Irak-Tagebuch von Hironobu Kubota, Update 2
Teil 11 des Irak-Tagebuches von Hironobu Kubota, Eintrag von 23.3.2003, übersetzt aus dem Japanischen.
Link zum Original:
http://m17n.cool.ne.jp/kubota/2003/iraq9
Starke Luftangriffe, B52 kommen
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http://m17n.cool.ne.jp/kubota/2003/iraq9 Starke Luftangriffe, B52 kommen
Teil 11 des Irak-Tagebuches von Hironobu Kubota, übersetzt aus dem Japanischen.
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http://m17n.cool.ne.jp/kubota/home-ja
Hironobu Kubota arbeitet als unabhängiger Reporter unter anderem für TBS
http://news.tbs.co.jp.
Irak Tagebuch März 2003
Ein Report aus dem Irak
Fotos und Text: Hironobu Kubota
23. 3. 2003 - Grauenhafte Bombardierung, die bisherige Angriffe wie Spielerei erscheinen läßt
Seit Beginn der Angriffe vergingen 6 Stunden, die Sirenen verstummen noch immer nicht.
Nachdem ich mit "News 23" [Nachrichtensendung] fertig war, erfahre ich von TBS, daß die B52-Bomber im Anflug seien. Die B52 kommen! Das bedeutet nicht Pinnadel-Bombardierung wie bisher - das bedeutet massenweise Bomben auf wahllose Ziele! Nachdem ich das hörte, schlodderten mir seit Cambodia zum ersten Mal die Knie! Selbst in Afghanistan hatte ich keine Angst. Ich warte nun auf den Anfang. Ich weiß, was dort kommt. Aber jetzt kann ich auch nicht mehr weglaufen. Wie kann man dieser Furcht Ausdruck geben? Die Sirenen heulen, und keinen Moment später schlägt eine Tomahawk ein. Das war nah! Die Explosion, die Druckwelle, der Einschlag war in unmittelbarer Nähe des Hotels.
Druckwelle, Staubwolken und der Geruch von Schießpulver. Die Angriffe bis gestern erscheinen als Spielerei, so grauenhaft ist diese Bombardierung. Das ganze Hotel schwankt. Ich kauere mich zusammen. Ich habe Angst, das Hotel zu verlassen. Falls ich hinausschaue, und genau in diesem Moment schlägt eine Tomahawk ein... Wenn ich mir das ausmale, wird mein Körper immer schwerer. Ich nehme allen Mut zusammen, die Kamera in der rechten Hand, das Satelliten-Telefon in der linken schiebe ich meinen Körper auf den Balkon. In diesem Moment schlägt eine Rakete ein. Ohne zu denken, schreie ich. Es bleibt nichts weiter zu tun, als das Treiben life zu übertragen. Die von TBS haben gesagt, ich soll mich in Sicherheit bringen. Aber ich werde bis zum Ende weitermachen! "Berichtet von diesem menschenverachtenden Treiben Amerikas!" habe ich ihnen gesagt. Immer wieder schreie ich und werfe mich auf den Boden, wenn in der Nähe eine Bombe niederfällt. Zwei gehen in unmittelbarer Nähe nieder, die Druckwelle reißt mich vom Stuhl. Sobald man denkt, daß es vorbei ist, fangen die Luftangriffe wieder an. Man kann die Tomahawks hören, die hoch in den Lüften fliegen. Man betet nur, daß sie doch weiterfliegen mögen. Da man in den modernen Kriegen das Gesicht des Gegners nicht sehen kann, ist man sich auch keiner tiefen Schuld bewußt. "Durch die Raketen, die Ihr abfeuert, sterben Menschen, hunderte von Menschen!" möchte ich schreien. Während ich dies schreibe, ist es 23:56 Uhr, wieder beginnt ein Luftangriff. Ehe ich mich versah, war dieser auch schon wieder vorbei; und ehe ich mich versah, putzte ich mir die Zähne. Und dann wusch ich mir das Gesicht. Im Unterbewußtsein muß ich wohl gedacht haben: Wenn schon sterben, dann will ich mit einem sauberen Körper sterben. Und dann begann wieder ein grauenhafter Bombenhagel. Nach 5 Stunden fühlt sich mein Gesicht wie eingeschlafen an. Wie nach einem Adrenalinausstoß.
Diese Erfahrung habe ich auch schon einmal in Afghanistan gemacht.
Ich denke, morgen wird es aus sein. Von dem Moment an, in dem ich von den B52 hörte, machen sich meine Knie über mich lustig. Ich weiß, daß die B52 keinen Fleck auslassen. Am Anfang hatte ich Angst, doch mit dem Andauern dieses Zustandes wird man eigenartig kühl. Ich kann nicht sagen, wieviele Menschen gestorben sind. Die auf der anderen Seite der Berichterstattung sagen, daß zwei Amerikaner umgekommen sind. Das steigt einem zu Kopf! Das ist kein Witz, hier sind etliche Menschen tot!
Auch der bekannte Reporter Tsuneoka (wohnt hier im gleichen Hotel), der Chechenien erlebt hat, meinte, daß es angsterregend war.
Vor dem Hotel sammeln sich irakische Soldaten. Warum, kann ich nicht sagen. Es gibt Gerüchte über eine Revolte, deshalb bemühe ich mich, zu den Soldaten zu lächeln und ihnen die Hand zu schütteln. Wenn es bei einer Revolte zu Panik kommen sollte, ist meine größte Sorge, daß ich als Zivilist in den Lauf einer Waffe schaue. Aber das werden wir nach morgen sehen; daß sie heute komplett aufgemöbelt wurden, war wohl der Grund für die Versammlung,
Auf der anderen Seite des Fernsehers reden die Kritiker über die Geschichte Amerikas, über diesen Krieg, aber ich wollte von dieser Seite aus reden. Geschichte? Krieg? Das hat nichts damit zu tun! Es ist einfach nur Morden! Der Krieg. Wenn ich zurück könnte, will ich zurück! Wenn ich raus könnte, will ich raus! Mir scheint, daß ich genug gearbeitet habe. Jetzt will ich nur irgendwie lebend zurück und in Japan bekannt machen, was ich erlebt habe. Aus meinem eigenen Mund will ich es erzählen. Die Militär-Experten erzählen klug, aber haben sie den Krieg erlebt? Das will ich sie fragen. Es geht eine Bombe nach der anderen nieder. Diese Typen, die dieses Grauen nicht erlebt haben und von sich geben, daß dieser Krieg notwendig ist, möchte ich niederschlagen. Das will ich im Moment am liebsten sagen. "Für den Krieg!", "Gegen den Krieg!", diese Leute, die es nicht selbst erlebt haben, sollen keine halbherzigen Sachen von sich geben. Das will ich ihnen sagen. Es gibt Dinge, die nur Leute verstehen, die die Bomben nicht von OBEN sondern von UNTEN erlebt haben.
[hier Foto, siehe
http://m17n.cool.ne.jp/kubota/2003/iraq9 ]
Ein zerbombtes Regierungsgebäude. Man sagt, es sei das Bauministerium.
(24. 3. 2003 5:00 am (GMT +9:00) updated)
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Ein Report aus dem Irak
Fotos und Text: Hironobu Kubota
23. 3. 2003 - Grauenhafte Bombardierung, die bisherige Angriffe wie Spielerei erscheinen läßt
Seit Beginn der Angriffe vergingen 6 Stunden, die Sirenen verstummen noch immer nicht.
Nachdem ich mit "News 23" [Nachrichtensendung] fertig war, erfahre ich von TBS, daß die B52-Bomber im Anflug seien. Die B52 kommen! Das bedeutet nicht Pinnadel-Bombardierung wie bisher - das bedeutet massenweise Bomben auf wahllose Ziele! Nachdem ich das hörte, schlodderten mir seit Cambodia zum ersten Mal die Knie! Selbst in Afghanistan hatte ich keine Angst. Ich warte nun auf den Anfang. Ich weiß, was dort kommt. Aber jetzt kann ich auch nicht mehr weglaufen. Wie kann man dieser Furcht Ausdruck geben? Die Sirenen heulen, und keinen Moment später schlägt eine Tomahawk ein. Das war nah! Die Explosion, die Druckwelle, der Einschlag war in unmittelbarer Nähe des Hotels.
Druckwelle, Staubwolken und der Geruch von Schießpulver. Die Angriffe bis gestern erscheinen als Spielerei, so grauenhaft ist diese Bombardierung. Das ganze Hotel schwankt. Ich kauere mich zusammen. Ich habe Angst, das Hotel zu verlassen. Falls ich hinausschaue, und genau in diesem Moment schlägt eine Tomahawk ein... Wenn ich mir das ausmale, wird mein Körper immer schwerer. Ich nehme allen Mut zusammen, die Kamera in der rechten Hand, das Satelliten-Telefon in der linken schiebe ich meinen Körper auf den Balkon. In diesem Moment schlägt eine Rakete ein. Ohne zu denken, schreie ich. Es bleibt nichts weiter zu tun, als das Treiben life zu übertragen. Die von TBS haben gesagt, ich soll mich in Sicherheit bringen. Aber ich werde bis zum Ende weitermachen! "Berichtet von diesem menschenverachtenden Treiben Amerikas!" habe ich ihnen gesagt. Immer wieder schreie ich und werfe mich auf den Boden, wenn in der Nähe eine Bombe niederfällt. Zwei gehen in unmittelbarer Nähe nieder, die Druckwelle reißt mich vom Stuhl. Sobald man denkt, daß es vorbei ist, fangen die Luftangriffe wieder an. Man kann die Tomahawks hören, die hoch in den Lüften fliegen. Man betet nur, daß sie doch weiterfliegen mögen. Da man in den modernen Kriegen das Gesicht des Gegners nicht sehen kann, ist man sich auch keiner tiefen Schuld bewußt. "Durch die Raketen, die Ihr abfeuert, sterben Menschen, hunderte von Menschen!" möchte ich schreien. Während ich dies schreibe, ist es 23:56 Uhr, wieder beginnt ein Luftangriff. Ehe ich mich versah, war dieser auch schon wieder vorbei; und ehe ich mich versah, putzte ich mir die Zähne. Und dann wusch ich mir das Gesicht. Im Unterbewußtsein muß ich wohl gedacht haben: Wenn schon sterben, dann will ich mit einem sauberen Körper sterben. Und dann begann wieder ein grauenhafter Bombenhagel. Nach 5 Stunden fühlt sich mein Gesicht wie eingeschlafen an. Wie nach einem Adrenalinausstoß.
Diese Erfahrung habe ich auch schon einmal in Afghanistan gemacht.
Ich denke, morgen wird es aus sein. Von dem Moment an, in dem ich von den B52 hörte, machen sich meine Knie über mich lustig. Ich weiß, daß die B52 keinen Fleck auslassen. Am Anfang hatte ich Angst, doch mit dem Andauern dieses Zustandes wird man eigenartig kühl. Ich kann nicht sagen, wieviele Menschen gestorben sind. Die auf der anderen Seite der Berichterstattung sagen, daß zwei Amerikaner umgekommen sind. Das steigt einem zu Kopf! Das ist kein Witz, hier sind etliche Menschen tot!
Auch der bekannte Reporter Tsuneoka (wohnt hier im gleichen Hotel), der Chechenien erlebt hat, meinte, daß es angsterregend war.
Vor dem Hotel sammeln sich irakische Soldaten. Warum, kann ich nicht sagen. Es gibt Gerüchte über eine Revolte, deshalb bemühe ich mich, zu den Soldaten zu lächeln und ihnen die Hand zu schütteln. Wenn es bei einer Revolte zu Panik kommen sollte, ist meine größte Sorge, daß ich als Zivilist in den Lauf einer Waffe schaue. Aber das werden wir nach morgen sehen; daß sie heute komplett aufgemöbelt wurden, war wohl der Grund für die Versammlung,
Auf der anderen Seite des Fernsehers reden die Kritiker über die Geschichte Amerikas, über diesen Krieg, aber ich wollte von dieser Seite aus reden. Geschichte? Krieg? Das hat nichts damit zu tun! Es ist einfach nur Morden! Der Krieg. Wenn ich zurück könnte, will ich zurück! Wenn ich raus könnte, will ich raus! Mir scheint, daß ich genug gearbeitet habe. Jetzt will ich nur irgendwie lebend zurück und in Japan bekannt machen, was ich erlebt habe. Aus meinem eigenen Mund will ich es erzählen. Die Militär-Experten erzählen klug, aber haben sie den Krieg erlebt? Das will ich sie fragen. Es geht eine Bombe nach der anderen nieder. Diese Typen, die dieses Grauen nicht erlebt haben und von sich geben, daß dieser Krieg notwendig ist, möchte ich niederschlagen. Das will ich im Moment am liebsten sagen. "Für den Krieg!", "Gegen den Krieg!", diese Leute, die es nicht selbst erlebt haben, sollen keine halbherzigen Sachen von sich geben. Das will ich ihnen sagen. Es gibt Dinge, die nur Leute verstehen, die die Bomben nicht von OBEN sondern von UNTEN erlebt haben.
[hier Foto, siehe
http://m17n.cool.ne.jp/kubota/2003/iraq9 ] Ein zerbombtes Regierungsgebäude. Man sagt, es sei das Bauministerium.
(24. 3. 2003 5:00 am (GMT +9:00) updated)
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Ergänzungen
Irak-Tagebuch von Hironobu Kubota 19.-23.3.
Update 3
Hier geht es weiter:
Update 4
Situation in Bagdad 2003-03-25