Lufthansa schiebt ab

Wolf Buchmann und Corinna Rüffer 12.03.2003 17:47 Themen: Antirassismus
Lufthansa schiebt 20jährigen irakischen Kurden gegen seinen Willen ab * Verwaltung der Airline verweigert Auskunft und Gespräche. * Privater Sicherheitsdienst fällt durch agressives Verhalten auf.
Lufthansa schiebt 20jährigen irakischen Kurden gegen seinen Willen ab * Verwaltung der Airline verweigert Auskunft und Gespräche. * Privater Sicherheitsdienst fällt durch agressives Verhalten auf.

Am Dienstag, dem 11. März 2003 trafen sich Mitglieder der "Karawane" (Frankfurt) und des Aktionsbündnisses "Eshagh muss bleiben!" (Trier) im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Die insgesamt 10 Aktivisten wollten die Abschiebung eines 20jährigen irakischen Kurden verhindern. Der junge Mann sollte mit dem Lufthansaflug Nr. 3492 um 9.10h ausgeflogen werden. Er war am Tag zuvor in Trier festgenommen worden. Nach seiner Festnahme schilderte er in einem Gespräch mit VertreterInnen des Aktionsbündnisses und einem Übersetzer seine Fluchtgeschichte. Er floh zunächst über die Türkei nach Griechenland, wo er zunächst mit 250 Flüchtlingen auf engstem Raum einige Wochen gefangen gehalten wurde. Später wurde er zusammen mit zehn anderen in einem Hühnerstall untergebracht. Dort zog er sich eine Hauterkrankung zu, die Ausschläge sind heute noch deutlich sichtbar. Er gab an, auf keinen Fall nach Griechenland zurück zu wollen, da ihm dort keine Möglichkeit gegeben worden war, einen Asylantrag zu stellen und er befürchtete, von dort in die Türkei abgeschoben zu werden.

Alle Versuche, mit Verantwortlichen der Lufthansa AG in Kontakt zu treten, scheiterten. Anfangs behauptete die Lufthansa noch, der Iraker stünde nicht auf der Passagierliste. Diese Information stellte sich später nach Angaben eines Beamten des BGS als falsch heraus. Die MitarbeiterInnen der Lufthansa AG bemühten sich nach Kräften, die Gruppe hinzuhalten und zu vertrösten. Immer wieder wurde versprochen, die verantwortliche „Supervisorin“ würde ein Gespräch mit der Gruppe führen. Stattdessen tauchten lediglich MitarbeiterInnen des privaten Sicherheitsdienstes auf, deren einzige Aufgabe darin bestand, die Gruppe von den MitarbeiterInnen der Lufthansa AG fernzuhalten. Ähnlich verliefen Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme. Wer das Glück hatte, zu einem vermeintlich zuständigen Mitarbeiter durchgestellt zu werden, erhielt von dort aber auch keine Antworten, teilweise wurden die Gespräche schon während der Formulierung des Anliegens abrupt abgebrochen.

Unseres Erachtens handelt es sich hierbei um eine neue Strategie der Lufthansa AG, Abschiebungen ungestört durchführen zu können. Dafür spricht beispielsweise auch, dass niemand bereit war, seinen Namen am Telefon zu nennen. Ganz offensichtlich nimmt das Unternehmen sein Versprechen, niemanden gegen seinen Willen abzuschieben, nicht mehr ernst.

Auch das Verhalten des Sicherheitsdienstes war überaus aggressiv. Da eine Kontaktaufnahme mit den Passagieren des Fluges nicht mehr möglich war, beschränkte die Gruppe ihre Aktivitäten in der Abflughalle darauf, mit den SchalterbeamtInnen der Lufthansa AG zu sprechen und Telefongespräche zu führen. Obwohl dies den Flughafenbetrieb offenkundig nicht beeinträchtigte, wurde die Gruppe aus der Halle verwiesen und mit der Polizei gedroht. Nachdem die Maschine abgehoben hatte, verließ die Gruppe das Gelände.

Kontakt nach Griechenland?

Leider hat das Aktionsbündnis keinen Kontakt nach Griechenland. ProAsyl Frankfurt bemüht sich darum, einen Kontakt nach Griechenland aufzubauen, um vor Ort Hilfe zu organisieren. Wenn jemand einen AnsprechpartnerIn für Flüchtlingsberatung in Griechenland vor allem in Athen, kennt, soll sich bitte mit uns in Verbindung setzen.

Kontakt:  eshagh-muss-bleiben@gmx.de
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Fliegen

tut nich zur Sache 13.03.2003 - 00:00

Wer ist Schroeder?

Spezial Demokrat? 13.03.2003 - 11:51