Israel, eine Demokratie? Für wen?
Abed Othman, Journalist bei der Deutschen Welle, berichtet die kürzlich erfolgte Festnahme seines Bruders,Hussam
Khader, Abgeordneter des palästinensischen Parlaments. Er wurde im Zusammenhang mit der ersten Intifada in den späten 80er Jahren schon einmal von Israel exiliert.
Jetzt kam ein Kommando nachts, erschreckte mit Schüssen und Drohungen die ganze Nachbarschaft, sprengte die Eingangstür auf, vandalisierte im Haus und in der Wohnung des Gesuchten und nahmen ihn mit ohne Begründung, ohne irgendeine rechtliche Handhabe nötig zu haben und ohne, dass er anwaltlichen Schutz einfordern könnte. Israel, eine Demokratie?
Khader, Abgeordneter des palästinensischen Parlaments. Er wurde im Zusammenhang mit der ersten Intifada in den späten 80er Jahren schon einmal von Israel exiliert.
Jetzt kam ein Kommando nachts, erschreckte mit Schüssen und Drohungen die ganze Nachbarschaft, sprengte die Eingangstür auf, vandalisierte im Haus und in der Wohnung des Gesuchten und nahmen ihn mit ohne Begründung, ohne irgendeine rechtliche Handhabe nötig zu haben und ohne, dass er anwaltlichen Schutz einfordern könnte. Israel, eine Demokratie?
FESTNAHME VON HUSSAM KHADER
Von Abed Othman*
In der Nacht zum 17. März 2003 hat die israeliche Armee meinen Bruder Hussam Khader, einen Abgeordneten des palästinensischen Parlaments, verhaftet.
Es ist nicht das erste mal, dass das israelische Militär einen Abgeordneten des palästinensischen Parlaments verhaftet - zuvor fiel ihre Wahl auf den Abgeordneten Marwan Al Barghouti. Die Inhaftierung von Hussam Khader geschieht nun als eine Art neue, nicht unbedeutende Anspielung im Zusammenhang mit der Ernennung - der amerikanisch-israelischen Forderung entsprechend - von Mahmoud Abbas als palästinensischen Ministerpräsidenten.
Hussam Khader ist vor allem für seinen Einsatz für Menschenrechte bekannt, sowie für seine gewagten Stellungnahmen im Kampf gegen Korruption.
Erwähnenswert sind auch seine Anstrengungen auf dem Gebiet des Widerstandes gegen die israelische Besatzung und sein Beharren auf eine Fortsetzung dieses Widerstandes. Hussam Khader war der erste, der aufgrund seiner führenden Rolle während der ersten Intifada seine palästinensische Heimat verlassen musste, er wurde am 13. Januar 1988 ins Exil geschickt.
Damals stellte seine Verbannung einen Höhepunkt in einer langen Reihe von Festnahmen und Inhaftierungen dar - 25 waren es genau. In seinem Exil in Tunesien wurde er zum Abgeordneten des palästinensischen Exilparlaments. Er war einer derjenigen, die er nach dem Oslo-Abkommen nach Palästina zurückkehrten, wo er zum Abgeordneten des neuen Parlaments gewählt wurde - von den Kandidaten der Region Nablus erzielte er den zweitgrößten
Stimmenanteil - als unabhängiger Kandidat ausserhalb der Liste der Fatah-Organisation, deren Mitglied er ebenfalls war. Eine seiner Initiativen, die auf Begeisterung seitens des palästinensischen Volkes stießen, war die Gründung des "Vereins zur Verteidigung der Rechte der palästinensischen Flüchtlinge". Sein Verein bestand auf das Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge als Teil eines jeden Friedensabkommens mit Israel. Ausserdem gründete er das Jaffa-Kulturzentrum im Flüchtlingslager Balata bei Nablus, ein Zentrum, dessen kulturelle und politische Aktivitäten zahlreiche Jugendliche und Kinder miteinbezogen.
Hussam Khader wurde in der Nacht zum 17. März 2003 in seiner Wohnung im Flüchtlingslager von Balata verhaftet. Wir konnten seine Schwester telefonisch erreichen, die seine Festnahme wie folgt schilderte:
Israelische Soldaten nehmen Hossam Khader, Abgeordneter des
palästinensischen Parlaments, im Flüchtlingslager Balata bei Nablus fest. Abed Othman, Mitarbeiter des arabischen Programms der DW, sprach mit Daad Khader, der Schwester des Abgeordneten, die im selben Haus lebt :-
Um zwei Uhr Morgens wurden alle benachbarten Häuser sowie das gesamte Gebiet eingekesselt. Um 2.45 Uhr sprengten sie die Eingangstür und schossen sofort los. Im Haus leben vier Kinder, elf, acht und fünf Jahre sowie neun Monate alt. Die Soldaten forderten alle Einwohner des Hauses mit lauter Stimme auf,
das Haus zu verlassen. Wir sagten: in diesem Haus leben Kinder. Wie sollen wir hinausgehen, während ihr schießt?
Ghassan, mein anderer Bruder, befand sich in seiner Wohnung im dritten Stock. Seine Tochter ist neun Monate alt. Sie schrien ihn an, während er zu betonen versuchte, dass wir doch nur Zivilisten sind. Ob sie sich denn nicht etwas gedulden könnten, denn alles war voller Rauch. Sie hatten ja geschossen und die Eingangstür gesprengt, die dadurch entstandene Staubwolke machte es ihm unmöglich, nach unten zu gehen. Die Soldaten schrien ihn weiter an, gingen auf ihn zu und bedrohten ihn mit ihren Waffen. Sie zwangen ihn dazu, seine Kleidung abzulegen.
Um 3.45 Uhr gingen wir zu den Nachbarn hinüber, wir konnten mit den Kindern doch nicht die ganze Zeit auf der Straße stehenbleiben. Wir mussten uns zusammen mit unseren Nachbarn in einem Zimmer versammeln, durften kein Licht anmachen, nicht mal aufstehen, um was zu trinken oder unseren durstigen Kindern was zu trinken zu geben. Hossam trat ein, rief nach unserer Mutter und sagte ihr, das sie ihn festnehmen wollten. Wir standen auf, zusammen mit seinen zwei Töchtern und seinem Sohn, um uns von ihm zu verabschieden. Ein Soldat zog ihn daraufhin gewaltsam an der Schulter, ein anderer verpasste ihm einen Hieb auf den Kopf. Wir zeigten keinerlei Reaktion, wir umarmten ihn und verabschiedeten uns.
Das Haus wurde natürlich beschädigt. Sie schossen auf die Schränke - die natürlich geschlossen waren - ohne hineinzusehen. Auf allen drei Geschossen dasselbe Szenario. Das Bad, das Zimmer von Hossams Kindern, Gefäße und Kleidung sind vom Schießpulver verrußt. So einiges wurde von Feuer und herumfliegendem Splittern in Mitleidenschaft gezogen.
Sie fragten ihn: Bist du Hossam Khader. Er antwortete mit ja. Wo arbeitest du? Er antwortete: im Parlament. Sie nickten einander zu, ja, das ist der Mann, den wir suchen. Hossam fragte: ihr seid auf der Suche nach mir? Ihr hättet ja auch klingeln können wie normale Menschen. Sie sagten: komm, komm, dort wirst du alles erfahren. Sie haben uns nichts genaueres wissen lassen. Nur, dass sie Hossam Khader festnehmen wollen.
Es wird schwer sein - selbst für seinen Anwalt oder das Rote Kreuz - innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Festnahme irgend etwas über seinen Verbleib zu erfahren, oder darüber, wie es weitergehen wird.
* Abed Othman ist Journalist bei der Deutschen Welle
Telefon: 0221 - 246126
Email:
abed.o@gmx.de
Von Abed Othman*
In der Nacht zum 17. März 2003 hat die israeliche Armee meinen Bruder Hussam Khader, einen Abgeordneten des palästinensischen Parlaments, verhaftet.
Es ist nicht das erste mal, dass das israelische Militär einen Abgeordneten des palästinensischen Parlaments verhaftet - zuvor fiel ihre Wahl auf den Abgeordneten Marwan Al Barghouti. Die Inhaftierung von Hussam Khader geschieht nun als eine Art neue, nicht unbedeutende Anspielung im Zusammenhang mit der Ernennung - der amerikanisch-israelischen Forderung entsprechend - von Mahmoud Abbas als palästinensischen Ministerpräsidenten.
Hussam Khader ist vor allem für seinen Einsatz für Menschenrechte bekannt, sowie für seine gewagten Stellungnahmen im Kampf gegen Korruption.
Erwähnenswert sind auch seine Anstrengungen auf dem Gebiet des Widerstandes gegen die israelische Besatzung und sein Beharren auf eine Fortsetzung dieses Widerstandes. Hussam Khader war der erste, der aufgrund seiner führenden Rolle während der ersten Intifada seine palästinensische Heimat verlassen musste, er wurde am 13. Januar 1988 ins Exil geschickt.
Damals stellte seine Verbannung einen Höhepunkt in einer langen Reihe von Festnahmen und Inhaftierungen dar - 25 waren es genau. In seinem Exil in Tunesien wurde er zum Abgeordneten des palästinensischen Exilparlaments. Er war einer derjenigen, die er nach dem Oslo-Abkommen nach Palästina zurückkehrten, wo er zum Abgeordneten des neuen Parlaments gewählt wurde - von den Kandidaten der Region Nablus erzielte er den zweitgrößten
Stimmenanteil - als unabhängiger Kandidat ausserhalb der Liste der Fatah-Organisation, deren Mitglied er ebenfalls war. Eine seiner Initiativen, die auf Begeisterung seitens des palästinensischen Volkes stießen, war die Gründung des "Vereins zur Verteidigung der Rechte der palästinensischen Flüchtlinge". Sein Verein bestand auf das Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge als Teil eines jeden Friedensabkommens mit Israel. Ausserdem gründete er das Jaffa-Kulturzentrum im Flüchtlingslager Balata bei Nablus, ein Zentrum, dessen kulturelle und politische Aktivitäten zahlreiche Jugendliche und Kinder miteinbezogen.
Hussam Khader wurde in der Nacht zum 17. März 2003 in seiner Wohnung im Flüchtlingslager von Balata verhaftet. Wir konnten seine Schwester telefonisch erreichen, die seine Festnahme wie folgt schilderte:
Israelische Soldaten nehmen Hossam Khader, Abgeordneter des
palästinensischen Parlaments, im Flüchtlingslager Balata bei Nablus fest. Abed Othman, Mitarbeiter des arabischen Programms der DW, sprach mit Daad Khader, der Schwester des Abgeordneten, die im selben Haus lebt :-
Um zwei Uhr Morgens wurden alle benachbarten Häuser sowie das gesamte Gebiet eingekesselt. Um 2.45 Uhr sprengten sie die Eingangstür und schossen sofort los. Im Haus leben vier Kinder, elf, acht und fünf Jahre sowie neun Monate alt. Die Soldaten forderten alle Einwohner des Hauses mit lauter Stimme auf,
das Haus zu verlassen. Wir sagten: in diesem Haus leben Kinder. Wie sollen wir hinausgehen, während ihr schießt?
Ghassan, mein anderer Bruder, befand sich in seiner Wohnung im dritten Stock. Seine Tochter ist neun Monate alt. Sie schrien ihn an, während er zu betonen versuchte, dass wir doch nur Zivilisten sind. Ob sie sich denn nicht etwas gedulden könnten, denn alles war voller Rauch. Sie hatten ja geschossen und die Eingangstür gesprengt, die dadurch entstandene Staubwolke machte es ihm unmöglich, nach unten zu gehen. Die Soldaten schrien ihn weiter an, gingen auf ihn zu und bedrohten ihn mit ihren Waffen. Sie zwangen ihn dazu, seine Kleidung abzulegen.
Um 3.45 Uhr gingen wir zu den Nachbarn hinüber, wir konnten mit den Kindern doch nicht die ganze Zeit auf der Straße stehenbleiben. Wir mussten uns zusammen mit unseren Nachbarn in einem Zimmer versammeln, durften kein Licht anmachen, nicht mal aufstehen, um was zu trinken oder unseren durstigen Kindern was zu trinken zu geben. Hossam trat ein, rief nach unserer Mutter und sagte ihr, das sie ihn festnehmen wollten. Wir standen auf, zusammen mit seinen zwei Töchtern und seinem Sohn, um uns von ihm zu verabschieden. Ein Soldat zog ihn daraufhin gewaltsam an der Schulter, ein anderer verpasste ihm einen Hieb auf den Kopf. Wir zeigten keinerlei Reaktion, wir umarmten ihn und verabschiedeten uns.
Das Haus wurde natürlich beschädigt. Sie schossen auf die Schränke - die natürlich geschlossen waren - ohne hineinzusehen. Auf allen drei Geschossen dasselbe Szenario. Das Bad, das Zimmer von Hossams Kindern, Gefäße und Kleidung sind vom Schießpulver verrußt. So einiges wurde von Feuer und herumfliegendem Splittern in Mitleidenschaft gezogen.
Sie fragten ihn: Bist du Hossam Khader. Er antwortete mit ja. Wo arbeitest du? Er antwortete: im Parlament. Sie nickten einander zu, ja, das ist der Mann, den wir suchen. Hossam fragte: ihr seid auf der Suche nach mir? Ihr hättet ja auch klingeln können wie normale Menschen. Sie sagten: komm, komm, dort wirst du alles erfahren. Sie haben uns nichts genaueres wissen lassen. Nur, dass sie Hossam Khader festnehmen wollen.
Es wird schwer sein - selbst für seinen Anwalt oder das Rote Kreuz - innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Festnahme irgend etwas über seinen Verbleib zu erfahren, oder darüber, wie es weitergehen wird.
* Abed Othman ist Journalist bei der Deutschen Welle
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Ergänzungen
Aufruf des AK Palästina Tübingen
Aufruf des AK Palästina Tübingen:
STOPPEN WIR DEN KRIEG IM IRAK!
BEENDEN WIR DEN SCHON 2 JAHRE ANDAUERNDEN KRIEG IN PALÄSTINA!
Es droht die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Schatten des Irak-Krieges!
Während sich die Medien jetzt auf den Irakkrieg konzentrieren und die Friedensbewegung - und das ist gut! - mit aller Kraft versucht, den Krieg zu stoppen, kann die israelische Regierung unter Scharon ihre militärischen Angriffe auf die schutzlose palästinensische Bevölkerung in der Westbank und im Gaza-Streifen ungestört verstärken. Viele brutale Angriffe vor allem im Gaza-Streifen sind dafür ein beängstigendes Beispiel.
Die israelische Regierung befürwortet den Krieg gegen Irak mit Nachdruck. Es ist zu befürchten, dass sie nach dem überwältigenden Wahlsieg von Scharon die Gelegenheit nutzen wird, um im Schatten des Irak-Krieges weiteres Land in den besetzten Gebieten zu annektieren und die palästinensische Bevölkerung daraus zu vertreiben. Mindestens die Menschen in den Gebieten westlich der im Bau befindlichen Trennungsmauer müssen mit ihrer Vertreibung rechnen, einer Trennungsmauer, die von Israel nicht etwa auf der Grenze von 1967, sondern vielfach auf dem Gebiet der Westbank errichtet wird. Nicht umsonst ist in den letzten Jahren und verstärkt in den vergangenen Monaten der sogenannte "Transfer" der palästinensischen Bevölkerung immer wieder öffentlich in den Medien und von Regierungsvertretern diskutiert worden.
Schweigen Sie dazu nicht! Machen Sie mit uns zusammen Druck auf die verantwortlichen deutschen und europäischen Politiker, damit sie endlich deutliche Sanktionen gegen die israelische Besatzungspolitik verhängen! Sie unterstützen damit auch die Forderungen der israelischen Friedensbewegung.
Unterschreiben Sie den Aufruf des AK Palästina Tübingen:
1. KEINE WEITEREN RÜSTUNGSEXPORTE AUS DEUTSCHLAND NACH ISRAEL!
2. KEINE WARENIMPORTE AUS DEN ISRAELISCHEN SIEDLUNGEN AUF BESETZTEM GEBIET
IN DIE EU!
35 Jahre israelischer Besatzung müssen ein Ende haben!
Aufruf erhältlich bei ak-palaestina-tuebingen.de und unter
www.friedensplenum-tuebingen.de V.i.S.d.P.: AK Palästina Tübingen, c/o
Ingrid Rumpf, Birnenweg 2, 72793 Pfullingen
@kolia
Idiotische Ueberschrift
Demokratie - für wen?
für die diktatur ...
autonomiebehörde im palästina östlich des jordans
Bruder berichtet über Bruder