Heidelberg, 1.3.: Umzingelung des US-Army-Headquarter
In Heidelberg, nur einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt, befindet sich das europäische Hauptquartier der Landstreitkräfte der US-Army - neben der Frankfurter Air-Base eine zentrale Drehscheibe der Vorbereitungen zum Irakkrieg in Europa. Am Samstag Nachmittag gab es deshalb in Heidelberg eine Demonstration unter dem Motto "Kein Krieg gegen den Irak!", an der sich rund 5000 Menschen beteiligten. Für mich Grund genug, da auch mal vorbeizuschauen...
Um 14.00 Uhr begann die Auftaktkundgebung am Bismarckplatz. Ein breites Spektrum von Full-Time-Friedensbewegten über verschiedene Gruppen wie Linksruck, VVN/BdA, Kirchen, Gewerkschaften, US-Kriegsveteranen und Antifa bis hin zu unterschiedlichsten mehr oder weniger wichtigen Parteien (PDS, DKP, ÖDP, APPD und sogar Bündnis 90/Die Grünen) waren auf der Demo in unterschiedlicher Stärke vertreten. Vor allem die Heidelberger Antifa (AIHD) versuchte mit ihrem Liebknecht-Transparent ("Der Hauptfeind steht im eigenen Land") eigene, kritische Akzente zu setzen und auch auf die Kriegs- und Interessenpolitik der deutschen Bundesregierung hinzuweisen.
Zu Beginn der Demo wurden - neben den obligatorischen Flugblättern diverser Kleingruppen mit ihren jeweiligen Anliegen - auch Handzettel der Polizei verteilt, auf denen dazu aufgerufen wurde, das "Sicherheitsbedürfnis der US-Streitkräfte" zu beachten, dem US-Army-Gelände nicht zu nahe zu kommen, immer schön auf der Straße zu bleiben, verbale Provokationen zu unterlassen und keine Transparente an den Hochsicherheitszäunen anzubringen. Als dann auch noch von Veranstalterseite darum gebeten wurde, Militärfahrzeuge passieren zu lassen und einen "Sicherheitsabstand" von 2 Metern zur Umzäunung des Militärareals einzuhalten (was offenbar Auflagen des Staates waren, damit die Demo überhaupt stattfinden konnte!) fühlte ich mich unwillkürlich an Lenin erinnert, der einmal meinte, wenn die Deutschen eine Revolution machten und einen Bahnhof besetzten, dann lösten sie vorher immer erst mal eine Bahnsteigkarte.
Korrekt fand ich allerdings den ausdrücklichen Hinweis von Joachim Guilliard (Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg) zu Beginn der Veranstaltung, daß sich die Demo nicht gegen die USA als ganzes und auch noch nicht mal gegen den einzelnen US-Soldaten richtet, sondern einzig und allein gegen die Politik der US-Regierung (wofür er dann auch besonders viel Beifall der TeilnehmerInnen bekam). Wobei er übrigens später auf der Abschlußkundgebung auch kritisch auf die deutsche Militär- und Interessenpolitik der rot/grünen Bundesregierung einging.
Vom Bismarckplatz aus setzte sich die Demo, die in punkto Vielfalt und Buntheit einen Vergleich mit den aktuellen Karnevalsumzügen wohl kaum zu fürchten brauchte, in Bewegung. Vorneweg fuhr ein Wagen mit US-amerikanischer (sic!) ;-) Rockmusik, und mit Transparenten wie "Auge um Auge macht alle blind", "War is not the answer", "Gegen Krieg und deutschen Frieden" oder "Krieg ist immer Terror" (aber auch mehrere Laugenbrezeln waren als nonverbale Grußbotschaft an den US-Präsidenten vertreten) zogen dann nach Veranstalterangaben rund 5000 Menschen (was mir angesichts der fast unüberschaubaren Menschenmenge kaum übertrieben erscheint) vom Bismarckplatz durch die Rohrbacher-Straße und Rheinstraße zum US-Headquarter, wo wir schon von jeder Menge Sicherheitspersonal erwartet wurden. Das amerikanische Wohnviertel, das genau gegenüber dem Headquarter liegt, wurde hermetisch von der Polizei abgeriegelt - gegen wen oder was auch immer. Offenbar etwartete man sowas wie einen Bürgerkrieg, ausländerfeindliche Pogrome oder einen zweiten 11. September? In jedem Falle war diese Maßnahme völlig lächerlich und eine reine Provokation der DemoteilnehmerInnen, denen damit offen unterstellt wurde, eine Gefahr für amerikanische ZivilistInnen darzustellen.
Auffällig war, daß nur sehr wenige US-SoldatInnen zu sehen waren und man auch nicht auf das zivile Gelände der US-Wohnanlagen durfte... die Leute wurden also von der Polizei systematisch voneinander getrennt. Offenbar sollte niemand mit den US-AmerikanerInnen dort reden können, vielleicht auch, um unerwünschte "Nebenwirkungen" zu vermeiden. Das war allerdings auch gar nicht nötig, denn der Lautsprecherwagen trug die Botschaft der Demo sozusagen live in sämtliche Wohnzimmer im näheren Umkreis. Deshalb sprachen auch mehrere ehemalige US-Soldaten ("Vietnam Veterans Against the War", "Anti-War-Brigade") auf englisch zu ihren uniformierten Landsleuten, und natürlich deren Familienangehörigen.
Doch zunächst teilte sich der Demozug erst mal an der Rheinstraße, und das Headquarter (also der rein militärische Bereich) wurde von tausenden von Menschen mit einer Menschenkette "umzingelt". Eine eindrucksvolle Geste... Mensch gegen (Militär-)Maschine. Danach gab es dann eine große Abschlußkundgebung mit etlichen Rednern (Gewerkschaften, Heidelberger Antimiltaristen, amerikanische Veteranen etc., wie die alle hießen konnte ich mir aber leider nicht merken) und außerdem noch ein wenig Musik. Mit Abstand am besten gefiel mir persönlich dabei der Auftritt von David Ziegler, der aus seiner Akkustikgitarre doch so einiges rausholte und verschiedene Anti-Kriegs-Lieder mitreißend vorzutragen verstand. Klasse! Die Demo endete dann schließlich mit einer Unplugged-Version von Nenas "99 Luftballons".
Von Seiten des pogo-anarchistischen Blocks kam dann noch die fast schon geniale strategische Idee, daß man für solche Zwecke in Zukunft ganz gezielt "schlechte", gemeinhin als "untalentiert" geltende MusikerInnen engagieren sollte. So könnten zukünftige Kriege eventuell durch Dauerbeschallung von Kasernen und Kommandozentralen verhindert, und vielleicht sogar eine frühzeitige Kapitulation erzwungen werden! ;-)
Fazit: Ein Pop-Event der besonderen Art. Oft und gern bemühte Vorwürfe gegen die Friedensbewegung von wegen "Antisemitismus" oder "Antiamerikanismus" konnte ich (auf dieser Demo zumindest) nicht bestätigt finden. Im Gegenteil, gerade bei den amerikanischen Redebeiträgen war die Begeisterung der Menschen ja mit am größten. Lediglich am Ende wollte dann noch eine ältere Frau ne Unterschrift von mir haben - gegen deutsche Rüstungsexporte nach Israel. Das kam mir mit DIESER Betonung dann doch etwas seltsam vor. Nicht daß ich etwa FÜR irgendwelche Rüstungsexporte wäre - ganz im Gegenteil. Aber ich bin eigentlich gegen ALLE Rüstungsexporte, völlig egal aus welchem Staat sie kommen, und in welches Land sie gehen!
Für einen möglichen "Tag X" ruft das Heidelberger Antikriegsforum zu einer Versammlung um 18.00 Uhr auf dem Bismarckplatz auf. Von dort aus soll es dann zum Headquarter gehen, wo eine Blockade geplant ist - dann wohl auch ohne "Sicherheitsabstand"...
Zu Beginn der Demo wurden - neben den obligatorischen Flugblättern diverser Kleingruppen mit ihren jeweiligen Anliegen - auch Handzettel der Polizei verteilt, auf denen dazu aufgerufen wurde, das "Sicherheitsbedürfnis der US-Streitkräfte" zu beachten, dem US-Army-Gelände nicht zu nahe zu kommen, immer schön auf der Straße zu bleiben, verbale Provokationen zu unterlassen und keine Transparente an den Hochsicherheitszäunen anzubringen. Als dann auch noch von Veranstalterseite darum gebeten wurde, Militärfahrzeuge passieren zu lassen und einen "Sicherheitsabstand" von 2 Metern zur Umzäunung des Militärareals einzuhalten (was offenbar Auflagen des Staates waren, damit die Demo überhaupt stattfinden konnte!) fühlte ich mich unwillkürlich an Lenin erinnert, der einmal meinte, wenn die Deutschen eine Revolution machten und einen Bahnhof besetzten, dann lösten sie vorher immer erst mal eine Bahnsteigkarte.
Korrekt fand ich allerdings den ausdrücklichen Hinweis von Joachim Guilliard (Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg) zu Beginn der Veranstaltung, daß sich die Demo nicht gegen die USA als ganzes und auch noch nicht mal gegen den einzelnen US-Soldaten richtet, sondern einzig und allein gegen die Politik der US-Regierung (wofür er dann auch besonders viel Beifall der TeilnehmerInnen bekam). Wobei er übrigens später auf der Abschlußkundgebung auch kritisch auf die deutsche Militär- und Interessenpolitik der rot/grünen Bundesregierung einging.
Vom Bismarckplatz aus setzte sich die Demo, die in punkto Vielfalt und Buntheit einen Vergleich mit den aktuellen Karnevalsumzügen wohl kaum zu fürchten brauchte, in Bewegung. Vorneweg fuhr ein Wagen mit US-amerikanischer (sic!) ;-) Rockmusik, und mit Transparenten wie "Auge um Auge macht alle blind", "War is not the answer", "Gegen Krieg und deutschen Frieden" oder "Krieg ist immer Terror" (aber auch mehrere Laugenbrezeln waren als nonverbale Grußbotschaft an den US-Präsidenten vertreten) zogen dann nach Veranstalterangaben rund 5000 Menschen (was mir angesichts der fast unüberschaubaren Menschenmenge kaum übertrieben erscheint) vom Bismarckplatz durch die Rohrbacher-Straße und Rheinstraße zum US-Headquarter, wo wir schon von jeder Menge Sicherheitspersonal erwartet wurden. Das amerikanische Wohnviertel, das genau gegenüber dem Headquarter liegt, wurde hermetisch von der Polizei abgeriegelt - gegen wen oder was auch immer. Offenbar etwartete man sowas wie einen Bürgerkrieg, ausländerfeindliche Pogrome oder einen zweiten 11. September? In jedem Falle war diese Maßnahme völlig lächerlich und eine reine Provokation der DemoteilnehmerInnen, denen damit offen unterstellt wurde, eine Gefahr für amerikanische ZivilistInnen darzustellen.
Auffällig war, daß nur sehr wenige US-SoldatInnen zu sehen waren und man auch nicht auf das zivile Gelände der US-Wohnanlagen durfte... die Leute wurden also von der Polizei systematisch voneinander getrennt. Offenbar sollte niemand mit den US-AmerikanerInnen dort reden können, vielleicht auch, um unerwünschte "Nebenwirkungen" zu vermeiden. Das war allerdings auch gar nicht nötig, denn der Lautsprecherwagen trug die Botschaft der Demo sozusagen live in sämtliche Wohnzimmer im näheren Umkreis. Deshalb sprachen auch mehrere ehemalige US-Soldaten ("Vietnam Veterans Against the War", "Anti-War-Brigade") auf englisch zu ihren uniformierten Landsleuten, und natürlich deren Familienangehörigen.
Doch zunächst teilte sich der Demozug erst mal an der Rheinstraße, und das Headquarter (also der rein militärische Bereich) wurde von tausenden von Menschen mit einer Menschenkette "umzingelt". Eine eindrucksvolle Geste... Mensch gegen (Militär-)Maschine. Danach gab es dann eine große Abschlußkundgebung mit etlichen Rednern (Gewerkschaften, Heidelberger Antimiltaristen, amerikanische Veteranen etc., wie die alle hießen konnte ich mir aber leider nicht merken) und außerdem noch ein wenig Musik. Mit Abstand am besten gefiel mir persönlich dabei der Auftritt von David Ziegler, der aus seiner Akkustikgitarre doch so einiges rausholte und verschiedene Anti-Kriegs-Lieder mitreißend vorzutragen verstand. Klasse! Die Demo endete dann schließlich mit einer Unplugged-Version von Nenas "99 Luftballons".
Von Seiten des pogo-anarchistischen Blocks kam dann noch die fast schon geniale strategische Idee, daß man für solche Zwecke in Zukunft ganz gezielt "schlechte", gemeinhin als "untalentiert" geltende MusikerInnen engagieren sollte. So könnten zukünftige Kriege eventuell durch Dauerbeschallung von Kasernen und Kommandozentralen verhindert, und vielleicht sogar eine frühzeitige Kapitulation erzwungen werden! ;-)
Fazit: Ein Pop-Event der besonderen Art. Oft und gern bemühte Vorwürfe gegen die Friedensbewegung von wegen "Antisemitismus" oder "Antiamerikanismus" konnte ich (auf dieser Demo zumindest) nicht bestätigt finden. Im Gegenteil, gerade bei den amerikanischen Redebeiträgen war die Begeisterung der Menschen ja mit am größten. Lediglich am Ende wollte dann noch eine ältere Frau ne Unterschrift von mir haben - gegen deutsche Rüstungsexporte nach Israel. Das kam mir mit DIESER Betonung dann doch etwas seltsam vor. Nicht daß ich etwa FÜR irgendwelche Rüstungsexporte wäre - ganz im Gegenteil. Aber ich bin eigentlich gegen ALLE Rüstungsexporte, völlig egal aus welchem Staat sie kommen, und in welches Land sie gehen!
Für einen möglichen "Tag X" ruft das Heidelberger Antikriegsforum zu einer Versammlung um 18.00 Uhr auf dem Bismarckplatz auf. Von dort aus soll es dann zum Headquarter gehen, wo eine Blockade geplant ist - dann wohl auch ohne "Sicherheitsabstand"...
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
5000?
Aber letztlich ist die genaue Zahl egal. Wichtig ist eigentlich mehr, daß endlich mehr passiert als nur Demonstrationen und Lichterketten. Der Krieg kann nur durch Widerstand aufgehalten werden.
Der Spruch vom Hauptfeind... ist meiner Meinung nach für viele zu schwer verständlich. Viele Leute sind einfach total unbewusst und haben ihre politische Bildung aus Sat1 und Spiegel. Es sollte überlegt werden, wie denen mehr Wissen vermittelt werden kann.
Zum 2.Absatz im Text
Wie weit gehts denn noch?
Verhindern wir bald auch Castortransporte nur noch symbolisch? So mit Anmeldung "Hallo Polizei, wir würden gerne ein bischen Gleis symbolisch besetzen. Kann auch eine Woche nach dem Transport sein"
Kein Wunder, daß nun die von den irischen Friedensaktivisten verhinderten Flüge über Deutschland laufen...
Heidelberg
Von der Menschenkette hab ich wenig mitbekommen, standen mit nem Schild beim Wagen.
Misslungen fand ich den musikalischen Part der singenden Frau, das war eher zum weglaufen.
Trotzdem eine gute Demo, auch wenn man nicht ,wie nach der Schülerfriedensdemo in HD, mit den Soldaten kommunizieren konnte.
Achso, und als Heidelberg kann ich sagen, Hurra, die Amis wollen einen Teil ihrer Trupen abziehen (laut spiegelonline).
na mods ?
toll !
ihr verteidigt wohl lieber querfront leute, super für ein linkes online project...
Vielleicht...
Beschimpfungen und Diffamierungen werden genauso rausgenommen, wie Nazizeugs. Obiger Text scheint aber kein Nazi-Text zu sein - im Gegenteil. Der ist reflektierter und "linker" als manch anderer Text hier.
Noch was zu "links": Indymedia ist emanzipatorisch, aber nicht links. Wo ist der Unterschied? "links" umfasst auch politische Ideolgien, wie Stalinismus, ML usw. und ist sehr fest. Viele Anarchisten, Grassroots-Leute usw. würden sich hingegen niemals als "links" bezeichnen. Ausserdem hat Indy keine inhaltliche Vorgabe (mal abgesehen von den Ausschlusskriterien), sondern lediglich strukturelle (Nachrichten selbermachen).
Tag X - bundesweit Aktionen
krieg dem krieg - nach innen + außen!
Guten Morgen....!
@ Puh: was wolltest Du denn über mich schreiben? Wie gesagt, ich bin absolut nicht dafür daß hier irgendetwas gelöscht wird wegen mir. Ich bin jederzeit bereit, mich berechtigter Kritik an meiner Meinung zu stellen und darauf einzugehen. Allerdings ist die altbekannte "Nazi"-Leier langsam doch etwas... öde.
Daß ich mich u.a. auch an der Diskussion auf der Seite querfront.de beteilige ist wohl allgemein bekannt, daß ich eben genau dort alles andere als nationale oder gar nazistische Positionen vertrete (s. z.B. die aktuelle Diskussion um "Dritte Welt" und Migration/Abschiebungen im Querfront-Forum "Q-Stall"), ebenfalls. Und wer es noch nicht weiß, aber trotzdem das dringende Bedürfnis verspürt, irgendetwas über mich schreiben zu müssen... kann es ebenda gern jederzeit nachlesen, wie ich so denke und drauf bin.
@ irgendwer: die AIHD hat ja auch eigene Flugblätter verteilt, die den "Hauptfeind"-Spruch etwas näher erläutern. Also, ich denke mal - wer lesen kann, der rafft das auch...
@ Anmerker: ja, ich fand das auch etwas... kurios. Lenin hatte wohl irgendwo recht... was ich allerdings gut fand war, daß sich die Polizei auch so aktiv und entschlossen an der Umzingelung des Headquarter beteiligte! ;-)
@ Feanor: ja, die "singende Frau" paßte irgendwie nicht so ganz in diesen Rahmen. Allerdings könnte sie evtl. auch Teil einer genialen anti-militaristischen Zermürbungstaktik gewesen sein ;-)
hallo mods
na, dann grüßt mir mal die nationalanarchisten...
ich halte es mit erich mühsam :
für den kommunistischen anarchismus !
querfronten smashen
p.s.: stehenlassen !
@ "anarchist"
Mißverständnis?
Auch ein Standpunkt, wenn auch kein wirklich LINKER!
Zu den Anmerkungen von wegen Links or not Links auf Indymedia:
Auf die Frage "Wie ist die Verbindung von Indymedia und der "Anti-Globalisierungs"-Bewegung?" ist in den FAQs folgende, weitreichende Antwort gegeben worden:
"Bei Indymedia sind Berichte gegen die kapitalistische Globalisierung ein Schwerpunkt. Bei den meisten Anti-Globalisierungs-Protesten sind Leute von indymedia vor Ort und versuchen eine Berichterstattung zu organisieren. In Kooperation mit anderen IMCs baut indymedia.de bei Events eine Infrastruktur in Form von Internetcafés oder Verleih von Kameras, Aufnahmegeräten für alle Globalisierungskritiker auf. Übrigens finden wir den Begriff Anti-Globalisierungsbewegung falsch. Darum sprechen wir von KritierInnen der kapitalistischen Globalisierung."
Ob man mag oder nicht ist die einzig relevante und richtige Nomenklatur für eine solche politische Richtung >Links< !!!
Wer diese Begriffe meidet, macht dies mit dem (bewussten oder unbewussten?) Hintergrund, eine Nähe der beiden Lager (Links und Rechts) herbeizureden, die so nicht vorhanden ist. So gerne Schilly und Konsorten Nazis und Autonome, NPD und KPD, kurz: rechts und links in EINEN extremistischen Topf werfen, so sehr sollte man sich von den anderen Positionen differenzieren. So ist "unsere" Kritik an Kapitalismus und ökonomischer Globalisierung und Liberalisierung beruhend auf klassischen linken Theorien, wie dem Versorgungsprinzip, Gleichheitsgrundsätzen, libertären Gedanken und freiheitlichen Theorien. Der Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch.
Rechte hingegen fürchten den Verlust nationaler Identität, die ohne Bedenken als Konstrukt bezeichnet werden kann, Rechte sehen kosmopolitische Tendenzen als kulturgefährdend an und sehen "nationale Interessen" als primäre Argumente an. Der Mensch ist entweder Deutscher oder Nicht-Deutscher, also entweder Freund oder Nicht-ganz-Freund! Das bringt mich zu Erik und ähnlichen Vögeln: Sie sprechen davon, daß Links und Rechts einschränkende Kategorien seien, die ihren ach so weitausufernden Hirnen nur eine Beschränkung aufbürden. So zumindest kann man folgendes verstehen: "Diese politischen Zuordnungen (Links und Rechts, d. A.) empfinden Querfrontler als falsch und unrealistisch; sie (die Querfrontler, d. A.) wollen und können sich in das orthodoxe politologische Schema nicht einordnen; es entspricht nicht ihrem Empfinden, ihren Erfahrungen und Einschätzungen; sie lehnen diese Zuordnungen ab und unterwerfen sich ihnen nicht."
Schick, aber gelinde gesagt ist das revisionistisch und anti-emanzipatorisch, was wiederum den Indy-Grundsätzen widerspricht. Die Idee, die dahinter steckt, scheint mir (übrigens in ähnlicher Manier auch bei APPD zu finden) so einfach wie falsch: "Der Feind meiner Feinde ist mein Freund!"
Weder bin ich ein Freund Saddams durch meine tiefe und fast leidenschaftliche Abneigung gegen George W., noch kann jemand, der angeblich durch die BRD-Justiz verfolgt wird (NPD-Verbotsverfahren) sich meiner blinden Solidarität gewiss sein. Man sollt doch genau diese Unterschiede herauskehren, anstatt diese wegzulügen. Soll heissen: Volksfront gegen Faschismus und Krieg statt Qurfront! VULGO: Erik Birdy, PISS OFF!
Die Grünen haben den grössten Banner gehabt
Der Redner der Forums hat entsprechend wenig Applaus geerntet.
Die Umzingelung war ja wohl ein Witz... vor allendingen "Wir haben ein Loch gelassen, das soll den Ausweg für die amerikansiche Regierung darstellen"
Besser gehts nicht.
Naja, ich glaube die Amis fandens ganz lustig, einige ham sich hingestellt und fotografiert. Nur dem einem in seinem Auto wurde ein bissel unheimlich, da hat er halt n peace-zeichen in die richtung der demonstranten geworfen und ist vorbeigefahrn... so n paar Kinder ham die Hippies beschimpf. (fand ich eigentlich ganz korrekt)
Also, die Musik war schrecklich, da würd ich mal den PogoAnarchisten zustimmen. Vielleicht lässt sich sowas organisieren :p
Ich fand die Aktion ziemlich fürn Arsch. Wenn mal was ohne Grüne organisiert wird bin ich dabei, sonst nich.
Zu dem was Heinz Eugen schreibt
So mag das vielleicht in einem binären Weltbild sein, unter dem besonders Anhänger autoritärer Ideologen leiden (klar: binär macht möglich, alle mit anderer Meinung als DER Gegner zu bezeichnen, "wer nicht so denkt wie ich, ist Nazi").
Dennoch: Progressiv ist ein wesentlich besser Begriff:
Die Teile der Linke, die einem Stalin oder Wertmüller huldigen sind im Begriff Progressiv nicht enthalten
Antikapitalistische Strömungen, die sich nicht als links bezeichnen, sind aber drinn - übrigens auch Strömungen die nicht explizit antikapitalistisch sind (Basischristen, attac, Ökos, ...)
Wenn jetzt Heinz van Eugen schreibt, daß "Wer diese Begriffe meidet, macht dies mit dem (bewussten oder unbewussten?) Hintergrund, eine Nähe der beiden Lager (Links und Rechts) herbeizureden, die so nicht vorhanden ist.", dann ist dies eine Unterstellung, wie sie nur von autoritären Ideologen stammen kann.
Ich will die gesamte politische Ebene des paralementarischen und ideolgischen Denkens verlassen. Mir ist eine Ebene, wo bestimmte Dinge (eben kein Rassismus und Antisemtismus und Sexismus, dafür ein humanistisches Menschenbild) einfach Grundlage sind, wesentlich lieber. Eine Querfront, wie die zitierte ("rechts und links are united") wäre auf dieser Ebene nicht mehr möglich. Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens (oder was auch immer Rechte tun) zu bewerten, ist völlig absurd und abzulehnen.
Vornehmlich gut
Passendes Zitat
"You cannot make revolution! You cannot buy it! It exists in your soul or nowhere!"
apropos querfront
Stars & Stripes
@ Heinz & Jupp
1.) "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ist eine "Idee", die ich selbst als falsch ansehe. Schon gar nichts hat sie mit der Querfront-Seite zu tun, wie Du meinst. Dort geht es (genausowenig wie auf Indymedia, wo auch viele Leute miteinander diskutieren, die ideologisch nicht einmal die kleinste gemeinsame Schnittmenge miteinander teilen) nicht darum, sich gegen irgendeinen gemeinsamen "Feind" zu verbünden, sondern ganz banal, um freien Meinungsaustausch und Kommunikation. Was sich daraus ergibt, liegt in den Sternen. Bis jetzt jedenfalls ist daraus noch kein einziges "Bündnis" o.ä. entstanden - ganz einfach deshalb, weil die von Dir hier genannte "Der Feind meines Feindes"-Idee bei so unterschiedlichen Ansichten und Wertesystemen überhaupt nicht praktikabel ist. Und daß diese von der APPD in irgendeiner Weise kultiviert wird, ist mir ebenfalls nicht bekannt - worauf beziehst Du Dich da genau?
2.) Ich bestreite in keiner Weise, daß es riesige, fundamentale Unterschiede zwischen politischen Meinungen, Weltbildern etc. gibt, ganz im Gegenteil! Und am allerwenigsten wird dies wohl ausgerechnet von der Querfront-Seite in Frage gestellt, wo ja (durch die direkte Konfrontation, die sie ganz bewußt zuläßt) gerade eben diese Unterschiede, die ansonsten im Krieg der Phrasen und Parolen (die sich ja oft verblüffend ähnlich anhören) eher untergehen, überhaupt erst richtig offenbar und sichtbar werden. Wer nach einem Blick ins Querfront-Forum immer noch glaubt, daß "Querfront" (also die im klassischen Sinne, von wegen Zweckbündnis o.ä.) möglich sei, und es da keine grundlegenden Unterschiede gibt, muß wohl Analphabet sein.
3.) Was "links" und "rechts" betrifft, so hast Du Recht wenn Du feststellst, daß ich mich damit nicht einzuordnen vermag. Die Begründung dafür ist allerdings nicht "revisionistisch" (?!) oder "antiemanzipatorisch", sondern ganz im Gegenteil: sie ist Teil meiner ganz eigenen Lebensgeschichte und meiner persönlichen Emanzipation. Ich kann das gerne noch näher erläutern, falls Interesse bestehen sollte. Jedenfalls ist ein plattes "piss off birdy" wohl etwas daneben, wenn es nicht etwa aus irgendwelchen kritikwürdigen Ansichten/Meinungen meinerseits, sondern einzig und allein aus der Tatsache resultiert, daß ich es einfach ablehne mir ein bestimmtes Label verpassen zu lassen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Und das für mich, meine Meinung und mein ganzes Leben schlichtweg völlig irrelevant ist.
@ Jupp Sommer: Mit "Quatschfront" liegst Du gar nicht so falsch, denn das ist im Grunde ja der eigentliche Sinn der Q-Seite: Menschen unterschiedlichster Weltanschauung treffen sich, um miteinander zu "quatschen". Und mehr nicht. Right. Allerdings ist es nicht richtig, daß eine Diskussion mit NationalistInnen "zu nichts führt", wie Du schreibst (mal abgesehen davon, daß eine Diskussion ja auch nicht zwangsläufig zu irgendetwas "führen" muß, sondern auch einfach nur Selbstzweck sein kann, um z.B. neue Perspektiven kennenzulernen, seine eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen, den eigenen Horizont zu erweitern usw.). Das genaue Gegenteil ist richtig, und zwar nachweislich: ich selbst bin sozusagen der lebende Beweis dafür, daß die Behauptung, es "führe zu nichts" mit NationalistInnen zu diskutieren, einfach nur eine faule Ausrede ist um sich unangenehme Diskussionen vom Hals zu halten, die natürlich ungleich schwieriger und auch intellektuell wesentlich aufwendiger sind als Nachts irgendwelche Sprühparolen an Hauswänden anzubringen, auf Demos 1000 mal wiedergekäute Parolen nachzugrölen, Pflastersteine zu werfen oder Steckbriefe ("Dein Nachbar ein Nazi") in der Nachbarschaft zu verteilen (was natürlich auch alles zu so viel mehr "führt" als Diskussionen... klar!) ;-) Ich komme selbst ursprünglich aus besagtem Spektrum, und wäre dort sehr wahrscheinlich auch heute noch, wenn alle Menschen so denken würden wie Du es hier schreibst. Natürlich kannst Du mir "vorwerfen", mit diesen Leuten einen Dialog zu führen - allerdings wüßte ich dann schon ganz gerne, worin dieser "Vorwurf" eigentlich konkret bestehen soll? Bis dahin ist es ja nur eine bloße Tatsachenfeststellung, kein (begründeter) Vorwurf.
Das Zitat von Tom Robbins gefällt mir. Da steckt ne Menge (durchaus erschreckende) Wahrheit drin, wie ich finde... aber was hat das nun genau mit Querfront zu tun? Wer Macht, Kontrolle und Einfluß erreichen will, ist bei einer so marginalen Seite wie querfront.de wohl etwas fehl am Platze. Nicht umsonst hat die Seite ja den TSS-Slogan "Die letzte Schlacht gewinnen wir" ins genaue Gegenteil abgeändert (siehe Titelseite) - um eben genau diesen Typus "Machtmensch" (von dem hier die Rede ist) fern zu halten, der meint, daß es da vielleicht irgendwas für sich zu "holen" gibt, um Macht und Einfluß zu gewinnen o.ä. entsprechend gering ist übrigens auch die Resonanz.
By the way, wer ist eigentlich Tom Robbins? Muß man den kennen? Hab den Namen leider noch nie gehört... aber was er da sagt deckt sich jedenfalls mit meinen Beobachtungen ziemlich genau.
FRIEDEN - FREIHEIT - ABENTEUER!
Erik
Nochmal zur Querfront
Dass es bessere Begriffe gibt als "Links" und "Rechts" (vielleicht eben genau diese: "Progressiv" und "konservativ") möchte ich nicht bestreiten, doch die Theorie, dass es sich bspw bei Indymedia um ein Sammelbecken "Andersdenkender" jedweder Strömung handelt, oder handeln sollte, ist gefährlich in dem Sinne, wie ich versuchte darzulegen mit dem angeführten Zitat ("Wer diese Begriffe meidet, macht dies mit dem (bewussten oder unbewussten?) Hintergrund, eine Nähe der beiden Lager (Links und Rechts) herbeizureden, die so nicht vorhanden ist.")
Sicherlich ist die Nomenklatur nicht so wichtig, dass wir nur LINKS und nicht PROGRESSIV sagen sollten. Doch geht es um die Vorstellung, dass es unüberwindbare Barrieren zwischen den Polen RECHTS und LINKS gibt (was keineswegs DUALISTISCH gemeint ist, auch nicht binär, eher schon antagonistisch), die es zu betonen gilt um beispielsweise eben bei einer Demo gegen den Irak-Krieg Antiamerikanismus zurückzuweisen, der in der Wurzel (mindestens oft, wenn nicht gar immer) Antisemitismus ist!
Zu dem Vorwurf, man könne mit diesen Kategorien nur in eine 0-1-0-1 Denkweise (manche möchten auch sagen „schwarz-weiß“) verfallen, möchte ich antworten, dass es bei einem Schwarzweißbild auch Graustufen geben kann. Das Begriffspaar Links / Rechts ist nicht absolut zu sehen sondern immer relativ: Historisch gesehen, regional gesehen. Beispiele? Gerne: (a) Studentenverbindungen können in der Mitte des 19. Jhd. durchaus als progressive Kräfte bezeichent werden. Und heute? (b) Kommunisten und Faschisten sind in Italien bereits Koalitionen eingegangen! Man stelle sich das in Spanien vor!
Was wichtiger ist: RECHTS heisst rechts von mir, aber kann eben von SPD über CDU über REPS bis zur NPD reichen, die ja allesamt NICHT auf dem selben rechten Level stehen. Differenzierte Betrachtung ist da schon vonnöten! Schröder ist nicht Stoiber ist nicht Mahler ist nicht Worch!
Last but not least möchte ich noch betonen, dass Ideologien in keiner Weise in Widerspruch stehen zu progressiven Ideen, Idealismus im Hegelschen / Marxschen Sinne (bei beiden sind die Begriffe ja ein wenig durcheinander geraten) natürlich schon; ich kann mich übrigens ruhigen Gewissens als Anhänger einer Ideologie und (nicht nur trotzdem sonder genau deshalb) als Feind von autoritären Ideologien bezeichnen.
an Erik Vogel:
1) Mit einem (?!) versuchtest du Kritik bezüglich revisionistischer Aspekte der Querfront-Idee abzuschmettern, vielleicht sollte es auch nur Ausdruck von Unverständnis sein. Ein Beispiel: die Rekapitulation der Geschichte des Nazi-Regimes mit dem Ziel der Leugnung von Verbrechen (=Revisionismus) weist durchaus diese Argumentation in der speziellen Form auf. So soll z.B. der sog. linke Flügel der NSDAP eben sozialistisch gewesen sein (und damit akzeptabel) und nur durch die bösen Machtmenschen Goebbels und Göring etc. seien die Nazis verkommen. Das Autobahn-Argument! NEIN, Erik, weder dich noch sonst einen Vogel der Querfront möchte ich mit den Nazi-Größen vergleichen, aber der Kern meines Vergleichs zielt darauf ab, dass die Nazis eben Nationalisten waren und dadurch schon gar nicht Sozialisten sein konnten: diametral, antagonistisch, sich widersprechend und gegenseitig ausschließend!!! Insofern versucht jemand, der die Existenz von LINKS und RECHTS in einem antagonistischen Verhältnis nicht einsieht, die Geschichte neu zu schreiben! Ich gestehe, das ist nicht direkt einleuchtend, aber ich hoffe es wird verstanden.
Ein Querverweis zu Herrn Stoiber sei noch erlaubt, der darauf hinwies, dass das "S" in NSDAP schliesslich für sozialistisch stehe, was die Nazi-Diktatur ja zu einer sozialistischen mache. Soviel zu Querfront-Denken, diesmal von der "anderen Seite"!
2) "Meinungsaustausch und Kommunikation", so wird behauptet, sei das hehre Ziel von Querfront. Dabei solle man doch auch sehen, dass das nicht mit dem Zweck geschehen soll, ein Ziel erreichen zu wollen, "sondern auch einfach nur Selbstzweck sein kann, um z.B. neue Perspektiven kennenzulernen, seine eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen, den eigenen Horizont zu erweitern usw".
Klingt toll, wie auf einem Managerseminar in Kloster Andechs oder bei einem Selbstfindungskurs: "Jede Meinung ist toll, jeder Mensch wertvoll!"
So leid es mir tut und so sehr mein durch und durch liberales Herz blutet: NEIN, Gespräche mit Rechten brauche ich nicht!
Es gibt Diskussionen, die nicht geführt werden müssen, u.a. mit Nationalisten, Rassisten und Antisemiten. (Jene drei Kategorien seien aber getrennt voneinander gesehen, ich möchte da nix gleichsetzen!)
Um mal einen Schlusspunkt zu setzen möchte ich das NEIN mit zwei Zitaten untermauern.
"Mit Nazis reden? Warum? Haben sie einem etwas zu sagen?" (Wiglaf Droste;
"Wenn du keine Meinung hast darfst du dich zumindest tolerant nennen!" (Unbekannt)
alles schonmal dagewesen