähnlich der der internationalen Konflikte.
(abwertende Äusserungen und Gesten aus Teilen des Publikums)
Und darum will ich auch bei dem, was ich an Veränderungen und Forderungen für nötig halte, nicht zwischen den verschiedenen Ebenen trennen.
-Weder Bush noch Hussein, sondern überhaupt keine Führer!
-Weder USA noch EU, sondern überhaupt keine Weltmächte!
-Weder Nationen noch UNO, sondern eine Welt ohne Institutionen der Macht!
-Weder die eine noch die andere Partei an der Regierung, sondern keine Regierung!
(Raunen und abwertene Äusserungen im Publikum, Aufforderung des Moderators, zum Schluss zu kommen)
-Weder den einen noch den anderen Bürgermeister für Giessen, sondern keinen!
-Weder Schulleiter noch Vorsitzende noch Knastaufseher noch Polizei noch Familienoberhäupter, sondern eine Welt ohne Herrschaft, der freien Menschen in freien Vereinbarungen!
Rede von Jörg Bergstedt auf der Giessener Demo gegen den Irak-Krieg am 3. April 2003
Die uSa haben viel verloren
Meiner Meinung nach nichts.
Ja sicher ein bruch zum deutschen Imperialismus und der deutschen Geschichte hat in keinster weise statt gefunden.
Was hat sich also in unseren persönlichen Leben geändert?
Nichts.
Und das ist doch eiglich das Problem, während die gesamte Radikale Linke weiß weshalb dieser Krieg geführt wurde, und Millionen darüber entrüstet waren, waren wir zu zerstritten um die immer uns umgebene Mauer zu durch brechen.
Deine Militanz beispiele stehen ja nicht alleine, es gab Sprühaktionen, Flugblätter,Die Demo gegen den Deusch/Beligischen korps, Tankstellenaktionen bei dennen auch radikale analysen pupliziert wurden und nicht zu vergessen die Natokonferenz in München welche auf jeden Fall innerhalb der Linken einen Erfolg da stellte.
Das alles reichte nicht die Lügenmauer zu durch brechen. Aber was ja nicht ist kann ja noch werden.Der Tschtschenienkonflikt geht weiter, Europa steckt dem Militär das Geld in den Arsch, Die USA werden sicherlich jetzt auch nicht zur Friedenstaube.
ABER VOR ALLEM DER KRIEG JEDER GEGEN JEDEN GEHT WEITER!!!
Wir sollten einfach den längeren Atem haben ,und wenn die nächste Massen erhebung kommt, und denke sie wird sicher kommen, sind wird mal am Start.
Fight the WAR!
Fight the HATE!
Fight all the funking STATES