Irak: der Krieg wird ewig dauern

stoppt das Gemetzel 07.04.2003 20:43 Themen: 3. Golfkrieg Militarismus
Heutzutage vor dem Fernseher sitzen bedeutet, sich geschönte Bilder von einem widerlichen Gemetzel ansehen zu müssen. Ein Präzisionskrieg ist es ganz sicher nicht, von Anfang an starben SoldatInnen unter "friendly fire", wurden also von eigenen Truppen oder bei Hubschrauberzusammenstössen getötet.
Gestern zeigte der britische Sender BBC Bilder aus einer blutverschmierten Kameralinse, als ein US- Kampfflugzeuge versehentlich die eigenen Leute mitsamt kurdischen HelferInnen im Nordirak unter Beschuß nahm - selten hatte ein "eingebetteter" Journalist eine solch belegte Stimme, als er knapp überlebend den Tod des 25jährigen Übersetzers melden mußte. (siehe auch: Friendly Fire Vorfall in Medien heruntergespielt:  http://de.indymedia.org/2003/04/48322.shtml)

Befreiung in den Tod?

Während wir in den westlichen TV-Sendern hautnah miterleben, was US- oder britische SoldatInnen von sich geben, werden wir nie erfahren, wieviele irakische SoldatInnen in diesem blutigen Krieg ermordet wurden und wieviele ZivilistInnen ihr Leben lassen mußten. Von "Kollateralschäden" kann schon lange nicht mehr gesprochen werden, durch den brutal schnellen Vormarsch nach Baghdad sind hohe Verluste in der irakischen Bevölkerung gnadenlos einkalkuliert. Immer wieder erklären Militärstrategen im Fernsehen, daß sie mit einem solchen erbitterten Widerstand nicht gerechnet hätten. Die SoldatInnen hatten wohl gemeint, als "BefreierInnen" begrüßt zu werden, und sind erstaunt, daß sie als das erkannt werden was sie sind: eben "BesatzerInnen", die ohne den Hauch einer Legitimation ein Land rücksichtslos erobern. Ein UNO-Mandat hätte den Angriffskrieg auch nicht gerechter erscheinen lassen, aber nicht mal ein UNo-Feigenblatt können die USA und ihre Verbündeten (von manchen Medien unglaublicherweise "Alliierte" genannt) vorweisen.

Überleben - aber wie

Die Zerstörungen im Irak haben verheerende Ausmasse. In den Städten werden vermutete irakische Widerstands- Stellungen der Iraker rücksichtslos beschossen. Kinder und Jugendliche reagieren auf traumatisierende Erlebnisse durch Bombardierungen und Beschuß besonders empfindsam. Auch Jahre nach dem Krieg führen die extreme Belastung und Traumatisierung (z.B. Tag und Nacht das Geräusch der Bomber über Baghdad zu hören, der brutale Verlust von Angehörigen und FreundInnen, die Zerstörung von Gebäuden) zu Alpträumen, Angst, Desorientierung und hat nebst psychischen häufig auch körperliche Krankheitsfolgen.

Traumatisierung auch bei SoldatInnen

Soldaten seien Mörder, sagte Tucholsky. Sie gehorchen den Befehlen zum Töten und sie leiden nicht nur unter Verletzungen und den Tod ihrer KameradInnen, sie erleben im Krieg schreckliche Szenen, die nicht ohne Weiteres wegzustecken sind. Der Prozentsatz an SoldatInnen mit posttraumatischen Belastungsstörungen durch den Kriegseinsatz ist enorm. Bereits zu Beginn des Irak-Krieges versuchte ein amerikanischer Soldat einen Anschlag auf einen Offizier, britische Soldaten wurden kürzlich zurückgeschickt, weil sie einen Befehl verweigerten und werden vors Militärgericht gestellt.
Als Vorbereitung auf den Krieg berichtete übrigens der Report Psychologie (hrsg. vom Berufsverband Deutscher PsychologInnen) im Januar 2003 über die Traumatisierung von SoldatInnen ("Du bist normal, die Situation ist es nicht, Soldaten der Bundeswehr in Krisen- und Kriegsgebieten",  http://www.bdp-verband.org/bdp/report/2003/01.shtml). Auch das taz Magazin griff das Thema kurz nach Kriegsbeginn (22.3.2003) auf.
Umso schlimmer, wenn traumatische Erfahrungen von den Männern durch machohaftes Imponiergehabe überdeckt werden. Der Sender BBC ließ einen amerikanischen Soldaten in ätzender Heldenpose (von unten nach oben gefilmt) berichten wie er auf Irakis schoß um eine Brücke zu erobern: "Boom, boom, boom". Stellt Euch vor, wenn diese Soldaten wieder in den USA sind, wie sich da ihre Umgebung über dieses todbringende Mackergehabe freuen wird.

Kapitalismus ist Krieg

Den kriegerischen Zustand gibt es nicht nur im Krieg. Im Alltag stolpern wir andauernd über patriarchale, manchmal "nur" subtil gewalttätige Verhaltensweisen. Weltweit sterben täglich Zehntausende an den Folgen von Hunger bzw. Unterernährung. Unzählige Kinder haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sterben an vermeidbaren Krankheiten, Menschen in den Ländern des Südens können Medikamente nicht bezahlen die ihre Krankheit lindern könnten, die Krankenhäuser sind unterversorgt.

American way of life

Im Irak wird unter anderem auch der Zugang zu Erdölreserven gesichert, und ein Kampf gegen Widerstand auf der ganzen Welt geführt. Vielerorts überlegen sich Menschen Alternativen zum Kapitalismus. Wir leisten uns eine rohstoffintensive Wirtschaftsweise, und Gandhi sagte einmal wir bräuchten etwa fünf Planeten (einen davon für den Müll) um die Gier des Menschen zu befriedigen. Dieser Kapitalismus (das Patriarchat in seiner kapitalistischen Phase) wird mit Gewalt durchgesetzt, wenn auch oft versteckt durch Zwang, Entfremdung. Der Krieg ist eine Fortsetzung des Friedens mit brutaleren Mitteln, in Friedenszeiten ist die Ausbeutung für die Ausgebeuteten kaum angenehmer. In Kolumbien, Bolivien, und anderswo werden ständig Menschen ermordet, doch es herrscht bitterer Frieden. Und dennoch besteht Hoffnung angesichts des tagtäglichen massenhaften Mordens: Nicht nur in Argentinien, auch hier, gibt es trotz Repression Versuche, sich selbstbestimmt zu organisieren und Alternativen zur Wirtschaftskrise zu entwickeln.

Trotz aller Vorwürfe von Antiamerikanismus bis hin zu Antisemitismus, die selten berechtigterweise gegen "die" Friedensbewegung vorgebracht werden, ist der emanzipatorische Teil der Antikriegsbewegung Ausdruck einer zunehmenden Anzahl von Menschen, die etwas ändern wollen, sich für eine bessere Welt einsetzen wollen, eine Welt in der alle in Würde ohne Angst und Not leben können. Dieser Traum läßt sich nicht unterkriegen, und ist die stärkste Waffe gegen Kapitalismus, Patriarchat und Antisemitismus. (Zitat aus dem indy Feature zum 3. Golfkrieg:  http://de.indymedia.org/2003/03/44956.shtml).

Am 12. April ist erneut ein weltweiter Aktionstag gegen den Irak-Krieg. Zehntausende werden sich auf allen fünf Kontinenten daran beteiligen, auch in Berlin wird eine Demonstration stattfinden.
Globaler Aktionstag am 12.4. - Raus auf die Straße:  http://de.indymedia.org/2003/04/48316.shtml
 http://www.internationalanswer.org/campaigns/a12/index.html

weitere Texte:

Red Cross horrified by number of dead civilians (3.4.03):
 http://www.ctv.ca/servlet/ArticleNews/story/CTVNews/%201049413227648_10/?%20hub=SpecialEvent3
Peace activists confirm Iraqi hospital bombed (30.3.03):  http://electroniciraq.net/news/490.shtml

Der Krieg, Eduardo Galeano (23.3.03):  http://www.zmag.de/article/article.php?id=546
Noam Chomsky zum Krieg:  http://www.zmag.de/article/article.php?id=549
Der Irak ist ein Probelauf. Frontline (Indien) Interview mit Chomsky:  http://www.zmag.de/article/article.php?id=554
Globalisation And Its Fall Out, Vandana Shiva (2.4.03):
 http://www.zmag.org/sustainers/content/2003-04/02shiva.cfm

Arundhati Roy: Come September (Herbst 2002):
 http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=15&ItemID=2404
Arundhati Roy (2.4.03): Mesopotamia. Babylon. The Tigris and Euphrates:
 http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=1&ItemID=3368

EZLN zum We work for Peace and Justice Manifest:
 http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=15&ItemID=3393
Zmag.org über Irak (engl.):  http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/IraqCrisis.htm

Kriegstraumatisierungen:  http://www.gsoa.ch/gsoa/zeitung/76/12-traumata.htm
Traumata durch Krieg:  http://www.trauma-informations-zentrum.de/infos/trauma/krieg/krieg.htm
Krieg, Geschlecht und Traumatisierung (Medica Mondiale in Bosnien):  http://www.ippnw.de/sozial/flucht/flucht4.htm

Das verharmloste Gemetzel:  http://de.indymedia.org/2003/04/48230.shtml
Argumente der Anti-Kriegs-Bewegung gegen die deutsche Regierung:  http://de.indymedia.org/2003/02/40677.shtml
Kriegsgespräche:  http://de.indymedia.org/2002/05/22389.shtml
Die Globalisierungsbewegung in Kriegszeiten:  http://de.indymedia.org/2001/12/12275.shtml

weitere links:

 http://www.friedenskooperative.de/themen/irak-links.htm
 http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/
 http://www.zmag.de
 http://www.schulstreik.org
 http://www.bessereweltlinks.de/irak.htm

Voices in the Wilderness:  http://www.nonviolence.org/vitw/
 http://www.iraqpeaceteam.org
Human Shields UK:  http://www.anglingforums.co.uk/torben/
We stand for Peace and Justice:  http://www.zmag.org/wspj/
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Ergänzungen

Der Turmbau zu Babel

sub. Marcos 07.04.2003 - 21:21
hola , hier noch ein link zum irak in chiapas.
ich liebe diese worte:



 http://www.chiapas.at/turm_zu_babel.htm

Soldaten sind Mörder

Marat&Kumpanei 07.04.2003 - 22:27
"Wenn Soldaten Mörder sind", was sind dann erst diejenigen, die die Mordbefehle erteilen?

nich so

HERP 07.04.2003 - 22:27
eh so musst du deine kritik nun auch wieder nicht formulieren das geht auch sachlicher.

Aber die sache mit dem friendly fire ist ja nun auch wieder nicht neu, das gibt es wohl schon seitdem es "moderne" Kriege gibt. Ich möchte nicht wissen wieviele soldaten im ersten Wk durch die granaten des Friendly fire umkamen.

An "Daniel":

phil (ffm) 07.04.2003 - 22:59
Lieber Daniel,

ich finde es echt ehrenwert, dass jemand auf dieser Website eine Gegenmeinung vorbringt. Es wäre doch schön wenn diese Gegenmeinung auch nur irgendein geistreiches Argument beinhalten würde (an Stelle reiner Beleidigungen). Wenn Du es mal mit Argumenten versuchen würdest, bin ich sicher, dass Leute deine Meinung ernst nehmen würden.

Dass Tod im Krieg für Soldaten wie Zivilisten schlimm ist ist nicht abzustreiten. Wenn deine Familie unter den mehreren Tausend Toten (in einem Land mit 26 Mio. Einwohnern) wäre Dir auch diese Zahl bestimmt zu hoch (hoffe ich mal). Auch dieser Krieg hat unschuldige Leben gefordert, Kinder und Frauen. Findest Du das wirklich eine "Wahnsinnsleistung?"

Ich bin mir sicher, dass die Despoten und Kriegstreiber sich über solch treue Diener wie dich freuen werden. Die brauchen jeden Tag mehr, de willig sind für die Interessen einiger Weniger zu sterben.

Herrschaftskritische Anti-Kriegsseite

Gegen USA, EU, Doitschland und alle Nationen! 08.04.2003 - 02:01
Mit Download der No law, no war! - Zeitung (zum Kopieren und Verteilen)

Das was geht ist der Boykott!

Boykottierer 08.04.2003 - 03:49
Ein eloquentes Mittel des Protestes gegen die amerikanischen Weltherrschaftspläne ist sicherlich der Boykott gegen US-Produkte. Infolge ihres Symbolcharakters eignen sich Fast Food-Ketten wie Burger King, McDonalds oder Kentucky Fried Chicken, die Tankstellenkette Esso als Exxon-Tochter, Filme, Medikamente, Getränke wie Bourbon und Cola oder amerikanisch inspirierte Kleidung hervorragend für solche Maßnahmen, die jede(r) ganz privat für sich ergreifen kann. In Großbritannien stehen 330 bereits amerikanische Hersteller auf der Boykottliste. Die französischen Restaurants in Hamburg haben alle US-Produkte von der Speisekarte genommen. Weltweit kam es zu antiamerikanischen Krawallen, natürlich vor allem in der islamischen Welt. Im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh sprengten Maoisten ein Pepsi-Lager in die Luft. In Lateinamerika beginnt zudem am 22. Juli ein zunächst auf 12 Monate befristeter Boykott gegen Coca-Cola-Produkte, was mit der Verwicklung des Konzerns in Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung und Umweltzerstörung begründet wird.


liebe Zensierer

Binabic 09.04.2003 - 01:27
auch wenn ein beitrag noch so bescheuert ist, muss er wirklich wegzensiert werden? durchs zensieren verschwinden solch leute nicht, noch ändern sie die art und weise ihres ausdruckes. abgesehen davon das viele andere beiträge die darauf bezug nehmen aus dem zusammenhang gerissen werden.

Also ich finds ok

find ich 09.04.2003 - 02:39
In den Ergänzungen sind oft echt wichtige und interessante Zusatzinformationen enthalten. Eine Handvoll Durchgeknallter müllt die Ergänzungen gern voll. Ihnen ist egal, was Indy sein will oder nicht - für sie zählt nur ihr Ego.
Soll es künftig nicht mehr möglich sein, die Ergänzungen als Zusatzinfos zu nutzen? Dann können die Mods die Ergänzungen gleich weglassen. Kommt ja aufs selbe raus.
Recht hast Du mit den Antworten auf die Kloppies: Die sollten eigentlich auch mit raus.

PS: Sicher heilt das die Dauerdiskutanten nicht - aber sind denn die Indyuser eine Thearpiegruppe?